Frieden, Gott und China – die Weihnachtsbotschaft des Papstes

Der Papst ist doch immer für eine Überraschung gut. In seiner Weihnachtsbotschaft heute findet sich plötzlich ein ausführlicher Teil zu China: Normalerweise konzentriert er sich in seiner Ansprache auf eine theologische Deutung des Weihnachtsereignisses und die Konfliktherde der Welt. Wieso dann plötzlich heute die Wünsche an die neue Staatsführung in China?

Urbi et Orbi 2012

Das Reich der Mitte gehört seit langer Zeit zu den Sorgenkindern des Papstes. Die Zahl der Katholiken dort wächst; doch die Machthaber lassen nicht zu, dass das Kirchenoberhaupt über seine Schäfchen dort so wacht, wie über all die anderen rund eine Milliarde Katholiken weltweit. China sieht es etwa als Einmischung in innere Angelegenheiten an, wenn der Vatikan darauf besteht, die katholischen Bischöfe frei zu benennen. Die Bischöfe werden daher seit langer Zeit von der „Katholischen Patriotischen Vereinigung“ in Abstimmung mit der kommunistischen Partei ernannt und nicht vom Vatikan. Immer wieder ist es dem Vatikan zwar gelungen, bei der Auswahl der Kandidaten mitzusprechen, so dass immer wieder auch Bischöfe mit dem Segen Roms ins Amt kamen; aber bei diesem Verfahren ist Rom stets vom guten Willen Pekings abhängig. Dazu kommt, dass es keine diplomatischen Beziehungen zwischen Peking und dem Heiligen Stuhl gibt.

In den vergangenen Monaten haben zwar die Bemühungen wieder zugenommen, über diplomatische Kanäle „befreundeter“ Staaten – etwa Deutschland, Italien oder die USA – Kontakt mit den Behörden in Peking aufzunehmen, ob diese neue Offensive zu Erfolg führen wird, ist eine der spannenden politischen Fragen mit Blick auf den Vatikan und das Jahr 2013. Einen Rückschlag in den Bemühungen um eine Annäherung hatte es erst Anfang Dezember gegeben, als der mit Zustimmung des Vatikans von den Machthabern zunächst neu ernannte Weihbischof von Shanghai, Savio Hon Tai-Fai, nach seinem offenen Treuebekenntnis zum Papst von der Konferenz der katholischen Bischöfe Chinas, die vom Vatikan nicht anerkannt ist, und der Katholischen Patriotischen Vereinigung wieder abgesetzt wurde.

Neben dem Thema China durchziehen die Themen Frieden und die Gottvergessenheit der heutigen Zeit die beiden großen Ansprachen Papst Benedikts XVI. zu Weihnachten 2012. In der Christmette forderte Benedikt XVI. eindringlich Frieden im Heiligen Land. „Beten wir in dieser Stunde für die Menschen, die heute dort leben und leiden. Beten wir darum, dass dort Friede sei. Beten wir darum, dass Israelis und Palästinenser im Frieden des einen Gottes und in Freiheit ihr Leben entfalten können.“ Zugleich nahm er die ganze Region Nahost in den Blick und forderte Frieden etwa für den Libanon, für Syrien und den Irak. Christen und Muslime sollten im Frieden Gottes miteinander ihre Länder aufbauen.

Benedikt XVI. warnte vor einem Missbrauch von Religion. In der Geschichte habe zwar der Monotheismus oft als Vorwand für Intoleranz und Gewalt gedient. Doch dies entspreche nicht dem wahren Sinn der Religion. Es sei genau umgekehrt: „Wenn das Licht Gottes erlischt, erlischt auch die göttliche Würde des Menschen.“ Das habe das vergangene Jahrhundert gezeigt. Benedikt XVI. kritisierte zugleich die Gottvergessenheit und Ich-Bezogenheit der heutigen Zeit. Die Menschen hätten keine Zeit mehr für Gott „Wir sind mit uns selbst vollgestellt, so dass kein Raum für Gott bleibt. Und deshalb gibt es auch keinen Raum für die anderen, für die Kinder, für die Armen und Fremden.“

Schließlich dann heute in der Weihnachtsbotschaft die eindringlichen Appelle zu Frieden und gegen Gewalt in Syrien und vielen Ländern Afrikas. Dazu die erneute Aufforderung an Israelis und Palästinenser „mit Entschiedenheit den Verhandlungsweg“ einzuschlagen – und eben der Blick nach China. Benedikt XVI. sprach von „Hoffnung in der Welt, auch in den schwierigsten Momenten und Situation.“ Eine Hoffnung, die sicher an vielen Orten in der großen Politik wie im kleinen Alltag notwendig ist. Allen Leserinnen und Lesern ein frohes Weihnachtsfest aus Rom!

Autor: Jürgen Erbacher

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Seit 2005 berichte ich für die ZDF-Redaktion „Kirche und Leben katholisch“ über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.
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3 Kommentare

  • Admiral
    26.12.2012, 16:37 Uhr.

    Ebenfalls gesegnete Weihnachten.

  • Stefan Wehmeier
    26.12.2012, 18:02 Uhr.

    Die Rückkehr ins Paradies

    Keine andere Geschichte hat jemals so viele Interpretationsversuche hervorgebracht, wie die wunderbare kleine Geschichte von Adam und Eva im Paradies. Es wurde alles hineininterpretiert, was sich an ein unwissendes Publikum verkaufen ließ, so widersprüchlich, sinnlos oder belanglos es auch war. Mit den naiven Interpretationen ließe sich mit Leichtigkeit eine ganze Bibliothek füllen, und wer sich die Mühe machte, sie alle zu lesen, wäre hinterher nicht klüger als zuvor. Doch allein die Tatsache, dass es so viele Interpretationsversuche gibt, lässt darauf schließen, dass die wirkliche Bedeutung der kleinen Geschichte alles andere als belanglos ist.

    Tatsächlich beinhaltet der Text, der unter Genesis 2,4b – 3,24 bis heute überliefert ist, ein fundamentales Wissen, das man ihm bei oberflächlicher (gegenständlich-naiver) Betrachtung niemals zutraut, das aber im Nachhinein betrachtet die gesamte Kulturgeschichte der halbwegs zivilisierten Menschheit seit dem “Auszug der Israeliten aus Ägypten” bis heute erklärt. Worum geht es wirklich in dem Text? Um die Basis allen menschlichen Zusammenlebens und die grundlegendste zwischenmenschliche Beziehung in einer arbeitsteiligen Zivilisation, der Welt des Kulturmenschen: Makroökonomie und Geld. Adam und Eva repräsentieren nicht die ersten Urmenschen nach den letzten Menschenaffen (eine völlig unsinnige Vorstellung), sondern die ersten zivilisierten Menschen, die sich von ihren Vorfahren dadurch unterscheiden, dass sie Geld benutzen und in einer Marktwirtschaft leben. Und weil das so ist, hat eine “moderne” Menschheit, die bereits Raumfahrt betreibt, etwas im Grunde so Einfaches wie das Geld noch immer nicht verstanden und lebt bis heute in der Erbsünde!

    Der ganze Sinn und Zweck des heute “zweiten” Schöpfungsmythos der Genesis, der nachträglich im sechsten vorchristlichen Jahrhundert von der israelitischen Priesterschaft durch den heute “ersten” Schöpfungsmythos (Genesis 1,1 – 2,4a) ergänzt und dann zur Basis dreier Weltreligionen (Judentum, Christentum, Islam) wurde, war eine künstliche Programmierung des kollektiv Unbewussten, um die wirkliche Bedeutung der Erbsünde aus dem Begriffsvermögen des arbeitenden Volkes auszublenden, solange das Wissen noch nicht zur Verfügung stand, um diese “Mutter aller Zivilisationsprobleme” zu überwinden. Anderenfalls hätte das, was wir heute “moderne Zivilisation” nennen, gar nicht erst entstehen können.

    • M.G.
      01.01.2013, 14:38 Uhr.

      Der Papst hat noch Hoffnung für die Welt.Ja,die stirbt berkanntlich zu letzte.Aber ändern wird er mit bloßen Forderungen,Gebeten und Appellen nichts.

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