Ein umstrittener Heiliger wird 100

Zum 100. Geburtstag von Johannes Paul II. am heutigen 18. Mai steht der „Jahrhundertpapst“ einmal mehr im Fokus des öffentlichen Interesses. War er wirklich ein Heiliger, gar ein „Großer“? In seinem langen Pontifikat sind so viele Dinge passiert, dass ein Urteil nicht einfach zu fällen ist. Wie im echten Leben gibt es bei Johannes Paul II. nicht einfach Schwarz und Weiß. Es gibt viele Grautöne. Er hatte einen maßgeblichen Anteil an den Umbrüchen in Europa und damit für uns Deutsche auch an der Wiedervereinigung. Er wollte Brücken bauen zwischen Ost und West, zwischen Nord und Süd. Johannes Paul II. kritisierte Kommunismus und Kapitalismus scharf, engagierte sich für soziale Gerechtigkeit. Innerkirchlich stand er für einen streng konservativen Kurs. Das Pontifikat erlebte viele Skandale um Personen und Finanzen. Besonders schwer wiegt, dass er den Missbrauch nicht entschieden aufarbeitete und zu verhindern suchte.

Papst Franziskus feierte am Morgen im Petersdom einen Gedenkgottesdienst am Grab seines Vorgängers. (Quelle: dpa)

Oktober 1978 – ein Nichtitaliener wird Papst. Das war eine Sensation. Und dann kommt er auch noch aus Polen, einem Land hinter dem Eisernen Vorhang. Karol Wojtyla war zudem mit 58 Jahren ein junger Pontifex, voller Tatendrang und furchtlos. Als er im April 2005 nach langer Krankheit starb, war er ein Papst der Superlative – angefangen von der Länge des Pontifikats, über die Reisen, die Anzahl seiner Lehrschreiben, die Zahl der Audienzen, Liturgien sowie Selig- und Heiligsprechungen. Dabei standen alle seine Handlungen immer in einer gewissen Spannung zwischen dem den Menschen zugewandten, für ein menschenwürdiges Leben sich einsetzenden, medienaffinen Papst, der die Herzen von Millionen Menschen eroberte auf der einen Seite, und dem theologischen Hardliner in Fragen von Moral und Kirchendisziplin auf der anderen Seite.

So ist es nur verständlich, dass sich an der Person Johannes Pauls II. auch die Geister scheiden. Er hat mit seiner Personalpolitik den Kurs der katholischen Kirche entscheidend geprägt. Die Auswirkungen sind bis in das aktuelle Pontifikat von Franziskus zu spüren. Mit seinen Lehrschreiben hat der Papst aus Polen Maßstäbe gesetzt. Das gilt vor allem für die Sozialenzykliken. Mit seinen Reisen und den zahlreichen Aktionen in Rom, wie etwa den Veranstaltungen zum Heiligen Jahr 2000, hat er der katholischen Kirche zu einer großen Aufmerksamkeit in aller Welt verholfen und das Papstamt zu einer weltweit geachteten Autorität gemacht. Ob er deshalb den Titel „der Große“ verdient hat, müssen Historiker mit mehr Abstand beurteilen. Denn beobachtet man die aktuelle Debatte um Wojtyla, scheint eine objektive Beurteilung nur schwer möglich.

Zuhören statt verurteilen

Gerne werden die Schattenseiten des Pontifikats ausgeblendet. Dazu gehört neben den genannten Skandalen auch die Tatsache, dass innerhalb der katholischen Kirche jegliche Debatte über mögliche und vielleicht auch notwendige Reformen meist schon im Keime erstickt wurde. Die langfristigen Folgen dieser innerkirchlichen Starre sind noch nicht wirklich abzuschätzen. Nicht zuletzt deshalb ist es zu früh, zum 100. Geburtstag bereits ein abschließendes Urteil zu fällen. Zudem ist noch zu viel Betroffenheit im Spiel von Personen, die von Johannes Paul II. profitiert haben oder die unter ihm gelitten haben. Ein wichtiger Schritt wäre, wenn Bewunderer und Verächter sich gegenseitig zuhörten und die Positionen der jeweils anderen Partei ernst nähmen. Nur so kann es zu einer Beurteilung kommen, die von möglichst vielen Seiten anerkannt werden kann und die zu einem Dialog führt und nicht zu gegenseitiger Verurteilung und Abwertung.

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Jürgen Erbacher

Seit Juli 2018 leite ich die ZDF-Redaktion "Kirche und Leben katholisch", für die ich seit 2005 über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche berichte. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.

44 Kommentare

  • YALOB
    18.05.2020, 22:20 Uhr.

    Ein großes Thema, welches hier nicht erwähnt wird, aber nachhaltige Wirkung hat, ist die Haltung von JPII zur Stellung der Frau in der r.k. Kirche.
    Hier hat er extreme Hürden aufgebaut, die eine Aufwertung der Frauen sehr behindern wenn nicht sogar unmöglich machen. Man denke aktuell an die Diskussion zum Frauendiakonat. Auf diesem Feld – neben der Ignoranz und Vertuschung von Missbrauchsfällen – hat m. E. JPII fundamental der r.k. Kirche geschadet.

    • Carla Maltese
      20.05.2020, 19:43 Uhr.

      Ich habe den Sexualkrampf als das verheerendste bezeichnet, gerade auch weil es in unserem Kulturkreis aus Sicht einer glaubensfernen Öffentlichkeit in der römisch-katholischen Kirxche um kaum noch etwas anderes zu gehen schien. „Katholisch“, das war nicht etwa „Sozialenzyklika“ und so, sondern verhütungsverbot, kein-Sex-ohne-Trauschein usw., und das alles bei unsäglicher Doppelmoral, wie längst bekannten heimlichen Priesterfamilien.

      Aber Sie haben eigentlich schon recht, langfristig hat sich seine Frauenverachtung genauso verheerend ausgewirkt.

      Und es ist längst nicht nur eine Gerechtigkeitsfrage. Es ist einfach so, da bin ich absolut überzeugt, daß die rein männliche Sichtweise bei weitem nicht reicht um mit einer komplexen Welt mit vielen schwierigen Herausforderungen klarzukommen. Das rein männliche Lehramt fährt den Laden sichtbar an die Wand.

      In der chemischen Industrie würde auch vieles besser laufen, wenn wir Frauen mehr zu sagen hätten.

      • Novalis
        20.05.2020, 23:40 Uhr.

        Volle Zustimmung!

    • Erasmus
      21.05.2020, 15:32 Uhr.

      „ … hat er extreme Hürden aufgebaut, die eine Aufwertung der Frauen sehr behindern wenn nicht sogar unmöglich machen.“

      In seinem apostolischen Schreiben „Ordinatio Sacerdotalis“ von 1994 beklagt Johannes Paul II., dass man die beständige Lehre der Kirche, gemäß der die Priesterweihe den Männern vorbehalten ist, „in unserer Zeit dennoch verschiedenenorts für diskutierbar (hält), oder man schreibt der Entscheidung … lediglich eine disziplinäre Bedeutung zu.“ Um solchen Umtrieben einen Riegel vorzuschieben, erklärt er kraft seines Amtes: „ … dass die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden.“ Es obliegt dann dem damaligen Präfekten der Glaubenskongregation und kirchenpolitischen Kombattanden des Papstes, Joseph Ratzinger, den Stellenwert der pontifikalen Erklärung zu bestimmen.

      Das erste und das zweite Vatikanum stimmten darin überein, dass die Kirche berechtigt ist, solche Lehren als Dogmen zu verkünden, von denen sie glaubt, dass sie geoffenbart seien. Mit dem Erscheinen des „Katechismus der Katholischen Kirche“ im Jahr 1992 kommt es zu einer folgenschweren Ausweitung des Dogmenbegriffes. Im Abschnitt 88 ist von Wahrheiten die Rede, „die in der göttlichen Offenbarung enthalten sind oder die mit solchen Wahrheiten in einem notwendigen Zusammenhang stehen.“ Von nun an gibt es zum einen das primäre Offenbarungsgut und zum anderen zusätzliche sekundäre Dogmen, die zwar nicht geoffenbart sind, aber vom Lehramt als untrennbar mit dem Offenbarungsgut zusammenhängend postuliert werden.

      Die Lehre von der, den Männern exklusiv vorbehaltenen Priesterweihe ist für Josef Ratzinger zugegebenermaßen keine Wahrheit, die mit theologalem Glauben aufzunehmen ist, sie zählt aber dennoch zu den – dem Bereich der „fides tenenda“ zugehörigen – Dogmen und zwar zu den „sekundären Objekten der Unfehlbarkeit“ (Ratzinger 1999), die fest zu umfassen und beizubehalten sind.

      Es ist allerdings H.J. Pottmeyer (1999) zuzustimmen, dass sich „Ordinatio Sacerdotalis“ zwar als „unfehlbarer Konsens des ordentlichen und allgemeinen Lehramtes“ geriert, es sich dabei aber um eine „grundsätzlich fehlbare Erklärung des Papstes“ handelt.

      • Novalis
        22.05.2020, 10:38 Uhr.

        Oder etwas einfacher: Die Lehre, dass die Kirche keine Vollmacht hat, den Empfänger des Weihesakramentes zu ändern (obwohl sie die Vollmacht hat, eine Stufe des Sakramentes einzuführen oder abzuschaffen, sowie die Form, die Materie und auch die Intention zu ändern), ist schlicht kein Dogma. Und alles, was unterhalb des Dogmas ist, kann eben geändert werden.

  • Wanda
    19.05.2020, 1:39 Uhr.

    Prof. Hans Küng beschuldigt sowohl Karol Woityla als auch dessen damaligen Chef der Glaubenskongregation Joseph Ratzinger das notorische Missbrauchsmonster Marcial Maciel geschützt zu haben. Ratzinger möglicherweile unter „Befehlsnotstand“, denn wie wären sonst wären die unterbrochenen bzw. nicht beendeten Untersuchungen der Hl. Inquisition zu erklären ? Die Details zu den entsetzlichen und unwiderlegbaren Taten Marcial Maciels mag jeder selbst recherchieren und wird dabei feststellen, dass erste, immer wieder erweiterte Vorwürfe auch von den Vorgängerpäpsten und ihren Institutionen sträflich ignoriert wurden: es konnte nicht sein was es nicht geben darf und die Opfer waren diesen unbarmherzigen geistlichen Vätern völlig egal. Es verbietet sich eigentlich diesen beiden letzten von den höchsten Vertuschern im Vatikan als Päpste zu bezeichnen und Woityla müsste der Heiligenstatus aberkannt werden (zumal sich dessen Wunder verdächtig schnell fand). Wer in deren Vorgängerreihe als Papst sich ebenfalls an den seit 1943 schwärenden Vorwürfen der Vertuschung schuldig machte, kann jeder an der Zeittafel ermitteln. Fazit: Wenn die Kirche eine ehrliche und schonungslose Aufarbeitung der Männer in den Schuhen des Fischers beabsichtigt: hier tut sich ein weites Feld auf. . .

    • Novalis
      20.05.2020, 15:58 Uhr.

      „sowohl Karol Woityla als auch dessen damaligen Chef der Glaubenskongregation Joseph Ratzinger das notorische Missbrauchsmonster Marcial Maciel geschützt zu haben.“

      Das dürfte wohl nicht das einzige Mal gewesen sein, in dem die beiden nicht angemessen reagiert, geschweige präveniert haben.

      Nur am Rand: Auf meinen Hinweis, dass @Wanda zum Thema Waffensegnung massive Falschinformation verbreitet hat, kam eine Kaskade von Informationen, die nichts mit der Waffensegnung zu hatten. Nachhilfe bei den Fehler der katholischen Kirche in der Geschichte brauche ich nicht. Ich kenne sie besser als @wanda. Und ich habe es nicht nötig, dabei falsche Dinge zu behaupten.

      • Wanda
        21.05.2020, 0:19 Uhr.

        Schön für Sie…

        • Novalis
          22.05.2020, 10:41 Uhr.

          Wie wärs denn einfach mal mit: „O.K., bei der Waffensegnung hab ich mich geirrt. Die hat es NICHT während der ganzen Zeit, die die Kirchengeschichte umfasst, gegeben. Ich war nicht präzise genug“.
          Dann wird Vieles an Ihrer Kirchenkritik nämlich glaubwürdiger.

  • Erasmus
    19.05.2020, 4:36 Uhr.

    Papst Johannes Paul II. war eine starke, charismatische Persönlichkeit, die „der katholischen Kirche zu einer großen Aufmerksamkeit in aller Welt verholfen und das Papstamt zu einer weltweit geachteten Autorität gemacht (hat) “ (Erbacher). Bei allem Glanz seines Pontifikats gibt es aber nicht zu übersehende Schattenseiten.

    Seine Erfahrungen mit zwei Terrorherrschaften in Polen lehrten ihn zu kämpfen und Widerstand zu leisten. Wenn er von etwas überzeugt war, war er unbeirrbar und in hohem Maße durchsetzungsfähig. Beispielweise nahm er 1968 „als entschiedener Gegner jeder ,künstlichen Empfängnisverhütung‘“ (Xaver Bischof) Einfluss auf Paul VI., indem er ihm eine in französischer Sprache verfasste Denkschrift zusandte – der Lieblingssprache des Papstes.

    Die Direktive Johannes Pauls II., die Reihen der katholischen Kirche geschlossen zu halten und keine Abweichungen zuzulassen, hat wohl mit seinen Erfahrungen und seiner Prägung im polnischen Untergrund zu tun. Was nach außen als Stärke kirchlicher Einheitlichkeit imponierte, richtete intern beträchtlichen Schaden an. Theologen wie Küng und Drewermann und insbesondere Befreiungstheologen machte er mundtot und bei Bischofs-Neubesetzungen scheute er sich nicht, Ortskirchen zu brüskieren – z.B. die Installation von Joachim Meisner 1987 in Köln. Bischofskonferenzen dienten der Bestätigung der päpstlichen Linie und sollten nach außen Einmütigkeit zur Schau stellen.

    Besonders schwerwiegend ist sein fataler Umgang mit dem Thema „Sexueller Missbrauch“. Die Kirche muss unbefleckt und unantastbar bleiben, darf keine Risse zeigen – die Opfer bleiben dabei auf der Strecke. Bezeichnend war sein inniges Verhältnis zu dem Gründer der „Legionäre Christi“, Marcial Maciel Degollado. Johannes Paul II. war von dessen erzkatholischem, finanzstarken und papsttreuen Elitekader so angetan, dass er brisante Informationen, die Maciel belasteten – und im Vatikan schon frühzeitig vorlagen -offensichtlich ausblendete. Der vom Papst zum „Vorbild für die Jugend“ geadelte Ordensgründer führte ein Doppelleben, war polykriminell und hat erwiesenermaßen minderjährige Internatsschüler missbraucht.

    Ich stimme Jürgen Erbacher zu, dass es für eine valide Gesamtbewertung des Pontifikats noch zu früh ist.

    • Carla Maltese
      20.05.2020, 18:49 Uhr.

      Daß er so war weil die Diktaturen ihn geprägt haben, ist plausibel.
      Wegen der früh verstorbenen Mutter hatte er wohl auch keinen klaren begriff von Frauen, trotz Freundin, sondern nur diffuse Klischeevorstellungen, irgendwas nettes, liebes, weiches, idealerweise keusches, aber keine Personen mit Rückgrat, Charakterstärke und intellektuellen Fähigkeiten.

      Nur gibt es von mir da kein Verstä#ndnis für.
      Denn wenn man eine solche Macht hat, Führer der immernoch größten Glaubensgemeinschaft, an zweiter Stelle kommt der sunnitische Islam, dann hat man die verdammte Pflicht, über seine eigene Biographie hinauszuwachsen und seine Tramata zu besiegen.

      Ich habe auch schlimme Dinge erlebt. Sehr schlimme. Aber ich konnte es mir als kleiner Leasingkrümel nicht erlauben, meine Arbeit unter den Dingen von früher leiden zu lassen, ich kann es mir jetzt wo ich als festangestellter Ingenieur volle Verantwortung trage noch viel mehr nicht erlauben, und sollte es noch klappen daß ich irgendwann Projektleiterin werde, noch ein paar Jahre werde ich mich da in der Firma bewähren müssen und es müssen genug größere Projekte eintreffen damit es zu Beförderungen kommen kann, dann werde ich es mir erst recht nicht erlauben können.

      Da draußen waren Millionen römische Katholiken die absolut nichts für die Nazizeit und die Kommunisten konnten! Aber dafür Militärdiktaturen, Krieg und viele Nöte am Hals hatten, die Indigenos in Guatemala wurden im Bürgerkrieg umgebracht und hier gibt es beispielsweise konfessionsverschiedene Paare die sich bei der Eucharistie trennen müssen, um nur zwei Beispiele zu nennen!

      Zum thema Missbrauch habe ich auch keinerlei verständnis für Schönfärbereien, von wegen daß er mit allem überfordert war und *bla*.
      Jemand der so genau spionieren ließ ob die Priester am oberen Orinoco alle schön lehramtstreu sind und Kondome verteufeln (die reale Verfügbarkeit und bezahlbarkeit von Kondomen ist ein anderes Thema), der war nicht „überfordert“ oder eine „zu lautere Seele“ um sich mit dem Thema Missbrauch zu befassen.

  • Alberto Knox
    19.05.2020, 12:10 Uhr.

    man sollte nicht nur die verhinderung der aufarbeitung des kindesmissbrauchs durch jp2/ratzinger als problem benennen, sondern auch die massive homophobie und misogynie.

  • Carla Maltese
    19.05.2020, 17:43 Uhr.

    Ich habe es kommen sehen….

    Bevor ich jetzt gleich loslege, meine Gedanken zum Artikel zu schreiben hier noch eine generelle Bemerkung zum Thema sexueller Missbrauch:
    JEDER Missbrauch ist ein Verbrechen. Und muss schonungslos aufgedeckt werden und der Täter bestraft werden. Und zwar völlig egal, ob der Täter Priester, Banker, Schlosser, Manager, Professor, steuerberater oder was auch immer ist. Und egal ob er in der Kirche geschieht oder im Verein oder schlimmstenfalls im familiären Umfeld.
    Das zu sagen, lasse ich mir von Wanda nicht verbieten.
    Erst recht nicht jetzt wo wir eine Sondersituation haben, die Missbrauch und Gewalt im familiären Umfeld auch noch stark begünstigt.

    Aber ganz ehrlich? So langsam frage ich mich schon, warum mir eine Person, und es ist wirklich nur eine, ständig verbieten will über sexuellen Missbrauch zu reden, wenn er nicht in dser römisch-katholischen Kirche geschieht.

    • Wanda
      20.05.2020, 15:19 Uhr.

      Bleiben Sie ganz einfach beim Thema

      • Novalis
        20.05.2020, 23:41 Uhr.

        Das machen doch sie auch nicht und daher würde ich mir solche Sätze verkneifen.

        • Wanda
          22.05.2020, 15:04 Uhr.

          Novalis 20.05. 23:42
          – Würden Sie ? Warum tun Sie’s dann nicht ?

          • Novalis
            25.05.2020, 10:30 Uhr.

            Ich tu’s 🙂

      • Carla Maltese
        21.05.2020, 8:27 Uhr.

        Oh, Sie sind der neue Kollege von Herrn Erbacher? Sie haben hier zu bestimmen wer was schreiben darf? Sie arbeiten jetzt fürs ZDF?

        Gibt es die Unfassbaren 2 in der Mediathek? Habe ich letzten Montag leider verpasst. Und wie hoch sind die Chancen, daß das ZDF diesem einen Streamingdienst die Verfilmung von Good Omens abkauft?

        • Jürgen Erbacher
          Jürgen Erbacher
          22.05.2020, 9:48 Uhr.

          Soweit ich das sehen kann, gibt es die Unfassbaren 2 nicht in der Mediathek. Zu den Plänen unserer Kollegen*innen der fiktionalen Programme haben wir keine Informationen.

  • Carla Maltese
    19.05.2020, 19:41 Uhr.

    Zunächst mal, Herr Erbacher, einen ehrlich gemeinten Dank daß Sie sich nicht in unkritische Jubelarien von wegen „Jahrhundertpapst“ usw. ergießen.
    Ich erinnere mich noch gut an seinen Tod, dh an den komplett eskalierten Personenkult der damals getrieben wurde, das war der Punkt der mich endgültig aus der römisch-katholischen Kirche getrieben hat. Auf einer langen Bahnfahrt habe ich damals gelitten, bis in den Abend rein.
    Zwar hat es dann noch ein paar Jahre gedauert bis ich endgültig den Weg zu den Altkatholiken gefunden habe und dann noch ein paar Jahre mehr bis ich wieder gelernt hatte, unbefangen und ohne mich zu schämen zu meinem Glauben zu stehen, aber genau an dem Punkt war der Weg aus der römisch-katholischen Kirche raus für mich unumkehrbar.

    Was wurde damals getrieben? Es schien damals, als ob nicht mehr Jesus im zentrum dieser Kirche stand sondern dieser Papst. Kritische Stimmen zu allem was er getan hatte, waren zum Schweigen gebracht. Der Kult um den Papst steigerte sich ins Unerträgliche.

    Obwohl: Sah die Welt so etwas zum ersten Mal?
    Mich gab es damals noch lange nicht, aber Herrn Erbachers Generation erinnert sich natürlich noch an den Tod von John F. Kennedy. Mit seiner Ermordung wurde er plötzlich zur Lichtgestalt schlechthin, zum tadellosen, makellosen Superpräsidenten.
    Vergessen war, daß er die Schuld am Vietnamkrieg trug und dieses Land und teilweise auch die Nachbarländer in einen Fleischwolf verwandeln ließ. Napalm, Agent Orange und Zonen wo die Soldaten ausdrücklich auf alles schießen durften was zwei Beine hatte.

    „Oktober 1978 – ein Nichtitaliener wird Papst. Das war eine Sensation.“
    Man möge mir verzeihen, daß ich mit meinen ca. 4 Monaten damals kein so großes Interesse am neuen Papst hatte. Mich beschäftigten damals eher sehr unmittelbare Dinge: Will Milch, bin müde, Windel voll…. was ich dem Vernehmen nach auch stets sehr laut und sehr anhaltend geäußert haben soll.
    Als Jugendliche, also alt genug um den Papst bewusst wahrzunehmen, war er schon so selbstverständlich daß ich zwar rein theoretisch wusste daß es vor ihm andere Päpste gegeben hatte, ich es mir aber kaum vorstellen konnte. Ni8cht daß ich ihn sonderlich gemocht hätte, er war mir eher egal. Aber es schien für meine Generation, als ob er schon Jahrhunderte Papst gewesen wäre.

    Und heute…
    Heute habe ich einen Beruf in dem ich es mir nicht erlauben darf, mal einen schlechten Tag zu haben und schlampig zu arbeiten, denn das könnte schlimmstenfalls der in der jeweiligen Anlage diensthabenden Schicht um die Ohren fliegen. (Nicht falsch verstehen: Ich mag meinen Beruf, ich will nichts anderes mehr machen!) Und was mich aus der Sicht tierisch ärgert, ist eine allzu milde Schonung von Papst Wojtywa wegen seiner vorherigen Biographie und seinem späteren Parkinson.
    Ich habe nunmal die altmodische Vorstellung, daß Macht vor allem Verantwortung bedeutet. Und zu dieser Verantwortung gehört auch, über persönliche Traumata hinauswachsen zu können und alte Wunden, auch wenn sie noch so sehr schmerzen, nach hinten schieben zu können. Bzw. ganz zurückzutreten wenn man nicht mehr kann.
    Im letzten Projekt meines Leasingdaseins bevor ich meine jetzige Festanstellung in einem angesehenen Ingenieurbüro bekam, musste ich kleiner Leasingkrümel mich auch verdammt nochmal zusammenreißen obwohl es mir wirklich nicht gut ging, und jeden Tag mein bestes geben um in einem katastrophal laufenden Großprojekt wenigstens das Zimmer Leasingkräfte zusammen- und am Laufen zu halten. Und dann war da ein damals schon lange verstorbener Papst über den man noch immer sanft und weich urteilt: Weil er so viel schlimmes erlebt hat unter den Nazis und den Kommunisten…
    Sorry, aber auch wenn etwas menschlich nachvollziehbar ist: In dem Moment wo man sehr viel Macht über andere hat, hat das alles gefälligst keine Rolle mehr zu spielen!! Entweder wird man innerlich frei, souverän und gefestigt, oder man hat auf diesem Posten nichts verloren!

    Auch wenn sich Wojtywa, wie manche wohl mit Recht sagen, die (römisch-katholische) Kirche wegen seinen persönlichen erlebnissen in der Diktatur nur als homogene blind gehorsame Armee vorstellen konnte: Hunderttausende römische Katholiken überall in der Welt hatten eigene Sorgen und Nöte und Traumata und wenn man sich anmaßt, der oberste Führer einer Kirche zu sein, dann hat man die verdammte Pflicht, diese Sorgen und Nöte und Traumata ernst zu nehmen!

    Das schlimmste Erbe könnte sein Sexualfanatismus gewesen sein.
    In allem was Ehe, Fortpflanzung oder irgendwie Sex betraf, war diese betonstarre am quälendsten.
    In der breiten Öffentlichkeit wurde „römisch-katholisch“ schließlich zum Synonym für Sexualkrampf, unbarmherzige Ablehnung von Verhütung, von Verdammung aller Liebe ohne Trauschein, von verdammung aller körperlichen Zuneigung, Verdammung von Selbstbefriedigung, usw. Man kann es nicht schönreden: Genau das war in der breiten glaubensfernen Öffentlichkeit die Wahrnehmung von „katholisch“, und die Sozialenzykliken spielten eher eine untergeordnete Rolle.

    In einer derart fanatisierten Athmosphäre wo es nur noch darum geht, ob man für oder gegen den Papst ist, ist es natürlich auch schwer, im „falschen“ Lager Sachen zu sagen die zur Abwechslung mal nicht ganz „parteikonform“ sind.
    Wenn ich zB sage, daß auch Kondome nicht unbedingt das Allheilmittel gegen AIDS in Afrika sind, weil Verbrauchsgüter und für weite Bevölkerungsschichten zu teuer (wer mir nicht glaubt, dem erkläre ich gern auf was für einen Rattenschwanz ich zum Thema Monatshygiene bei wochenlanger Recherche gestoßen bin. Zeitungspapier… AUA!!!): Wäre Wojtywa noch Papst, würde ich komplett als papsthörige Betonkonservative gebrandmarkt werden und hätte in meiner jetzigen gemeinde keinen leichten Stand.

    Herr Erbacher wird jetzt stinksauer sein weil die Bilanz etwas persönlich geraten ist, etwas sehr aus meiner Sicht, aber das ist das was mir dazu einfällt.

  • YALOB
    19.05.2020, 22:18 Uhr.

    Nachtrag zu meinem vorausgegangenen Kommentar:

    In diesem Zusammenhang denke ich auch an die – aus meiner Sicht – abstruse Vorstellungen einiger polnischer r. k. Würdenträger für die Eltern von JPII den Prozess für eine Selig-/Heiligsprechung in die Wege zu leiten.

    Ich denke, dass Maria und Joseph, die Eltern von Jesu eine würdige Ausnahme sind. Dabei sollte es bleiben.

    • Carla Maltese
      20.05.2020, 17:08 Uhr.

      Die Verehrung der Polen für „ihren“ Papst hat natürlich ganz wesentlich patriotische Gründe.
      Aber Sie haben schon recht, da treiben manche einen unerträglichen Personenkult. Bei manchen hat sich echt die Perspektive verschoben und Jesus spielt nur noch die zweite Geige. Wojtywa ist der Messias. Insofern auch irgendwie logisch, daß seine eltern jetzt auch noch zu Maria und Josef hochstilisiert werden.

  • Silberdistel
    19.05.2020, 22:55 Uhr.

    Waren nicht alle Päpste umstritten?! Gut so. Das Original, dem man versprach nach zu folgen, teilt dieses Schicksal jedoch nicht. ER ist nur per se unverstanden und unerreicht geblieben, wie zeitlebens, offensichtlich auch von so manchem Papst. Das ist Seine Art von Schicksal.

    • Wanda
      20.05.2020, 15:18 Uhr.

      Bingo !

    • Novalis
      20.05.2020, 23:43 Uhr.

      Schon wieder solche jeder/all-Sätze. Finden Sie mal waszu Pius III. oder Marcellus II.

      • Silberdistel
        22.05.2020, 16:06 Uhr.

        Novalis
        20.05., 23:43 h
        Stören sie etwa „jeder/all-Sätze“? Der Christus ist in seinen ähnlich formulierten Gleichnissen wunderbar unverbindlich und damit dennoch sehr konkret geworden. Welche der über 250 Päpste hat denn auch nur im Ansatz so etwas wie ein Evangelium erschaffen, hm? Alle hinkten sie diesem Licht nur hinterher! Mal schlecht, mal recht, in ihrer jeweiligen Zeit und Umständen. Einem Evangelium, von dem ich behaupte, das es eine derartige geistige power hatte, das es allein bis dato die Grundfeste unserer westlich geprägten „domokratischen“ Gesellschaft darstellt, welche jedoch nichts anderes ist, als eine im Grundsatz christliche.
        Welchen Fußabdruck haben denn Päpste diesbezüglich hinterlassen? Von dem von ihnen genannten Pius III heißt es, er könne vergiftet worden sein. Marcellus II. verstarb nach einem Pontifikat von nur 22 Tagen. Tatsächliche Auswirkungen ähnlich auch nur annähernd des Evangeliums, sind bei keinem der über 250 in der Anzahl und beim besten Willen nicht auszumachen.

        • Novalis
          25.05.2020, 10:38 Uhr.

          Die Ausgangsaussage war: „Waren nicht alle Päpste umstritten?!“

          Nein, waren sie eben nicht. Es geht um die Päpste, nicht um ihre Kardinalszeit. Sie können auch gern zu Papst Lando was suchen. Und ja, jeder/all/ganz-Sätze, die so ungeschützt dahergeplappert werden, dienen zu nichts. Sie haben einen gleichhohen propositionalen wie informationellen Gehalt.

          • Silberdistel
            25.05.2020, 22:01 Uhr.

            Novalis
            25.05., 10:38 h
            Dann wagen sie mal den Umkehrschluß: Welcher der Päpste konnte dem Evangelium etwas nennenswertes hinzufügen, hm? Nicht, diesem nicht zu schaden, das sollte nicht als Kriterium dienen.
            Es ist zu befürchten, das WENN bis dato eine geistige Kraft wirkt, dann ist es der ´input´, das „update des Christus“, um es flapsig auszudrücken. Und letztlich die der ewigen Gegenkraft. Vielleicht war der Papst noch der beste, der über sich selbst sagte: „…. nimm Dich nicht so wichtig“.

          • Novalix
            26.05.2020, 9:38 Uhr.

            Dem Evangelium KANN man christlicherseits nichts hinzufügen.

      • Wanda
        23.05.2020, 18:45 Uhr.

        Novalis 20.05 23:43
        – Gerne, aber vorab: Sie meinen wirklich den Marcellus II mit seinem nur 22 Tage dauernden Pontifikat, von dem eigentlich nicht viel mehr als die nach ihm benannte, von Palestrina komponierte Messe erwähnt ist ? Nun, vielleicht noch seine vorherige Aufgabe als Bibliothekar für den Vatikan und als Mitglied der Hl. Inquisition.
        – Zu Pius III ist festzustellen, dass er als Beispiel für den berühmt berüchtigten päpstlichen Nepotismus seiner Epoche gelten darf. Zur Papstdynastie Piccolomini gehörend wurde seine geistliche Karriere obwohl Vater von 12 Kindern von seinem Onkel Pius II (nur 2 Kinder) kräftig angeschoben, um dann am 22.09. 1503 „gewählt“ am 13. Oktober aber schon ins wieder Paradies abberufen (oder noch höher befördert) zu werden. Fazit: Sie sollte nicht unbedingt Renaissance-Päpste als leuchtendes Beispiel nennen. Ist kontraproduktiv.

        • Novalis
          25.05.2020, 10:41 Uhr.

          „Fazit: Sie sollte nicht unbedingt Renaissance-Päpste als leuchtendes Beispiel nennen.“
          Wie man da nur drauf kommt… Man findet eben nur nichts, was man als umstritten in deren Pontifikat findet. Wenn Sie sprachliche Präzision nicht beherrschen, ist das Ihre Angelegenheit.

      • Carla Maltese
        26.05.2020, 8:47 Uhr.

        Unterm Strich bleibt folgende Bilanz:
        Es gab vereinzelt auch gute Päpste. Ein Roncalli hat sich nichts zuschulden kommen lassen und auch Giacomo della Chiesa alias Benedikt der XV. hat viel gutes getan. Luciani hat in seiner nur wenige dauernden Amtszeit doch ein Fenster der Hoffnung auf eine bessere Kirche, näher am Evangelium, geöffnet.
        Aber die Gesamtbilanz dieses absolutistischen Papsttums ist katastrophal. Im Gesamtbild waren die Päpste ab dem Hochmittelalter eher Nachfolger der römischen Kaiser als Nachfolger Christi. Und wenn ein Papst etwas gutes aufgebaut hat, hat es der Nachfolger wieder abgerissen.

  • Carla Maltese
    21.05.2020, 9:32 Uhr.

    Um auch mal ein gutes Haar an Wojtywa zu lassen: Lobenswert ist sein Einsatz damals gegen den Irakkrieg.

    Man darf Saddam Hussein jetzt auch nicht glorifizieren: er war ein Diktator und die irakische Bevölkerung war nicht frei. Insbesondere die schiitische Bevölkerungsmehrheit bekam die Willkür der sunnitischen Machtelite zu spüren.

    Aber andererseits muss man sich die Konstellation mal vorstellen: 8 Jahre lang durfte er mit ausdrücklicher Billigung und Unterstützung der USA einen wirklich sehr schlimmen Krieg gegen den Iran führen, mit Gas und allem. Insgesamt bis zu 800.000 Tote. Alle westlichen Regierungen haben zynisch weggesehen, keine hatte irgendein Interesse daran, dieses Gemetzel auch nur mit den zartesten Sanktionen zu stoppen.
    Saddam Hussein marschierte dann wegen einem Ölfeld im Grenzgeboiet das illegal seitlich angebohrt worden sein soll (ob es wirklich so gewesen sein kann, müsste man mal unabhängig nachrechnen. Es gibt Spezialstähle, die halten irre Torsionsbelastungen aus, sonst könnte man ja nicht mehrere km tief bohren, aber ob das 1989 auch für gleichzeitige enorme Biegebeanspruchung gilt, wäre zu klären), plötzlich war er der schlimmste Diktator aller Zeiten, der böseste Mensch der Welt, die größte Bedrohung für die ganze Welt, der Satan selbst. Nicht wegen dem ganzen irak-iranischen Krieg, nicht weil er 5.000 Kurden vergasen ließ, das war allen westlichen Regierungen komplett egal gewesen. Einzig und allein wegen der Annexion von Kuweit, einem wichtigen Ölexporteur.
    Leider, den Vorwurf muss man dem ZDF machen, und damit auch Herrn Erbacher und der leider von uns gegangenen Frau Pilters, hat auch das ZDF anschließend das Schmierentheater des US-Generalstabes vom „sauberen Krieg“ und den „präzisen Bomben“ mitgespielt. In Wirklichkeit wurde der Irak ins 19. Jahrhundert zurück gebombt. Kraftwerke, Wasserwerke, Kläranlagen, Schulen, alles wurde zerstört, die nächsten Jahre herrschten Hunger und ein permanenter Mangel an Impfstoffen und Medikamenten.

    Der rest ist bekannt: Es kam nichts Gutes raus.

    Wojtywa war hier eine mahnende Stimme die vollkommen recht hatte.

    Heute würde er wahrscheinlich auch Putins Propaganda kritisch beobachten, also wie es Putins Medienkanäle schaffen, hier das Vertrauen in die Demokratie zu unterminieren und dafür Putin als Lichtgestalt darzustellen, als Friedensengel der Assad nur hilft, böse islamistische Terroristen zu besiegen.
    Dazu eine Anmerkung: Teile Russlands scheinen gerade komplett abgeriegelt zu sein, jedenfalls Sosnowij Bor ist nicht mehr zu erreichen. Meine Mutter hat neulich versucht, dort jemanden anzurufen, Emails kommen auch nicht mehr durch. Merkwürdiges Verhalten für eine „blühende Demokratie“.

    • Wanda
      22.05.2020, 15:11 Uhr.

      Thema verfehlt: wie üblich weit abschweifend und angereichert mit persönlichen Befindlichkeiten. . .

  • bernardo
    23.05.2020, 13:47 Uhr.

    Herr Erbacher, ich kann mit dem Begriff „umstritten“ nichts anfangen. Jesus Christus selbst war „umstritten“, so umstritten, dass er zwischen allen Stühlen saß. „Weh euch, wenn euch alle Menschen loben; denn ebenso haben es ihre Väter mit den falschen Propheten gemacht.“ Ich gestehe, mir gefällt das Lob von „liberal rags“ wie der NYT oder der Washington Post oder der Zeit für Franziskus nicht; er müsste sich fragen, ob er etwas falsch gemacht hat, wenn er von diesen Leuten gelobt wird.

    Wie alle Menschen war Karol Wojtyla fehlbar: Er hat sich zu wenig um administrative Dinge gekümmert, er war kein Manager, sein Insistieren auf der Sexualmoral war übertrieben, seine Verurteilung der Pille in Ländern wie Uganda (ca. sieben Kinder pro Frau) deplaziert, sein Handling in der Missbrauchsfrage desaströs. Dennoch war er ein glaubwürdiger Vertreter Christi bis in den Tod hinein, ein Verfechter der Menschenrechte und des Friedens, ein geschickter Politiker (zum Leidwesen der polnischen Kommunisten). Er war der größte Papst des 20. Jahrhunderts.

    • Novalis
      25.05.2020, 10:33 Uhr.

      Die New York Times ist ein Schmierblatt? Erstaunlich, wie weit manche ihre Trumpismen treiben…

      • bernardo
        26.05.2020, 10:12 Uhr.

        Lesen Sie die NYT? Ich lese sie, allerdings immer seltener.

    • Carla Maltese
      25.05.2020, 15:19 Uhr.

      Fehlerfrei ist niemand. Auch keine Fürhungspersönlichkeit. Auch kein Papst. Auch Franziskus macht Fehler, und von dem bin ich noch immer ein sehr großer Fan, er ist wirklich ein ganz großer Papst, schon weil durchaus erkennbar ist, daß er langfristig eine synodale Kirche will, auch wenn er selber da noch viel Lernbedarf hat.

      Das Problem ist, und die Bilanz muss man bei Wojtywa ziehen, wenn man eine Führungsaufgabe bekommt und sich selbst schon für perfekt hält und den eigenen Blickwinkel für den einzigen rechtmäßig existierenden.
      Wojtywa hatte, bevor die Parkinsonerkrankung übermächtig wurde, mehr als 20 Jahre lang Gelegenheit dazuzulernen, er hat keine der Lernmöglichkeiten ergriffen.
      Wenn man sich schon berechtigt fühlt, eine riesengroße Kirche mit Gemeinden auf der ganzen Erde als Alleinherrscher zu regieren, dann hat man kein Recht mehr, alles unter dem Blickwinkel zu sehen: Wir müssen uns mit unserer eigenen „reinen“ Lehre streng vom Kommunismus und der Russifizierung unter den Sowjets abgrenzen.
      Solange man noch Erzbischof von Krakau während der Sowjetzeit ist und keine anderen Probleme kennt, mag es berechtigt sein. Nicht aber wenn man plötzlich Verantwortung für römische Katholiken in Nordamerika, Südamerika, Asien, Westeuropa und Afrika trägt.

      Wer jedenfalls die römisch-katholische Kirche in einem solchen Zustand hinterlässt, mit tiefen Spaltungen und Schismen, hier in Westeuropa völlig kraftlos und für die nichtgläubige Öffentlichkeit eine Lächerlichkeit, anderstwo mit verschüchterten Gläubigen die sich nicht trauen, ihre eigene Meinung zu sagen, und dann noch mit Zeitbomben die noch Jahre nach seinem Tod für gewaltige Austrittswellen sorgen, der ist ganz sicher NICHT der größte Papst des 20. Jahrhunderts.

      Das war eher Roncalli.

    • Wanda
      25.05.2020, 17:34 Uhr.

      Bernardo: 23.05 13:47
      – Sie haben insofern recht, dass auch Jesus umstritten war aber doch wohl in ganz anderem Sinne als Wojtyla. Er war als jüdischer Rabbi genau das Gegenteil dieses selbstgerechten, unerbittlichen Papstes, denn er wandte sich auch und gerade religiösen Aussenseitern, Verfemten und Verachteten zu, die ausserhalb der jüdisch geprägten Glaubensgemeinschaft standen. Einer Gesellschaft, die total religiös bestimmt war und überbordete von sinnlosen exzessiven Regeln: weit mehr als die heute von den Mullahs geschaffene Theokratie im Iran. Insofern hinkt Ihr Vergleich, wobei ich die Unbeugsamkeit Wojtylas gegen den Kommunismus durchaus anerkenne. Paradox: in meinen Augen war er als Christ genau das personifizierte Äquivalent zu den Steinzeit-Stalinisten auf kommunistischer Seite.

  • Christ343
    24.05.2020, 17:26 Uhr.

    Vieles an der christlich-konservativen Haltung dieses Papstes war vorbildlich. Allerdings ist der Theismus abzulehnen. Spinoza muss als Vorbild dienen. Ausführlich behandelt werden die Themen in der Öko-Theosophie (bitte googeln).

    • Carla Maltese
      27.05.2020, 6:35 Uhr.

      Begründung?
      Logischer Grund, warum wir Ihrem Spinoza folgen sollen? (Wer auch immer das ist)

      Aktuell fordern uns gerade ziemlich viele sehr kranken Männer die eigentlich dringend Hilfe brauchen auf, ihren seltsamen Thesen und auch Wahnideen zu folgen. Wir haben momentan keinen Mangel an geschlossenen Weltbildern die alles außer sich selbst ablehnen, aber einen eklatanten Mangel an Fähigkeit, die Mitmenschen zu verstehen.

  • Jürgen Erbacher
    Jürgen Erbacher
    25.05.2020, 17:18 Uhr.

    Es werden keine weiteren Kommentare freigeschaltet, die sich mit den Mitschreibenden beschäftigen.

    • Wanda
      26.05.2020, 20:19 Uhr.

      Wenn es konsequent und für jeden gilt…

  • bernardo
    26.05.2020, 11:08 Uhr.

    @ Carla Maltese: Ich sehe es etwas anders. Auch eine „synodale Kirche“ braucht Führung: Franziskus weiß das, und er führt die Kirche. Von Papa Roncalli, der seine Meriten hatte, ist zu wenig Führung ausgegangen. Er hat Montini ein schweres Erbe hinterlassen. So wie Montini Wojtyla ein schweres Erbe hinterlassen hat. Dieser war sich natürlich der Tatsache bewusst, gerade als Pole, der der Kommunistischen Partei widerstehen musste, dass nur eine geeinte Kirche ein Machtfaktor ist.

    @ Wanda: Ich sehe ihn nicht so. Was ich sehe, ist ein Philosoph, der einen hohen Anspruch an den Menschen hatte. Ich habe ihn persönlich erlebt, mit ihm ein paar Worte gewechselt, wenngleich etwas small talk und nichts Weltbewegendes. Sein Humor, seine Augen waren nicht die eines Hardliners, eines Steinzeitkatholiken. (btw, im polnischen Episkopat galt er als „Progressiver“, und im Gegensatz zu Wyszyński, der Ratzingers „Einführung in das Christentum“ in seinem Priesterseminar verboten hatte, hatte es Wojtyla erlaubt. Anders als Wyszyński fuhr Wojtyla einen pragmatischen Kurs gegenüber den Kommunisten.) Als Italiener würde ich natürlich lieber einen Italiener als größten Papst des 20. Jahrhunderts sehen, aber ich sehe keinen.

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