Tratsch im Vatikan verboten!

Olala – das war einmal mehr ein typischer Franziskus heute Morgen beim Gottesdienst mit der vatikanischen Gendarmerie in den vatikanischen Gärten. Die Messe fand aus Anlass des Schutzpatrons der Truppe, Erzengel Michael, statt. Und einige der rund 150 Gendarmen dürften sich wohl die Augen gerieben haben, was ihr oberster Dienstherr da sagte. Er warnte vor Geschwätzigkeit und Zwietracht im (kleinen) Staate. Klatsch und Tratsch sei eine „verbotene Sprache“ im Vatikan. Es gehe um äußere und innere Feinde, etwa den Teufel der Zwietracht, vor dem die Gendarmen den Vatikan beschützen sollten.

Zwar gehe es natürlich um die Abwehr von Dieben und Verbrechern, aber Napoleon kehre nicht mehr zurück, und es sei auch unwahrscheinlich, dass ein Heer kommen werde, um die Vatikanstadt einzunehmen, erklärte Franziskus. Der Krieg heute sei ein anderer, zumindest im Vatikan, ein Krieg zwischen Licht und Dunkel, Tag und Nacht. „Es ist ein Krieg, den man nicht mit den Waffen führt, die wir kennen: man führt ihn mit der Sprache.“  Die Waffe dieses Kriegs sei das Geschwätz. „Und darum bitte ich euch: verteidigen wir uns gegenseitig vor dem Geschwätz. Der Tratsch ist eine Sprache, die man nicht im Vatikan sprechen kann, es ist eine verbotene Sprache, denn es ist die Sprache des Teufels, die trennt, weil die Brüder Feinde werden und er dann der Sieger ist. Das ist List, das ist Zwietracht.“

Sofort kommt einem bei diesen Worten der Vatileaks-Skandal in den Sinn, der den Vatikan im vergangenen Jahr erschütterte. Nicht erst seit diesem wird beständig über Intrigen, Seilschaften und Machtkämpfe im Staat des Papstes spekuliert. Papst Benedikt XVI. hatte eine Kardinalskommission interne Ermittlungen anstellen lassen. Die Ergebnisse wurden nie veröffentlicht und sind außer den drei Kardinälen, die Mitglieder der Kommission waren, nur dem neuen Papst bekannt. An dieser Stelle hat sich Franziskus noch nicht zu der von ihm etwa im Bereich der Finanzen geforderten und forcierten Transparenz durchringen können.

Allerdings darf man jetzt nicht allzu schnell mit dem Finger auf den Vatikan und die Gendarmen zeigen; denn erst vor wenigen Wochen hat Papst Franziskus beim morgendlichen Gottesdienst erklärt, dass Tratsch für Christen nicht in Frage komme. Er warnte vor Geschwätzigkeit und übler Nachrede. „Wer in einer Gemeinschaft über Mitmenschen schlecht redet, endet damit, ihn töten zu wollen.“ Überhaupt sind die Predigten bei den Morgenmessen in Santa Marta nicht ohne. Da spricht Franziskus weniger über die große Politik in Kirche und Welt, sondern über den einzelnen Christen. Das ist keine leichte Kost. Wie eben gesehen, hat Franziskus hohe Ansprüche an den Gläubigen. Das wird angesichts von spektakulärer Interviews und großer Gesten gerne vergessen.

P.S. Die Infos über die Inhalte der heutigen Morgenmesse gibt es bisher nur bei Radio Vatikan.

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Jürgen Erbacher

Seit 2005 berichte ich für die ZDF-Redaktion „Kirche und Leben katholisch“ über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.