Der Papst und die Frauen

„Möge die Kirche die große und wichtige Rolle der Frau vertiefen und besser verstehen!“ O-Ton Papst Franziskus von gestern. Das Thema Frauen lässt ihn nicht los. Gut, gestern war es bedingt durch den Marienfeiertag. Er hatte zudem die Frauen aufgerufen, durch das eingehende Studium der Rolle der Frau in der Bibel sich selbst und ihre Berufung besser zu verstehen. Tja – was heißt das nun aber? Franziskus erinnerte an das Dokument „Mulieris dignitatem“ über die Würde und Berufung der Frau, das Papst Johannes Paul II. vor 25 Jahren veröffentlicht hat. Dieses Dokument sei reich an Anregungen, die man aufgreifen und weiterentwickeln müsse. Ob darin wohl Impulse für die „Theologie der Frau“ zu finden sind, die Franziskus auf dem Rückflug von Rio vor wenigen Tagen gefordert hat? Im Herbst werden wir diese Spur hier einmal eingehender verfolgen.

Papst Franziskus beim Gottesdienst zu Mariä Himmelfahrt gestern. (ap)

Interessant ist vielleicht, was Jorge Mario Bergoglio früher schon zum Thema Frauen gesagt hat. Etwa im Gespräch mit dem  Rabbiner Skorka stellte er fest: „Die Präsenz des Weiblichen ist in der Kirche nicht so sehr herausgestellt worden, weil die Versuchung des Machismo keinen Raum dafür gelassen hat, den Platz sichtbar zu machen, der den Frauen in der Gemeinschaft zusteht.“ Wie der konkret aussieht, nennt er allerdings auch nicht. Er erinnert an große Frauengestalten der Bibel wie Rut und Judit. Er nennt Maria als Vorbild für die Rolle der Frau und führt dann Eigenschaften wie Mütterlichkeit und Zärtlichkeit an. Maria sei die „Mutter der Gemeinschaft“, die die Gesellschaft „schützt und einhegt“. Eine Religionsgemeinschaft, die diese Eigenschaften nicht verstehe zu integrieren, werde zu einer „machohaften sowie zu einer kargen, harten und im schlechten Sinn sakralisierten Gesellschaft“. Vom Feminismus als „alleiniger Philosophie“ hält Bergoglio übrigens nichts. Er gebe der Frau nicht die Würde, die sie verdiene und könne am Ende zu einer Art „Machismo mit Rock“ verkommen.

Also ich bin gespannt, wie er dieses Thema „Frau in der Kirche“ entwickeln wird; denn auch bei dem zitierten Gespräch mit dem Rabbiner referiert er die traditionelle Lehre, dass das Priesteramt den Männern vorbehalten ist. Diese Aussage findet sich übrigens auch in „Mulieris dignitatem“, das er ja gestern lobend erwähnt hat.

P.S. Die Zitate aus stammen aus: Papst Franziskus. Über Himmel und Erde. Riemann-Verlag 2013. Mehr zu dem Buch in Kürze.

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Jürgen Erbacher

Seit Juli 2018 leite ich die ZDF-Redaktion "Kirche und Leben katholisch", für die ich seit 2005 über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche berichte. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.