Mutter Teresa bald heilig

Für viele Menschen war sie bereits zu Lebzeiten eine Heilige. Papst Franziskus will Mutter Teresa jetzt auch offiziell heiligsprechen. Das gab er heute bei einem Treffen mit Kardinälen im Vatikan bekannt. Am 4. September wird es so weit sein. Die Feierlichkeit dürfte einer der Höhepunkte im Heiligen Jahr der Barmherzigkeit werden. Für Franziskus ist Mutter Teresa so etwas wie eine Ikone der Barmherzigkeit. 1979 erhielt sie für ihre Arbeit mit Kranken und Bedürftigen unter den Ärmsten der Armen den Friedensnobelpreis. „Sie ist die Vereinten Nationen. Sie ist Frieden in der Welt“, sagte der frühere UN-Generalsekretär Javier Pérez de Cuellar über sie. Doch es gibt auch Kritik an ihrem Wirken. Diese konnte die weltweite Verehrung der kleinen Ordensfrau in ihrem weißen Sari mit dem blauen Rand nicht schmälern. Ihr 1950 gegründeter Orden der „Missionarinnen der Barmherzigkeit“ gehört zu den erfolgreichsten Ordensgründungen des 20. Jahrhunderts.

Mutter Teresa wird schon lange nciht nur von den Ordensfrauen ihres Ordens als Heilige verehrt. (Quelle: ap)

Mutter Teresa wird schon lange nicht nur von den Ordensfrauen ihres Ordens als Heilige verehrt. (Quelle: ap)

Franziskus bewundert ihre Entschiedenheit

Mutter Teresa sei eine Frau gewesen, „die immer das sagte, was sie sagen wollte“, so Papst Franziskus einmal über die Ordensfrau. Er hatte sie 1994 bei einer Bischofssynode im Vatikan kennen gelernt. Sie saß direkt hinter ihm in der Synodenaula. Er habe ihre Kraft und Entschiedenheit ihrer Wortmeldungen bewundert, sagte Franziskus später. Sie habe sich nicht von den Bischöfen einschüchtern lassen. Diese Haltung sowie der Einsatz für die Ärmsten der Armen dürften Franziskus wohl am meisten beeindrucken. Daher war es ihm ein großes Anliegen, Mutter Teresa im Außerordentlichen Jahr der Barmherzigkeit heilig zu sprechen. Zur Seligsprechung durch Papst Johannes Paul II. waren 2003 rund 300.000 Menschen nach Rom gekommen. Bei der Heiligsprechung werden es sicherlich mindestens so viele sein. Am ersten Septemberwochenende findet auch die Heilig-Jahr-Feier all derjenigen statt, die haupt- oder ehrenamtlich im Sozialbereich tätig sind.

Bisher sind die Päpste nicht wirklich auf die kritischen Punkte im Zusammenhang mit dem Wirken von Mutter Teresa eingegangen. Das dürfte auch rund um die Heiligsprechung so sein. Der Ordensgründerin war etwa vorgeworfen worden, mit ihrer strikten Ablehnung von Empfängnisverhütung und Abtreibung zum Elend der Armen beigetragen zu haben. Fragen gab es in der Vergangenheit auch zu den Finanzen ihres Ordens sowie zu den Bedingungen in den Ordenshospizen, wo die Einführung moderner Hygienestandards lange Zeit abgelehnt wurde. Doch die Zeiten haben sich auch im Orden der Missionarinnen der Nächstenliebe geändert, die Arbeit wurde professionalisiert.

Positives überwiegt für Vatikan

Doch nicht nur unter ihren Kritikern sorgte Mutter Teresa für Unruhe. 2007 erregte die Veröffentlichung von Briefen der Ordensfrau Aufsehen. Aus diesen geht hervor, dass die Ordensfrau die meiste Zeit ihres Lebens Glaubenskrisen hatte. Trotzdem wird Mutter Teresa jetzt offiziell heiliggesprochen. Das zeigt, Franziskus geht es bei den Heiligen auch um Menschen mit Ecken und Kanten. Der positive Effekt des Wirkens der rund 4.500 Missionarinnen der Nächstenliebe heute weltweit überwiegt in der Gesamtbilanz. Daher wird Mutter Teresa jetzt auch offiziell heiliggesprochen.

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Jürgen Erbacher

Seit Juli 2018 leite ich die ZDF-Redaktion "Kirche und Leben katholisch", für die ich seit 2005 über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche berichte. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.

32 Kommentare

  • Silvia
    15.03.2016, 22:04 Uhr.

    Zwischen Empfängnisverhütung und Abtreibung besteht moralisch ein himmelweiter Unterschied.

    Abtreibung ist kein legitimes Mittel der Familienplanung und auch der Gesundheit der Frauen nicht zuträglich.

  • Silberdistel
    15.03.2016, 22:06 Uhr.

    Interessant, das man so derart bereitwillig nach Kritikpunkten in Leben und Werk von Mutter Teresa geradezu sucht… Diese Neigung schimmert leider auch im Artikel von Herrn Erbacher an vielen Stellen durch.
    Währenddessen man im Verhältnis dem Klerus, den Exzellenzen, Eminenzen und sonstigen kirchlichen „Würdenträgern“, praktisch alles lapidar durchgehen läßt. Von diesem Personenkreis dürfen Minderjährige Schutzbefohlene missbraucht, Geldbeträge in Millionenhöhe veruntreut und zur Krönung von höchster Stelle anschließend vertuscht werden, ohne das das vor der Gemeinde zu wirklichen Konsequenzen oder gar Verurteilung führt.
    MT hat nie einen Anspruch auf hochtrabende, aber letztlich doch nur laue salbadernde Theologie erhoben. Sondern in direkter Nachfolge der Lehre Christi und Gottes pragmatische Hilfe denjenigen geboten, die in Armut geboren wurden, aufgrund der Umstände in Ihrem Leben nie zu etwas materiellem gekommen sind, zeitlebens immer nur Not und Elend empfangen haben Und hat Ihnen zumindest ganz zuletzt ein würdiges Sterben in Annahme und Nächstenliebe ermöglicht. Übrigens keineswegs von Ihrer Kirche unterstützt.
    Als ob menschliches Dasein durchweg und jederzeit von Heiligkeit durchdrungen sein müsse und könnte, fordern jene Kritiker die jetzt so aufspielen, das MT zum Beweis der Heiligkeit doch bitteschön auch über das Wasser hätte laufen müssen??
    Der mit dem Friedensnobelpreis dotierte Geldbetrag floss übrigens unmittelbar in Ihre und Ihres Ordens Tätigkeit… – Mit alldem sollten sich die Kritikgeister, die wohl hauptsächlich aus den Reihen der Kleriker stammen, doch bitte mal messen lassen, bevor sie auch weiter nur ein unqualifiziertes Wort mehr darüber verlieren.

  • Silberdistel
    16.03.2016, 10:45 Uhr.

    Mutter Teresa hat übrigens den Satz geprägt: „Ladet mich nicht zu einer Anti-Kriegs-Demo ein, sondern zu einer Friedens-Demo.“
    Oberflächlich betrachtet mag der Unterschied in Ihrer Aussage nicht sehr viel hergeben, ist aber dennoch von tiefer Weisheit durchdrungen: Denn hätte man beispielsweise nach 9/11 nicht die „Achse des Bösen“ ausgemacht um sie, im Grunde mit denselben Mitteln der Terroristen, zu bekämpfen; Hätte man stattdessen mit diesem enormen Aufwand für kriegerische Maßnahmen vertrauensbildende Maßnahmen ergriffen, so wären mit Sicherheit aus einer damals handvoll Terroristen nicht diese Legionen geworden, mit denen man es heute zu tun hat.

  • papessa
    16.03.2016, 21:45 Uhr.

    Für mich ist ein Leitsatz von Mutter Theresa zu einem Leitsatz meines Lebens geworden. So ungefähr lautet er: Sorge dafür, dass jeder Mensch, der Dir begegnet durch diese Begegnung mit Dir beschenkt weggeht.
    Beschenkt im übertragenen Sinne, in Christi Sinne. Das ist für mich gelebtes Christentum. Ich kann die Welt nicht verändern. Ich kann nur mich verändern und versuchen, die Welt dadurch ein wenig reicher in Christi Sinne zu machen.
    Und wer hat keine Glaubenskrisen? Den möchte ich sehen, der nie gezweifelt hat. Hat doch Christus selbst am Ende gezweifelt. Umso größer wiegt die Leistung von Mutter Theresa, trotz ihrer Glaubenskrisen immer weiter zu machen und Christus durch ihr Handeln und Reden zu verkünden und nicht in Frage zu stellen.
    Kann mich Silberdistel nur anschließen: Ziehe zuerst den Balken aus deinem Auge, bevor du den Splitter im Auge des anderen suchst.

    • chrisma
      17.03.2016, 8:22 Uhr.

      @Papessa, danke für diese Worte. Sie sind mir in der Passionszeit Anregung.

    • Wanda
      17.03.2016, 17:28 Uhr.

      – Jesus hat gezweifelt ? Bitte ernsthaft um Erklärung (schliesslich ist er Teil der allwissenden, allgegenwärtigen und allmächtigen Dreifaltigkeit, also Gott): an wem oder an was hat er gezweifelt ?

      • chrisma
        17.03.2016, 20:06 Uhr.

        @Wanda, sicher könnte ich Ihnen eine ernsthafte Antwort geben. Aber Ihre bisherigen Kommentare lassen nicht nicht erkennen, das es Ihnen darum geht. Ich lebe in einer säkularen Welt auch privat. Hier ist Respekt die Grundlage des Miteinanders: Atheisten, Agnostiker, Juden, Muslime und Christen verschiedener Farben gehören zu meinem Lebenskreis nur im Respekt voreinander lernen wir den Anderen verstehen. Ich habe nicht rein gar nichts gegen „Kirchen-und Religionsschelte. Aber von Voltaitre bis Kirkegard und weiter über Satre und weiter und weiter in der Geschichte ist es sehr interessant. Wenn die Schelte aber so schlicht daher kommt wie in manchen Ihrer Beiträge langweilt es einfach…….

      • papessa
        17.03.2016, 20:59 Uhr.

        Hat er nicht als Mensch am Kreuz gezweifelt? Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen? Hat er nicht im Garten Gethsemane gezweifelt? Als er Gott darum bat, diesen Kelch an ihm vorübergehen zu lassen? Aber nicht mein Wille, sondern Dein Wille geschehe. Als er Blut schwitzte vor Angst. Ist dieser Ausdruck nicht seither ein Ausdruck in unserer Sprache für: die größte Angst vor etwas haben? Waren nicht seine Verzweiflung und Angst zu spüren in der Szene, als er die Jünger bat, wach zu bleiben, während er betete? Dreimal geht er zu ihnen hin und immer sind sie eingeschlafen, lassen ihn in seiner höchsten Not alleine. Wir gehen jetzt in die Karwoche. Gründonnerstag war diese Nacht der Verzweiflung, des Zweifels und der Einsamkeit unseres Herrn. Warum finden in der kath. Kirche in dieser Nacht überall die Gebetswachen statt? Um bei ihm zu sein. Wenigstens jetzt, jedes Jahr wieder. Weil diese Passion nie ganz vorbei sein wird. Weil Christus Jesus eben verzweifelt, ängstlich und allein gelassen war. Weil er gezweifelt hat, ob er diesem Kreuzgang und allem, was damit an Folter zusammengehörte, gewachsen sein würde.
        Auch das „es ist vollbracht“ ist ein Wort, das zeigt, wie sehr er gelitten hat, nicht nur körperlich, sondern eben auch im Geiste. Dieses es ist vollbracht, ich habe es überstanden. Ich habe es geschafft. Es ist eher das Wort eines Schwachen, Gefolterten, denn eines Starken, Selbstbewussten am Kreuz. Es drückt noch einmal diesen Zweifel aus, ob es richtig war, dass er diese Passion auf sich genommen hat. Am Sinn dieses Leidens. Ein Augenblick der Schwäche, wie er uns Menschen eben eigen ist und wir nur zu gut kennen. Warum sollte Jesus als Menschensohn diesen Augenblick der Schwäche und des Zweifels nicht auch erleben? Denn Jesus ist Mensch und Gottessohn. Und hier hat er auch als Mensch empfunden, gelitten und gezweifelt. Was seiner Gottessohnschaft übrigens keinen Abbruch tut.
        Ich hoffe, Wanda, ich konnte Ihre Frage, so gut es mir als Laiin eben möglich ist, beantworten.

        • Wanda
          18.03.2016, 15:37 Uhr.

          Silvia und Papessa:
          – meinen Dank für die Erklärungen. Nur ist es mir von der Logik her nicht einleuchtend: ein Gott mit all den ihm zugesprochenen Attributen und übermenschlichen Eigenschaften müsste doch den Zweifel (als urmenschliche Schwäche) normalerweise ausschliessen. Zumal er aufgrund seiner Allwissenheit genau weiss wie alles letztendlich ausgeht, oder liege ich da falsch ?
          P.S. auch wenn Chrisma offenbar jeden Zweifel eines bekennenden Atheisten (das ist nunmal deren Philosophie) gleich als Sakrileg betrachtet, war meine Frage ernsthaft gemeint, da die Begriffe Gott und Zweifel von ihrer Definition her absolut nicht zusammengehen… l

          • Silberdistel
            20.03.2016, 13:38 Uhr.

            Wanda
            18.03. 15:37 h
            Wanda ich glaube sie projizieren ihre menschlich geprägten Vorstellungen von ´Gott´ zu sehr auf IHN. Nicht umsonst heißt es nicht nur im Christentum, das man sich von Gott keine Vorstellungen machen soll, bzw. es nicht kann. Keiner von uns kann ja auch ein Universum erschaffen oder seinem Leben auch nur eine kleine Spanne mehr hinzu fügen.
            Was von Jesus Christus bleibt, ist eine äußerst beeindruckende Demonstration von göttlicher Anteilnahme und hehren Werten. Die aber immer auch in anderen Religionen zum Ausdruck kamen und die Menschen über den jüdischen Kulturkreis hinaus über 2000 Jahre sehr berührt haben. Und diese hehren Werte beispielsweise, die wirklichen göttlichen Heilsversprechungen, wurden niemals von denen der menschlichen Art, ihren dahingehenden Experimenten und Vorstellungen, den mittlerweile zahlreichen -ismen und -logien – mit deren am Ende zahllosen Opfern in der Geschichte – auch nur annähernd erreicht. Insofern läßt es sich nicht an Gott zweifeln, sondern am Menschsein.
            Was den von ihnen zitierten Satz Jesu am Kreuz anbelangt, so lesen sie SuNuraxi´s bemerkenswerter Beitrag 18.03, 13:33 h.

          • Silvia
            20.03.2016, 18:17 Uhr.

            Wanda
            18.03.2016, 15:37 Uhr.

            Aber ein Gott, der „in Allem uns gleich außer der Sünde“ ganz in die menschlichen Niederungen hinab steigen wollte, darf doch dann etwas so Urmenschliches wie den Zweifel – gerade angesichts eines so grausamen Todes – nicht ausschließen.

            Dann hätte er am Ölberg auch weder Angst noch Einsamkeit empfinden dürfen.Dann wäre er nur Gott gewesen und nicht auch Mensch.

            Er hat ja auch bei dem 40-tägigen Fasten in der Wüste diverse Versuchungen erlebt.

            Ich denke, das Geheimnis des Gottmenschen Jesus Christus wird man mit dem Verstand nie ganz erfassen können, obwohl ich das auch gerne täte.

  • Silvia
    17.03.2016, 19:32 Uhr.

    Wanda
    17.03.2016, 17:28 Uhr

    Am Kreuz:“Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“

    Eventuell auch am Ölberg: „Vater, wenn es möglich ist, lass diesen Kelch an mir vorübergehen ….“

    Jesus war ganz Gott und ganz Mensch. In ihm ist Gott nach christlichem Glauben den Menschen ganz nahe gekommen, indem er selbst Mensch geworden ist, hat ihre Leiden und Nöte geteilt, also auch Todesangst, Zweifel, Einsamkeit. „In Allem uns gleich, außer der Sünde“.

    Es ist letztendlich nicht zu erklären, ist „ein Geheimnis unseres Glaubens“.

    • SuNuraxi
      18.03.2016, 13:33 Uhr.

      „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen“ ist aber ein ziemlich schlechtes Beispiel für „Zweifel“. Das ist der Beginn des Psalms 22, der dann mit einem Lobpreis Gottes und mit Gottvertrauen endet. Dieser Psalm wurde von Juden oft als Sterbepsalm gebetet. Jesus ist halt nicht fertig geworden damit, weil er (zumindest laut Mt 27, 46-50) mitten darunter gestorben ist.

      • Silvia
        19.03.2016, 17:58 Uhr.

        SuNuraxi
        18.03.2016, 13:33 Uhr.

        Aber dieses „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ wird auch von der Kirche immer als Ausdruck tiefster Gottverlassenheit und Verzweiflung gedeutet. Trotzdem ist der von Ihnen genannte Aspekt sehr interessant und ich werde dem mal „nachspüren“.

    • papessa
      23.03.2016, 16:00 Uhr.

      @ Silvia 23.14 Uhr: Es gibt heute so viele Auslegungen und Interpretationen des biblischen Geschehens, soviel gelehrte Theologie und akademisches Wissen und sich gerne immer Neues Einfallen lassen Wollen zu Christus Jesus und seinen Wundern, dass das Wichtigste und Wesentlichste gerade bei den Gelahrten Akademikern vergessen wird: die menschliche Seele. Eigentlich sollten Priester Seelsorger sein. Aus der menschlichen Seele kommt die Kraft, schier unerträgliches im Leben auszuhalten. Nimmt man ihr die Kraft, geht der Mensch entweder unter oder er wandelt sich – oft genug zum Schlechteren.
      In der Psychologie gibt es drei Ichs, u.a. auch das Kind-Ich, das oft für viel Ärger im Erwachsenenleben sorgen kann. Aber eine Eigenschaft dieses Kind-Ichs könnte es auch sein, eben NICHT den Glauben an jenen Christus Jesus zu verlieren, der eben Wunder getan hat. Die Exegese hat eben nicht nur zum Guten in der Kirche gewirkt. Allein, dass eine Herabwürdigung dieses Glaubens an den wundertätigen Christus als „vorkonziliarer Kinderglaube“ möglich ist, zeigt doch, dass hier etwas ganz gegen den Sinn jenes Christus Jesus verkehrt läuft, der doch die Seelen und Herzen der Menschen ansprechen wollte. Der in Bildern und nicht in akademischen Ausführungen gesprochen hat. Die hier von Ihnen zitierte Herabwürdigung zeigt doch, dass hier vielleicht auch äußerst ungesunde Eitelkeiten Einzelner am Werk sein könnten. Dass hier vielleicht auch bewusst Irrwege im Glauben angelegt werden?
      Denken wir das alles weiter, können wir eigentlich überhaupt nichts mehr an unserem Glauben akzeptieren – an aller erster Stelle das Osterereignis mit Maria Magdalena als Apostola Apostolorum, die sich eben nicht fürchtete und hinging und verkündete: Ich habe ihn gesehen, er ist auferstanden! Und nicht zweifelte und nach Erklärungsversuchen für ein leeres Grab suchte. Was wäre aus Ostern geworden, wenn Maria Magdalena gezweifelt hätte und sich in Exegese versucht hätte?
      Wenn schon die Wunder zu Lebzeiten Jesus Kinderglaube sein sollen laut einigen Richtungen in der Exegese, ja was ist denn dann erst unser Auferstehungsglaube an Ostern??? Der sprengt doch wirklich alle Realitäten!
      Was ist unsere Kirche – als Braut Christi, als Leib Christi? Als Verbindung aller Katholiken untereinander?
      Ich wehre mich mit aller Kraft dagegen, den Menschen gerade die HOFFNUNG und die POSITIVE KRAFT ihres Glaubens zu rauben, indem man diesen Wundern die Möglichkeit der Realität abspricht. Gerade diese Hoffnung, gerade dieser Glaube an Wunder ist es doch, der die menschlichen Herzen und Seele wandeln kann – zu besseren Menschen werden lassen kann. Was zieht enttäuschte Muslime und Anhänger anderer Religionen denn an? Das Wunder der göttlichen Existenz Christi, der Liebe verkündet und sie rigoros gelebt hat, bis ans Kreuz. Was hat das Ur-Christentun sich so sehr ausbreiten lassen? Hat die Märtyrer unmenschliche Qualen erleiden lassen bis auf den heutigen Tag? Bestimmt nicht irgendeine seelenlose Exegese, die Christus das wichtigste Element seines SEINS abspricht: Die göttliche Herkunft und damit verbunden die Sprengung irdischer Grenzen, indem Er eben Taten vollbringen konnte, die nur Rr vollbringen kann. Was ist mit Pfingsten? Auch Kinderglaube, dass der Heilige Geist gewirkt hat? Was hat die Jünger so unerschrocken werden lassen, dass sie sich in die fernsten Länder aufmachten, um zu missionieren?
      Ich glaube an die Wunder Christi, ich glaube an das Wunder Seines immer noch Hierseins, daran, dass in seinem Namen auch heute noch Wunder möglich sind, und auch daran, dass Er unsere Seelen berühren will – mein Reich ist nicht von dieser Welt – denn er baut sein Reich in unseren Herzen und Seelen und verändert uns, hoffentlich zum besseren – und das ist das größte Wunder, das ER vollbringen kann.
      Warum gäbe es dann eine Zeitenwende? Wenn nicht etwas geschehen ist nach unserem Glauben, dass sich nicht mit dem menschlichen bisherigen Dasein erklären lässt?
      Für mich ist dieser Versuch der Relativierung der Göttlichkeit Christi immer auch ein Versuch, die Laxheit und Lauheit des eigenen Glaubens zu entschuldigen. Diese Annahme mag nicht immer zutreffen, aber ist sie auch immer ganz von der Hand zu weisen? Ist es nicht auch der Versuch, sich ÜBER Christus Jesus, ÜBER seine Göttlichkeit zu stellen? Indem man sie hinterfragt, Zweifel säht und sich selbst über Ihn erheben will? Es ist ein Element der Menschheitsgeschichte, auch das gilt es zu bedenken.
      Also, ich bleibe gerne vorkonziliar in meinem Kindheitsglauben daran, dass Christus Wunder getan hat, dass Er mich und jeden einzelnen, der das will, immer trägt. Er ist das Fundament, auf dem mein Glauben dann reifen kann – hoffentlich in die richtige Richtung zu Gott, Christus und dem Heiligen Geist hin.
      Ich wünsche Ihnen, Silvia, schon jetzt ein gesegnetes Osterfest – das größte Wunder, das je in unserer menschlichen Geschichte geschehen ist.

  • chrisma
    19.03.2016, 12:30 Uhr.

    Einige Gedanken zu Mutter Teresa. Sie kam aus tiefster Armut und ging in einer Land das auch in tiefster Armut lebt. Sie sammelt auf der Straße todgeweihte Menschen, teilweise von Ratten angefressen, aber noch mit einem Hauch von Leben. Diesen Menschen gab sie ein Dach, wusch sie, versorgte notdürftig ihre Wunden und gab ihnen ein Sterben in Würde, wie immer sich der Gott nannte, zu dem diese Menschen heimgingen. Sie tat dies ohne Geld nur mit der Liebe zu Gott ausgestattet. Sie hat keine Krankenhäuser gegründet, sondern Sterbe- und Siechhäuser – die wir in Europa noch bis weit ins 19. Jahrhundert kannten – ins Leben gerufen. Als ihre Arbeit bekannter wurde, stürzten sich – das liegt in der Natur Sache – die Bedenkenträger auf Mutter Teresa. Nur die hatten bis dato tatenlos zugesehen wie diese Menschen – – denen sie im Tod die Würde zurück gab – auf den Straßen von Kalkutta verrotteten. Vor diesen Lebensleistung verneige ich mich – auch als Ärztin – in Demut. Wenn Mutter Teresa im September zur Ehre der Altäre erhoben wird haben wir eine weitere großartige Fürsprecherin bei Gott.

    • Wanda
      21.03.2016, 16:22 Uhr.

      Chrisma 12:30
      – und vor September, was ist sie bis dahin ? Geht’s im Himmel und bei Gott auch erst ab (dem menschlichen) Stichdatum, oder wie ?

      • papessa
        24.03.2016, 1:44 Uhr.

        @ Wanda: Heiligsprechung kann eigentlich nur eine von Menschen ausgesprochene Ehrung sein. Wie hier schon diskutiert, sind viele mit bestimmten Heiligsprechungen und ihrer inflationären Zunahme nicht einverstanden – ich übrigens auch nicht. Ein Mensch, der wie Mutter Theresa solche Leistungen vollbringt, fragt nicht nach Heiligsprechung, würde sie für sich vielleicht sogar heftig ablehnen, aus Bescheidenheit und Glauben. Oder auch gerade, weil sie solche Glaubenskrisen hatte. Sie hat andere Ehrungen angenommen – sicher auch für ihr Werk, damit sie noch mehr erreichen konnte.
        Sammelt Schätze im Himmelreich, hat Jesus Christus gesagt. Das hat Mutter Theresa mit Sicherheit getan, unabhängig von allen menschlichen Befürwortern oder Gegnern ihrer Arbeit. Das wird allein Jesus Christus einst zu würdigen wissen.
        Für mich sind die inflationären und oft auch hinterfragbaren Heiligsprechungen Ausdruck eines öffentlichen Drucks. Die Kirche beugt sich hier einer heute als korrekt angesehenen Forderung bestimmter Interessengruppen. Das kann man bewerten wie man will.
        Mutter Theresa jedenfalls ist durch ihr Leben für jeden Menschen, der sein Herz am rechten Fleck trägt, ein Vorbild und eine Aufforderung für das eigene Leben, im kleinen wie im großen. Nicht jeder kann ihre Leistung erbringen. Aber man kann sie anerkennen.
        Die Papst-Heiligsprechungen haben für mich mit zweierlei zu tun: Einmal der echten Überzeugung vieler gläubiger Christen, der Betreffende wäre heilig, und dieser Überzeugung nachzugeben, aber auch mit dem Bestreben der Institution Kirche, hier zu punkten, ihre Stärke, nämlich Heiligsprechungen vornehmen zu können, auszuspielen, um eben von vielen Krisen abzulenken. Kurzum: Interessenpolitik allerweltlichster Art zu betreiben und die Leute an sich zu binden.
        Da erübrigt sich jeder weitere Kommentar dazu von meiner Seite.

        • Wanda
          24.03.2016, 17:36 Uhr.

          Papessa 01:44
          – wir sind ja gar nicht so weit auseinander…
          Grundsätzlich: wäre ich noch römisch-katholisch (ich war’s mal), dann sähe ich Gott so wie’s mir beigebracht wurde als heilig an, würde aber keinem noch so guten Menschen für sein humanes Werk oder seinen Lebenslauf dieses Attribut zuschreiben. Es ist ein ausschliessliches und käme deshalb einzig und allein Gott zu…
          Leider wurde es im Laufe der Zeit als ein Überbleibsel abergläubischer Herkunft auch Menschen zuerkannt, die geradezu als eine Art Halbgötter in in einem göttlichen Vorzimmer darüber wachen, dass der gemeine Gläubige nicht direkt zum Chef vordringt*)…
          – Mensch und heilig ? Vom echten Glaubensstandpunkt her absolut unlogisch, ausserdem inzwischen x-beliebig und inflationär…
          *) meine selige, unbeirrbar katholische aber amtskirchlich sehr kritische Mutter sagte (sinngemäss) immer wenn sie zornig war „was ich mit meinem Herrgott auszumachen haben, werde ich ihm heute persönlich sagen, dazu muss ich nicht in die Kirche“…

  • Wanda
    20.03.2016, 17:09 Uhr.

    (vermutlich ist das wieder eine ketzerische) Frage: ist ein Mensch wie Mutter Theresa, obwohl ihre Wohltätigkeit schon längst geleistet wurde und damit offenbar die Voraussetzungen, erst dann eine Heilige wenn man sie höchst (kirchen-)offziell dazu erklärt ?
    – Und ist vor diesem Hintergrund der sich aufdrängende Vergleich erlaubt, die Verhältnismässigkeit von Lebensleistungungen am Beispiel des immerhin ebenfalls heiliggesprochenen Papstes JPII anzuzweifeln ?

  • Silvia
    20.03.2016, 18:27 Uhr.

    Wanda
    20.03.2016, 17:09 Uhr.

    Aus meiner Sicht wäre Mutter Teresa auch ohne Heiligsprechung eine heiligmäßige, verehrungswürdige Person.

    Seit der wahren Flut von Heiligsprechungen unter JPII halte ich sowieso nicht mehr viel davon.

    Früher, als das eine höchst seltene Angelegenheit war, war es noch nicht so fragwürdig in meinen Augen.

    Besonders fragwürdig finde ich, dass heutzutage beinahe jeder Papst der Neuzeit „zur Ehre der Altäre“ erhoben wird.

    Und Papst Franziskus scheint mit dieser Praxis der vielen Heiligsprechungen generell und seiner Vorgänger im Besonderen, fort zu fahren.

    • SuNuraxi
      21.03.2016, 19:20 Uhr.

      @Silvia, 20.03.2016, 18:27

      Richtig. Mit seligen und heiligen Päpsten hab ich auch so meine Probleme. Dabei meine ich als Österreicherin allerdings, dass es Benedikt XV. für seine Friedensbemühungen vielleicht schon verdient hätte, und zwar aus folgendem Grund: Ich finde es beinahe anstößig, dass man Benedikt XV. nicht einmal als Kandidaten für eine Seligsprechung betrachtet, während JP II den Kaiser Karl I. von Österreich-Ungarn (der Giftgaseinsätze im 1.WK erlaubte – er hat sie nicht ausdrücklich befohlen, aber eben auch nicht verhindert, obwohl er der Kaiser war) seliggesprochen hat, und zwar – jetzt kommt’s: für seine Friedensbemühungen! Benedikt XV. nicht, Karl I. schon: Das ist eigentlich fast ein schlechter Witz. Ein Wunder hat Karl angeblich bewirkt, und zwar soll eine brasilianische Nonne auf seine Fürsprache hin von einem schweren Krampfadernleiden geheilt worden sein. Meine Frage: Wie zum Kuckuck kommt eine brasilianische Nonne auf die Idee, sich mit ihrem Anliegen ausdrücklich an den Kaiser Karl zu wenden? Irgendwas ist da zumindest sehr seltsam („oberfaul“ hätte ich beinahe geschrieben).
      Ich muss ehrlich zugeben, dass mir, seit Karl I. offiziell zu den Seligen zählt (2004), Selig- und Heiligsprechungen einigermaßen suspekt sind.

    • Wanda
      21.03.2016, 21:08 Uhr.

      – könnte es sein, dass die Papst-Heiligsprechungen vielleicht etwas mit einem Amtsbonus zu tun haben ?

      • Silvia
        23.03.2016, 11:08 Uhr.

        Wanda
        21.03.2016, 21:08 Uhr.

        Könnte durchaus sein und macht die Sache nicht seriöser.

  • Silvia
    24.03.2016, 12:49 Uhr.

    papessa
    23.03.2016, 16:00 Uhr.

    Ich GLAUBE an die Auferstehung Jesu Christi, ich halte die Wunder auch für MÖGLICH, aber eben nicht für UNABDINGBAR.

    ich bin Jahrgang 1951, getauft, mit neun Jahren zur Erstkommunion gegangen, gefirmt und habe das Vat II und die gesamte kirchliche Entwicklung selbst erlebt und teilweise erlitten.

    Und ich habe eine – wie ich meine – dringend notwendige Entwicklung vom Kinderglauben zum Erwachsenenglauben durchlaufen und habe mich über meinen Glauben weitergebildet, was ich nicht missen möchte.

    Ich plädiere für eine tragfähige Synthese von Glauben und Vernunft, alles andere erscheint mir nicht ungefährlich zu sein.

    Und warum müssen unsere Priester ein universitäres Hochschulstudium mit staatlich anerkanntem Abschluss absolvieren, wenn das alles so falsch und unwichtig ist?

    Ich bleibe mit sehr gutem Gewissen auf meinem Weg und möchte darum bitten, mir nicht deswegen meinen Glauben abzusprechen.

    Ich habe auch nicht vor, mich hier weiter zu rechtfertigen.

    Glauben Sie auf Ihre Weise und ich tue es auf meine!

  • Silvia
    24.03.2016, 14:35 Uhr.

    Ein kleiner Hinweis an diejenigen Blogger, die sich einen ganz kurzen THEOLOGISCHEN Überblick verschaffen wollen, möchte ich folgende Empfehlung geben:

    bibelwerk.de

    und perikopen.de

    Letzteres ist eine Empfehlung unseres KONSERVATIVEN und tiefgläubigen Vikars an mich.

    Auf beiden Seiten findet man Interessantes zu den Sonntagsevangelien und auf bibelwerk.de auch zu den Lesungen, dort bereite ich mich z.B. auf meinen Lektorendienst vor, damit ich verstehe, was ich lese.

    Interssant, um sich über die aktuelle innerkirchliche Entwicklung u.a. zu informieren, ist auch der Newsletter von katholisch.de, der wöchentlich erscheint. Es handelt sich um eine Website der Katholischen Nachrichtenagentur, ist also aktuell.

    Auch Radio Vatikan bietet einen Newsletter an, der allerdings täglich erscheint.

    Ich hoffe, dass dieser Beitrag von mir veröffentlicht wird.

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