Einzug im Vatikan

Feststimmung bei sonnigem frühlingshaftem Wetter haben mehr als 200.000 Menschen heute auf dem Petersplatz in Rom erlebt. Was sich auf dem Platz abspielte, erinnerte eher an den Einzug Jesu in Jerusalem als an sein Leiden. Beides war ja heute Thema in der Palmsonntagsliturgie. Am Ende wirkte es so, als ziehe an diesem Sonntag Franziskus im Vatikan ein, und – auch wenn das jetzt für manchen Leser befremdlich wirken mag – in die Herzen der Menschen auf dem Platz. Bei der 20-minütigen Fahrt mit dem Papamobil nach dem Gottesdienst schwenkten die Menschen ihre Palmzweige; so ungefähr muss das auch vor knapp 2000 Jahren gewesen sein, als Jesus in Jerusalem eingezogen ist. Franziskus segnete Kinder und küsste sie; Kranke und Behinderte in Rollstühlen wurden von den Sicherheitsleuten zu ihm getragen, dass er sie segnen und mit ihnen sprechen konnte. Er bat mit einer Geste immer wieder darum, dass die Menschen für ihn beten sollten.

Papst Franziskus beim Bad in der Menge

Zuvor hatte Franziskus bereits während der knapp zweistündigen Liturgie mit seiner Predigt viele begeistert. Applaus während und nach der Ansprache des Papstes während einer Messe, das gab es zuletzt selten auf dem Petersplatz. Freude, Kreuz und Jugendliche – das sind die Stichworte, um die es in der 14-minütigen Predigt ging. Der Grundtenor war, wie schon bei seinen bisherigen Ansprachen, positiv. Die Christen sollten sich niemals von Mutlosigkeit überwältigen lassen, sondern sich im Vertrauen auf Christus für den Nächsten und die Umwelt einsetzen. „Seid niemals traurige Menschen: ein Christ darf das niemals sein!“ Dabei scheut Franziskus auch nicht davor zurück, von Sünde oder dem Teufel zu sprechen. Er kritisierte Kriege, Wirtschaftskonflikte, Gewinnsucht, Machtstreben und Korruption als Zeichen der Sünde in der Welt. „Wir dürfen uns niemals an das Böse gewöhnen! Mit Christus können wir uns selbst und die Welt verwandeln.“ Was zählt sei nicht irdische Macht, so Franziskus. In dem Kontext erinnert er an seine Großmutter, die immer gesagt habe, das Totenhemd habe keine Taschen, in denen man irgendeinen Besitz mitnehmen könne.

Dann sprach er die Jugendlichen direkt an, die zahlreich auf dem Platz versammelt waren. Seit 28 Jahren steht der Palmsonntag im Zeichen der Weltjugendtage. Franziskus bestätigte, dass er beim nächsten Weltjugendtag dabei sein werde. „Mit Freude sehe ich dem kommenden Juli in Rio de Janeiro entgegen! Ich verabrede mich mit euch in dieser großen Stadt Brasiliens!“ Im Anschluss an den Gottesdienst forderte der Papst dann die Jugendlichen in verschiedenen Sprachen auf, sich spirituell auf das Treffen in Rio vorzubereiten. Auf Deutsch sagte er: „Alles Gute auf eurem Weg nach Ostern hin und nach Rio.“

Nach dem Gottesdienst gab es wieder eine spontane Aktion des neuen Papstes. Als der Jeep auf dem Weg vom Petersplatz zum Gästehaus Santa Marta am deutschen Kolleg Campo Santo Teutonico vorbei kam, ließ Franziskus anhalten und besuchte spontan den Friedhof und die Kirche. Der Besuch kam so überraschend, dass in der Eile nicht einmal der Rektor des Hauses ausfindig gemacht werden konnte. Der Kommandant der Schweizergarde sowie ein langjähriger Bewohner des Kollegs erklärten dem Pontifex dann kurz Geschichte und Gegenwart der deutschen Enklave im Vatikan. Sie luden Franziskus ein, doch einmal gemeinsam mit der Kollegsgemeinschaft die Morgenmesse zu feiern. Bei der bekannten Spontaneität des neuen Papstes könnte es also gut sein, dass er in den nächsten Tagen noch einmal im Campo Santo Teutonico vorbeischaut.

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Jürgen Erbacher

Seit 2005 berichte ich für die ZDF-Redaktion „Kirche und Leben katholisch“ über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.