Schwere Geburt – Deutsche Bischöfe zu Amoris laetitia

Jetzt ist es amtlich: Auch die deutschen Bischöfe öffnen sich für einen Kommunionempfang für wiederverheiratete Geschiedene – unter strengen Bedingungen. Das geht aus einem Papier hervor, das heute veröffentlicht wurde. Im April vergangenen Jahres hatte Papst Franziskus sein nachsynodales Schreiben Amoris laetitia veröffentlicht. Seitdem diskutierten und stritten die deutschen Oberhirten über die Interpretation des rund 185 Seiten umfassenden Dokuments. Mit ihrem Bischofswort schließen sich die deutschen Oberhirten der Position des Papstes an. Der hatte in Amoris laetitia die Tür geöffnet für Ausnahmen beim Verbot des Kommunionempfangs für wiederverheiratete Geschiedene. Seitdem hagelt es Kritik aus konservativen Kreisen an dem Vorgehen von Franziskus. Der bleibt standhaft. Dass die deutschen Bischöfe gut neun Monate gebraucht haben, um sieben Seiten zu formulieren, spricht Bände. Der Vorgang hat einmal mehr gezeigt, dass kollegiale Entscheidungen mitunter schwere Geburten sind und die Deutsche Bischofskonferenz höchst unterschiedlich positionierte Mitglieder in sich vereinigt. Sicherlich ist es schwierig, dem umfangreichen Papstpapier noch etwas hinzuzufügen. Dennoch erwartet Franziskus, dass seine dort aufgezeigten Grundlinien nun auf die konkrete Situation der Ortskirchen heruntergebrochen werden.

Franziskus will ein Ende der "Schwarz-oder-Weiß-Politik" in der katholischen Kirche. Das Leben ist bunt. Dem wollen die deutschen Bischöfe in einer "erneuerten Ehe- und Familienpastoral" Rechnung tragen. (Quelle: dpa)

Franziskus will ein Ende der „Schwarz-oder-Weiß-Politik“ in der katholischen Kirche. Das Leben ist bunt. Dem wollen die deutschen Bischöfe mit einer „erneuerten Ehe- und Familienpastoral“ Rechnung tragen. (Quelle: dpa)

Bischöfe schwenken auf Linie des Papstes ein

Das Wort der Bischöfe ist schnell zusammengefasst: Ehevorbereitung und Ehebegleitung sollen ausgebaut, die Familie als Lernort des Glaubens gestärkt werden. Die Bischöfe sprechen sich für die „Entwicklung eines Ehekatechumenats“ aus, sprich die Ehevorbereitung soll intensiviert und verbindlicher werden. In diesem Punkt, wie auch bei der Feststellung, dass die „Ehebegleitung zu verstärken“ sei, bleibt es bei reinen Willensbekundungen. Das Papier weist keinerlei Perspektiven oder Lösungsansätze auf. Daher ist es umso verwunderlicher, dass der Entstehungsprozess so lange dauerte. Zumal sich in den vergangenen Monaten beim umstrittenen Thema der wiederverheirateten Geschiedenen bereits eine große Zahl deutscher Bischöfe mit Verweis auf den Papst für eine Änderung des bisherigen Weges ausgesprochen hatten.

Der längste Abschnitt widmet sich dann auch dem Thema unter der Überschrift „Umgang mit Zerbrechlichkeit“. Hier folgen die Bischöfe dem Dreischritt des Papstes: „begleiten – unterscheiden – eingliedern“. Sie folgen ihm auch, ohne weitere Kommentierung, bei der Feststellung, dass es möglich sei, einerseits an der traditionellen Lehre der Unauflöslichkeit der Ehe festzuhalten; gleichzeitig aber „nicht beim kategorischen und irreversiblen Ausschluss von den Sakramenten stehen“ zu bleiben. Sie fassen das Anliegen von Franziskus zu diesem Thema kurz zusammen und geben eine klare Interpretation seiner Worte: Die Gewissensentscheidung des Einzelnen ist zu respektieren. Das gilt auch für die Frage des Sakramentenempfangs bei wiederverheirateten Geschiedenen. Sie warnen dabei vor Laxismus einerseits und einer rigoristischen Haltung andererseits. Wie der Prozess genau vonstatten geht und wer die begleitenden Seelsorger sind, lassen die Bischöfe offen.

Chance vertan

Das klärende Wort der Bischöfe war überfällig. Aber sie haben eine große Chance vertan. Im Lichte der neuen Bewertung der Gewissensentscheidung des Einzelnen wäre es an der Zeit, sich viel breiter und konkreter zum Thema „Ehe und Familie“ in Deutschland zu äußern. Was gilt die Gewissensentscheidung bei unverheirateten Paaren, bei gleichgeschlechtlichen Paaren, bei religionsverschiedenen Paaren? Welche Haltung nimmt die Kirche ihnen gegenüber künftig ein? Was gilt die Gewissensentscheidung vor allem für konfessionsverschiedene Paare, die die Bischöfe angesichts der großen Zahl in unserem Land als „besondere Herausforderung“ bezeichnen, dann aber doch keine Perspektive bieten. Wäre nicht auch hier etwas zu sagen im Lichte von Amoris laetitia und der Worte von Papst Franziskus beim Besuch in der evangelischen Christuskirche in Rom im November 2015? Übrigens wurde das Papier heute per Pressemeldung veröffentlicht. Eine eigene Pressekonferenz, auf der der zuständige Familienbischof oder gar der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz die Aussagen hätte konkretisieren können, gab es nicht.

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Jürgen Erbacher

Seit 2005 berichte ich für die ZDF-Redaktion „Kirche und Leben katholisch“ über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.

27 Kommentare

  • Silvia
    01.02.2017, 20:36 Uhr.

    Das war wahrscheinlich der kleinste gemeinsame Nenner, auf den man sich einigen konnte.

    Andererseits ist den Bischöfen natürlich auch bewusst, dass die Praxis in den Gemeinden längst viel weiter ist als AL oder jetzt dieses Werk und dass sich die Entwicklung kaum rückgängig machen lässt.

    Und je mehr Zeit vergeht, bis irgendjemand sich verbindlich äußert, desto weniger wird es Gehör finden, weil das Interesse verflogen ist.

    • Wrightflyer
      02.02.2017, 13:33 Uhr.

      Wenn die Gemeinden ohnehin ihre eigene Balance völlig selbstständig finden, dann brauchen sie ohnehin keine „klärende“ Anordnung aus dem Vatikan mehr!

      • neuhamsterdam
        04.02.2017, 0:31 Uhr.

        Die normative Kraft der faktischen Praxis: Da passt auch die (wiedermal) Annäherung der PiusX an Rom dazu. Wenn das Kirchenvolk die Verhaltensweisen selber mitbekommt und merkt, das ist normal, dann ist es auch möglich im Rahmen der Meinungsvielfalt innerhalb der Glaubensgemeinschaft (ja sogar nur folgerichtig) die Traditionalisten mit einem Titel zu versehen.

        „Homo“ kann und viel feierlicher auf lateinisch gesagt werden. Darauf wirds wohl hinauslaufen.

  • Wanda
    01.02.2017, 23:42 Uhr.

    – von Hause aus gut, dass sich etwas bewegt.
    Trotzdem darf Kritik geübt werden: wie kann es um ein Schreiben bestellt sein, das Streit um die Interpretation zulässt ?

    • Wrightflyer
      02.02.2017, 13:27 Uhr.

      Es wurde bewusst Spielraum gelassen, damit die Ortskirchen das Dokument je nach ihren eigenen Bedürfnissen umsetzen können!
      Schließlich gab es ja bei der Synode z.B. auch Gemecker aus Afrika, daß dort nicht alle europäischen Vorstellungen passen.

      So ist das nunmal, wenn man möchte daß es in der rk-Kirche nicht immer nur darum geht, für oder gegen den Papst zu sein, brav dem Papst zu gehorchen oder ihn total abzulehnen, sondern selbst etwas mitgestalten zu können: Die Leute MÜSSEN die Dinge auch mitgestalten, das wurde bis jetzt, habe ich den Eindruck, noch nicht wirklich verstanden.

      Wenn die Leute zum alten System zurück wollen, d.h. der Papst ist der Diktator, jeder Bischof muss ständig in Rom fragen ob er dieses oder jenes darf, dann wird es halt in der rk-Kirche wieder wie früher mehr um den Papst als um Jesus gehen, mehr um Gehorsam und Kirchenhierarchie als um den Glauben und darum was die Leute wirklich brauchen!

    • Silberdistel
      02.02.2017, 19:26 Uhr.

      Man sollte nicht das real existierende Kirchenrecht vernachlässigen. Letztendlich ist das der Eckstein, an dem die Wahrheit der rk-Kirche sich prüfen lässt. Das Kirchenrecht, das vor ´Amoris laetitia´ den Umgang mit Wiederverheirateten Geschiedenen geregelt hat. Mit der Rechtsauffassung, der es sowieso nur darauf ankommt, ob WvG Geschlechtsverkehr ausüben oder nicht. Und das so auch noch immer in Kraft ist – UNVERÄNDERT mit dieser oberpeinlichen Ausnahme.

  • Silberdistel
    02.02.2017, 9:20 Uhr.

    Mal von einer anderen Seite her betrachtet, von der Seite potentiell Betroffener: Wieso sollte man in einer Gemeinschaft, die sich derartig schwer mit einzelnen Mitgliedern tut, überhaupt noch auftauchen. Um dort als so eine Art „Sündenbock“, mit dem Malzeichen des Tieres, zu fungieren?

  • Wrightflyer
    02.02.2017, 12:59 Uhr.

    Ach, Mist…
    Eigentlich wollte ich zum letzten Thema noch etwas schreiben, noch auf 2-3 Sachen antworten, aber jetzt wo ich endlich mal wieder dazu komme, ist hier zu.

    Vielleicht nicht schlecht, ich habe ohnehin zuviel von dem Kerl… Wenige Tage im Amt und schon jetzt ist alles nurnoch widerwärtig.
    Es ist mir ohnehin zuviel, daß wir im Industrieanlagenbau alle davon abhängen, was er mit der Weltwirtschaft zu tun gedenkt.
    Ich bin also in meiner Lebensplanung dieses Jahr (d.h. klappt das wo ich hinwollte) von einem NARZISSTISCHEN […]* das ich nichtmal wählen DURFTE abhängig. Und bei weitem nicht nur ich…
    Tja, soviel zum Thema Freiheit und Demokratie… Wo ist MEIN Recht darauf, meine Regierung mitzubestimmen??

    Und dann gibt es immernoch Leute die uns eintrichtern wollen daß irgendwelche armen Menschen die mit viel Glück in einem völlig überfüllten nicht hochseetauglichen Boot übers Mittelmeer kamen, oder die zu Fuß, manche mit Flipflops, durch den Balkan gelatscht sind, an Hab und Gut vielleicht noch einen Koffer voll, vielleicht aber auch nichts mehr außer den Klamotten am Leib und ihr Handy, unsere ganz schlimmen Feinde wären.
    Die Menschen die gerade in Serbien erfrieren, die sich dort nur mit Plastikplanen vor der Kälte schützen können, sind unsere Feinde??
    DA habe ich aber eine GANZ ANDERE MEINUNG!!

    Aber genug von dem alten Thema, jetzt zum neuen:

    Das römisch-katholische Kirchenrecht, sind wir ehrlich, kommt noch aus einer Zeit in der man von der Ehe und der Menschenwürde noch recht schlampige Begriffe hatte.
    Zum einen waren Zwangsehen gang und gebe, die Kirche hat sich auch nie aufgeregt wenn Ehen einfach so arrangiert wurden, man heiratete häufiger aus materiellen Gründen als aus Liebe, und die Frau war dem Manne Untertan. Sie galt nicht als vollständig mündige erwachsene Person.
    Kann man ein Kirchenrecht das unter den Umständen entstanden ist heute noch genauso übernehmen? Eher NICHT, würde ich sagen.
    Nach vielen Jahrhunderten Sklavenstatus der Frau ist es heute eher an der Zeit, sich sowohl mit dem Thema Geschlechterrollen als auch mit dem Thema Ehe neu zu befassen.

    Und vor allem:
    Die Konservativen sollten nicht den Fehler machen zu glauben daß Gott sich durch ein Papier vom Amt mit Stempel drauf täuschen lässt! Gott ist kein Standesbeamter! Gott durschaut, ob eine Beziehung wirklich das ist was er mit Ehe meinte oder eine für die gesellschaftliche Fassade aufrechterhaltene Lüge oder sonstwas sündiges, d.h. eine Beziehung wo ein Partner misshandelt wird!
    Wenn man sich die Positionen von früher, bzw. der Konservativen so ansieht dann stellt man fest: Die verwechseln den Papierkram mit der gesamten Ehe…

    „Daher ist es umso verwunderlicher, dass der Entstehungsprozess so lange dauerte.“
    In der rk-Kirche sollte sich vielleicht auch das mit den Bischofsernennungen ändern…
    Früher, als die technichen Möglichkeiten damit das ganze Bistum mitreden kann noch nicht da waren, aber oft schnell ein Bischofssitz besetzt werden musste damit nicht alles auseinanderfliegt, machte es vielleicht Sinn daß der Papst einfach so Bischöfe ernennt. Aber man sollte Dinge die früher in einem bestimmten Zeitgeist entstanden sind, nicht vergötzen.
    Obwohl: Bischöfe wie Martin von Tours und Nikolaus von Myra waren ja auch gewählt worden… nicht vom ganzen Bistum aber wenigstens von der Hauptstadt.

    „Aber sie haben eine große Chance vertan.“
    Ja. Haben sie.

    *Der Beitrag wurde wegen des Verstoßes gegen die Netiquette editiert.

    • neuhamsterdam
      03.02.2017, 23:58 Uhr.

      „damit nicht alles auseinanderfliegt“

      Wiegesagt, es muß keinen Sinn machen.

      Oder soll es das gerade? Ich meine, wohin soll es denn fliegen… Unsere (der Menschheit) technische Erfindungen in Sachen Fernsehen und Wissen zeigen doch jeden Tag wie begrenzt sowohl die Welt in räumlichem als auch im religiösem Sinne geworden ist.

      Man hält zusammen, was zu verschieden ist, um eins zu sein.

    • Silvia
      06.02.2017, 12:37 Uhr.

      Ihr Recht, IHRE Regierung mitzubestimmen, können Sie am 24. September 2017 ungehindert wahrnehmen.

      • Wanda
        07.02.2017, 8:03 Uhr.

        Frage mich allen Ernstes ob Wrightflyer mit der Forderung nach dem Recht IHRE Regierung mitzubestimmen, etwa die Wahlen in den USA meint.
        Kann doch wohl nicht sein, oder ? Wäre schon ziemlich wirr…

        • Silvia
          07.02.2017, 14:09 Uhr.

          Wanda
          07.02.2017, 8:03 Uhr.

          Ich habe es allerdings so verstanden, deshalb meine entsprechende Antwort. Vielleicht habe ich mich ja getäuscht, aber im Gesamtzusammenhang kam es so bei mir an.

      • Wrightflyer
        07.02.2017, 20:46 Uhr.

        Oh, ich kann am 24. September 2017 tatsächlich dagegen stimmen daß Goldman Sachs-Zocker in Schlüsselstellen der US-Regierung einziehen und die Weichen hin zu einer möglichen neuen globalen Wirtschaftskrise stellen, von der möglicherweise auch mein Arbeitsplatz betroffen wäre?? SCHÖN!!

        Ich arbeite im Industrieanlagenbau, und da nimmt man etwas deutlicher wahr daß das mit der staatlichen Souveränität heutzutage nurnoch BEDINGT gilt!

        Die Abhängigkeit der ganzen westlichen Welt von einer einzigen Supermacht, die auch nicht durchgängig aus Engeln und Heiligen besteht sondern durchaus selbst Probleme mit Rassismus und Gewalt hat und nur bedingt demokratisch ist, geschah ab 1945 teils aus berechtigter Dankbarkeit für die Befreiung vom Faschismus und den Wiederaufbau, teils aus purer Notwendigkeit um ein Einverleibtwerden in den Ostblock zu vermeiden. Allerdings hat das System aus Supermacht und Vasallenstaaten auch seine Schwächen und Gefahren und hätte spätestens ab 1990 viel gründlicher hinterfragt werden müssen. Auch ein cooler und lässiger Mr. Obama hat den Drohnenkrieg intensiviert und hätte zumindest nichts dagegen gehabt, uns TTIP aufzuzwingen: Die de facto totale Abschaffung unserer staatlichen Souveränität.

        Ich jedenfalls will Demokratie! Hier und weltweit!

        • Silvia
          09.02.2017, 17:36 Uhr.

          Ich will auch Demokratie! Das heißt aber nicht, dass ich für mich das Recht beanspruche, alles auf der Welt, was mir nicht passt, höchstpersönlich ändern zu können.

          Mir würde es z.Zt. schon reichen, wenn unsere Regierung sich an bestehende Gesetze halten und die berechtigten Anliegen der Bürger bzgl. der inneren Sicherheit ernst nehmen würde.

  • bernardo
    03.02.2017, 14:05 Uhr.

    „Und dann gibt es immernoch Leute die uns eintrichtern wollen daß irgendwelche armen Menschen die mit viel Glück in einem völlig überfüllten nicht hochseetauglichen Boot übers Mittelmeer kamen, oder die zu Fuß, manche mit Flipflops, durch den Balkan gelatscht sind, an Hab und Gut vielleicht noch einen Koffer voll, vielleicht aber auch nichts mehr außer den Klamotten am Leib und ihr Handy, unsere ganz schlimmen Feinde wären.
    Die Menschen die gerade in Serbien erfrieren, die sich dort nur mit Plastikplanen vor der Kälte schützen können, sind unsere Feinde??
    DA habe ich aber eine GANZ ANDERE MEINUNG!!“

    Solche Leute gibt es, hier im Blog gibt es sie meines Wissens nicht. Es gibt höchstens Blogger, die darauf hinweisen, dass Staaten nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht haben, ihre Grenzen zu schützen – und die das Politisieren der Woelkis etc. ärgert.

    btw, meine Hochachtung gilt Bischof Voderholzer, der in klaren Worten, wie man sie gerne öfter von deutschen Bischöfen hören würde, das Verhältnis zum Islam umrissen hat, der aber auch klargestellt hat, dass sich Vergötzung der Nation oder Rassismus dem Christen nicht ziemen.

    Zum Thema: Ich weiß nicht, warum Papst Franziskus dieses Fass aufgemacht hat? Es hätte ihm klar sein müssen, dass es die Kirche spaltet.

    • Suarez
      06.02.2017, 10:15 Uhr.

      Da meint offenbar jemand die Predigt von Bischof Voderholzer, in der er von der Lehre des römischen Lehramtes abweicht, loben zu müssen. Ich kann solchen Leuten nur empfehlen: Gehen Sie zur AfD, gehen Sie zur Piusbruderschaft – in der katholischen Kirche ist kein Platz für die Schürung von Fremdenhass.

      • bernardo
        07.02.2017, 17:09 Uhr.

        @ Suarez: Sie werden sicher die „Abweichung“ der Predigt Voderholzers vom Lehramt begründen können? Wahrscheinlich kommen Sie mit „Nostra Aetate“, das allerdings wie alle Konzilsdokumente einen Interpretationsspielraum bietet, den die „Progressiven“ ja weidlich genutzt haben. Ansonsten erinnert mich Ihre „Argumentation“ an die mancher Bundesrepublikaner, die auf Kritik antworteten: „Dann geh doch nach drüben.“

        • Suarez
          09.02.2017, 13:59 Uhr.

          „Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslim, die den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde, der zu den Menschen gesprochen hat. Sie mühen sich, auch seinen verborgenen Ratschlüssen sich mit ganzer Seele zu unterwerfen, so wie Abraham sich Gott unterworfen hat, auf den der islamische Glaube sich gerne beruft. Jesus, den sie allerdings nicht als Gott anerkennen, verehren sie doch als Propheten, und sie ehren seine jungfräuliche Mutter Maria, die sie bisweilen auch in Frömmigkeit anrufen. Überdies erwarten sie den Tag des Gerichtes, an dem Gott alle Menschen auferweckt und ihnen vergilt. Deshalb legen sie Wert auf sittliche Lebenshaltung und verehren Gott besonders durch Gebet, Almosen und Fasten.

          Da es jedoch im Lauf der Jahrhunderte zu manchen Zwistigkeiten und Feindschaften zwischen Christen und Muslim kam, ermahnt die Heilige Synode alle, das Vergangene beiseite zu lassen, sich aufrichtig um gegenseitiges Verstehen zu bemühen und gemeinsam einzutreten für Schutz und Förderung der sozialen Gerechtigkeit, der sittlichen Güter und nicht zuletzt des Friedens und der Freiheit für alle Menschen.“

          „Die Integration des Widersprüchlichen wird nicht gelingen“.

          Mehr muss man nicht sagen. Auf der einen Seite das SehenWOLLEN von basalen Gemeinsamkeiten, die nicht unterdrückt werden dürfen, auf der anderen Seite nur Ignoranz.

    • Wrightflyer
      06.02.2017, 15:04 Uhr.

      OH doch, es gibt die AfD, es gibt die NPD, es gibt Seehofer, es gibt genug solche sogenannten „Populisten“ (die eigentlich nie wirklich etwas für das Volk tun, sondern nur die einen armen Leute (wie z.B. einheimische Arbeitslose) gegen andere arme Leute (wie z.B. Flüchtlinge) aufhetzen), die uns eintrichtern wollen daß jemand der kaum noch was hat außer seinem Handy und seiner Hoffnung, der vor allem keine Heimat mehr hat in der er leben kann, unsere ganz persönlichen Feinde wären!

      So ein ausgebombter Syrer, so ein Afghane der nicht mehr weiß wie es daheim weitergehen soll, der soll mein höchstpersönlicher Feind sein?? Ich glaube eher NICHT!

      Und was bleibt einem von diesem „Populismus“? Werden dadurch jemals die Probleme gelöst?
      Werfen wir mal einen Blick auf mein geliebtes Spanien: Bis 1975 herrschte Franco. Unter Franco hat sich in einigen reformbedürftigen Bereichen exakt garnichts bewegt. Heute ist die römisch-katholische Kirche in Spanien wirklich übel: Was manche Bischöfe da vom Stapel lassen, z.B. daß eine Frau die abgetrieben hat zur Strafe vergewaltigt werden soll, ist jedenfalls unter aller Sau. Und überhaupt gibt es gerade in Spanien in Sachen häuslicher Gewalt ein wirklich dramatisches Problem: Sehr viele Spanierinnen werden vom Ehemann oder Freund totgeschlagen. Schon daß Frauen bis 1988 nicht ins Parlament gewählt werden durften ist ein deutliches Anzeichen für gesellschaftlichen Stillstand. Auch die Separatistenbewegungen in Katalonien, im Baskenland und in geringerem Maß auch in Andalusien und Asturien zeigt, daß die Gräben im Vielvölkerstaat Spanien durch die gewaltsame Unterdrückung aller ethnischer Identitäten sogar noch gewachsen sind. Was hat also der Faschismus, heute als „Populismus“ getarnt, für Spanien getan? Nichts…
      Sehen wir uns Russland an: Häusliche Gewalt wurde neulich sogar praktisch legalisiert. Dafür werden in diesem Land in dem es nahezu keine Sexualaufklärung gibt fast so viele Kinder abgetrieben wie geboren. Jeder dritte Todesfall steht im Zusammenhang mit Alkohol, gerade auf dem Land erleben mancherorts kaum Männer ihren 40. Geburtstag. Die Miliz ist chronisch korrupt, den Straßenverkehr muss man schon als Massenvernichtungswaffe deklarieren und 15% der Landfläche ist ökologisches Katastrophengebiet. Zeigt auch nur IRGENDEINES der russischen Probleme durch Putins antiwestliche Kriegshetze, durch die Verfolgung Homosexueller in Russland bis hin zu deren Ermordung, durch seine Agressionen gegen die Ukraine und gegen Syrien (laut Münchner Sicherheitskonferenz treffen gerade mal 20% der russischen Luftangriffe IS-Stellungen. Der Rest geht auf zivile Ziele nieder) und durch seinen Nationalismus Anzeichen der Besserung?? Sind wir ehrlich: Nö….

      „Es gibt höchstens Blogger, die darauf hinweisen, dass Staaten nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht haben, ihre Grenzen zu schützen – und die das Politisieren der Woelkis etc. ärgert. “
      Als Anspielung auf Trumps Einreisestopp hat diese Argumentation mehrere Fehler.
      a) Wird davon ausgegangen, daß LEDIGLICH DIE USA ihre Grenzen schützen dürfen. Nicht aber der Irak, Pakistan oder Afghanistan. Wenn man mal vergleicht, wieviele Bürger der betreffenden Länder von US-Bürgern und Verbündeten getötet wurden (die Kriegsopfer gehen insgesamt in die Millionen) und wieviele US-Bürger von Bürgern dieser Länder getötet wurden, ist der Einreisestopp mit seiner zugrundeliegenden Argumentation jedenfalls eine UNVERSCHÄMTHEIT!!! und wird auch als solche aufgefasst.
      Es gibt auch noch Leute die zu verlangen scheinen daß der Irak, der durch die Kriege und das Embargo schon unendlich gelitten hat, Syrien, das einen der schlimmsten Bürgerkriege die wir jemals gesehen haben durchleidet, nach noch MEHR Bombardierungen rufen sollen, nur damit wir Europäer oder die Amis keine Angst vor dem IS zu haben brauchen. Ich denke schon daß dieser unterschwellige Rassismus bei einigen Personen durchaus existiert: Die Menschen in den betreffenden Ländern, jedenfalls die muslimischen Mehrheiten, sollen kein eigenes Sicherheitsbedürfnis haben sondern sich ohne Murren umbringen lassen, das scheinen manche zu verlangen.
      b) Ist dieser Einreisestopp Wasser auf den Mühlen der islamistischen Propagandisten
      c) Löst dieser Einreisestopp keines der tatsächlich in den USA vorhandenen Probleme, insbesondere der horrende Waffengewalt. Einschließlich Selbstmorde starben zwischen 1968 und 2015 in den USA 1.516.863 Menschen durch Schusswaffen. In allen Kriegen seit dem Unabhängigkeitskrieg einschließlich Bürgerkrieg fielen 1.396.733 Personen. Das macht innerhalb der letzten ca. 50 Jahre mehr Tote durch Schusswaffen im Landesinneren als in den Kriegen seit Gründung der USA. Und die USA sind ständig im Krieg. Ausschließlich Selbstmorde, also durch andere US-Bürger, wurden in den letzten 10 Jahren im Durchschnitt 11.737 US-Bürger erschossen. Sogar Kinder haben schon Spielkameraden oder Angehörige erschossen weil Daddys Knarre geladen und entsichert rumlag. Wer die USA sicherer machen will, der soll gegen die NRA vorgehen, nicht gegen Flüchtlinge. Hetze gegen pauschal alle Muslime hilft auch nicht gegen die grassierende Drogensucht oder gegen die Armut weiter Teile der Bevölkerung und bringt auch nicht das marode Schulsystem auf Vordermann. Trump hat nur ein bequemes Ablenkungsmanöver hinter dem er eine Regierung mit inzwischen schon 4 Zockern von Goldman Sachs aufstellen kann und die nach der Finanzkrise beschlossene Bankenregulierung abschaffen kann. Und eine Bildungsministerin ernennen kann die die öffentlichen Schulen für überfinanziert hält.
      d) hat Kellyanne Conaway letztens ein Massaker erfunden das nie stattgefunden hat. Wer lügt, der hat es in der Regel auch nötig! Es scheint nicht genug Fakten zu geben um diesen Einreisebann zu rechtfertigen, vor allem da
      e) der Hauptexporteur dschihadistischen Gedankengutes, nämlich Saudi-Arabien, garnicht vom Einreisebann betroffen ist.
      Man darf sich schließlich auch fragen: Wenn Trump die Sicherheit so sehr am Herzen liegt, was tut er dann um
      f) die Sioux von Standing Rock vor Polizeigewalt zu schützen?

      • Wrightflyer
        06.02.2017, 15:16 Uhr.

        „wurden in den letzten 10 Jahren im Durchschnitt 11.737 US-Bürger erschossen.“
        sollte heißen: „wurden in den letzten 10 Jahren im Durchschnitt 11.737 US-Bürger PRO JAHR erschossen.“

    • Wrightflyer
      06.02.2017, 15:11 Uhr.

      Abgesehen von Notlagen wie Krieg, Verfolgung und Hungersnot, d.h. das Asylrecht muss heilig und unantastbar bleiben, bin ich schon für ein geregeltes Einwanderungssystem das jeweils individuell berücksichtigt ob jemand hier Chancen auf Integration hat. Niemandem, weder Einheimischen noch Einwanderern, nutzt es letzten Endes wenn hier einer strandet weil er sich in vielem verschätzt hat. Enttäuschte Träume, Ghettos, all das führt zu nichts Gutem.

      Vor allem bin ich jedoch für entschiedenen Kampf gegen die Fluchtursachen. Wenn es irgendwo Flüchtlinge gibt, geht es schpon irgendeinem Land verdammt schlecht. Und ohne die ganzen „Populisten“, Börsenhaie und anderer Individuen ohne Gewissen und mit zuviel Macht hätte die Menschheit Kraft genug, all diese Probleme zu überwinden.

  • Wanda
    04.02.2017, 20:55 Uhr.

    Heute in der Deutschen Welle „Papstkritische Plakate an Roms Wänden“ (offenbar initiiert von konservativen Kreisen)…
    Gibt’s dazu weitere Informationen ?

    • Wrightflyer
      06.02.2017, 13:42 Uhr.

      Ich habe über eine der Seiten denen ich auf Facebook folge bischen was darüber gelesen:
      Franziskus wird mit finsterem Blick abgelichtet und als unbarmherzig dargestellt weil er offenbar in konservativen Kreisen nicht gerade sehr beliebte Personalentscheidungen getroffen hat. So soll er den Malteserorden, wo anscheinend gerade Chaostage herrschen (irgendeine Uraltgeschichte wegen Kondomen, da wurde vom obersten Malteserchef ein Amtsträger gefeuert weil er nicht entschieden genug gegen die Verteilung von Kondomen vorgegangen war), unter Aufsicht gestellt haben.
      Also die Aussage ist: Franziskus predigt Barmherzigkeit, ist aber selbst unbarmherzig.

      Angesichts der Tatsache, aus welcher ideologischen Richtung diese Plakataktion kommt sage ich nur: Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen schmeißen…

      Ansonsten denke ich:
      Man sollte denen ihre Plakataktion lassen wenn sie sie unbedingt wollen. Die römisch-katholische Kirche hatte schon mehr als genug auf-Stromlinie-ziehen und Disziplinierung Anderstdenkender. Ich bin dagegen, gegen die Urheber der Aktion vorzugehen.
      Unter den letzten beiden Päpsten wäre mehr offener Widerstand, auch von hohen Amtsträgern und Kardinälen, ein Segen gewesen. Und was ich damals wünschenswert fand, will ich jetzt nicht verurteilen.

      Verurteilen tu ich allerdings die Grundhaltung dieser ideologischen Richtung, den Papst dazu zwingen zu wollen, Entscheidungen GEGEN DIE MEHRHEIT SEINER EIGENEN KIRCHE zu fällen, also ihn dazu zwingen zu wollen, im Sinn einer kleinen sehr konservativen Minderheit zu agieren statt auf die Gesamtkirche zu hören.
      Wir wissen BEIDE, daß frühere Päpste des öfteren Entscheidungen im Sinn weniger gegen den Rest der Kirche getroffen haben und daß dabei nie etwas gutes herausgekommen ist.

    • neuhamsterdam
      06.02.2017, 23:02 Uhr.

      Terry Jones wurde kürzlich 75.

      Was hat das mit dem Thema zu tun? Well, der Komödiant mimte die Mutter des „Bengel Brian“ in dem Kultfilm „The Life of Brian“ – „Das Leben des Brian“.

      Der Film ist auch bekannt für die Szene, in der Brian an die römische BesatzungssteinquaderMauer in correctem Latein auftragsmäßig ROMANII GO HOME schreiben soll, und das vielmals.

      Außerdem stand in der Zeitung, daß sich der Name Veronika aus dem griechischen von „wahres Tuch“ herleiten läßt (und folglich möglicherweise die in diesen Tagen im Heiligenkalender stehende Veronika nur Legende sein könnte).

      Terry Jones hatte auch die Rolle des Eremiten, den Brian auf den Fuß sprang und der deswegen sein Schweigegelübde vergessen konnte.

      „(offenbar initiiert von konservativen Kreisen)…“
      Nöööönööö – das war der Konservative Initiativkreis.

      Von den schwarzen Schuhen wird auch prophezeit. Nur wird das in der Forschung selten beachtet.

      • neuhamsterdam
        06.02.2017, 23:28 Uhr.

        Natürlich muß es wahres Bild heißen.

  • Heilbründl
    05.02.2017, 10:32 Uhr.

    Ich erinnere an den Beitrag von Herrn Erbacher vom 3.10.2015 „Rom vor der Synode….“. Hier schrieb er über Kardinal Müller aus seiner Zeit als Prof. an der LMU.
    Ich hatte diesen Beitrag so um 1999 gelesen und mich über die doch liberale Einstellung gewundert und gehofft, dass sich etwas bewegt
    Da ich viele Jahre in der Diözese Passau als Erzieherin arbeitete, wusste ich, wie schwierig es für geschiedene Kolleginnen war; diese durften ja nicht wieder heiraten, um ihre Arbeit nicht zu verlieren, bzw. wurden diese beim Zusammenleben erwischt, wurden sie zur Trennung aufgefordert,um eine Kündigung zu vermeiden. Alternativen, wie kommunale Arbeitgeber gab es nur in homöopathischen Dosen.
    Vielleicht kann Herr Erbacher dazu noch etwas ergänzen, da ich den Artikel im Internet nicht mehr finden konnte.
    Interessieren würde mich auch noch, wieso die r. K. Kirche den Kommunionempfang mit den Orthodoxen erlaubt, wo doch hier die Menschen zweimal heiraten dürfen. Ist dasselbe doch nicht dasgleiche?

    • Suarez
      06.02.2017, 10:17 Uhr.

      „Interessieren würde mich auch noch, wieso die r. K. Kirche den Kommunionempfang mit den Orthodoxen erlaubt, wo doch hier die Menschen zweimal heiraten dürfen. Ist dasselbe doch nicht dasgleiche?“

      In der Tat, NIE hat sich jemand gestoßen an dieser Praxis. NIE wurde deswegen die partielle Kommuniongemeinschaft aufgehoben. Das belegt eindeutig, dass die Kommunion für wiederverheiratet Geschiedene keine Frage der verbindlichen Glaubenslehre ist.

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