Benedikt XVI. bricht erneut sein Wort

Er wollte vor der Welt verborgen leben und gelobte dem Nachfolger „bedingungslosen Gehorsam“. Hatte Benedikt XVI. in den vergangenen Jahren schon immer wieder mit Vorworten, Grußworten und zuletzt der Eingabe zur Rolle der 1968-er Jahre beim Thema Missbrauch dieses „verborgen leben“ weit ausgelegt, ist mit dem gemeinsamen Buch mit Kurienkardinal Robert Sarah zum Zölibat eine neue Qualität erreicht. Man möchte beinahe von einem Sündenfall sprechen, der das Projekt eines Papstrücktritts nachhaltig beschädigen könnte. Dabei geht es weniger darum, dass Benedikt XVI. eine Lockerung der Zölibatspflicht kategorisch ablehnt. Das Problem ist, dass er sich zu diesem Thema öffentlich äußert und der Zeitpunkt, zu dem er das macht.

Kann es zwei Päpste geben: einen amtierenden und einen emeritierten? Benedikt XVI. betonte nach seiner Emeritierung mehrfach, dass es nur einen gültigen Papst gibt: Franziskus. Dass Benedikt mit zunehmendem Alter immer öfter sein Schweigen bricht, gefährdet das Projekt „Papstrücktritt“. (Quelle: reuters)

Franziskus will Zölibat nicht aufgeben

Mit Spannung erwartet die Welt das nachsynodale Schreiben von Papst Franziskus zur Amazonassynode, bei der im Oktober 2019 die Mehrzahl der Teilnehmer sich für eine Lockerung ausgesprochen hatte. Es war zu erwarten, dass die Gegner einer Lockerung der Zölibatspflicht versuchen würden, den amtierenden Papst zu beeinflussen. Dass sie allerdings den emeritierten Papst dazu einspannen würden, überrascht dann doch. Es könnte ein Zeichen für die große Verzweiflung der Erzkonservativen sein. Sie scheinen Franziskus nicht zu trauen, obwohl der in der Vergangenheit keinen Hehl daraus gemacht hat, dass er den Zölibat nicht aufgeben will.

Darauf hat der Vatikan heute eigens in einer Stellungnahme hingewiesen. Sprecher Matteo Bruni erinnerte an die Aussage von Franziskus bei der fliegenden Pressekonferenz auf dem Rückweg vom Weltjugendtag in Panama im Januar 2019. Damals sagte Franziskus, er sei „nicht einverstanden, den optionalen Zölibat zu erlauben“. Er zitierte seinen Vorgänger Papst Paul VI., der sagte: „Ich gebe lieber mein Leben, als das Zölibatsgesetz zu ändern.“ Zugleich hatte Franziskus allerdings auch angedeutet, dass er offen ist für ein Gespräch über Ausnahmen. „Es würden nur einige Möglichkeiten bleiben in entlegensten Gebieten wie den Pazifischen Inseln.“

Wird Benedikt XVI. instrumentalisiert?

Seitdem ist ein Jahr vergangen und eine Amazonassynode, bei der im Oktober vergangenen Jahres sehr intensiv die Weihe von verheirateten Männern zu Priestern diskutiert wurde. Eine entsprechende Forderung wurde von mehr als Zweidrittel der Synodenteilnehmer verabschiedet. Was Franziskus aus diesem Votum macht, ist noch völlig offen. Eine Priorität war im Umfeld der Synode aus seinen Äußerungen nicht herauszulesen. Der Vatikan wies am Montag allerdings auf einen Satz aus der Rede von Franziskus zum Abschluss der Beratungen der Synode hin: „Es hat mich sehr gefreut, dass wir nicht Gefangene jener selektiven Gruppen geworden sind, die von der Synode nur wahrnehmen möchten, was in diesem oder jenem anderen innerkirchlichen Punkt beschlossen wurde. Sie verleugnen das wesentliche Ganze der Synode, das in der Diagnose bestehe, die in vier wesentlichen Dimensionen gemacht wurde. [Seelsorge, Kultur, Soziales und Ökologie]“

Auch wenn der Vatikan in der heutigen Erklärung weder Kardinal Sarah noch den emeritierten Papst erwähnt, macht er deutlich, dass die beiden nun genau in diese Selektionsfalle zu tappen drohen. Wer die jüngsten TV-Aufnahmen des Emeritus gesehen hat, hat einen 92-Jährigen erlebt, der gebrechlich wirkt und dem das Sprechen äußerst schwer fällt. Besucher, die ihn in den vergangenen Monaten im Kloster getroffen haben, berichten, dass eine längere Unterhaltung kaum mehr möglich sei. Doch der Kopf ist klar, betont sein Privatsekretär Erzbischof Gänswein unermüdlich. Die Gefahr ist allerdings groß, dass der emeritierte Papst in dieser Situation für die Interessen anderer missbraucht wird.

Benedikt XVI. beschädigt sich selbst

Genau hier liegt das grundsätzliche Problem des neuerlichen Wortbruchs von Benedikt XVI. Während des langen Leidens von Johannes Paul II. wurde als ein wichtiges Argument gegen einen Rücktritt stets angeführt, dass die Gefahr eines Schismas bestehe. Das zu verhindern gibt es nur wenige Möglichkeiten. Dazu gehört es, wenn der Emeritus für sich weiter den Titel Papst in Anspruch nimmt, dass er zu aktuellen Fragen schweigt, vor allem wenn es um Kircheninterna geht. Oder aber er tritt so weit ins Glied zurück, dass er als einfacher Priester im schwarzen Talar seinen Ruhestand verbringt und damit auch äußerlich einen klaren Schlussstrich mit dem Papstamt gezogen hat.

Benedikt XVI. hat sich für die erste Variante entschieden, dann muss er auch die Konsequenzen tragen und das heißt: schweigen. Dann darf er jetzt nicht, gestützt auf seinen Lieblingskirchenvater Augustinus, schreiben: „Silere non possum! Ich kann nicht schweigen!“. Damit beschädigt er sich selbst und das Papstamt, das er mit seinem historischen Schritt des Rücktritts gerade gestärkt hatte. Er bringt seinen Nachfolger in eine schwierige Lage, weil dessen Handlungsspielraum eingeschränkt zu werden droht. Dass die aktuelle Buchpublikation wirklich zu einer Spaltung führen könnte, ist eher unwahrscheinlich. Aber es lässt die Möglichkeit eines Papstrücktritts in einem anderen Licht erscheinen und zeigt, dass über das Prozedere noch einmal intensiv nachgedacht werden muss.

Interessante Anmerkungen kamen heute übrigens aus der Welt der Orthodoxie. Dort habe man Joseph Ratzinger als Theologe und Papst doch immer als einen Freund der Orthodoxie erlebt, der die Tradition der Ostkirchen wertschätzte. Wie er nun über den Zusammenhang von Priestertum und Zölibat schreibe, überrasche doch etwas angesichts der Tatsache, dass die östliche Tradition den Pflichtzölibat nicht kenne. Es reiben sich also nicht nur viele Katholiken verwundert die Augen angesichts der Nachrichten aus der verborgenen Welt des emeritierten Papstes.

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Jürgen Erbacher

Seit Juli 2018 leite ich die ZDF-Redaktion "Kirche und Leben katholisch", für die ich seit 2005 über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche berichte. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.

42 Kommentare

  • Carla Maltese
    13.01.2020, 23:30 Uhr.

    😖 😤 😡 Eigentlich wollte ich heute hier nicht rein, da erstens keine Lust und zweitens andere Projekte im Kopf, aber da der Expapst gerade auf allen Kanälen ist, Autoradio eines Kollegen bei der ehrenamtlichen Tätigkeit, Spiegel Online, T-online-Startseite und weiß der Geier was alles, auch der Postillon hat seinen Senf dazu schon abgegeben, muss die Stammschreiberfraktion in drei Teufels Namen halt mal wieder ran.

    Ich weiß auch nicht was es für ein psychischer Zustand beim Expapst ist, ich bin nicht vom Fach, aber gesund ist das nicht. 🤔
    Was MACHT er??
    Schon die merkwürdig konfuse Behauptung daß die 86er am sexuellen Missbrauch schuld sein sollen, da weiß man eigentlich nicht was man dazu noch kommentieren soll.
    Und, das stand auf katholisch.de: Neulich ist er allen legitimen Presseorganen in den Rücken gefallen indem er jetzt ein eigenes Institut für Nachwuchsjournalisten aufziehen will. Mit anderen Worten: er will sich auf seine alten Tage noch eine absolut hörige Privatpresse aufbauen.

    Anderstwo steht als Begründung die Ratzinger für seine (wirklich seine?? Oder wurde sie einem nicht mehr ganz klaren alten Mann eingetrichtert??) Behauptung nimmt, daß sich der Ehemann und Vater ganz der Familie widmen muss und sich nur ein zölibatärer Mann ganz Gott widmen könnte.

    Folgende Punkte:

    1. Lassen wir mal die Tatsache beiseite, daß wir Frauen heutzutage fast genauso im Berufsleben stehen wie die Männer, auch Mütter. Und daß das auch sehr gut so ist, denn wie wir an den uns heute noch prägenden Zeitgeistern von früher sehen, an Kapitalismus, Faschismus, Militarismus und entgleister Umweltzerstörung, war die reine Männergesellschaft alles andere als eine gesunde. Das sind Dinge von denen ich nicht glaube daß sie irgendwie in Ratzingers Weltbild passen. Im Gegensatz zu Wojtywa hat er sich in seiner Amtszeit ja noch nicht einmal zu einem Pseudogewäsch von wegen „Würde der Frau“ herabgelassen.

    2. Kariert gucken kann man da auch angesichts der Tatsache daß noch meine Generation als Kinder eigentlich wenig vom Vater hatte. Noch bis in die 1970er und 80er war der Vater kaum für Haushalt und Kindererziehung zuständig. (Selbst langzeitarbeitslose Väter taten kaum etwas im Haushalt, bzw. sahen das als unter ihrer männlichen Würde) Seit WANN bitte widmen sich Väter „ganz ihrer Familie“?? Selbst die die heute mehr daheim sein wollen bekommen gelegentlich Steine in den Weg gelegt. Der Mann einer Freundin würde gern Stunden reduzieren, aber die Firma hat Stellen reduziert und er arbeitet schon für zwei. Wenn er reduziert hat er die selbe Arbeit auf dem Tisch, nur in weniger Stunden.

    3. Was genau funktioniert denn noch, wenn sich jetzt alle Elternteile, Väter wie Mütter, ganz aus dem Beruf zurückziehen?

    4. Ärgerlich ist hier auch, daß praktisch behauptet wird daß lediglich Priester eine Berufung wäre die besondere Hingabe verlangen würde. Das ist überheblich. Es gibt EINIGE Berufe die man mit Leib und Seele und ganzer Hingabe ausübt, Peter Wohlleben z.B. seinen Beruf als Förster. Ein Mann der entgegen dem Männerklischee z.B. Erzieher oder Altenpfleger wird, tut das meistens auch aus Berufung. Ich kenne einen Erzieher, der ist das mit großer Leidenschaft. Es gibt viele Berufe mit sehr viel Verantwortung, auch wenn man in diesen nicht unmittelbar für Gott arbeitet. Lehrer… Arzt… Stellwerker bei der Bahn… (auch Herr Erbacher und seine Redaktion trägt eine hohe Verantwortung die ich auch durchaus anerkenne. Ich wünsche mir nur daß er verdammt nochmal endlich kapiert was mein Problem hier ist, aber genau das will er nicht! Und die andere Redakteurin die jetzt nicht ,mehr da ist wollte es erst recht nie! Es war unter ihrer Würde, die Not eines kleinen Leasingkrümels zu verstehen!)
    Und, ganz ehrlich: Ich nehme an, daß hier auch niemand möchte daß ich meinen Beruf locker nehme und mit einer Piepegalhaltung meine Stunden runterrotze. Jetzt wo ich beruflich endlich gescheit angekommen bin, hängt es auch von meiner Sorgfalt ab, ob eine Rohrleitung oder ein Behälter oder z.B. Wärmetauscher oder Abscheider ect. hält oder platzt. Ich darf auch bei höchstem Termindruck nicht schludern, also wenn die Rohrleitungen an denen ich gerade rechne eigentlich schon gebaut werden. (Mein Chef hat mir jedenfalls mitgeteilt daß eine hohe Arbeitsauslastung im Anmarsch ist.)

    5. Daß das Zölibat als Zwang nicht funktioniert, ist eine Tatsache die alle sehen können. Es gab mal merkwürdige Zeiten, da wurde mit dem Priesteramt viel Missbrauch getrieben, man konnte geistliche Ämter einfach kaufen. Um auch noch einen erblichen Priesterstand zu verhindern kam dann das Zölibat auf. Heute besteht die Gefahr nicht mehr, aber das römisch-katholische Priesteramt ersäuft in Problemen die das Zölibat geschaffen hat. Auf der einen seite wurden sexuell seltsam gepolte Männer nur deswegen Priester um krankhafte Neigungen zu verstecken, auf der anderen Seite gibt es Priester mit heimlicher Partnerschaft und sogar heimlichen Kindern. Und die Gemeinde „darf“ nach außen Lügengebäude mittragen. Heutzutage bringt das Zölibat als Zwang nichts gutes mehr. Nur noch Heimlichtuerei, Doppelmoral, Lügen und krankhafte Sexualfixierung.

    (Was nicht heißt daß es nicht auch freiwillig zölibatäre Priester die auch gute Priester sind, gibt. Natürlich gibt es da, solche die zölibatär und glücklich dabei sind! Das ist auch absolut okay so! In der altkatholischen Kirche ist, habe ich mal gehört, auch unser Bischof Mathias Ring (freiwillig) zölibatär und bei unserer lieben Pfarrerin weiß ich jetzt auch nichts von einer Partnerschaft von diesem oder jenem Ufer)

    6. Was mir etwas Sorgen macht, sind eben die erlaubten Ausnahmen: Wie ist das für einen Priester der sich in jemanden verliebt, wenn er nicht darf aber andere dürfen, weil sie aus der evangelischen Kirche kommen, oder aus der anglikanischen? Und wie ist das für eine Gemeinde wenn sie aus Zölibatsgründen einen guten Pfarrer verloren hat oder wenn sie ein Lügengebäude mit einer heimlichen Priesterfamilie mittragen soll und die Nachbargemeinde hat einen offen verheirateten Priester und alles ist okay? Tut das nicht irgendwie weh?
    Nun, für genau solche Ausnahmen hat Ratzinger in seiner Amtszeit auch noch gesorgt weil er, da hat er sich bei den Anglikanern auch sehr unbeliebt gemacht, gab richtig Wut dort, den Übertritt anglikanischer Geistlicher in die römisch-katholische Kirche erleichtert hat.

    7. Daß Priester sein und Familie haben SEHR WOHL funktioniert, daß dabei auch sehr liebevolle Priester voller Hingabe rauskommen, muss er also wissen. SO senil kann er nicht sein daß er die anglikanische Kirche, die Ostkirchen, die altkatholische Kirche und die orthodoxen Kirchen komplett vergessen hat. Und dazu seine eigenen Ausnahmen.

    Natürlich kann Ratzinger, wie jeder von uns, seine Meinung zu dem Thema haben, das steht ihm zu.
    Man muss sie aber nicht teilen.

    (Und man ist auch nicht verpflichtet, es grenzenlos positiv zu sehen daß sich damals Wojtywa selbst schon ziemlich hochtsilisiert hat, als der ganz furchtbar Leidende, und sich da offensichtlich sogar mit Jesus identisch sah. Äh… Jesus hat sich sehr grausam hinrichten lassen als er noch jung und kräftig war, er hat es niemandem angetan, ein wichtiges Amt zu blockieren obwohl er definitiv keine Kraft mehr dafür hatte und weiter alle Huldigungen und alle Verehrung zu kassieren).

    • Erasmus
      14.01.2020, 11:07 Uhr.

      „Ich weiß auch nicht was es für ein psychischer Zustand beim Ex-Papst ist, … aber gesund ist das nicht.“

      Ich fand 2013 Benedikts Ankündigung, das Feld zu räumen und sich ins Klosterleben zurückzuziehen glaubwürdig. Es ist anders gekommen, was sicher auch mit der Einflussnahme von Franziskus-aversiven Kreisen zu tun hat.

      Auf der anderen Seite gab es die jahrzehntelange Hybris von Johannes Paul II. und Kardinal Ratzinger, genau zu wissen, was die immerwährende Wahrheit der Katholischen Kirche ist. Diese, ihre Wahrheiten haben sie mit allen lehramtlichen und disziplinarischen Mitteln „verteidigt“ und gegen Veränderungsbestrebungen immun gemacht. Ihr Ansinnen war, Zölibatspflicht, Nicht-Ordinierung von Frauen und die Nichtzulassung von wiederverheiratet Geschiedenen zur Kommunion als unantastbar vor- und festzuschreiben

      Bei der Abwägung zwischen der Einhaltung des 2013 gegebenen Versprechens und dem – aus Benedikts Sicht – Erfordernis, unumstößliche Wahrheiten zu verteidigen, hat sich Benedikt offensichtlich für den Versuch der Rettung seines Lebenswerks entschieden.

      Seit Benedikts unsäglichem Aufsatz vom April 2019, wo er versuchte die 68er-Bewegung für den Missbrauchsskandal in der Kirche haftbar zu machen, ist er für mich allerdings kein ernstzunehmender Diskursteilnehmer mehr.

  • Brigitta
    14.01.2020, 0:33 Uhr.

    Danke für diesen Kommentar. Nachdem sämtliche großen Zeitungen heute darüber berichtet hatten war ich schon sehr gespannt auf Ihre Meinung.
    Die Einmischungen von Benedikt werden immer schwieriger für die Kirche, um mich mal ganz vorsichtig auszudrücken. Ich verstehe ihn schon lange nicht mehr.
    Aber vielleicht sollte ich mehr für ihn beten

  • Erasmus
    14.01.2020, 0:59 Uhr.

    Benedikt XVI. „bringt seinen Nachfolger in eine schwierige Lage, weil dessen Handlungsspielraum eingeschränkt zu werden droht.“

    Der Papa emeritus hat offensichtlich nicht mehr die Kraft, eine einmal für richtig erkannte Linie beizubehalten. Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass sich Benedikt instrumentalisieren lässt, und Erzbischof Gänswein wird sicher seine Finger im Spiel haben.
    Ich denke allerdings, dass das am 15. Januar in Frankreich erscheinende Buch „Aus der Tiefe unserer Herzen“ der Autoren Benoit XVI. und Cardinal Robert Sarah wenig Wirkung erzielen wird. „Die Hunde bellen und die Karawane zieht weiter.“

    Franziskus hat bei den beiden Familiensynoden Erfahrungen gesammelt, wie man bestimmte Inhalte in eine solche Textform bringt, dass im Plenum eine Zwei-Drittel-Mehrheit erzielt wird. Bei den Punkten „Viri probati“ und „Diakonat der Frau“ ist das auch bei der Amazonassynode gelungen.

    Mit der Zwei-Drittel-Mehrheit im Rücken wird der Papst eine Öffnung in Ausnahmefällen ermöglichen und dabei betonen, dass das „Geschenk des Zölibats“ weiterhin nicht in Frage zu stellen ist. Seine bisherige Strategie, die katholische Doktrin leisetreterisch mit praktischen Auswirkungen zu unterminieren, ist bisher aufgegangen und wird auch dieses Mal zu keinem schismatischen Szenario führen.

    • Brigitta
      14.01.2020, 11:37 Uhr.

      Erasmus, ich bin echt sauer über Ihren letzten Satz. Ich finde ihn ehrverletzend gegenüber unserem jetzigen Papst. Er mag sicher nicht alles richtig machen, denn er ist auch „nur“ ein Mensch. Aber ich denke, dass er sich viele Gedanken macht über das, was er tut und sagt.

      • Erasmus
        14.01.2020, 15:24 Uhr.

        Ich glaube, es handelt sich um ein Missverständnis. Ich habe die beiden Familiensynoden intensiv verfolgt und war davon beeindruckt, welche Ergebnisse der Papst bei konservativer Übermacht für die Abschlussdokumente mit Zweidrittel-Mehrheit erzielt hat. Das legitimierte ihn dazu, in seinem nachsynodalen Schreiben die Enzyklika „Humanae vitae“ Pauls VI. von 1968 zu relativieren und gangbare Wege für wiederverheiratet Geschiedene aufzuzeigen. Das von mir gebrauchte Wort „leisetreterisch“ ist negativ konnotiert (Recherche) und deshalb unpassend. Mein Punkt ist, dass Franziskus dafür zu bewundern ist, wie er den Spagat zwischen Reform-Einleitung und Schisma-Vermeidung hinbekommt.

  • Michael Hauber
    14.01.2020, 8:18 Uhr.

    Ich bin von soviel Illoyalität und Ungehorsam des ehemaligen Papstes betroffen. Was für mich aber noch schlimmer wiegt als die Sünde des abermaligen Bruches eines hoffentlich nicht leichtfertig gegebenen Versprechens:
    Warum sollte ich Joseph Ratzinger eigentlich überhaupt noch glauben, dass er all die anderen Versprechen hält – also bei seiner Priesterweihe das Versprechen, das Stundengebet zu leben, seinem Ortsbischof gehorsam zu sein, zölibatär zu leben; bei seiner Bischofsweihe das Versprechen, „das von den Aposteln überlieferte Glaubensgut, das immer und überall in der Kirche bewahrt wurde, rein und unverkürzt weiterzugeben“? Er ist doch sichtlich nicht willens das unvergleichlich einfachere und unbedeutendere Versprechen des Schweigens zu halten.
    Ich bin sicher, dass sich die überwältigende Anzahl der Christen für das Verhalten von Joseph Ratzinger schämt.

  • ZufälligerGastleser
    14.01.2020, 14:49 Uhr.

    „bricht erneut sein Wort“ – ob solche Überschriften auch in einer immerhin vorstellbaren anderen, umgekehrten Konstellation derart gehässig kämen, nämlich bei der entsprechenden Wortmeldung eines zurückgetretenen liberalen Papstes gegenüber einem sehr konservativen Nacholger? Kann sich jeder selbst beantworten, undenkbar, wie ja die Berichterstattung im bundesdeutschen Sprachraum leider auch immer sehr vorhersehbar abläuft. Durchweg hämisch und feindselig auf den verlöschenden Altpapst drauf! Zum Zölibat das hierzulande Niveauübliche: ach hätten die Deutschen wenigstens das Sexbuch des jüngst verstorbenen Philosophen Roger Scruton gelesen. Aber Stimmen wie Scruton bleiben unbeachtet und unübersetzt. Statt dessen das immer gleiche und ebenso dogmatisch. Aber beim Thema Papst und katholische Kirche liebt es der Stammtischdeutsche sowieso mit unbelehrbarem antikatholischen Affekt nicht zu differenzieren, vielfältiges Für und Wider abzuwägen, oberhalb wie unterhalb der Kommentarstriche. Schade. Nebenbei, das sei hier erwähnt, in zahllosen nicht Kommentar-, sondern Berichtsartikeln der Medien wird Kardinal Sarah mit der polemischen Vokabel als „erzkonservativ“ bezeichnet, wo es „überaus“ oder „sehr konservativ“ neutraler,angemessener auch tun würden. Denn wo lesen wir umgekehrt von „ultraprogressiven“? So läuft Meinungsbildung, leider. Und zum Zölibat: sicher ein großes Opfer – aber grade deshalb Zeichen der geglaubten, über die Natur hinausgehenden Wahrheit. Gibt es Gott und ein Jenseits, dann wäre das eine existenzielle Beglaubigung: in Einklang mit der ebenso wünschenswerten persönlichen Armut der Priester eines der Solidarität, mit den Zukurzgekommenen, den Kranken, die keinen Sex haben, ein Zeichen gegen die Übersexualisierung und den entfremdeten Eros. Und die Familienlosigkeit der Priester gegen ihre Verbourgeoisierung oder kleinbürgerliche Milieuverengung, von der das evangelische Pfarrhaus bei allen Verdiensten auch Beispiele genug gab und gibt.

    • Carla Maltese
      14.01.2020, 22:37 Uhr.

      Wie schon beschrieben verursacht das Zölibat nunmal sehr viel Leid. Und eine unsensible Äußerung in der Richtung natürlich entsprechende Wut.
      Es verstecken sich krankhaft gepolte Männer im Priesteramt, andere verheimlichen Frau und Kinder oder schmeißen ganz hin, heimliche Priesterfamilien sind mit Sicherheit auch für die Gemeinden eine große Belastung, kurz: Dieser Mystizismus mit dem Zölibat funktioniert nicht. Niemand profitiert davon. Niemand wird „heiliger“ dadurch, nur verkrampfter und unglaubwürdiger wenn er Schwierigkeiten bekommt und eben diese Seite an sich verleugnen muss.

      Andere Kirchen dagegen beweisen sehr wohl, daß es keinen Zölibat braucht um ein guter, liebevoller und glaubensstarker Priester zu sein. Das einzige was diesen Kirchen fehlt sind zölibatsbedingte Skandale!

      Was Einfühlungsvermögen und Sensibilität angeht, haben die russisch-orthodoxen Priester ziemlich viel Nachholbedarf. Aber niemand kann die Glaubensstäke bestreiten, mit der sie den Glauben so gut es ging durch die Sowjetzeit gerettet haben.

      Und was soll „übersexualisiert“ sein?
      Übersexualisierte Gesellschaften sind, das kann man in konservativen islamischen Ländern sehen, gerade die in der Sexualität und Erotik verteufelt und verdammt wird.
      In der Regel endet das damit daß die Frauen ständig in Verdacht sind, mit dem nächstbesten Mann wild herumvögeln zu wollen wenn sie nicht streng bewacht und abgesondert werden. Das Leben der Frauen dreht sich dann nurnoch darum, daß sie irgendwie Sex haben könnten, sie werden nur als Sexobjekt gesehen.
      Nun, heute ist es in konservativen islamischen Ländern so, früher war es auch bei uns im hohen Lehramt der großen Kirchen so. Die Frau war stets die Hure, die Verführerin, man musste sie absondern und streng bewachen sonst geschieht im nächsten Moment der wildeste Sex. DAS nenne ich übersexualisiert.
      Meine Großmutter väterlicherseits beklagte sich recht kurz vor ihrem Tod darüber, daß sie nicht allein ins Gasthaus im Dorf essen gehen könnte, weil ihr sonst das halbe Dorf etwas andichten würde.
      Und ich bin schon deswegen froh und dankbar darum, in sexuell entspannteren Zeiten zu leben weil ich einen Beruf mit ziemlich vielen männlichen Kollegen ausüben kann und mich dabei auf die Arbeit konzentrieren kann, weil ich als fachlich kompetente Kollegin gesehen werde, nicht als Sexobjekt das dauernd unter Verdacht steht, mit dem nächstbesten Kollegen im Zeichnungsarchiv zu verschwinden. Gerade weil die Kollegen Sex als ganz natürlich und normal sehen, spielt er auf der Arbeit keine Rolle und ich kann wirklich ganz normal arbeiten.

      Wenn man Sex als ganz natürlich und normal wahrnimmt, als wunderbares Geschenk Gottes, als wirklich schöne Sache wenn sie verantwortungsvoll ausgeübt wird, dann nimmt sie eben nicht das ganze Leben ein, sondern gerade dann lässt sie Platz und Freiheit für anderes.
      Für Chemieanlagenbau z.B.

      • ZufälligerGastleser
        16.01.2020, 14:24 Uhr.

        Danke für Ihre Antwort. Mein Hauptpunkt und Anlass zum Kommentar ist der wohl schlecht zu leugnende, teils sehr unschöne und ärgerliche, insonders bei öffentlich-rechtlichen Anstalten fragwürdige Medienbias gegen die katholische Kirche in ihrer überlieferten Gestalt. Zum Nebenpunkt, dem Zölibat, vertreten Sie eine sehr einseitige und pessimistische Sicht. Viele Menschen leben, freiwillig oder unfreiwillig zölibatär, nicht nur Priester, auch Laien, Männer und Frauen, Akademiker und Arbeiter, sogar viele Nichtkatholiken und Nichtchristen, in geordneter, psychosexuell gesunder und reifer Weise. Das zu bestreiten, wäre eine große Ungerechtigkeit. Darüber, daß die geschlechtliche Enthaltsamkeit, die Keuschheit, geistig und spirituell überdies fördernd und bedeutsam sein kann, was sogar Atheisten wie Albert Camus oft hervorgehoben haben, wäre viel zu schreiben oder meinetwegen zu streiten. Zu dem dahingestellten Leid: es gibt keinen Zwangszölibat! Wie die Kirche mit in diesem Punkt gescheiterten Priestern umgeht, ist allerdings etwas anderes. Zölibat und Mißbrauch verallgemeinernd kurzzuschliessen ist sicher ebenso verfehlt, wie Homophilie und Mißbrauch generalisierend zu verbinden. Daß eine zölibatäre Welt eventuell im Einzelfall auch unreife oder in dieser Hinsicht ungesunde Personen anzieht und die Priesterauswahl dahingehend sehr vorsichtig gehandhabt werden muss, wieder etwas anderes. Daß es eine gesunde Spiritualität zölibatärer Lebensweise doch immerhin gibt und die Kirche bereichert hat, durch die Jahrhunderte in den Klöstern etwa, wollen Sie wohl nicht bestreiten. Umgekehrt sind die von Ihnen angesprochenen Aspekte zum Punkt der Übersexualisierung sicher zum Teil wohl auch überlegenswert und berechtigt. Mir ging es um die mediale Schwarz-Weiß-Malerei und kulturkämpferische Polemik dazu nicht beauftragter Institutionen! An Stellungnahmen wie nun Ihrer stört mich nur das Verallgemeinernde, denn Mißbrauchstäter auch in der Kirche sind – Gott sei Dank – eine – Gott seis geklagt – viel zu häufige Ausnahme und nicht die Regel! Statt hegemonialer, auch national und kulturalistisch bornierter Medienpolemik wertschätzende kritische Auseindersetzung unterschiedlicher, entgegegngesetzter Positionen, wenigstens unter Katholiken, wäre mein Wunsch. Den achtsamen und reflektiert-kritisch offenen Umgang der verschiedenen Meinungsparteien miteinander vermisse ich bei allen Seiten. Und zurück zu meiner Eingangsfeststellung, wer ermächtigt die öffentlich-rechtlichen Medien in voller Breite einen einseitig progressistischen Kurs gegen die Kirche zu forcieren?

        • Carla Maltese
          17.01.2020, 16:40 Uhr.

          Ich HABE erwähnt daß es auch solche Priester gibt die glücklich zölibatär leben und daß das vollkommen in Ordnung ist. Natürlich möchte ich auch nicht alle Priester zwangsverheiraten!
          Als Zwang jedoch funktioniert es nicht, wie unzählige Male bewiesen wurde. Die Skandale im römisch-katholischen Klerus stapeln sich, da können Sie die gesamte Hamburger Speicherstadt mit tapezieren, innen und außen.

          Niemand wird „heiliger“ dadurch daß er die Tatsache ein sexuelles Wesen zu sein verleugnet und das in sich drin bekämpft. Nur unaugeglichener, aggressiver, hartherziger. Hinter der Behauptung daß Enthaltsamkeit so etwas „heiliges“ wäre steht einfach nur das Bild daß Sexualität irgendwas schmutziges, sündhaftes, verdorbenes wäre. Das kommt nicht von Jesus, das kommt von altgriechischen Philosophen. Und von mindestens einem Kirchenvater der davor bei einer seltsamen Sekte war und dieses Gedankengut daß alles Körperliche schlecht und verdorben wäre auch nach der Konvertierung zum Christentum nicht los wurde.

          Das Zölibat war gleich eines der ersten Dinge die mit Gründung der altkatholischen Kirche abgeschafft wurde. Neben insbesondere dem Beichtzwang. Den Leuten hätte es egal sein können, es ging schließlich nicht um ihren eigenen Familienstand, aber sie hatten offensichtlich damals schon das Empfinden daß mit diesem Priesterstand etwas nicht stimmt.

          PS: In heute sexuell entspannteren Zeiten kann ich in meiner einen ehrenamtlichen Tätigkeit, THW aktiver Dienst, 1. Bergungsgruppe, wenn es sein muss in einem gemischtgeschlechtlichen Mannschaftszelt schlafen OHNE daß gleich der wildeste Gangbang startet. Oder der Verdacht aufkommt von wegen ich würde mit jedem von den Jungs nacheinander vögeln wollen. Feldbett zusammenbauen, schlafen, das wars. Nix wilde Sexorgie. Ich tu es zwar nicht gern weil ich zum Schlafen gern frische Luft habe und die einen oder anderen Kameraden schnarchen, aber es ist möglich und heutzutage normal. Jetzt stellen Sie sich das mal 1950 vor…

        • Novalis
          18.01.2020, 17:16 Uhr.

          Man kann natürlich die Wirklichkeit auch leugnen, auch doppelt: Fast alle katholischen Geistlichen MÜSSEN das Vesprechen ablegen, zölibatär zu leben, wenn sie sich denn weihen lassen wollen. Das ist sehr wohl ein Zwang. Dass der Zölibat schöpfungswidrig ist – schließlich ist Gottes Vermehrungsbefehl ziemlich eindeutig -, sei nur am Rande erwähnt. Und weil der Zölibat eben auch gegen die Natur ist, halten sich sowenige Priester daran, die meisten masturbieren, viele haben Verhältnisse zu Frauen oder Männern.

        • Novalis
          18.01.2020, 17:22 Uhr.

          „wer ermächtigt die öffentlich-rechtlichen Medien in voller Breite einen einseitig progressistischen Kurs gegen die Kirche zu forcieren?“
          Wo leben Sie??? Es gibt gar keinen „einseitig progressistischen Kurs gegen die Kirche“? Und bitte was wäre gegen Fortschritt einzuwenden? Benutzen Sie etwa noch ein Plumpsklo? Und werden zur Ader gelassen? Die überwältigende Anzahl der katholischen Christ*innen will einfach nur eines: ihren Glauben im Jahr 2020 leben. Nicht im Jahr 1788. Papst Franziskus hat immerhin dafür gesorgt, dass der spätbarocke Liturgiewahn seines Vorgängers beendet ist.

          • Loriot
            19.01.2020, 14:11 Uhr.

            Werter Novalis!

            Sie sind naiv bis auf die Knochen. Sie lassen sich von Äusserlichkeiten beeinflussen wie ein Fünfjähriger.
            Ist Ihnen nicht bewusst, dass der Vatikan für die vermeindlich bescheidene Kleidung von Franziskus ein Vermögen ausgeben musste? Alles musste neu angeschafft werden, obwohl noch genug liturische Kleidung von Joh. Paul II. vor Ort gewesen wäre. Benedikt hatte einen ziemlich eigenwilligen Geschmack, er hat aber den Vatikan mit seinen Extravaganzen nichts gekostet. Es war alles vor Ort. Das kann man von Franziskus nicht behaupten. Sein Lebensstil ist mehr als extravagant. 2 Wohnungen, doppeltes Personal bei der Schweizergarde (er musste sie sogar aufstocken, jetzt muss eine neue Kaserne gebaut werden, weil die alte zu klein ist), und das nur, weil der Papst, um den Anschein der Bescheidenheit aufrecht zu erhalten, im vermeintlich zurückhaltenden St. Martha wohnt (in der Papstsuite natürlich), auf seine Wohnung im Apost. Palast aber nicht verzichtet. Alles äusserst aufwendig.

            Dem Volk ein Bild in den Kopf zu setzen war schon immer eine teure Angelegenheit.

            Am Ende alles nur Show, um die Menschen von den wahren Problemen abzulenken.

            Da war Benedikt wenigstens ehrlicher und unkomplizierter.

    • Novalis
      17.01.2020, 1:42 Uhr.

      Sie tun ja gerade so, als würde der Zölibat flächendeckend gehalten. Aber gehen Sie mal davon aus, dass der Priester, aus dessen Hand sie am Sonntag die Kommunion empfangen haben, am Tag zuvor noch masturbiert hat. Ein Drittel bricht den Zölibat zusätzlich noch mit Freund oder Freundin. Ist Heuchelei soviel besser als Bürgerlichkeit (die bei der bürgerlichen Kleinfamilie, auf die Sie und Ihresgleichen sonst das Lob gegen die Botschaft des Evangeliums singen)?

      • Carla Maltese
        17.01.2020, 16:14 Uhr.

        Oh, bitte nicht schon wieder masturbierende Priester!!
        Unsere Pfarrerin ist auch nicht vergeben, soweit ich weiß; trotzdem frage ich mich nicht jedes Mal vor der Kommunion ob ihre Hand an ihrer *** war!!

        • Novalis
          18.01.2020, 17:18 Uhr.

          Liebe CM, DAS ist die Realität. Ich gehe aber davon aus, dass sich Frauen tendenziell öfter die Hände waschen als Männer nach Klogängen…

    • Alberto Knox
      17.01.2020, 13:24 Uhr.

      hat ratzinger denn etwa nicht ein öffentlich hoch und heilig versprochenes wort gebrochen?

    • Suarez
      17.01.2020, 17:18 Uhr.

      ZufälligerGastleser!
      Hat B16 denn nun a) ein Versprechen gegeben, zu schweigen oder nicht? Und hat er es b) nun schon immer wieder gebrochen, obwohl ihm die rechtliche Fähigkeit zur Selbstdispens von solch einem Versprechen kraft plena potestas seit dem 28.2.2013, 20 Uhr fehlt, oder nicht?
      Beschweren Sie sich bei ihm, nicht bei Herrn Erbacher.
      Und: Finden Sie es nicht zum Schreien komisch, dass ausgerechnet Benedikt durch den Bruch eines Versprechens zur Einhaltung eines anderen (übrigens auch flächendeckend gebrochenen) Versprechens auffordert?

      • Loriot
        18.01.2020, 14:46 Uhr.

        Werter Suarez!

        Wenn Sie sich ordentlich informieren würden, und nicht nur lesen würden, was Ihnen in Ihr ideologisches Weltbild passt, würden Sie wissen, das Franziskus Benedikt bei ihrem ersten Treffen in Castel Gandolfo, herzlich eingeladen hat, sich am Leben der Kirche zu beteiligen.
        Auch Herr Erbacher, wenn er seiner Arbeit ordentlich nachgehen und recherchieren würde, wüsste, dass Benedikt kein Versprechen bricht, sondern einer Einladung von ganz oben folgt.

        Schönen Tag noch.

        • Jürgen Erbacher
          Jürgen Erbacher
          18.01.2020, 22:12 Uhr.

          Das ist korrekt. So wie Franziskus auch immer wieder sagt, dass die Welt sich an zurückgetretene Päpste gewöhnen müsse. Das eine ist die höfliche Geste gegenüber dem Vorgänger. Das andere ist die selbst auferlegte Form des Lebens nach dem Rücktritt. Ich denke, Benedikt XVI. war sich bewusst, wie kompliziert es sein wird, diesen Rücktritt und die Zeit danach zu leben. Deshalb war dieser selbst auferlegte totale Rückzug klug und durchdacht. Was passiert, wenn man sich nicht dran hält, zeigt sich mit steter Regelmäßigkeit. Es ist ja nicht die erste Irritation. Nimmt man allein den Text von Benedikt XVI., um den es hier geht, wird man feststellen, dass dieser nie ein solches Desaster ausgelöst hätte. Das Problem ist der Kontext, in den er durch Kardinal Sarah gebracht wurde. Und um solche Instrumentalisierung zu vermeiden, ist der ursprünglich geplante Weg des Rückzugs der Beste. Zumal die Kräfte Benedikts extrem geschwunden sind im vergangenen Jahr.

          • Loriot
            19.01.2020, 10:08 Uhr.

            Ich danke Ihnen für Ihre Antwort, Herr Erbacher.

            Ich muss allerdings sagen, dass mir dieser Sturm im Wasserglas doch etwas aufgebauscht vorkommt.

            Der Papst und die katholische Kirche haben in der Gesellschaft doch so gut wie keine Relevanz mehr. Das hat zum einen mit den wirklich massiven Skandalen zu tun, vor allen Dingen aber mit der Gleichgültigkeit der Gesellschaft gegenüber der Kirche (den Kirchen).

            Ist es wirklich von so grosser Bedeutung für die Menschheit, wieviele Männer im Vatikan einen weissen Talar tragen und sich mit „Heiligkeit“ anreden lassen? Bis auf ein paar verstockter Reaktionäre a la Piusbrüder interessiert das doch keinen Menschen.
            Gibt es wirklich keinen einzigen Menschen, den es übergaupt noch interessiert, der nicht weiss, wer von beiden der amtierende Papst ist? Das kann ich mir nicht vorstellen.

            Die Menschheit steht vor gigantischen Aufgaben. Klima, das gesellschaftliche Auseinanderdriften, Hunger und Armut, Krankheit und Tod. Die Liste ist unendlich. Und die Katholiken haben Probleme damit, dass zwei Leute in der Kirche Weiss tragen und der Zölibat wird zum epochalen Problem stilisiert.

            Katholiken müssen sehr glückliche Menschen sein, wenn das ihre ganzen Probleme sind.

            Herzlichen Dank für Ihr Interesse!

        • Novalis
          18.01.2020, 23:05 Uhr.

          Steht etwa eine Einladung höher als ein SELBST gegebenes Versprechen? Und musste Ratzinger der Einladung folgen? Ich finde, da machen es sich die Jubelratzingerianer schon sehr leicht. Es geht um den moralisch verwerflichen Akt eines Bruches eines Versprechens. Und da insistiert Suarez zurecht.

        • Novalis
          18.01.2020, 23:07 Uhr.

          Übrigens wäre das angemessene Sichbeteiligen am kirchlichen Leben für Ratzinger zu schweigen, zu beten und sich auf das Gericht Gottes vorzubereiten.

  • bernardo
    14.01.2020, 17:43 Uhr.

    Ich bin betroffen von der Häme, die hier über Benedikt ausgegossen wird. Schämen kann ich mich freilich nicht dafür, da ich mich grundsätzlich nur für mein eigenes Verhalten (und nicht für das anderer) schämen kann. Was das Schweigen angeht: Benedikt und Gänswein haben betont, dass Benedikt keiner Veröffentlichung des Textes und auch keinem Buchprojekt zugestimmt hat. Es handelte sich somit um eine rein private Korrespondenz zwischen ihm und Kardinal Sarah.

    Was die Strategie von Franziskus angeht, so beschreibt Erasmus sie mit folgenden Worten: „Seine bisherige Strategie, die katholische Doktrin leisetreterisch mit praktischen Auswirkungen zu unterminieren, ist bisher aufgegangen und wird auch dieses Mal zu keinem schismatischen Szenario führen.“ Ich will mir auch bei einem Jesuiten als Papst keine derart hinterfotzige Strategie vorstellen.

    • Jürgen Erbacher
      Jürgen Erbacher
      14.01.2020, 19:21 Uhr.

      Erzbischof Gänswein hat erklärt, dass Benedikt XVI. Kardinal Sarah den Text zur freien Verfügung überlassen hat. Er habe auch gewusst, dass der Text in einem Buch erscheinen soll. Allerdings habe er nichts von Form und Aufmachung des Buches gewusst.

      • Carla Maltese
        14.01.2020, 21:59 Uhr.

        Ich bemerke: Sie kommunizieren ausschließlich mit bernardo, welcher ein Prof. Dr. der Geschichtswissenschaft ist. Bei mir ist durchaus der Eindruck da, daß Sie eben doch sehr nach Rang und Status gehen.

        • Jürgen Erbacher
          Jürgen Erbacher
          16.01.2020, 8:36 Uhr.

          Es ging um die Korrektur eines wichtigen Sachverhalts in der aktuellen Debatte.

      • Erasmus
        14.01.2020, 22:17 Uhr.

        „Ich will mir auch bei einem Jesuiten als Papst keine derart hinterfotzige Strategie vorstellen.“

        Wieso hinterfotzig? Papst Franziskus hat von Anfang seine Position offen kommuniziert. Er hat beim Vorkonklave deutliche Kirchenkritik geübt (um sich selbst kreisende, mondäne Kirche) und er hat klar geäußert, was er vorhat: „Das Zweite Vatikanische Konzil beschloss, die Zukunft mit einem modernen Geist anzusehen und sich der modernen Kultur zu öffnen. Die Väter des Konzils wussten, dass das Ökumene und Glaubensdialog bedeutete. Seitdem ist in dieser Richtung wenig geschehen. Ich bin so bescheiden und so ehrgeizig, das wieder zu tun.“
        Ich verstehe das so, dass er eine Öffnung der von Johannes Paul II. und Kardinal Ratzinger zubetonierten Kirche wollte. Er hatte es allerdings mit einer machtbewussten Kurie und mit von Johannes Paul II. handverlesenen und zum Teil willfährigen Bischöfen zu tun. Will man in erstarrte Strukturen Bewegung bringen, so geht das nicht ohne Strategien, und das ist nichts Verwerfliches. Ohne geschicktes Vorgehen hätte Franziskus nichts erreicht.

    • Carla Maltese
      14.01.2020, 22:07 Uhr.

      „Es handelte sich somit um eine rein private Korrespondenz zwischen ihm und Kardinal Sarah.“
      Bei DEN Wellen die das geschlagen hat, hat allerdings die Öffentlichkeit ein Recht darauf zu erfahren, was genau in dieser rein privaten Korrespondenz stand.

      Und es wäre zu begrüßen wenn eine solche Betroffenheit nicht nur Päpsten und ehemaligen Päpsten gelten würde, sondern auch einfachen anständigen Priestern und einfachen anständigen Gläubigen die unter so manchem in ihrer Kirche leiden, z.B. unter dem Zölibat. Ich bin mir sicher daß jede Gemeinde die mit ihrem Pfarrer Heimlichtuerei wegen Freundin und Kindern durchstehen muss, oder die einen guten Pfarrer wegen dem Zölibat verlieren heilfroh wäre, wenn das Verhältnis offen und anständig gelebt werden könnte.

    • Novalis
      15.01.2020, 10:25 Uhr.

      Ich schäme mich schon lange nicht mehr für einen Mann, der
      – einem rechtsradikalen Verlag einen Aufsatz zur Publikation überlassen hat;
      – ein pädophiles Monster, das 400 (!) gehörlose Buben missbraucht hat, im priesterlichen Dienst belassen hat;
      – nachweislich mehrmals gelogen hat (gegen die Aktenlage, die EINDEUTIG zeigt, dass die Masse des Missbrauchs in den 30er bis 50er Jahren stattgefunden hat, zu sagen, die 68er seien schuld, ist eine Lüge);
      – in Missbrauchsfragen die Opferperspektive nicht einmal angenommen hat, sondern immer noch die Täter als Opfer darstellt.
      Häme kann ich hier nirgends erkennen, sehr wohl aber späte Erkenntnis, dass dieser Mann eine teuflische Fehlbesetzung war.

      • Carla Maltese
        16.01.2020, 12:49 Uhr.

        Nein, lügen tut man wenn man absichtlich falsche Dinge sagt. Nicht wenn man so drin ist in einem sehr verschobenen Weltbild dass man keinen Blick mehr für die Realität hat.
        Trump sagt selten die Wahrheit, aber er lügt auch nicht wenn er behauptet, der beste, größte und tollste zu sein, ein Heiliger, ein Friedensengel, der beste Präsident nach Lincoln. Es ist sein Geisteszustand.

        Ausführliche Antwort auf die Ratzinger-Huldigung weiter oben kommt heute Abend allerdings nicht mehr, die nächsten Tage: Mal sehen. Ich werde keine 160 Stunden Schlafdefizit für den Blog hier schieben.

        • Novalis
          17.01.2020, 11:02 Uhr.

          O, doch dieser Mann hat schon nachweislich absichtsvoll die Unwahrheit gesagt.

          • Carla Maltese
            19.01.2020, 14:08 Uhr.

            Glaube ich schon… Wahrscheinlich kann man nicht so lange Zeit in so einer Position in so etwas wie dem Vatikan arbeiten, auch noch unter einem Papst wie Wojtywa, ohne zur Wahrheit ein gedehntes Verhältnis zu entwickeln. In dem Fall jedoch glaube ich nicht daß er lügt, sondern daß es sein Weltbild ist. Also daß er tatsächlich unumstößlich daran glaubt daß die bösen bösen 68er an aller Verworfenheit schuld wären.

            Daß das kompletter Blödsinn ist, da sind wir uns einig. Aber so scheint er nunmal zu sein: Weil die studenten in Tübingen nicht brav waren ist er jetzt noch ganz furchtbar am Weinen.
            Ich frage mich dazu auch: Meine Güte… was sollen da Leute mit RICHTIGEN Traumata sagen?! Es ist schon arg viel Mimimi…
            Es ist ja nicht so daß er das ganze Gymnasium durch gemobbt worden wäre, zwei alkoholkranke eltern gehabt hätte und beruflich in krachend gescheiterten Großprojekten gesteckt hätte.

      • neuhamsterdam
        16.01.2020, 18:02 Uhr.

        „die EINDEUTIG zeigt, dass die Masse des Missbrauchs in den 30er bis 50er Jahren stattgefunden hat“
        Eben! Und dann ist in der insinuierenden Überschrift der Presseartikel die NUMERISCHE ANZAHL der Fälle genannt ohne darauf hinzuweisen, in welchem Zeitraum diese gestreut sind und in welchen Epochen Maximalwerte sind. Es wird als aktuelles Problem der heutigen Hierarchie dargestellt und Handlungsbedarf sei dringend gegeben, um nun weitere Katastrophen zu verhindern.
        Eine solche Darstellung kann nicht die Wahrheit sein und wenn jemand diese NUMERISCHE ANZAHL auffächert, wird er als Relativierer momentan herrschender Glaubenswahrheiten angeprangert. Es wurde viel getan und Missbrauch ist immer in schwieriges Thema – zumal in der Kirche – aber das Geschehen in der Hauptsache der heutigen Kirche anzulasten ist einfach wahrheitswidrig und hat sicher mit grundlegenden Interessen zu tun, die unter dem Vorwand eines angeblichen öffentlichen Aufklärungsbedürfnisses konkrete Ziele verfolgen, um Strukturen zu ändern. Ob das dann effektiv den Opfern nützt, ist nicht direkt zu verifizieren und es wird sich erst später zeigen, welche Auswirkungen das hat, genaugenommen ist das aber am allerwenigsten wichtig, denn die Interessen stehen im Vordergrund.
        Ich darf es nochmal zitieren:
        „die EINDEUTIG zeigt, dass die Masse des Missbrauchs in den 30er bis 50er Jahren stattgefunden hat“
        Aber solche Feststellungen sind für Aktionäre von Pressekonzernen finanziell uninteressant, weil es dabei am Skandalon gebricht.

        • Carla Maltese
          17.01.2020, 16:07 Uhr.

          Im Gedächtnis geblieben ist mir da eine Äußerung auf Facebook. Ein älterer Mann erinnerte sich an eine längere Bahnfahrt die er als Kind allein unternahm. Im Vorfeld wurde er von seiner Mutter oder Oma ernsthaft gewarnt, daß er sich auf keinen Fall zu einem Priester allein ins Abteil setzen soll.

    • Novalis
      15.01.2020, 13:53 Uhr.

      „Der gütige Gott hat ihm die Ausführung dieses Entschlusses erspart; Böckle starb am 8. Juli 1991.“ Über einen Menschen, der elend an Krebs gestorben ist, SO zu schreiben, das nenne ich Häme. Pfui über Ratzinger und alle, die mit diesem hämischen Menschen mitfühlen.

    • Novalis
      17.01.2020, 1:46 Uhr.

      „Was das Schweigen angeht: Benedikt und Gänswein haben betont, dass Benedikt keiner Veröffentlichung des Textes und auch keinem Buchprojekt zugestimmt hat. Es handelte sich somit um eine rein private Korrespondenz zwischen ihm und Kardinal Sarah.“
      Das sieht Kardinal Sarah anders. Tja, entweder lügen Ratzinger/Gänswein oder Sarah. Da Ratzinger schon öfter die Unwahrheit gesagt hat, tippe ich darauf, dass Sarahs Darstellung zutrifft.
      Wie ist das so, Fan eines Expapstes zu sein, der wissentlich die Unwahrheit sagt?

  • Rita Weber
    16.01.2020, 20:06 Uhr.

    Schrecklich diese Kommentare voller Lieblosigkeiten. Und ihr wollt Christen sein?
    Seht wie sie einader hassen, lieben sollten. Mich eckelt es an!

    • Erasmus
      17.01.2020, 10:57 Uhr.

      „Schrecklich diese Kommentare voller Lieblosigkeiten.“

      Wo gehobelt wird, fallen Späne. In Rom findet ein Machtkampf um die zukünftige Ausrichtung der Kirche statt. Dabei geht es auch um Universalisierung versus Eurozentrismus. Es waren südamerikanische Bischöfe, die sich bei der Amazonien-Synode mit Zweidrittel-Mehrheit für Viri probati und den Diakonat der Frau ausgesprochen haben. Und jetzt bietet das traditionalistische Lager alles auf – ob legitim oder nicht -, um eine Kursänderung zu verhindern.
      Dass man sich hier im Forum nicht durchgängig mit Samthandschuhen anfasst, spiegelt nur die römische Realität wider.

    • Novalis
      17.01.2020, 11:03 Uhr.

      Der schlimmste Lieblose ist nunmal der Verursacher dieser Angelegenheit: Ratzinger.

    • Carla Maltese
      17.01.2020, 15:47 Uhr.

      Es KANN einem auf die Nerven gehen daß in sämtlichen Medien zum Thema Kirche wieder nur so ein überflüssiger vatikanischer Intrigantenstadel zu hören und zu lesen ist.

      Zumal es auch noch um einen Expapst geht der in seiner aktiven Amtszeit, vooooorsichtig ausgedrückt, selbst nicht gerade der liebevollste war.

      Christ sein schützt auch nicht davor, auch mal einfach nur ganz tierisch genervt zu sein.

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