Der Papst in Südostafrika – Tag 1

Begeistert ist Franziskus am Mittwochabend in Maputo empfangen worden. Zehntausende säumten die sieben Kilometer lange Strecke des Papamobils vom Internationalen Flughafen zur Nuntiatur im Zentrum von Maputo. Die Menschen erhoffen sich von dem Besuch einen Impuls für den Versöhnungs- und Friedensprozess im Land. Der Papst zog sich nach der Papamobilfahrt durch die Straßen der Hauptstadt Mosambiks in die Nuntiatur zurück. Außer der Begrüßung am Flughafen durch Präsident Filipe Jacinto Nyusi gab es am ersten Reisetag keine offiziellen Programmpunkte. Über 10 Stunden Flug, mehr als 8.300 Kilometer und eine knappe Stunde Small-Talk mit den knapp 70 mitreisenden Journalisten lagen da hinter dem Papst. Gesprochen wurde wieder über Gott und die Welt. Zwei Aussagen sorgten für Diskussionsstoff unter den Journalisten.

Wenn der Papst mit Journalisten spricht, verspricht es interessant zu werden. (Quelle: Erbacher)

Franziskus zu Kritik an seinem Pontifikat

Papst Franziskus ist immer für ungewöhnliche Aussagen und Vergleiche gut. Angesprochen auf kritische Aussagen des deutschen Kardinals Gerhard Ludwig Müller meinte das Kirchenoberhaupt: „Er hat gute Absichten, er ist ein guter Mann. Der Papst mag ihn. Aber er ist wie ein Kind.“ Der ehemalige Präfekt der Glaubenskongregation hatte sich in der Vergangenheit wiederholt distanziert zu Aktionen und Worten des amtierenden Pontifex geäußert. Vatikansprecher Matteo Bruni betonte, Franziskus sei es bei seiner Aussage um eine Wertschätzung des Kardinals gegangen.

Bruni musste auch in einem zweiten Fall präzisieren. Der französische Kollege Nicolas Senèze überreichte dem Papst sein Buch „Wie Amerika den Papst verändern will“. Darin beschäftigt sich Senèze mit der Kritik an Franziskus, die etwa aus dem Umfeld des ehemaligen Nuntius in den USA, Erzbischof Carlo Maria Vigano, sowie aus konservativen politischen Kreisen kommt. Die Reaktion des Papstes: „Es ist eine Ehre, wenn die Amerikaner mich angreifen.“ Brunis Einordnung lautete später: Der Papst habe in einem informellen Kontext seine Wertschätzung gegenüber Kritik ausdrücken wollen, besonders wenn sie von „maßgeblichen Denkern“ käme und in diesem Fall „von einer bedeutenden Nation“.

Papst besucht Katastrophengebiet nicht

Bevor sich Franziskus von den Journalisten verabschiedete, bat er um das Gebet für die vom Wirbelsturm Betroffenen auf den Bahamas. Auf die Opfer von Naturkatastrophen trifft Franziskus auch während seiner sechstägigen Reise nach Mosambik, Madagaskar und Mauritius. Allerdings hofften die Betroffenen der jüngsten Wirbelstürme in Mosambik vergeblich auf den Besuch des Papstes in ihren Regionen. Ob Franziskus Opfer der am meisten von „Idai“ und „Kenneth“ betroffenen Gebiete treffen wird, ist noch offen. Der Vatikan erklärte, aus Zeitgründen sei ein Abstecher nicht möglich. Zudem wolle der Papst durch einen Besuch nicht Ressourcen binden, die für den Wiederaufbau wichtiger gebraucht würden.

Das Thema Umweltschutz und Klimawandel dürfte sich aber wie ein roter Faden durch die 31. Auslandsreise von Franziskus ziehen. Daneben rücken mit dem Besuch einer Region, die zur ärmsten der Welt gehört, Fragen von Gerechtigkeit und Entwicklung in den Fokus. Im Durchschnitt liegt das Einkommen in Mosambik bei 400 Euro pro Kopf im Jahr. Damit sind die politischen Kernthemen des Pontifikats während der Reise präsent und es liegt auf der Hand, warum Franziskus diese Ziele gewählt hat. Daneben wird es um die Frage der Pastoral und des Kirche-Seins in einem multireligiösen Umfeld gehen. In Mosambik und Madagaskar gehört die Hälfte der Einwohner einer traditionellen afrikanischen Religion an. Auf Mauritius sind knapp die Hälfte der Einwohner Hindus. Die Katholiken machen zwischen 25 und 35 Prozent aus, die Muslime zwischen sieben und 20 Prozent. Die katholische Kirche steht vor großen Herausforderungen angesichts wachsender Zahlen bei evangelikalen Gemeinschaften und den Muslimen.

Papst als Brückenbauer

Nicht nur die religiöse Vielfalt, auch die große Zahl der Ethnien und die schwierigen politischen Verhältnisse sind eine Herausforderung für das Miteinander in der Region. Begegnung und Dialog sind wiederum für Franziskus zwei wichtige Handlungsfelder seines Pontifikats. Er möchte Menschen zusammenbringen, Räume bieten für Gespräche. In Mosambik ist die Kirche seit langer Zeit in die Friedensgespräche eingebunden. 1972 wurde durch Vermittlung der lokalen Kirche und der römischen Basisgemeinschaft Sant’Egidio ein Friedensabkommen unterzeichnet. Es sollte einen 17 Jahre andauernden Bürgerkrieg beenden, der eine Million Tote forderte und bis zu vier Millionen Menschen, also knapp 15 Prozent der Bevölkerung, zu Binnenflüchtlingen machte. Bis heute ist das Land nicht zur Ruhe gekommen. Erst vor wenigen Wochen schlossen der Präsident und Vertreter der bewaffneten Opposition ein neues Abkommen. Noch ist ungewiss, ob dieses nun der Durchbruch ist. Als Papst Johannes Paul II. 1988 Mosambik besuchte, gab dies den Friedensbemühungen entscheidenden Schwung. Viele hoffen daher, dass Franziskus die Konfliktparteien bewegen kann, dem Frieden endgültig eine Chance zu geben. Der Papst ist also einmal mehr als Brückenbauer unterwegs.

Autorenbild

Jürgen Erbacher

Seit Juli 2018 leite ich die ZDF-Redaktion "Kirche und Leben katholisch", für die ich seit 2005 über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche berichte. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.

30 Kommentare

  • Carla Maltese
    04.09.2019, 22:22 Uhr.

    Wie immer gefallen mir Herrn Erbachers Fotos sehr.

    Mosambik hatte einen schlimmen Bürgerkrieg, ist aber bis auf den schweren Wirbelsturm letztes Jahr mit einer leider vierstelligen Anzahl Toter aus dem Fokus der Weltöffentlichkeit geraten.
    Es gab einige Mosambikaner als Vertragsarbeiter in der DDR (wo sie schon damals von Rechten zusammengedroschen wurden).

    Zwei Marotten von Franzismus gehen mir definitiv auf die Nerven, auch wenn ich ihn ansonsten noch immer sehr mag:
    Die ständige Aufforderung, für ihn zu beten und die gelegentliche Marotte, von sich in der 3. Person zu sprechen.

    Übrigens war auch die SEEWA (SchnellEinsatzEinheit Wasser Ausland) des THW nach dem Wirbelsturm Idai in Mosambik. Darunter ein Kamerad aus dem Ortsverband von Herrn Erbachers Stadt, also da wo die Redaktion residiert.

    Es sind schon interessante und sehr wichtige Themen auf dem Plan in Mosambik! Mal sehen wie sich die Reise weiter gestaltet.

    • Novalis
      05.09.2019, 15:51 Uhr.

      Also ich habe nichts dagegen, dass er um das Gebet bittet. Ich mache das auch bei Freunden und ich tu das auch für Freunde, ja sogar für Verbitterte oder Miesepeter, die mir übel wollen. Wir brauchen viel mehr Humor. Fanatiker und Rechtsradikale haben bekanntlich keinen.

  • Novalis
    05.09.2019, 12:08 Uhr.

    „Er hat gute Absichten, er ist ein guter Mann. Der Papst mag ihn. Aber er ist wie ein Kind.“
    Schon Wolfgang Beinert sagte am Anfang der unseligen Bischofszeit von Müller: „Müller behandelt seine Diözese wie ein Kind seine Modelleisenbahn“. Aber da passt Müller ja gut zu Ratzinger, der am Heiligen Abend nach der Messe noch einmal Messe gespielt hat mit den Zinnkelchen und kleinen Altärchen aus der Kinderzeit. Regressive geistige Strukturen…

    • Wanda
      05.09.2019, 18:05 Uhr.

      Der arme Bruni: seine Aufgabe ist es, nach durchaus ernst gemeinten Äusserungen Franziskus‘ eine allgemein akzeptable und nachgebesserte Lesart bzw. Interpretation anbieten zu müssen – allerdings zu oft*. Dass er sich dabei verrenkt und windet, gehört wohl zu seinem undankbaren Geschäft. Ähnlichkeiten mit der profanen Politik sind unübersehbar.
      *) Merke: das gesprochene Wort und die verlorene Zeit bekommst du nicht zurück

      • Silvia
        05.09.2019, 22:17 Uhr.

        Dieses Glattbügeln päpstlicher Spontanäußerungen ist das undankbarer Geschäft aller Papstsprecher im derzeitigen Pontifikat.

        Wenn ich noch daran denke, welche sprachlichen und geistigen Verrenkungen der gute P. Lombardi immer gemacht hat, um Papstaussagen zu entschärfen nd akzeptabel klingen zu lassen …

        Was ausgerechnet an einem theologischen Schwergewicht wie Kardinal Müller so kindlich oder gar kindisch sein soll, erschließt sich mir nicht.

        Ich lese z.Zt. gerade Müllers Buch „Römische Begegnungen“, und das ist keine intellektuell leichte Kost.

  • Silberdistel
    05.09.2019, 13:13 Uhr.

    Müller ist gebürtiger Mainz-Finthener. Wobei die Mainzer den Finthenern den Status verliehen haben, den die Ostfriesen bei den Deutschen inne halten. Sagt für die ohnehin (Fastnacht-) Narrenhochburg Mainz doch schon so einiges aus 😀
    Dazu gibt es einen schönen Witz: Zwei Finthener gehen zum Eisfischen. Dazu schlagen sie ein Loch ins Eis. Da ertönt von oben auf einmal eine gewaltige Stimme „Nicht hier“. Die beiden gehen ein paar Schritte weiter und schlagen erneut ein Loch ins Eis. Und wieder ertönt von oben die gewaltige Stimme: „Nicht hier“. Da reckt einer der beiden die Arme gen Himmel und lobt: „Oh Herr, ich habe immer an dich geglaubt und nun offenbarst du dich endlich!“. Antwortet die gewaltige Stimme wiederum: „Ich bin der Stadionsprecher“. (Mainz hat eine ganz gute Eissporthalle).

    • Novalis
      05.09.2019, 15:49 Uhr.

      Sehr gut! Habe gut gelacht. Leider hat der Kardinal keinen Humor. Er wurde ausgesprochen böse, als ein Pfarrer in Altötting diesen Witz erzählte: Was hat Spargel mit Klerikern gemeinsam? Wenn sie violett werden, dann werden sie ungenießbar (Anm. für die, die das nicht wissen sollten: Während die heute kaum mehr von Priestern getragene Soutane schwarz ist, ist die von Prälaten und Bischöfen violett).

    • Carla Maltese
      05.09.2019, 19:24 Uhr.

      Ja und? Einer der aus Mainz-Finthen kommt, zählt für Herrn Erbacher wenigstens, ein Bischof der aus einer großen Industrie- und Arbeiterstadt kommt, wird von Herrn Erbacher ausgiebig ignoriert!

      Und mag sein daß Mainz eine ganz gute Eispporthalle hat, aber ein anderer Verein wurde dieses Jahr wiederholt Deutscher Meister im Eishockey!

  • Erasmus
    05.09.2019, 14:27 Uhr.

    „Er hat gute Absichten, er ist ein guter Mann. Der Papst mag ihn. Aber er ist wie ein Kind.“

    Eine überraschende Antwort. Einerseits unterstellt Franziskus Kardinal Müller eine konstruktive Grundmotivation, andererseits besagt die Metapher Kind, dass da jemand nicht voll auf Augenhöhe ist. Eine klare Antwort auf Müllers grenzwertiges Verhalten, aus dem Off Papstkritik zu üben. Indem der Papst das Agieren des Ex-Präfekten der Glaubenskongregation unter „kindliche Egozentrik“ subsumiert, bringt er zum Ausdruck, dass er Müllers Attitüde, sich zum innerkirchlichen Gegenspieler aufzuspielen, zurückweist.

  • Wanda
    05.09.2019, 17:42 Uhr.

    Einspruch:
    – Was Mozambik angeht, ist „Umweltschutz und Klimawandel“ als roter Faden absolut zweitrangig. Auch die Religionsvielfalt (wie schön) ist nicht massgebend, was die Bewältigung der Lebensumstände angeht. Den Menschen brennen ganz andere Probleme auf der Haut. Man informiere sich bei den internationalen Hilfs-, Arzt- und Kinderschutzorganisationen.
    – Am gravierendsten sind: 1. die unfassbare Verbreitung von HIV (wie in vielen, besonders ostafrik. Staaten entlang der Landtransportrouten) und 2. die überaus schlimme Situation der Kinder ohne Schutz gegen Missbrauch, Zwangsehen, Kriegsdienst und Kinderarbeit sowie 3. der enorme, nicht zu bremsende Bevölkerungszuwachs.
    Zu Letzterem wird sich Franziskus aus den hinlänglich bekannten Gründen sowieso nicht kritisch äussern.

    • Silberdistel
      06.09.2019, 7:38 Uhr.

      Wanda
      05.09., 17:42 h
      Vorsicht, sie sprechen Tabus an! Wirklich alle behandeln lieber Sekundärthemen, aber ja nicht Afrika´s Hauptproblem, die Überbevölkerung. Gerade dort wird es keinen Umwelt-, Natur- & Artenschutz geben. Welche allerdings implizit verlangen, das es den Schutz vor der wachsenden Zahl von Menschen, mehr noch Verbrauchern, gibt.
      Von einem Papst kann man dazu aber keine Problemlösung erwarten, eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr. Wie sie es erwähnten, die Position der Kirche hierzu ist hinlänglich und wie ich meine zum Überdruss bekannt: Noch nicht einmal Verhütung ist erlaubt. Man gibt sich lieber der zuletzt sterbenden Hoffnung hin, das eines Tages alle der kath. Sexual- und Morallehre folgen werden. Überläßt so jedoch die Menschen Afrikas (ziemlich kaltschnäuzig wie ich finde) lieber der Überbevölkerung (Geburtenrate 4,3 – 7,5 Kinder pro Frau) sowie der Seuche Aids. Was wohl der Christus dazu sagen würde? Vielleicht, das er zum Schnackseln überhaupt nichts gesagt hat, jedoch man der Liebe folgen soll..!
      Aber jene, die diese brennenden Themen tatsächlich etwas angehen sollte, die UN, versagt genauso. Eine UN, in der sich eigentlich der gesamte Sachverstand der Menschheit sublimieren sollte. Welche in den letzten Jahrzehnten jedoch zum politischen, milliardenverschlingenden Bürokratiemonster geradezu verkommen ist.
      Vielleicht sollte man diese tatsächlichen Probleme der Menschheit besser einer KI mit nun vorhandenen Hochleistungsrechnern überlassen. Als darauf zu hoffen, das sich der Mensch selbst helfen könnte. Oder eine göttliche Botschaft die Menschheit erreichen könnte.

      • Carla Maltese
        08.09.2019, 19:26 Uhr.

        Äthiopien hat gerade eine beachtliche Menge Bäume gepflanzt (und wir haben unsere Wälder viele Jahrzehnte lang schlecht behandelt und Fichtenplantagen draus gemacht), in einem weiteren afrikanischen Land steht vielleicht noch ein Projekt zum Wassermanagement und zur Aufforstung an, es flatterte unserer Regionalgruppe meiner anderen ehrenamtlichen Tätigkeit ins Haus aber noch ist es nicht fix, also noch kann ich nicht viel verraten, in Ruanda und noch einem afrikanischen Land wurden sämtliche Plastiktüten verboten.
        Also Interesse an Umwelt- und Naturschutz regt sich durchaus auch in Afrika.

        • Wanda
          09.09.2019, 16:50 Uhr.

          Carla Maltese 08.09. 19:26
          Kosmetik, mehr nicht…

          • Carla Maltese
            09.09.2019, 22:52 Uhr.

            Alles macht man mal zum ersten Mal, mit allem fängt man irgendwann mal an!

            Meine Güte, als ich ein Kind war, war das hier noch Science Fiction, da war Datex-P der technische Gipfel! CAD gab es auch kaum, ich habe es beruflich immer wieder mit eingescannten Tuschezeichnungen aus der Ära zu tun! Und wo sind wir heute?

            […]*

            Es ist meistens zäh und frústrierend, neue Wege zu beschreiten, etwas neues großes anzufangen, wenn sich der bisherige Gang der Dinge schon so eingeschliffen hat daß er selbstverständlich geworden ist. Aber da muss man durch!
            Wenn nicht immer wieder Menschen trotz aller Schwierigkeiten neues gewagt hätten, gekämpft hätten bis zur Erschöpfung, wäre die Menschheit nie aus der Steinzeithöhle rausgekommen.
            Der Ackerbau fing mal mit ein paar Grassamen an.

            *Der Beitrag wurde wegen des Verstoßes gegen die Netiquette editiert.

  • Carla Maltese
    05.09.2019, 19:20 Uhr.

    Ich frage mich allerdings, aus welcher Altersklasse die Kommentare hier eigentlich kommen.

    Hallo, eigentlich geht es um eine Reise in ein ehemaliges Bürgerkriegsgebiet? Um die Möglichkeiten dort, was Franziskus vielleicht bewirken kann??

    Aber alles was man hier tut ist, sich über den Müller zu amüsieren….

    Mag sein daß Mosambik keine weltberühmte Kathedrale mit abgebranntem Dach zu bieten hat, aber ein wenig Aufmerksamkeit hier HAT das Land verdient!
    Herrn Erbachers Artikel ist keine Deko um ein bischen Klatsch und Tratsch um Kardinäle herum!!

  • Jürgen Erbacher
    Jürgen Erbacher
    05.09.2019, 19:43 Uhr.

    Wir werden künftig nur noch Kommentare freischalten, die sich ausschließlich mit dem Thema beschäftigen. Sobald Angriffe, Polemiken und Unterstellungen gegenüber anderen Mitschreibenden enthalten sind, wird der komplette Kommentar gelöscht.

  • bernardo
    06.09.2019, 10:26 Uhr.

    Zu Mosambik: Eines der ärmsten Länder der Welt, auch wenn es bemerkenswerte Fortschritte gibt. Ich denke, der Papst hat hier die Möglichkeit, die Afrikaner daran zu erinnern – auf diplomatische Weise daran zu erinnern -, dass sie jetzt die Verantwortung für ihre Länder haben. Es gibt immer noch zu viele Afrikaner (vor allem aber Europäer), die glauben, alle Verantwortung auf den Kolonialismus abschieben zu können.

    Zu Müller: Es ist eine Respektlosigkeit, so in der Öffentlichkeit über einen früheren Mitarbeiter zu sprechen. Papst Bergoglio ist ein Mann ohne Stil und ohne Manieren.

    Zum papa emerito: Ich glaube, ich lese nicht richtig. Benedikt hat „also Messe gespielt hat mit den Zinnkelchen und kleinen Altärchen aus der Kinderzeit.“ Das Zelebrieren der Messe ist also ein Kleinjungenspiel? Es ist unglaublich, was hier geschrieben wird.

    Zur Humorlosigkeit: Ja, Fanatiker haben keinen Humor. Das gilt für rechtsradikale wie für linksradikale und für islamistische Fanatiker. Progressive haben in der Regel auch keinen Humor, denn Humor ist vor allem die Fähigkeit, sich selbst nicht so wichtig zu nehmen. (Wie JXXIII., der meinte, Angelo nimm dich nicht so ernst.) Was sie haben, ist das ätzende Gelächter über den politischen Gegner, das im Sinne von Saul Alinsky aber eher eine politische Waffe ist.

    @ Wanda: Danke für Ihre freundlichen Worte. Ich darf das Kompliment zurückgeben: Auch ich teile vieles nicht, was Sie schreiben, ziehe aber Gewinn daraus.

    • Carla Maltese
      08.09.2019, 17:58 Uhr.

      Zu Mosambik: Die Afrikaner hätten ja gern einen fairen Zugang zum Welthandel und alles, also würden gern auch als souveräne Staaten behandelt werden, aber das klappt noch nicht! Es gibt tatsächlich Erpressungen: Entweder akzeptieren sie ein Freihandelsabkommen zu Lasten ihres eigenen Binnenmarktes oder kein Zugang zur EU. Dann überschwemmt mal eben europäisches Tomatenmark, Hühnerfleisch, Textilien usw. den afrikanischen Markt und die eigenen Erzeuger haben keine Chance mehr.
      Und sie müssten mal meinem ehemaligen mauretanischen Arbeitskollegen (ja, ich hatte zuletzt zwei afrikanische Kollegen) zuhören, was die Franzosen immernoch in Afrika veranstalten. Niger, da wird einem schlecht…
      Interessant ist auch, daß Nigeria(!!) nicht einmal eine eigene Raffinerie hat. Zwar wird das halbe Land versaut und vergiftet, von den ganzen Ölgewinnen kommt jedoch nichts im Land an. Dem geht es schlechter als vor dem Ölboom.
      Nun, wenn die Afrikaner wirklich die volle Verantwortung für ihre Länder in die Hand nehmen, dann werfen sie Areva aus dem Niger und die Ölkonzerne aus Nigeria. Dann werden Uran und Öl für uns deutlich teurer. Und wir werden unsere Landwirtschaftsüberschüsse und unseren Elektroschrott nicht mehr so einfach los.

      Zu Müller: Franziskus hat es auch nicht leicht mit einem ehemaligen Mitarbeiter der ihn in letzter Zeit immer wieder öffentlich beleidigt hat. Es ist ja auch so, daß er gute Absichten in ihm sieht, also er sieht ihn nicht als gefährlichen Gegner den er bekämpfen müsste (was hätten frühere Päpste wohl getan, hm?) oder als Häretiker oder so, er sieht das Gute in ihm.

      Zum papa emerito: Doch, soweit ich mich erinnere hat Ratzinger mal in einem Interview erklärt daß der einzige Kinderstreich den er mal gespielt hat das Nachspielen der Messe gewesen wäre.

      • Wanda
        10.09.2019, 18:55 Uhr.

        Carla Maltese 08.09. 17.58
        – da sind wir tatsächlich mal einer Meinung: die Afrikaner müssen sich endlich dazu bequemen, die Geldgeber ihre Potentaten aus dem Land zu werfen und selbst die Dinge in die Hand zu nehmen. Wenn es einen Erdteil gibt, der sich vollkommen unabhängig mit exportfähiger Überproduktion selbst ernähren könnte und zudem über enorme Bodenschätze verfügt, die sowohl eigengenutzt als auch zum profitablen Handelsgut Vorteile brächten, dann ist das Afrika.
        Solange die Menschen dort ihre politischen Vortänzer nicht in die Pflicht nehmen und deren Raffgier begreifen, ihre Länder und Völker an die meistbietenden Konzerne zu verschachern, wird sich nichts ändern.
        Ein Verwandter, der für einen Baukonzern in Nigeria eine Produktionsfirma aufgebaut und bis zur Produktion brachte, schilderte mir die Verhältnisse:
        1. alle ausländischen Firmen dort (auch die Ölförderkonzerne) sind mehrheitlich (meist 55%) in nigerianischer Hand, d.h. mit politischer Prominenz besetzt, womit dem Gesetz Genüge getan wird. Und diese besitzende Prominenz greift aus persönlich wirtschaftlichem Interessse wohlweislich in die Firmenbelange nicht ein.
        2. wirklich gut ausgebildete nigerianische Fachleute z.B. aus Oxford oder den internationalen Wirtschaftshochschulen verweigern höher bezahlte Posten, weil das Mehr an Gehalt sofort vom Clan eingefordert wird. Mehr Leistung und Verantwortung zahlt sich für Spezialisten, die nicht der Politprominenz angehören einfach nicht aus und diese verweigern sich deshalb.
        3. ein Viertel der hochbezahlten Managerposten der ausländischen Firmen vor Ort wird als sogenannte Geister-Schreibtische für nigerianische Prominente beansprucht und natürlich bezahlt.
        – So sieht die Praxis aus. Ein Wandel (Nigeria hat Südafrika als reichstes Land des Kontinents überholt) ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Nigerianer stellen mittlerweile die meisten schwarzafrikanischen Migranten nach Europa…

        • Carla Maltese
          11.09.2019, 16:32 Uhr.

          Mein jetzt ehemaliger mauretanischer Arbeitskollege hat auch schon über seinen Bruder geschimpft, weil der erwartet, dass er die ganze Zeit von ihm finanziert wird: „Der sitzt die ganze Zeit in Afrika unterm Baum und macht Kinder!!“ (Nicht von mir ausgedacht, das ist O-Ton!)
          Es hat halt eben auch die Großfamilie ihre Nachteile, das sage ich obwohl ich mal eine hatte! Die Familie bestimmt was gemacht wird, wen man heiraten soll, was man arbeiten soll, und kommt man zu einem höheren Posten, hält die ganze Bagasche die Hand auf.

          Andererseits können beide ehemalige afrikanische ehemalige Kollegen nur kariert gucken, wenn unser ziemlich rechter Kollege (er ist wirklich kein schlechter Mensch, aber er hat wohl einen unmöglichen Vater und der hat daheim wohl das alleinige Sagen) große Reden schwingt und dabei behauptet, dass die Großkonzerne so viel aufbauen würden in Afrika.
          Hahaha…

          Bei Ingenieure ohne Grenzen haben wir zb Kontakt zu einer einheimischen Organisation die ein handwerkliches Ausbildungsprogramm im ländlichen Raum aufbaut. Klar dass die noch nicht so weit sind wie unsere Handwerkskammern: Die Kolonialherren haben fast nichts brauchbares dagelassen, der ganze Kongo zb hatte bei seiner Unabhängigkeit gerade mal 9 Hochschulabsolventen!

          Franziskus täte jedenfalls den Afrikanern einen Gefallen, wenn er die ganzen ultrakonservativen Bischöfe zurückstutzen täte.
          Die Afrikaner müssen sich genauso wie wir ernsthafte Gedanken zum Thema Familienbilder im 21. Jahrhundert machen, da kann auch nicht mehr alles so funktionieren wie vor und während der Kolonialzeit, da haben Sie ganz recht. Und Bischöfe die da nur Vorstellungen von alten Griechen im Kopf haben, aus einer Zeit in der eh seriöse Forschung zum Thema Sexualität und Geschlechter nicht machbar war, weil die Frauen alle Sklaven waren und sich nicht frei äußern konnten und die Männer keine Ahnung von Frauen hatten, auch wenn sie verheiratet waren, helfen ihrer Herde gerade NICHT.

  • bernardo
    06.09.2019, 15:52 Uhr.

    Vielleicht noch zum Thema Humor: Mir ist aufgefallen, dass es im Unterschied zu früheren Päpsten keine Anekdoten über diesen Papst gibt. Sein Lächeln erscheint zu dem verschmitzten Lächeln Wojtylas eher wie ein verzogener Mund. Johannes XXIII. verdoppelte das Gehalt der Sänftenträger mit der Begründung, er sei ja auch doppelt so schwer wie sein Vorgänger. JPII. schickte einen Schweizer Gardisten, der vor seinem Büro Wache hielt, in die Mittagspause. Als dieser sagte, er müsse Wache stehen, nahm der Papst ihm die Hellebarde ab und sagte, er werde jetzt Wache stehen.

    Von Franziskus ist nichts Ähnliches überliefert. Einmal fragte er einen zehnjährigen Messdiener, der die Hände in Andacht gefaltet hielt, ob seine Hände festgeklebt seien. Ich selbst war mit zehn Jahren Messdiener. Wenn mir der Papst diese Frage vor laufenden Fernsehkameras gestellt hätte, wäre ich vor Scham wahrscheinlich am liebsten im Boden versunken. Das ist kein Humor, das ist das Vorführen anderer, an dem der Papst offensichtlich Gefallen findet, egal, ob es sich um einen ungeliebten Kurienkardinal oder einen Ministranten handelt.

    • Jürgen Erbacher
      Jürgen Erbacher
      07.09.2019, 13:03 Uhr.

      Franziskus brachte einem Schweizergardisten vor der Tür des Apartments in Santa Marta einen Stuhl, damit er nicht stehen muss – und dazu auch noch ein belegtes Brot. Die Schweizergardisten könnten also auch über diesen Papst einiges erzählen und nciht nur die. Die Runden am Nachmittag in Santa Marta, bei denen der Papst mit Freunden beisammen sitzt, sollen bisweilen auch sehr lustig sein.

      • Carla Maltese
        09.09.2019, 22:35 Uhr.

        Erst hatte Ihr Fotoapparat keinen Bock mehr, jetzt Ihr Foto!

    • Carla Maltese
      08.09.2019, 15:31 Uhr.

      Zahlreiche Fotobeweise widerlegen Ihre Behauptung.
      Es gibt von Franziskus sehr viele Fotos mit einem herzlichen Lachen oder einem strahlenden Lächeln.
      Nur nicht bei Gottesdiensten oder wenn er sich auf Staatsbesuch durch das offizielle Zeremoniell quält. Bei ersteren ist er in der Tat sehr ernst, letztere machen ihm sichtbar keine Freude.

      Das Gehalt der Sänftenträger wird er nicht verdoppeln, weil er keine mehr hat. Gottseidank nicht. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger hat er nicht einmal einen eigenen Haushalt den ihm 4 Nonnen führen, wenn ich mich richtig erinnere hat er sogar mal kritisiert, daß Bischöfe Nonnen als Hausmädchen halten.
      Und wie Wojtywa reagiert hätte, wenn er vorne am Rednerpult gestanden hätte und gleichzeitig ein kleines Kind zu ihm auf die Bühne gesprungen wäre und es sich in seinem Sessel bequem gemacht hätte? Und sich dann vor allen Leuten an seinem Bein festgeklammert hätte? Franziskus ist das passiert und er war sehr gelassen!

      • bernardo
        09.09.2019, 14:00 Uhr.

        Argentinier sagen, sie würden ihren ehemaligen mürrischen Oberhirten nicht wieder erkennen. Egal.

        Ich hatte die Ehre, in die Augen von JPII. zu blicken, den ich ohne Vorbehalte „den Großen“ nenne. Es waren die Augen eines gütigen und zugleich humorvollen Menschen, der immer klar gesprochen hat, egal ob es um Empfängnisverhütung (Proteste der Progressiven) oder um den Irakkrieg (Proteste der Neocons) ging. („Euer Ja sei ein Ja, euer nein ein nein“). Diese klare Position hatte er auch in der Auseinandersetzung mit der kommunistischen Diktatur, wenngleich seine Auseinandersetzung mit dem Regime etwas geschmeidiger war als die seines Kardinalprimas. Eine Klarheit, die ich mir von anderen wünschen würde…

        • Carla Maltese
          09.09.2019, 22:34 Uhr.

          Man kann halt auch klar ausgedrückt menschenverachtend sein, insbesondere frauenverachtend, Stichwort Müttersterblichkeit in den Entwicklungslänsern, Stichwort Frauenrechte allgemein!

          Hmja, Wojtywa (lobenswert, Novalis weiter oben, daß Sie das durchgestrichene L verwenden, ich bin zu faul es zu suchen und helfe mir stattdessen mit einem w), war sehr klar und eindeutig gegen Empfängnisverhütung…
          …in einer Zeit wo die Entwicklungsländer mit dem Bevölkerungszuwachs so langsam ein Problem haben. Und zwar ein großes.
          Und von AIDS rede ich lieber erst garnicht.

          Ist Ihnen schonmal aufgefallen, daß überall wo nicht mehr allein die Männer über die Fortpflanzung entscheiden sondern die Frauen mindestens genauso, also die Frauen als Menschen behandelt werden, nicht mehr als Gebärmaschine, die Geburtenrate sinkt? Tja, woran mag das wohl liegen?
          Doch offensichtlich daran, daß die Frauen nicht damit zufrieden sind, die Kinder einfach nur zu bekommen. Daran, daß den Frauen klar ist, daß man ein Kind auch ernähren, erziehen usw. muss. Da steckt man die Energie nicht mehr in 10 Geburten und überlässt es dem Zufall, wieviele Kinder (entschuldigen Sie die Ausdrucksweise, Herr Erbacher) verrecken und wieviele überleben bis sie alt genug sind, auf dem Acker mit anzupacken. Da steckt man die Energie lieber ins Großziehen weniger Kinder die dann auch erwachsen werden.

          Und zum Kommunismus: Das hat den Polen natürlich viel Mut gemacht, es hat den Arbeitern auf der Lenin-Werft in Danzig schon sehr geholfen.
          In lateinamerika war das jedoch die Axt im Walde. Dort hatten die kein Problem mit dem Kommunismus, selbst Òscar Romero wollte ihm klarmachen daß der Kommunismus in Lateinamerika nicht mit dem im Ostblock vergleichbar ist, dort hatten die ein problem mit rechten Militärdiktaturen. Ein sehr sehr großes. Und diese rechten Militärdiktaturen konnten sich auch noch päpstlich bestärkt fühlen.

      • Novalis
        10.09.2019, 2:41 Uhr.

        Liebe Carla Maltese,

        schön, dass Sie UND Herr Erbacher ZUSAMMEN das als nicht wahrheitsgemäß entlarven, was auch nicht wahrheitsgemäß ist.
        Ich fand zum Schenkelklopfen lustig, als er lachte über den Witz, den ihm Primas Welby erzählte: „Was ist der Unterschied zwischen einem Liturgiefanatiker und einem Terroristen? – Mit einem Terroristen kann man verhandeln.“
        Oder als nach der Wahl 2013 mit einem entlarvenden Satz der Seidensamtbrokatfetisch von Benedikt und Co. mitsamt roter Schuhe und Mozetta beiseite gewischt wurde: „Der Karneval ist vorbei“.
        Und urkomisch ist natürlich auch, wenn er die widerborstigen Kurialen zusammenstaucht, die gegen ihn und die Kirche arbeiten (das kannte auch schon Johannes XXIII.).
        Fanatiker verstehen eben keinen Humor. Dieser Papst hat jedenfalls einen sehr feinen Humor.

        • bernardo
          10.09.2019, 11:09 Uhr.

          Das öffentliche Abwatschen von Mitarbeitern ist, vor allem, wenn es wiederholt geschieht, kein Humor, sondern ein schlechter Führungsstil. Und das „der Karneval ist vorbei“ wurde ihm in den Mund gelegt. Wenn nicht, wäre auch das kein Humor, sondern eine Unhöflichkeit.

        • Carla Maltese
          11.09.2019, 16:02 Uhr.

          @Novalis:
          Ich muss hier bernardo ausnahmsweise mal zustimmen.
          Wenn Franziskus die Leute mehrfach öffentlich in die Pfanne haut, werden sie sich erst recht gegen den Reformkurs wehren. Sie werden schon ihrer Selbstachtung zuliebe zumachen und sich innerlich sperren.

          Besser wäre es, die ganzen konservativen Kardinäle zu überzeugen. Oder es wenigstens zu versuchen.

  • Wanda
    12.09.2019, 16:04 Uhr.

    Meine Erfahrung als damals noch der r.-k. Kirche angehörend: im Allgemeinen (Ausnahmen bestätigen die Regel) gehen die Kleriker zum Lachen in den Keller, es sei denn, sie erzählen sich Frauenwitze.
    Geht es allerdings um die Akzeptanz der Frau in der Kirche, werden sie ganz unpässlich und hartleibig…

Kommentare geschlossen

Dieser Beitrag kann nicht länger kommentiert werden.