5 Jahre Papst Franziskus

Es war eine Überraschung: die Wahl von Jorge Mario Bergoglio zum Papst am 13. März 2013. Zwar hatte sich in den Tagen vor dem Konklave abgezeichnet, dass der Erzbischof von Buenos Aires, der im Konklave 2005 der aussichtsreichste Kandidat nach Joseph Ratzinger gewesen war, auch dieses Mal eine Chance haben würde. Doch als er dann tatsächlich gewählt wurde, war es doch eine kleine Sensation. Zum ersten Mal ein Papst aus Lateinamerika, zum ersten Mal ein Jesuit, zum ersten Mal ein Papst, der sich nach Franz von Assisi nennt. Schon mit dem ersten Auftritt in schlichtem Weiß machte er deutlich, dass sich künftig einiges ändern wird in der katholischen Kirche. Fünf Jahre später zeigt sich, dass sich vieles verändert hat. Es zeigt sich aber auch, dass die Veränderungen vielen nicht schnell genug gehen, wohl auch bisweilen dem Papst selbst, und andere das Ende der katholischen Kirche nahen sehen angesichts dessen, was in den fünf Jahren passiert ist. Eines macht das Pontifikat deutlich: Die katholische Kirche befindet sich in einem Transformationsprozess von einer eurozentrischen Kirche zu einer Weltkirche. Dieser begann zwar bereits mit dem II. Vatikanischen Konzil in den 1960er Jahren. Doch mit dem ersten nicht-europäischen Papst bekommt er einen neuen Schwung. Das führt zu Verunsicherung, Ängsten sowie Widerstand und fordert von allen Beteiligten ein verantwortungsvolles Handeln.

Die TV Dokumentation „ZDFzeit – Mensch Franziskus!“ – heute um 20.15h im ZDF.

Kirche und Theologie „weiter denken“

Die katholische Kirche hat sich im Laufe ihrer Geschichte immer wieder gewandelt und in der Auseinandersetzung mit den jeweiligen „Zeichen der Zeit“ weiterentwickelt. Genau das möchte Papst Franziskus nun auch für das 21. Jahrhundert erreichen. Es geht um ein „weiter denken“ der Kirche in Bezug auf die Strukturen, aber auch die Inhalte. Die Kirche muss auf die gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Veränderungen im Zeitalter der Globalisierung und immer engeren Vernetzung der Kulturkreise reagieren. Franziskus hat eine Vision, wie aus seiner Sicht die katholische Kirche bestehen kann. Mit Blick auf die Strukturen lauten die Stichworte Dezentralisierung und Synodalität, bei den Inhalten sind die Leitplanken Barmherzigkeit, eine Kultur des Dialogs und der Begegnung. Der Papst ist überzeugt, nicht die Dogmen und Regeln dürfen im Mittelpunkt kirchlichen Handelns stehen, sondern die konkrete Situation des einzelnen Menschen. Etwas überspitzt könnte man formulieren: Nicht mehr Rom ist die entscheidende Instanz, sondern das Gewissen des Einzelnen, das in einem Prozess der Unterscheidung, begleitet durch Seelsorger, zu Entscheidungen kommt.

Das führt zwangsläufig zu einem stärkeren innerkirchlichen Pluralismus. Aber ist das wirklich ein Problem? Gab es diesen Binnenpluralismus nicht schon immer in der katholischen Kirche? Nur wird er heute durch die Kommunikationsmittel und die gesteigerte Mobilität direkt erfahrbar. Über die sozialen Netzwerke bekommt man sofort rund um den Globus mit, was in einer bestimmten Gemeinde oder einem Bistum geschieht. Sofort wird es kommentiert und darüber gerichtet, ohne meist die konkreten Hintergründe und Zusammenhänge zu kennen. Schon vor Beginn des aktuellen Pontifikats war immenser Druck im Kessel „katholische Kirche“ und es drohte die Gefahr, dass das Ganze implodiert. Die jungen Kirchen in Lateinamerika, Afrika und Asien werden erwachsen, fordern ein stärker inkulturiertes Christentum. Das führt zwangsläufig zu mehr Pluralismus.

Dialog gefordert

Die katholische Kirche muss lernen, damit positiv umzugehen und etwas vorsichtig sein, vorschnell mit der „Schisma-Keule“ zu schwingen. Denn gab es nicht auch in allen Pontifikaten Teile der katholischen Kirche, die mit dem Kurs des jeweiligen Papstes nicht einverstanden waren? Hätte Johannes XXIII. nicht den Unkenrufen getrotzt, hätte es kein II. Vatikanisches Konzil gegeben. Doch der Gegenwind war heftig. Das gilt auch für die Pontifikate von Johannes Paul II. und Benedikt XVI. Vielleicht waren die Gegner in den früheren Pontifikaten nicht so schnell mit dem „Häresie-Vorwurf“, wie das aktuell der Fall ist. Man versuchte theologisch zu argumentieren oder ging in die innere Emigration. Franziskus fordert eine Kultur des Dialogs und der Begegnung. Er will, dass miteinander diskutiert und gerungen wird, aber nicht übereinander gesprochen und gerichtet. Dabei ist jeder Katholik gefordert, nicht nur die kirchliche Hierarchie. Franziskus denkt die Kirche von unten her. Das Entscheidende passiert für ihn in den Gemeinden. Für ihn ist Entwicklung nur im Diskurs möglich. Und eine Institution wie die katholische Kirche wird im 3. Jahrtausend nur eine Zukunft haben, wenn sie sich weiter entwickelt, wenn sie „weiter gedacht“ wird.

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Jürgen Erbacher

Seit 2005 berichte ich für die ZDF-Redaktion „Kirche und Leben katholisch“ über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.

30 Kommentare

  • Alberto Knox
    13.03.2018, 13:22 Uhr.

    den binnenpluralismus hat ja auch b16 mitverursacht, als er, zum ersten mal in der geschichte der kirche, eine alte liturgieform, die abgeschafft war, neben die reformierte gestellt hat. für immer wird das ganze mit dem makel behaftet sein, dass b16 dabei zur lüge greifen musste, der alte messritus sei nie abgeschafft gewesen.

    • neuhamsterdam
      15.03.2018, 19:50 Uhr.

      Im Prinzip: Ja!
      wikipedia weiß, daß Paul VI. 1976 die alte Messe abschaffte, dann begannen jene 12 Jahre der jüngeren Kirchengeschichte, die kontrovers diskutiert werden, bis zum Jahr 1988, als wieder Duldungen zum Feiern der früheren Form mit Gläubigen durch Papst Johannes Paul II. gewährt wurden.
      Strittig ist offensichtlich, wie die Anordnung von Paul VI. zu interpretieren sei, der diese „Abschaffung“ für alle Katholiken verpflichtend machte, mit Ausnahme von „alten und behinderten Priestern“, die diese Messen aber ohne Gemeinde feiern durften, daß heißt, ob man es von der Gesamtheit der Priester betrachtet oder es nur von den Katholiken als Gemeinde.
      Sowohl als auch. Da hat jede Sichtweise irgendwie recht.
      Frage an Radio Eriwan: War die Trauung gültig? Antwort: Im Prinzip: ja!
      Mir fällt momentan gerade nicht ein, welcher Papst Jerewan besuchte, aber das ist eigenlich auch weniger wichtig. Es hat ein Papst Jerewan besucht.

      • Novalis
        17.03.2018, 21:02 Uhr.

        Es hat nicht jede Seite recht. Das Messbuch von 1962 ist von Papst Paul VI. ausdrücklich abgeschafft worden. Die Erlaubis für alte und kranke Priester stellt – wie wie die Erlaubnis von 1988 – ein Indult dar: eine Erklärung, dass gesetztwidriges Verhalten (nämlich eine Messfeier nach der abgeschafften Form) geduldet wird. Wenn Benedikt XVI. behauptet, dass Messbuch von 1962 sei GEGEN DEN WORTLAUT DER ABSCHAFFUNGSFORMEL und gegen den gesetzgeberischen Willen von Paul VI. nie abgeschafft, dass ist das in meinen Augen bestenfalls ein Anflug von Senilität und schlimmstenfalls eine bewusst unwahre Aussage, also eine Lüge. Und die Piusbrüder haben übrigens über diese Formulierung gelacht.

  • Wrightflyer
    13.03.2018, 20:51 Uhr.

    Leider bin ich eben erst heimgekommen, hatte noch Sitzung von dem was ich nebenbei mache…
    Die letzten 10 Minuten lohnen sich wahrscheinlich nicht mehr. Gibt es evtl. eine Wiederholung zu einer für Berufstätige (nicht Wechselschicht) realistischen Uhrzeit, möglichst vor Gründonnerstag?

    • Jürgen Erbacher
      Jürgen Erbacher
      14.03.2018, 7:26 Uhr.

      Wenn Sie auf das Bild klicken, können Sie sich den Film hier im Blog jederzeit anschauen.

  • Wrightflyer
    13.03.2018, 23:21 Uhr.

    Es fällt mir gerade überraschend schwer, das was ich zu den letzten 5 Jahren gern sagen würde, in Worte zu fassen.
    Es ist irgendwie zuviel für die Uhrzeit.

    Ich bin seit Januar 2010 altkatholisch. Ich habe damals ein Versprechen meiner Mutter gegenüber gebrochen, den nächsten Papst abzuwarten. Und ich bereuhe es kein Stück.
    Denn das interessante ist: Je länger und intensiver ich altkatholisch bin, und ich hatte mir gerade eine längere Auszeit hier genommen, unter anderem um mal ganz ausschließlich altkatholisch zu sein, desto besser verstehe ich Franziskus und sein Reformprogramm.
    Gerade aus der Sicht einer Angehörigen einer Kirche die Synodalität wirklich lebt und wo die Kirchengemeinde ganz eindeutig wichtiger ist als ein glanzvoller Hofstaat um ein einzelnes Kirchenoberhaupt rum mit purpurdekorierten Wichtigtuern, verstehe ich das was Franziskus vorhat.

    Klar… Es gibt diejenigen für die hängt Kirche von päpstlichem Glanz und Gloria ab. Von Show auf dem Petersplatz und so. Und für die sind natürlich jetzt bittere Jahre.
    Aber man kann es nunmal nicht allen rechtmachen.

    Die meisten Menschen brauchen eine Kirche die vor Ort da ist, in der eigenen Gemeinde, die man da erleben kann und die einlädt und einem beisteht, und nicht aussortiert.

    Es ist aber auch klar: Die Lähmung, die Lethargie, das Insichzurückziehen, das auch ein bischen konservative Karidnäle als Ausrede vorschieben, all das was in den früheren Jahren überhand genommen hat, das alles konnte nicht am 13.3.2013 mit einem Schlage abfallen, das geht nur ganz langsam raus, dieses Gift. Es wird ganz allmählich verstoffwechselt uns ausgeschieden.

    Und dieses Gift das alle befallen hat, das ist der Hauptgegner von Franziskus. Nicht irgendein ultrakonservativer Kardinal.

    Ich bin Ingenieur geworden, klar, zum einen natürlich aus Interesse an Technik, gerade an Industrieanlagen.
    Ich war aber auch beeinflusst von utopischer Science Fiction und dachte daß wir Ingenieure die Welt schon retten werden.
    Ich behaupte immernoch daß wir wichtig sind. Ohne uns gehts zurück in… vielleicht nicht in die Steinzeithöhle, aber in sehr harte Zeiten mit wenig Freiheit und viel Hunger.
    Aber die Welt retten, das können wir Ingenieure nicht allein, das ist mir heute klar.

    Aber Franziskus fordert ausdrücklich alle dazu auf, mitanzupacken dabei, die römisch-katholische Kirche und das gesamte Christentum zu retten.
    Und wer sich daran beteiligt, wer dazu auch nur einen winzigkleinen Beitrag leistet statt sich zurückzuziehen und passiv abzuwarten was der Papst so macht, der beteiligt sich an nichts geringerem als an der Rettung der Welt.

  • Silberdistel
    14.03.2018, 9:32 Uhr.

    Über die Bedeutung des Franziskus-Pontefikats wird wohl nicht das Kirchenvolk, sondern der Nachfolger-Papst entscheiden. Ob epochale Wende, oder nur Intermezzo.

    • Silvia
      14.03.2018, 15:23 Uhr.

      Silberdistel
      14.03.2018, 9:32 Uhr.

      Da ist was dran. Beinahe wäre in jüngster Vergangenheit ein ganzes Konzil, nämlich das Vaticanum II, in die geschichtliche Bedeutungslosigkeit versenkt worden, obwohl die beiden Konzilspäpste wahrlich ein anderes Format hat als der gegenwärtige Petrusnachfolger.

      Geschichte kann sich auch immer rückwärts entwickeln.

    • Wrightflyer
      14.03.2018, 22:42 Uhr.

      Im Gegenteil, silberdistel, das Kirchenvolk ist das alles entscheidende!

      Ein paar Kardinäle die in ihrer eigene Welt leben… die leben auch nicht ewig und sie sind nur wenige.

      Was Franziskus erreichen kann, hängt nicht von ein paar unwichtigen Strukturreformen im Vatikan ab. Ob man diese oder jene Behörde mit dieser oder jener zusammenlegt, umbenennt, umorganisiert, abheftet, ins Regal räumt, ins andere Regal räumt, was auch immer, tangiert die wenigsten Menschen wirklich.
      Es hängt im Gegenteil alles davon ab, ob das Kirchenvolk seine Impulse aufnimmt und mitträgt.

      Sehen Sie, silberdistel: Fatalismus und Schwarzmalerei sind ja irgendwie auch bequem. Sich selbst einreden daß ja eh alles hoffnungslos ist, verschafft einem schon eine bequeme Hängematte: man braucht sich für nix anzustrengen, man braucht den Arsch nicht hochzukriegen, man verschafft sich eine bequeme Ausrede. Irgendwelche Kardinäle im fernen Rom sind ja ganz furchtbar konservativ, da kann man einfach nix machen!

      • Silberdistel
        15.03.2018, 12:29 Uhr.

        Wrightflyer
        14.03., 22:42 h
        Das wird ihr Geheimnis bleiben, wie sie in der Analyse meines Beitrages auf Fatalismus und Schwarzmalerei kommen. Kann ja gut sein, das das nächste Konklave und somit der nächste Papst bis dahin, zb „laetitia amoris“ mit Freuden aufgenommen haben und noch weiter ausgebaut sehen wollen. MW wird der nächste Papst aber von Kardinälen gewählt, die sich auch nicht in erster Linie dem Kirchenvolk verpflichtet sehen müssen. Oder wissen sie was anderes?

        • Wrightflyer
          17.03.2018, 21:44 Uhr.

          Doch doch, das ist schon Pessimismus und Schwarzmalerei: „Das Kirchenvolk kann ja garnix machen! Und es wird eh alles wieder schlechter! *heul*“

          • Silberdistel
            18.03.2018, 22:20 Uhr.

            Wrightflyer
            17.03., 21:44 h
            Verdrehen sie hier bitte nicht meine Beiträge.

          • Wrightflyer
            19.03.2018, 22:14 Uhr.

            Sie haben doch geschrieben daß das Kirchenvolk garnichts machen kann!

          • Silberdistel
            20.03.2018, 9:08 Uhr.

            Wrightflyer
            19.03., 22:14 h
            Das ist ihre, doch recht negative, Interpretation! Genauso gut könnte das künftige Konklave die durch Franziskus eingeleitete Wende, insbesondere durch „laetitia amoris“, als künftig richtig und wegweisend für die rk-Kirche erkannt haben und ähnlich wie das Vatikanum II mit dem nächsten Papst in spe weitergeführt und vielleicht sogar ausgebaut sehen wollen. Dann wäre das die angedeutete epochale Wende, ähnlich eines Vatikanum III, ohne das dieses überhaupt stattgefunden haben müßte. – Sie übersehen, das Franziskus immerhin von Kardinälen gewählt worden ist, die mit Ihm die ´Wende´ ganz offenbar herbeigeführt sehen wollten! Damals auch ganz unabhängig davon, was das Kirchenvolk dazu sagt.

          • Wrightflyer
            21.03.2018, 18:25 Uhr.

            Sie schreiben daß das Kirchenvolk garnichts machen kann, nur abwarten. Das ist schon sehr negativ, sehr fatalistisch.

            Das einzige was das Kirchenvolk machen kann ist abwarten was im fernen Rom geschieht, das schreiben Sie.
            Sie schreiben nichts davon daß man jetzt, also HEUTE AM 21.3.2018, Impulse von Franziskus aufgreifen und in der eigenen Kirchengemeinde Tatsachen schaffen kann. Man muss passiv dasitzen und nichtstun bis Franziskus stibt.

      • Wanda
        15.03.2018, 16:11 Uhr.

        Es ist genau andersrum: Päpste kommen und gehen, aber die nicht greifbaren obskuren Kreise des obersten Klerus in den Hinterzimmern und Korridoren des Vatikan existieren weiter (wie schon Ratzinger beklagte). Auch Franziskus wird wenig daran ändern können.
        – Und wenn er vor den Parlamenten die Menschrechte anmahnt, so ist das gelinde gesagt unglaubwürdig, weil in der Institution, der er vorsteht, kaum etwas davon verwirklicht ist: das (Kirchen-)Volk hat so gut wie nichts mitzureden, die Amtskirche ist eine hierarchische Oligarchie mit dem Papst an der Spitze (der mal mehr, mal weniger Einfluss hat), demokratische Strukturen fehlen fast völlig und von einer Gleichberechtigung der Frau und der Laien wollen wir erst gar nicht anfangen und unabhängige Kontrollorgane von unten gibt es nicht…
        Mit diesen kirchentypischen Grundrechtslücken vor Parlamenten (welche die r.-k. Kirche nicht einmal hat) aufzutreten, deren Politik zu kritisieren und sich dabei als Oberlehrer in Sachen Grundrechte aufzuspielen, ist schon ein starkes Stück…
        – Insofern hat Silvia (14.03.15:23) recht: Geschichte kann sich eben auch immer rückwärts entwickeln. Die Ur-Gemeinden machen das sehr deutlich: sie waren sehr nah dran an der Verwirklichung der Worte „nur einer ist euer Vater, der im Himmel, ihr alle aber seid Brüder“. Mit der Entwicklung zur Amtskirche hat man sich weit davon entfernt.

        • Wrightflyer
          17.03.2018, 21:35 Uhr.

          Was sind schon irgendwelche superkonservativen Kardinäle?
          Ein kleiner Club der in seiner eigenen Welt lebt. Den meisten Leuten bedeuten sie längst nichts mehr.

          Es gibt auf der Welt etwa 180 Staaten. Einige funktionieren hervorragend, manche sind gescheitert. Was ist der Unterschied zwischen einem funktionierenden Staat und einem gescheiterten? Der Unterschied ist, ob die Leute an diesen Staat glauben!
          In der Bundesrepublik klemmt es auch, aber sie funktioniert so gut daß sie immerhin ein halbes Jahr völlig ohne Bundesregierung zurechtkommt.
          In einem gescheiterten Staat arbeitet niemand freiwillig ehrenamtlich viele Stunden in einem Verein oder einer Bürgerinitiative. Die Leute machen nur dann was wenn sie umgehend Geld dafür sehen, möglichst in einer vertrauenswürdigen Fremdwährung.

          Ich bin seit 2010 altkatholisch. Und ich habe die letzten Monate bewusst meine altkatholische Identität vertieft.
          Wir haben keine Kardinäle, kein vatikanisches GZSZ, keine vatikanische Lindenstraße, Marie-ist-doof und wie diese Seifenopern, Telenovelas alle heißen. Und uns gehts ganz gut! Die altkatholische Kirche funktioniert sehr gut ohne das alles! Wir wachsen sogar leicht!
          Und warum? Weil noch genug Leute bei uns dran glauben daß die Kirche funktionieren kann.

          Das ist das worauf es ankommt. Nicht auf irgendwelche vatikanischen Wichtigtuer deren Schreiben eh kaum einer liest. Es kommt darauf an daß die Leute wieder dran glauben daß die Kirche funktioniert. Dann machen sie freiwillig auch was dafür, dann nehmen sie die Kirche in ihre eigene Hand.
          Wenn nicht, dann kann Franziskus so viele konservative Kardinäle absetzen wie er will, es macht keinen Unterschied.

          Das war übrigens auch das wichtigste Thema des agnostischen britischen Schriftstellers Terry Pratchett: Die Dinge funktionieren dann wenn die Leute daran glauben daß sie funktionieren!

          • Wanda
            20.03.2018, 23:47 Uhr.

            Wrightflyer 17.03.21:35
            – Aha, mit anderen Worten: wenn ich also daran glaube dass es Hexen und Gnome gibt, dann funktioniert das auch ?

    • Brigitta
      15.03.2018, 1:33 Uhr.

      Ihr Einwand ist zwar richtig. Aber ich hoffe und bete, dass Franziskus noch lange die Kraft hat, diese uns von Gott geschenkte Kirche in die heutige Zeit zu führen.

      • Wrightflyer
        17.03.2018, 21:41 Uhr.

        Ich auch!
        Aber in einem anderen Sinn als manche Mitschreiber. Nämlich in dem Sinn daß er genug Zeit hat, genug römische Katholiken wieder für das Evangelium zu begeistern, genug Leute zu inspirieren, genug Interesse weckt, sich wieder mit Gott zu beschäftigen.
        Also daß im Kirchenvolk genug von seiner Begeisterung, von seiner Glaubensstärke, von seinem Mut, seiner Entschlossenheit, seiner Freude und vor allem seiner Liebe durchsickert und ansteckt.
        Nicht in dem Sinn daß er genug Zeit hat, diese oder jene Strukturen im Vatikan umzubasteln, denn das ist letzten Endes zweitrangig.

  • Wrightflyer
    14.03.2018, 23:17 Uhr.

    Ich habe den Film jetzt wenigstens ausschnittsweise gesehen.
    „…in die Provinz nach Córodoba.“
    OUUUUUUUUH!! Da haben Sie das alte ehrwürdige Córdoba aber richtig in die Pfanne gehauen, liebe Redaktion! 😀 Auaaaaa…. das tut ja weh! *schnüff* Wie können sie nur!

    Córdoba hat mehrere Universitäten, unter anderem die älteste Argentiniens. Córdoba ist DAS Zentrum des Landesinneren.

    Also wirklich! Sowas aber auch!

  • Wrightflyer
    17.03.2018, 23:08 Uhr.

    Ach, eine Sache noch:
    Manche meinen daß Franziskus die Lehre der römisch-katholischen Kirche nicht verändert hätte.
    Doch, hat er.
    Vor Franziskus konnte man in der rk-Kirche Mafiaboss, Waffenhändler, Börsenhai oder ein ähnlicher Drecksack sein und musste nur ab und zu frömmeln und der Jungfrau Maria eine fette Kerze spendieren, schon war alles okay. Wenn man aber als ansonsten unbescholtener Bürger einfach nur in nicht ganz kirchenrechtlich einwandfreien Familienverhältnissen lebte, wenn man sich zu einer kirchenrechtlich nicht einwandfreien Liebe bekannte, war man unten durch. Da gab es kein Vergeben und kein Verzeihen.
    Das war natürlich nicht überall so, nicht jeder Pfarrer hat das so gehandhabt. Z.B. under alter, als ich jung war, bei dem habe ich nie erlebt daß er irgendjemanden von der Kommunion ausgeschlossen hätte.
    Aber die offizielle Linie war schon so, bzw. kam so rüber.

    • Novalis
      18.03.2018, 20:01 Uhr.

      Natürlich kann ein Papst die Lehre ändern. Nur Unfehlbares (wenn man denn dran glaubt) kann ein Papst nicht ändern. Recht viel in der Lehre der Kirche ist aber gar nicht unfehlbar. Die bezeichnendste Änderung: Nicht mehr jede Sünde gegen das 6. Gebot gilt seit Franziskus als schwer. Das war auch lange überfällig. Eine zweite Partnerschaft ist einfach kein mutwilliger Ehebruch. Und Masturbation, Prostitution, Promiskuität etc. sind einfach nicht über einen Kamm zu scheren.

      • Alberto Knox
        19.03.2018, 11:14 Uhr.

        das ist eine bare selbstverständlichkeit, @novalis. nur leute, die von der kirchlichen lehre nichts verstanden haben, scheren alles über den einen kamm der unfehlbarkeit. man muss sich nur auf der zunge zergehen lassen, dass sich päpst nicht zu doof waren, halbe noten, gabeln, zungenküsse, gaslaternen und pressefreiheit zu verdammen, als wären sie ausgeburten der hölle.

  • Silvia
    20.03.2018, 11:40 Uhr.

    Silberdistel
    20.03.2018, 9:08 Uhr.
    Wrightflyer
    19.03., 22:14 h

    Ganz genauso ist es, lieber Silberdistel, Sie haben erfasst wie das System der rk Kirche funktioniert.

    Ob die von Franziskus in Angriff genommenen Reformen über sein Pontifikat hinaus Bestand haben und dauerhaft in die kirchliche Lehre eingehen werden, entscheidet sich gewissermaßen im nächsten Konklave. Erst dann wird es wirklich spannend.

    • Wrightflyer
      21.03.2018, 18:13 Uhr.

      @Silvia, @silberdistel:

      Auch ein Papst der noch so sehr auf Franziskus Linie liegt, ist auf verlorenem Posten wenn ihn die Kirchenbasis vollkommen im Stich lässt und passiv-lethargisch bleibt.
      Umgekehrt hat die Kirchenbasis die Möglichkeit, jetzt Franziskus‘ Impulse aufzugreifen und unumkehrbare Tatsachen zu schaffen. JETZT!! Nicht irgendwann am Sanktnimmerleinstag.

  • bernardo
    20.03.2018, 12:44 Uhr.

    Wir wissen nicht, ob mit Papst Franziskus eine „Wende“ eingeleitet wurde oder er nur ein „Intermezzo“ bleibt, wie silberdistel schreibt. Das wird die Geschichte lehren. Ich sehe Franziskus nicht als den „Gorbatschow“ des Vatikans, weil auf dem Kommunismus marxistisch-leninistischer Prägung kein Segen lag, er also „implodieren“ konnte. Die Kirche hingegen, die zweitausendjährige Institution, hat Kinderpäpste, hat einen Alexander VI., einen „Papst in Waffen“ wie Julius II. und jede Menge unfähiger, verschrobener und mediokrer Gestalten überlebt. Eigentlich waren diese gegenüber den guten, gebildeten, wohlmeinenden Päpsten in der Mehrzahl, wie ich vermute.

    Meine Prognose für das nächste Konklave: Die Kardinäle werden einen Mann wählen, der das Pontifikat Franziskus‘ nicht fortsetzt, so dass es sich um ein Intermezzo handeln wird. Auch wenn natürlich die Kontinuität immer betont werden wird von offizieller Seite.

    • Brigitta
      21.03.2018, 11:55 Uhr.

      Hoffentlich sind die Kardinäle klüger als Sie und wählen einen Papst, der die Linie von Franziskus fortsetzt.

    • Wanda
      21.03.2018, 16:28 Uhr.

      Bernardo:
      – demnach ist also bei den Papstwahlen der Heilige Geist in der Regel abwesend ?

    • Wrightflyer
      21.03.2018, 18:08 Uhr.

      Ich denke daß Sie sich sehr sehr irren, bernardo.
      Denn, ganz ehrlich: Die breite Mehrheit der römisch-katholischen Kirche hat andere Fragen und Bedürfnisse als Sie. Und würde den Kardinälen einen zweiten Papst Wojtywa niemals verzeihen.

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