Die Kindheit Jesu – unter Embargo

Erstauflage: eine Million in neun Sprachen

Im Vatikan wurde heute Vormittag das neue Jesusbuch des Papstes vorgestellt: „Jesus von Nazareth – Prolog: Die Kindheitsgeschichten“. Es ist der dritte Band der Jesustrilogie von Joseph Ratzinger, Benedikt XVI. Genauer gesagt ist es eigentlich der erste Band; denn in dem vorliegenden Buch geht es um die Geburt und Kindheit Jesu bzw. das, was Lukas und Matthäus darüber in ihren Evangelien berichten. Was in dem Buch drinsteht, darf leider noch nicht verraten werden. Denn obwohl es der Weltöffentlichkeit vor wenigen Stunden in neun Sprachen präsentiert wurde, gibt es eine Sperrfrist bis heute Nacht 24 Uhr. Morgen ist das Buch dann mit einer Erstauflage von einer Million in den Buchhandlungen in rund 50 Ländern weltweit; die Startauflage der deutschsprachigen Ausgabe liegt bei 100.000.

Details zum Inhalt gibt es also erst morgen – oder bei denen, die das Embargo brechen. Soviel vielleicht vorab aus den Text-Steinbrüchen, die nach der Pressekonferenz in Rom freigegeben wurden: „Das Buch ist eine theologische Meditation“ erklärte eine brasilianische Theologin auf dem Podium. Damit dürfte der zentrale Punkt des Werks getroffen sein. Es handelt sich um eine theologische und spirituelle Annäherung an Jesus von Nazareth – mit teils sehr persönlichen Zügen des Autors. Wie schon in den anderen beiden Bänden versucht Benedikt XVI. eine Verbindung von wissenschaftlicher, historisch-kritischer Herangehensweise an die Texte mit einer religiösen Deutung. Wissenschaft/Vernunft und Glaube versucht er zusammenzubringen, um Herkunft, Geburt und Kindheit Jesu zu deuten. Es geht Ratzinger darum, die Historizität der in den Evangelien geschilderten Ereignisse sowie die Gottes-Sohnschaft Jesu plausibel zu machen.

Für Benedikt XVI. klingen etwa in den Kindheitsevangelien bereits die großen Themen des Lebens und der Botschaft Jesu an. Der universale Anspruch Jesu und der christlichen Botschaft sieht er etwa im Hinweis auf die Volkszählung unter Kaiser Augustus bei Lukas angedeutet (Lk 2,1): „Erst in diesem Augenblick, in dem eine Rechts- und Gütergemeinschaft auf breitem Raum besteht [durch das römische Weltreich] und eine universale Sprache einer kulturellen Gemeinschaft die Verständigung im Denken und Handeln ermöglicht hat, kann eine universale Heilsbotschaft, kann ein universaler Heilsbringer in die Welt hineintreten.“ Ein anderes Beispiel sind etwa die Engel bei der Verkündigung der Geburt Jesu an die Hirten. Da sprechen die Engel bereits vom „Messias“ (Lk 2,10f).

Mit der Veröffentlichung des aktuellen Bandes ist ein Herzensprojekt Joseph Ratzingers abgeschlossen. Erstmals sprach er 2002 in einem Interview über seinen Wunsch, ein Jesusbuch zu schreiben. Im Sommer 2004 waren die ersten drei Kapitel fertig; dann kam im April 2005 die Wahl zum Papst. Er nutzte jede freie Minute, um das Werk zu vollenden. Im April 2007 zu seinem 80. Geburtstag kam der erste Band heraus, der die Zeit von Jesu Taufe bis zu „Verklärung“ behandelte. 2010 kam der zweite Band von der Passion bis zur Auferstehung heraus. Jetzt „endlich“, wie Ratzinger im Vorwort schreibt, kommt der dritte Band. Insgesamt umfasst die Trilogie über 1000 Seiten. Bei allen drei Bänden steht an erster Stelle der bürgerliche Name Joseph Ratzinger; erst dann folgt der Papstname. Ratzinger möchte das Buch nicht als lehramtliche Publikation verstanden wissen, sondern als Beitrag zur wissenschaftlichen Diskussion über Jesus von Nazareth.

Kritiker warfen Benedikt XVI. in den vergangenen Jahren immer wieder vor, er kümmere sich zu wenig um die Kirchenpolitik, führe die Kirche nicht richtig, und schreibe stattdessen theologische Bücher. Wer, wenn nicht der Papst, sollte theologische Bücher über Jesus schreiben? Wichtig ist dann, dass seine Mitarbeiter wie etwa der Kardinalstaatssekretär den politischen Part gut abdecken. Ob das der Fall ist, ist ein anderes Thema.

Was der Papst zur Jungfrauengeburt sagt, zum Stern von Betlehem und dem Verhältnis von Glaube und Politik – das kommt nach Ende des Embargos; bis dahin muss die Kindheit Jesu noch etwas warten.

Autor: Jürgen Erbacher

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Seit 2005 berichte ich für die ZDF-Redaktion „Kirche und Leben katholisch“ über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.
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3 Kommentare

  • Tuklov
    21.11.2012, 12:09 Uhr.

    In seiner Kindheit soll Jesus aus Holz, welches von seinem “Stiefvater” Josef aus der Arbeit übrig war Vögel geschnitzt haben. Nachdem ihn sein Vater dafür gescholten hatte, flogen die Holzvögel davon.

    Eine schöne Geschichte.

  • Stefan Wehmeier
    25.11.2012, 23:24 Uhr.

    (NHC II,3,21) Diejenigen, die sagen: “Der Herr ist zuerst gestorben und dann auferstanden”, sind im Irrtum. Denn er ist zuerst auferstanden und dann gestorben. Wenn jemand nicht zuerst die Auferstehung erwirbt, wird er sterben.

    Die Auferstehung ist ein elementarer Erkenntnisprozess, nicht das “Herausklettern des toten Jesus aus seinem Grab”. Und der Tod in der originalen Heiligen Schrift (die Bibel nur bis Genesis 11,9 sowie ein wesentlicher Teil der Nag Hammadi Schriften), die dadurch gekennzeichnet ist, dass ihre Verfasser die wirkliche Bedeutung der heute in Genesis 3,1-24 beschriebenen Erbsünde noch kannten, ist nicht der biologische Tod, sondern der geistige Tod durch religiöse Verblendung (künstliche Programmierung des kollektiv Unbewussten).

    Wer das nicht weiß, kommt nicht darauf; wer es aber erklärt bekommt und dann die irrwitzigsten Ausreden erfindet, um es nicht verstehen zu müssen, sollte sich ernsthafte Gedanken um seine geistige Gesundheit machen.

    Willkommen im 21. Jahrhundert

    • Hubert Popp
      26.11.2012, 09:46 Uhr.

      Mit wenigen Worten läßt sich das Drama der Erlösunggeschichte zur sogenannten Erbsündenlehre klären : Erst eine gescheiterte Schöpfung Gottes verlangt nach einer Erlösung von göttlichen Fehlern ! Heute wissen wir nun , daß Gottes Schöpfung in der „Kathedrale der Unendlichkeit „ noch längst nicht abgeschlossen ist und können deshalb auch noch nicht sagen ob sie gescheitert ist! Deshalb darf sich die Theologie noch nicht nach einer Erlösung sehnen und sie sollte sich damit auch von den weit überzogenen Gedanken des Augustinus lösen um schließlich wieder auf den Boden göttlich-menschlicher Wirklichkeit zu landen .Wir sollten es dem Augustinus nachsehen , wußte er doch noch nichts von der „ Kathedrale der Unendlichkeit „ und von der Tatsache , daß unsere Erde seit Beginn des Schöpfungsaktes Bestandteil des vielgerühmten Himmels ist !
      Wenn es Gott nun gibt ,dann steht er sicherlich eher zu seiner noch unvollendeten mit vielen Fehlern behafteten
      Schöpfungswirklichkeit als zur wirklichkeitsfremden Erbsünden-Erlösungslehre des Augustinus !
      Wenn nun hier aus der Genesis 3.1-24 über die Erbsünde berichtet wird , so muß festgestellt werden , daß hier eine Fälschung vorliegt ! Weder das Alte Testament noch Jesus kannten den Begriff Erbsünde , wohl aber den Sündenfall , den es natürlich nie gab! Erst dem berühmten Kirchenlehrer Augustinus 410 Jahre n. Chr. fiel auf , daß der Sündenfall für den Glauben nicht dramatisch genug war und er entwickelte daraus die noch heute für die Kirche und ihren Gläubigen gültige Erbsündenlehre !
      Befreien wir Katholiken und Protestanten nach umfassender Betrachtung , nun Jesus endlich von
      seinem qualvollen ,erdrückenden Erlösertum ,das ihm von hochbegabten Theologen eingeredet und aufgewollt wurde !
      Weiterhin sollten wir inständig unseren Schöpfer darum bitten,daß er unbedingt seine Fürsorgepflicht , seinen
      Schöpfungswesen , uns Menschen gegenüber, ausüben sollte !
      Doch seien wir nicht ungeduldig ,
      liegt doch Gottes Allmacht in der Zeit , Zeit die wir Menschen hier auf Erden noch nicht haben !
      Einen freundlichen Gruß! Hubert Popp

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