Synodalität auf Dauer gestellt!?
Der Synodale Weg ist zu Ende, die Synodalität in der katholischen Kirche in Deutschland geht weiter. So wünschen sich das die Mitglieder der Synodalversammlung und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Ob die Deutsche Bischofskonferenz das auch mehrheitlich will und Rom final zustimmt, muss sich noch zeigen. Das Projekt „Synodaler Weg“ ist heute aber erst einmal zu Ende gegangen. Bei der sechsten Synodalversammlung in Stuttgart zogen knapp 180 Synodale eine gemischte Bilanz des sechs Jahre dauernden Prozesses. Vieles wurde nicht erreicht, sollte die Synodalkonferenz aber wie geplant kommen, sehen das eine große Zahl der Synodalen als wichtigen Fortschritt. Am Rande des Treffens wurde seit Donnerstag auch darüber diskutiert, wer Nachfolger von Bischof Georg Bätzing als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz wird. Die Bischöfe wählen bei ihrer Vollversammlung vom 23. bis 26. Februar in Würzburg.
Immer mit Rom vereint geblieben
Sechs Jahre intensiver Debatten innerhalb der katholischen Kirche in Deutschland sind zu Ende. Heftig wurde gerungen um Geschäftsordnungen, Tagesordnungen, theologische und anthropologische Fragen innerhalb der 230 Mitglieder umfassenden Synodalkonferenz, innerhalb und zwischen dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken und der Deutschen Bischofskonferenz sowie zwischen den Bischöfen und dem Vatikan. Der Prozess hat weltweit Wellen geschlagen. Das lag auch daran, dass konservative Gruppierungen Narrative prägten, die katholische Kirche in Deutschland plane eine neue Reformation, wolle im Alleingang Weihen für Frauen einführen und Grundprinzipien des Katholischen über Bord werfen. Anknüpfungspunkte für solche Narrative gab es sicherlich in einzelnen Beiträgen von Synodalen oder Textentwürfen, doch die Bischöfe ließen nie einen Zweifel daran, dass sie mit der Weltkirche und dem Papst nicht brechen wollen. Was umgekehrt aber nicht ausschloss, dass kontroverse Themen diskutiert und kritische Fragen nach Rom getragen wurden etwa zur Weihefrage für Frauen, zu anthropologischen und ekklesiologischen Themen.
Geruckelt hat es an vielen Stellen bis zuletzt. Das war immer auch Wasser auf die Mühlen der Gegner des Prozesses. Reihenweise Anträge zur Änderung der Geschäftsordnung, mühsame Debatten über Textänderungen, bei denen am Ende kaum jemand mehr den Überblick hatte, über welche Formulierungen konkret abgestimmt wurde, führten zu viel Frust und ließen auch bei den Befürwortern einer stärker synodalen Kirche Zweifel aufkommen, ob das der richtige Weg ist. Doch Blaupausen gab es keine für den Prozess. Die bisher vom Kirchenrecht vorgesehenen Versammlungsformen passten nicht für die Situation in Deutschland nach Veröffentlichung der MHG-Studie 2018, die sich wissenschaftlich mit dem Missbrauchsskandal beschäftigt hatte. Das Ziel war eine gleichberechtigte Beteiligung von Laien. Da hilft das Kirchenrecht nicht. So war von Anfang an klar, hier entsteht etwas Neues, das auf dem Weg lernen und gegebenenfalls nachjustiert werden muss.
Kommt die Synodalkonferenz?
Erreicht wurde viel, aber bei weitem nicht alles. Wichtige Texte wurden verabschiedet zu „Macht und Gewaltenteilung“, zur „Priesterlichen Existenz heute“, zu „Frauen in den Diensten und Ämtern der Kirche“ oder einer „Ethik, die den Menschen dient“. Segnungen von „Paaren, die sich lieben“ sind in Deutschland heute möglich. Dazu die neue Synodalkonferenz, in der künftig Bischöfe und Laien über wichtige Fragen des kirchlichen Lebens in Deutschland sowie über Finanzfragen entscheiden sollen.
Allerdings steht die Synodalkonferenz noch unter einem doppelten Vorbehalt. Während das Zentralkomitee der deutschen Katholiken bereits einstimmig der Satzung der Synodalkonferenz zugestimmt hat, steht der Beschluss der Bischöfe noch aus. Sie beraten erst Ende Februar bei ihrer Vollversammlung darüber. Zwar geht der amtierende Vorsitzende Bätzing von einer Zustimmung aus, doch eine Abstimmung ist eine Abstimmung. Auch steht das endgültige Go aus Rom aus. Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck, der die Gespräche mit den zuständigen Stellen im Vatikan führte, erklärte wiederholt, dass er mit einer Zustimmung Roms rechne. Sollte das Vorhaben an einer der beiden Stellen scheitern, wäre allerdings auch der Synodale Weg am Ende doch gescheitert.
Synodalität auf Dauer stellen
Sollte von beiden Seiten Zustimmung kommen, wäre es ein wichtiger Schritt dahin, was auch Papst Franziskus und die Weltsynode zur Synodalität wollte: ein synodales Gremium auf nationaler Ebene unter Beibehaltung der Letztentscheidung der Hierarchie. Letzteres ist für viele Synodale eine Niederlage, doch angesichts der aktuell geltenden kirchenrechtlichen Regelungen sind andere Lösungen kaum vorstellbar. Hier ist Rom gefragt. Dort wird im Nachgang zur Weltsynode daran gearbeitet, wie solche synodale Gremien künftig aussehen könnten.
Diskutiert wurde viel in den vergangenen sechs Jahren. Die katholische Kirche in Deutschland hat sich intensiv mit sich selbst beschäftigt. Wenn die Synodalkonferenz im Schwerpunkt in innerkirchlichen Klein Klein-Debatten verharrt, wird sie niemandem dienen und viel Frust produzieren. Die Menschen erwarten Antworten auf die großen Fragen der Zeit, auf ihre existenzielle Lebensfragen. Kirchliche Gremienarbeit muss im Dienst dieser Fragen stehen, sonst drohen sie, ihre Legitimation zu verlieren. Mit der Versammlung von Stuttgart wurde der Synodale Weg beendet und zugleich Synodalität auf nationaler Ebene auf Dauer gestellt – mit zwei kleinen Vorbehalten.
P.S. Über dieses Thema berichtete ZDFheute am 29.1.2026 in verschiedenen Sendungen und Beiträgen.

