Runde zwei

Der Kardinalsrat geht in die zweite Runde. Heute begann im Vatikan das dreitägige Treffen der K8-Gruppe. Nachdem beim letzten Mal Anfang Oktober eine allgemeine Themensammlung sowie die Bischofssynode auf dem Programm standen, geht es dieses Mal explizit um die römische Kurie. Erste Behörde, über die am Vormittag gesprochen wurde, war die Gottesdienstkongregation. Bis Donnerstagabend beraten die acht Kardinäle unter der Leitung des Moderators, Kardinal Oscar Rodriguez Maradiaga. Papst Franziskus wird fast die ganze Zeit an den Sitzungen teilnehmen. Es wird allerdings bis zum Ende des Treffens noch keine konkreten Vorschläge für die Kurienreform geben.

Arbeitssitzung mit dem Papst - das K8-Treffen in Santa Marta im Vatikan. (dpa)

Vatikansprecher Federico Lombardi betonte heute noch einmal gegenüber Journalisten, dass es bei der anstehenden Reform nicht nur um Kosmetik geht, sondern um eine grundlegende Neuorganisation der römischen Kurie. Es wird also nicht nur eine Revision der aktuellen „Kurienkonstitution“ Pastor Bonus geben, sondern am Ende wird eine neue Apostolische Konstitution stehen. Dieser Prozess brauche Zeit. Lombardi erklärte, dass die Kardinäle jetzt „in die Tiefe“ gingen, um entsprechende Vorschläge auszuarbeiten. Er rechnet damit, dass nach dem nächsten Treffen, das am 17./18. Februar stattfinden wird, Grundlinien einer Reform da sein werden, die der Papst auf dem direkt im Anschluss stattfindenden Konsistorium Mitte Februar mit allen Kardinälen breit diskutieren wird.

Beim Treffen im Februar wollen sich die acht Kardinäle auch mit den Beratungen der verschiedenen Prüfkommissionen zu Finanz- und Güterfragen beschäftigen, die Papst Franziskus im Sommer eingesetzt hat. Dann dürften Vertreter dieser Kommissionen mit dem K8-Rat zusammentreffen. Dieses Mal ist laut Lombardi als einziger Gast der neue Staatssekretär, Erzbischof Pietro Parolin, zu einem Treffen mit den Kardinälen „geladen“.

Über die Inhalte der Beratungen hüllen sich die acht Purpurträger, darunter der Münchner Erzbischof Reinhard Marx, in Schweigen. Klar ist, dass es um neue Zuschnitte der einzelnen Vatikanbehörden geht. Es dürfte Fusionen mehrerer Dikasterien geben. Das wurde hier ja schon an anderer Stelle ausführlich beschrieben. Am Ende dürfte es eine Laien-Kongregation geben, d.h. die Laien werden aufgewertet. Möglicherweise wird es auch einen „moderator curiae“ geben; also einen Koordinator der verschiedenen Kurienbehörden. Bisher ist das eigentlich Aufgabe des Staatssekretärs. Doch der könnte sich künftig auf die politischen Aufgaben konzentrieren. Andere möchten das Staatssekretariat gerne eher als „Papstsekretariat“ sehen und ihm damit eher die politischen Dimension entziehen. Hier gibt es also noch Gesprächsbedarf.

Fest steht, der Papst – und mit ihm eine große Zahl von Kardinälen – möchte, dass der Dienstcharakter der römischen Kurie wieder deutlicher zum Ausdruck kommt. Was das konkret bedeutet, ist allerdings noch nicht klar.

P.S.Zur Erinnerung: Die übrigen Kardinäle der K8-Gruppe sind: Kardinal Giuseppe Bertello, Chef des Vatikanstaats, Kardinal Francisco Javier Errázuriz Ossa, emeritierter Erzbischof von Santiago de Chile, Kardinal Oswal Gracias, Erzbischof von Bombay, Kardinal Seán Patrick O’Malley, Erzbischof von Boston, Kardinal Laurent Monsengwo Pasinya, Erzbischof von Kinshasa, und Kardinal George Pell, Erzbischof von Sydney.

P.P.S. Papst Franziskus hat weitere Schritte zum Abbau „höfischer“ Traditionen gemacht. Seine privaten Sekretäre wie etwa der Malteser Alfred Xuereb tauchen seit einiger Zeit nicht mehr in der Öffentlichkeit auf. Sekretäre gehören an den Schreibtisch und nicht an die Seite des Papstes bei öffentlichen Auftritten, lautet die Devise. Bei Audienzen ist an der Seite des Papstes jetzt neben dem Präfekten des Päpstlichen Hauses, Erzbischof Georg Gänswein, ein weiterer Mitarbeiter der Präfektur statt eines Privatsekretärs. Einziger Vertreter aus dem engeren Umfeld des Papstes ist noch der Kammerdiener, Sandro Mariotti. Auch bei den Liturgien gab es vor wenigen Wochen eine Änderung. Die Päpstliche Familie zieht nicht mehr mit dem Papst in die Kirche ein. Bisher war es üblich, dass hinter dem Papst noch Teile der Päpstlichen Familie in der Prozession liefen wie etwa der Präfekt des Päpstlichen Hauses, der Almosenmeister oder der Leibarzt. Doch Franziskus möchte keinen Anhang und hat diese Tradition abgeschafft.

P.P.P.S. Ganz langsam füllt sich der Reisekalender des Papstes. Drei internationale Reisen dürften es 2014 werden. Die erste führt Franziskus Ende Mai ins Heilige Land. Die Bürgermeisterin von Bethlehem erklärte gestern, Franziskus werde am 25. Mai in der Geburtsstadt Jesu sein. Schon vor Tagen hatten israelische Medien gemeldet, der Papst besuche am 25. und 26. Mai Israel. Bisher gibt es dafür keine offizielle Bestätigung. Franziskus dürfte seine Nahostreise wie schon sein Vorgänger Benedikt XVI. im Mai 2009 in Jordanien beginnen. Ob er dann neben Israel und den Palästinensergebieten auch noch den Libanon oder den Irak besuchen wird, ist völlig offen. Beide Länder hoffen auf eine Visite des Pontifex. Unklar ist auch, ob Franziskus in Jerusalem den Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. von Konstantinopel treffen wird. Dieser hatte den Papst zu einer gemeinsamen Pilgerfahrt nach Jerusalem eingeladen, um an die historische Begegnung von Papst Paul VI. und Patriarch Athenagoras im Januar 1964 zu erinnern. Damals hatten sich erstmals seit der Kirchenspaltung im Jahr 1054 wieder ein Papst und das Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie getroffen. Möglich ist aber auch, dass Papst Franziskus den Ökumenischen Patriarchen erst bei einem Besuch zum Andreasfest Ende November 2014 in Istanbul trifft. Die Reise ins Heilige Land war natürlich auch Thema beim Besuch von Israels Ministerpräsident Netanjahu gestern im Vatikan.

"Franziskus 1223 - Franziskus 2013" lautet das Motto der Krippe in diesem Jahr in Anspielung auf die weltweit erste Krippendarstellung, die der heilige Franziskus 1223 im italienischen Greccio inszenierte.

P.P.P.P.S. Im Vatikan haben die Arbeiten für die Krippe auf dem Petersplatz begonnen – rund 10 Tage später als in den vergangenen Jahren. Ob das auch bedeutet, dass die Krippe bescheidener ausfällt als in früheren Jahren, wird sich erst bei der Enthüllung am 24. Dezember zeigen. Im Rahmen der Vatileaks-Affäre war 2012 bekannt geworden, dass die rund 300qm große Krippe im Jahr 2009 mehr als 500.000 Euro gekostet hat. Daraufhin hatte Papst Benedikt XVI. für 2012 auf eine bescheidenere Krippe gedrängt. Die Kosten von rund 90.000 Euro hatten Sponsoren aufgebracht. Die Unterhaltskosten für den Vatikan lagen bei 22.000 Euro.

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Jürgen Erbacher

Seit 2005 berichte ich für die ZDF-Redaktion „Kirche und Leben katholisch“ über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.