Wirbel vor der Synode: Outing eines Kurienpriesters

Das hatte sich der Vatikan sicher anders vorgestellt. Eigentlich sollte die Gebetsvigil am Abend auf dem Petersplatz das Präludium für die Bischofssynode zu Ehe und Familie sein; doch als die Kurialen am Samstagmorgen in die Zeitung blickten, wartete ein Frontalangriff auf sie. Ein Mitarbeiter der vatikanischen Glaubenskongregation outete sich als homosexuell und in einer Beziehung lebend; scharf griff er die katholische Kirche an. Der katholische Klerus sei überwiegend homosexuell und homophob, sagte Krzysztof Olaf Charamsa in einem Zeitungsinterview. Schon in den vergangenen Tagen sorgte das Thema Homosexualität im Nachgang zum USA-Besuch des Papstes immer wieder für Schlagzeilen. Dabei ging es um die privaten Treffen des Pontifex in Washington. Franziskus hatte neben der Gegnerin der Homoehe Kim Davis auch einen ehemaligen Schüler getroffen, der seit fast zwei Jahrzehnten mit seinem Partner zusammenlebt.

Mosignore Krysztof Olaf Charamsa mit seinem Lebensgefährten Eduardo nach der Pressekonferenz am Samstag in Rom. (Quelle: ap)

Mosignore Krysztof Olaf Charamsa mit seinem Lebensgefährten Eduardo nach der Pressekonferenz am Samstag in Rom. (Quelle: ap)

Vatikan reagiert scharf

Eigentlich sollte das Thema bei der bevorstehenden Synode zu Ehe und Familie nur am Rande eine Rolle spielen. Aber spätestens mit dem medienwirksamen Outing des polnischen Priesters Krzysztof Olaf Charamsa dürfte es wieder zu einem der Hauptthemen werden. Der Vatikan reagierte umgehend. Er enthob den 43-Jährigen aller seiner Ämter am Heiligen Stuhl und entzog ihm die Lehrerlaubnis. Für alle weiteren Fragen sei das Heimatbistum des Priesters zuständig, hieß es. Charamsa war seit 2003 Mitarbeiter der Glaubenskongregation und zuletzt auch beigeordneter Sekretär der Internationalen Theologenkommission. Er lehrte in Rom an der Universität der Jesuiten „Gregoriana“ sowie der Hochschule der Legionäre Christi „Regina Apostolorum“.

Vatikansprecher Federico Lombardi kritisierte das Vorgehen des polnischen Priesters. Die Entscheidung Charamsas, sich vor der Eröffnung der Synode in einer solch aufsehenerregenden Weise zu äußern „erscheine sehr schwerwiegend und nicht verantwortlich“, weil dadurch ein medialer Druck auf die Synode ausgeübt werde. Gleichzeitig brachte Lombardi Respekt für die persönliche Situation Charamsas zum Ausdruck. Aus der Glaubenskongregation war zu vernehmen, dass der Präfekt, Kardinal Gerhard Müller, erst gestern davon erfahren haben soll, dass sein Mitarbeiter homosexuell ist und in einer Beziehung mit einem Mann lebt.

Der 43-Jährige Charamsa kündigte heute in Rom bei einer Pressekonferenz, bei der auch sein Lebensgefährte anwesend war, an, er werde in Kürze in einem Buch über seine Erfahrungen als Homosexueller in der katholischen Kirche berichten berichten. Durch sein Vorgehen wolle er eine „zurückgebliebene“ und „paranoide“ Kirche bewegen, so Charamsa in dem Zeitungsinterview. Die katholische Kirche müsse hinsichtlich gläubiger Homosexueller „die Augen öffnen und verstehen, dass ihre Lösung, totale Abstinenz und ein Leben ohne Liebe zu leben, unmenschlich ist“.

Immer wieder das Thema Homosexualität

Das Thema „katholische Kirche und Homosexualität“ ist die ganze Woche schon präsent. In den USA sorgte die Begegnung von Papst Franziskus mit Kim Davis für großes Aufsehen. Die Standesbeamtin hatte sich aus religiösen Gründen geweigert, trotz Anweisungen eines Gerichts Ehelizenzen an homosexuelle Paare auszuhändigen. Das Treffen von Davis mit dem Papst wurde teilweise von Gegnern der Homoehe politisch ausgeschlachtet. Der Papst habe damit die Position von Davis unterstützt und sich öffentlich gegen die Ehe für Homosexuelle ausgesprochen, so die Unterstützer von Davis. Der Vatikan sah sich genötigt klarzustellen, dass Davis eine von mehreren Dutzend Personen gewesen sei, die Franziskus beim Verlassen der Nuntiatur in Washington gegrüßt habe. „Der Papst ist nicht auf Details der Situation von Frau Davis eingegangen, und ihr Treffen sollte nicht als Form der Unterstützung ihrer Positionen in allen ihren einzelnen und komplexen Aspekten verstanden werden“, so Vatikansprecher Lombardi in seiner Erklärung.

In diesem Statement hatte Lombardi auch erklärt, dass es in den USA nur eine „echte Audienz“ in der Nuntiatur in Washington gegeben habe und zwar für einen früheren Schüler des Papstes. Das klang zunächst harmlos. Doch dann stellte sich heraus, dass dieser ehemalige Schüler, Yayo Grassi, seit knapp zwei Jahrzehnten mit einem Mann zusammenlebt und dieser auch bei dem Treffen zugegen war. Grassi erklärte, der Papst habe ihm vor etwa drei Wochen zugesichert, dass sie sich in Washington treffen könnten. Schließlich musste Vatikansprecher Lombardi gestern Abend noch einmal eine Erklärung verschicken. Darin stellte er fest, dass der Papst Grassi schon mehrfach getroffen habe. Es sei bekannt, dass der Papst viele persönliche Kontakte pflege, die „pastoral motiviert seien mit einer Haltung der Höflichkeit, der Annahme und des Dialogs“. Grassi hat den Papst also schon mehrfach getroffen, bisher ohne großes Aufsehen zu erregen. Die Frage ist, warum er dieses Mal an die Öffentlichkeit gegangen ist. Könnte das damit zusammenhängen, dass die Anhänger von Kim Davis ihre Begegnung mit dem Papst zu instrumentalisieren versucht haben? Grassi betonte gegenüber US-amerikanischen Medien, dass Bergoglio schon lange um seine Homosexualität sowie die Partnerschaft wisse und sich ihm gegenüber diesbezüglich nie kritisch geäußert habe.

Kirche muss sich Thema stellen

Eines steht am heutigen Abend fest: Die katholische Kirche muss sich dem Thema Homosexualität stellen, auch der Frage nach der Homosexualität im Klerus. Eine Tabuisierung führt dazu, dass das Thema weiter schwelt und es immer wieder zu Polemik und Instrumentalisierungen kommt. Wie es Papst Franziskus in seiner Enzyklika Laudato si für andere Bereiche vorgemacht hat, muss die Kirche auch in diesem Kontext die Entwicklungen in Wissenschaft, Psychologie und Medizin wahrnehmen und rezipieren und daraus die eigene Position neu bestimmen. Die Moraltheologie ist hier bereits an vielen Orten einen Schritt weiter.

Bei der vergangenen Außerordentlichen Synode im Oktober 2014 sind verschiedentlich auch schon neue Töne in Bezug auf die Bewertung der Homosexualität und gleichgeschlechtlicher Beziehungen angeklungen. Diese waren auch heute in Rom bei den zahlreichen Gesprächen und Diskussionen über das Outing Charamsas zu hören. Selbst Bischöfe und Kardinäle sagten, was im vergangenen Oktober der Münchner Erzbischof Kardinal Reinhard Marx feststellte, wenn eine Beziehung eine bestimmte Qualität erreicht in Bezug auf Dauer und die Übernahme gegenseitiger Verantwortung, „dann kann ich doch nicht sagen, da ist nichts“.

Doch das Thema bleibt zugleich emotional und schwierig. Denn in Afrika oder etwa vielen Ländern Osteuropas, gerade in Russland ist die Bewertung der Homosexualität grundlegend anders. Ohne diese Positionen verteidigen zu wollen, muss dies wahr- und ernstgenommen werden. Damit kommt einmal mehr die Frage auf: Was kann einheitlich für die ganze katholische Weltkirche gesagt werden? Und wo ist angesichts der Ungleichzeitigkeit und der unterschiedlichen kulturellen Kontexte eine Öffnung für regionale oder lokale Lösungen angebracht? Hier geht es ans Eingemachte. Deshalb werden auf dem synodalen Weg die Diskussionen so engagiert geführt. Das wurde hier im Blog schon mehrfach betont. Wieviel Verschiedenheit verträgt die Einheit?

P.S. Heute wurde bekannt, dass Papst Franziskus den deutschen Theologen und Jesuiten Michael Sievernich als Experten für die Synode nachnominiert hat. Bisher war unter den Experten kein Theologe aus dem deutschen Sprachraum gewesen. Das war Premiere für eine Synode. Hier wurde jetzt nachgebessert.

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Jürgen Erbacher

Seit 2005 berichte ich für die ZDF-Redaktion „Kirche und Leben katholisch“ über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.

20 Kommentare

  • Alberto Knox
    03.10.2015, 22:04 Uhr.

    1) ich beglückwünsche herrn charamsa zu seinem outing. das ist für jeden homosexuellen menschen ein wichtiger schritt, um mit sich ins reine zu kommen.
    2) ich verurteile aufs schärfste auf kath.net (http://kath.net/news/52297) den poster gandalf (hinter dem sich, wie man sagt, roland noé verbirgt). er bezeichnet charamsa und andere homosexuelle geistliche als „ratten“ (das posting ist mittlerweile wieder gelöscht, aber es existieren screenshots).
    3) die haltung der kirche ist wirklich paranoid. einfach ein bisschen psychologie lernen, würde ich sagen.
    4) „Denn in Afrika oder etwa vielen Ländern Osteuropas, gerade in Russland ist die Bewertung der Homosexualität grundlegend anders. Ohne diese Positionen verteidigen zu wollen, muss dies wahr- und ernstgenommen werden. Damit kommt einmal mehr die Frage auf: Was kann einheitlich für die ganze katholische Weltkirche gesagt werden?“
    böse gesagt, dass ist das problem der afrikanischen und osteuropäischen christInnen und v.a. der geistlichen. hier sind diese länder entwicklungsländer. dass homosexualität eine völlig normale und anständige veranlagung ist, muss man sich erringen und zwar durch aufklärung. und: wir im westen sind auch noch lange nicht so weit, dass wir gleichberechtigung von lesben und schwulen haben, geschweige denn, dass man damit einfach so normal wie eine hete leben kann. auch bei uns bedarf es noch aufklärung, entwicklung und des nachdenkens über psychologie.

    • bernardo
      05.10.2015, 13:53 Uhr.

      1) Das Timing des „Outing“ war bewusst gewählt, um Kirchenpolitik zu betreiben. Ich glaube aber nicht, dass dieses Outing die Synodenväter sonderlich beeindrucken wird. Das Thema wird ohnehin viel zu stark gewichtet in den Medien. Diskriminierung nein, Verwässerung der Lehre ebenfalls nein.

      2) Hat er das wirklich getan? So sollte man nicht reden oder schreiben, aber Ihre Vorwürfe gegen Joseph Ratzinger und alle diejenigen, die Sie als „konservativ“ einschätzen, sind auch nicht besser. […]*

      3) Von wem Psychologie lernen? Von Freud, den Sie so gerne bemühen? Vielleicht steckt mehr Weisheit in der Haltung derjenigen, die nicht alle Lehren über Bord werfen, als in der Haltung derjenigen, die laienpsychologische Erklärungen liefern.

      4) Ach so, das muss man sich „erringen“. Na, dann erringen Sie mal schön. btw, ich habe „Dieu ou rien. Entretien sur la foi“ gelesen, das Interview mit Kardinal Sarah. Ich war beeindruckt von dem Mann, seinem klaren und mutigen Lebensweg in einer Diktatur – damit können wir alle nicht dienen – und der Präzision seiner Gedanken. Anders als bei manchem „modernen“ Theologen hatte ich bei ihm den Eindruck, dass sein „Ja“ ein „Ja“, sein „Nein“ ein „Nein“ ist. Wäre ich Kardinal, wüsste ich, für wen ich im nächsten Konklave stimmen würde.

      *Der Beitrag wurde wegen des Verstoßes gegen die Netiquette editiert.

      • Alberto Knox
        07.10.2015, 13:16 Uhr.

        http://www.muenster.de/~angergun/bildschirmfoto.jpg

      • Wrightflyer
        07.10.2015, 23:44 Uhr.

        Sie würden für einen Mann stimmen der sich mit der Realität des Familienlebens seiner Heimat noch schlechter auskennt als wir Europäer.
        Naja, Sie müssen es ja wissen!

        Auch hat er leicht reden von wegen Überleben in der Diktatur. Immerhin gehört er zu der Hälfte der Bevölkerung seiner Heimat für die die Diktatur vorbei ist.
        Die andere Hälfte hat andere Sorgen als stilistisch schöne Theologievorträge. Die kann froh sein wenn sie zwischen den Beinen nicht ein wichtiges Körperteil vermisst. Den Grund und Boden zu besitzen auf dem sie 80% der Nahrung anbaut, ist schonmal völlig illusorisch.

        Immerhin: Eine beneidenswerte Fantasie hat der Mann!
        Ich würde ihn auf keinen Fall zum Papst wählen, denn etwas schlimmeres geht kaum, aber ich wüsste auch eine wunderbare Verwendung für ihn. Fantasievolle kreative Leute die sich gern heile Familienwelten zusammenträumen werden auch gebraucht!

    • Wrightflyer
      05.10.2015, 22:49 Uhr.

      Zu Ihrem Punkt 2:
      Ich denke, daß kath.net eindeutig zuviel Aufmerksamkeit bekommt.
      […]*
      Zu Ihrem Punkt 4:
      Homosexuelle werden in Russland derzeit gejagt wie unter Stalin. Das ist nicht einfach die übliche Homophobie, die Gründe sind ähnlich wie die weswegen sich Russland buchstäblich zu Tode säuft. Es sind zwei Sachen, neben antiwestlicher Hetze natürlich, mit denen Putin und seine Oligarchen das Volk von den Zuständen im Land ablenken: Wodka und eine Minderheit zum Draufhauen.

      *Der Beitrag wurde wegen des Verstoßes gegen die Netiquette editiert.

  • silberdistel
    04.10.2015, 8:07 Uhr.

    Da wollte es ein maximal frustrierter mal richtig krachen lassen mit allen Konsequenzen für sich und sein bisheriges Umfeld. Ein „soziologisches Selbstmordattentat“ sozusagen. Obwohl, die Problematik ist hinlänglich bekannt und es gibt auch ein deutsches Pendant dazu: Dr. David Berger (Der heilige Schein/Warum schwule Priester perfekt für die katholische Kirche sind), der behauptet das 40 Prozent der rk-Priester schwul sind. Über die Orientierung des Restes darf gemunkelt werden…
    Vielleicht sollte es die Kirche einfach lassen mit der so hoch gesteckten Sexualmoral die allenfalls ein Sekundärthema von ´evangelii gaudium´ ist, die man bewiesenermaßen selbst nicht einhalten kann. Und es einfach lassen mit dem Richten darüber, outsourcen und das Gott himself überlassen?!

    • Wrightflyer
      05.10.2015, 22:37 Uhr.

      Ich bin weiß Gott kein Fan der rk-Sexualmoral, aber diese Pauschalunterstellungen von wegen „sind doch eh alle schwul!“ sind BLÖD-Niveau. Billig und dumm.
      Mir fällt ein ehemaliger rk-Pfarrer ein der jetzt ak-Pfarrer ist weil er mit seiner Freundin offen leben wollte, als ich jung und noch rk war und es die Seelsorgeeinheiten noch nicht gab hatten wir in der Nachbargemeinde einen Pfarrer von dem in der Gemeinde bekannt war daß seine Haushälterin nicht nur seine Haushälterin war, und wenn man an das Vorleben mancher Bischöfe denkt: Das Wölkchen hatte mal eine Freundin, der Bischof der mich gefirmt hat war 5 Jahre lang verlobt, Franziskus hatte mindestens zwei Sachen mit Mädels.

      Ich finde die rk-Sexualmoral falsch und bin überzeugt daß sie die zweitschlimmste Irrlehre der rk-Kirche aller Zeiten ist (die schlimmste ist, daß alle außer besonderst braven Katholiken in die Hölle kommen würden) und unendlichen Schaden angerichtet hat, aber die Mehrheit der rk-Prfiester hat es ganz sicher nicht verdient, unterstellt zu bekommen, nur Priester geworden zu sein um heimlich schwul sein zu können.

      • Silvia
        07.10.2015, 4:49 Uhr.

        Wrightflyer, Sie haben noch Bischof Oster vergessen, der gut sechs Jahre lang mit einer Frau liiert war, die er eigentlich heiraten wollte.

        • Wrightflyer
          07.10.2015, 23:31 Uhr.

          Der Pfarrer bei dem ich konvertiert bin war auch mal rk-Pfarrer. Er ist zwar nicht konvertiert um zu heiraten sondern wegen dem Thema WvG, aber er ist auch verheiratet.

          Und jetzt ca. ein halbes Jahr in Rente.
          Läuft dieses Jahr voll die Pensionierungswelle.

      • Silvia
        07.10.2015, 7:15 Uhr.

        Hier äußert sich David Berger zu Homosexualität in der rk Priesterschaft und speziell im Vatikan:

        http://www.stern.de/panorama/homosexuelle-in-der-katholischen-kirche—ex-priester-david-berger—die-haelfte-der-priester-im-vatikan-ist-schwul–6484526.html

        Das ist wirklich ein Kapitel für sich. David Berger ist Insider und selbst homosexuell.

        Ich habe es mit großem Erstaunen neulich erlebt, wie ein relativ konservativer Priester, von dem ich aufgrund seiner Andeutungen vermute, dass er homosexuelle Neigungen hat, den Christopher – Street – Day und die Homoehe in Irland und generell verteidigt hat. Derselbe Mann verteidigt aber auch den Pflichtzölibat.

        Diese scheinbaren Widersprüche erklären sich, wenn man bei David Berger – auch in dessen Buch – liest, welche Vorteile es wechselseitig für die Institution Kirche und die Priester bietet, dass so viele Priester homosexuell sind.

  • Wanda
    04.10.2015, 17:39 Uhr.

    – nun hat einer aus dem „internsten“ Kreis die Dinge und Realität benannt. Das kann man gut oder schlecht finden, eigentlich ist nur und ganz nüchtern betrachtet ein simpler Sachstand festgestellt worden, den man einfach nie wahrhaben wollte.
    Wie aber sieht es nun danach aus und welche Konsequenzen wird es haben ? Seien wir realistisch: werden vor allem konservative Eltern einen homosexuellen Geistlichen als Religionslehrer für ihre Kinder akzeptieren ? Nicht zu vergessen: auch wenn´s total falsch ist, so manche stecken die Homosexuellen und die Pädophilen in eine Kategorie.
    Da wird wohl noch einiges an Aufklärungsarbeit zu leisten sein…

  • Silvia
    04.10.2015, 18:11 Uhr.

    Im Falle des og. Priesters aus der Glaubenskongregation kommt noch ein Zölibatsbruch hinzu. Er hätte auch gehen müssen, wenn er mit einer Frau liiert wäre.

    Deshalb ist es nicht damit getan, wenn sich die Kirche nur mit dem Thema „Homosexuelle Priester“ befasst sondern das Thema „Zölibat“ gehört in seiner Gesamtheit auf den Prüfstand.

    Bisher ist es doch so, dass gerade homosexuelle Priester den Pflichtzölibat verteidigen, weil man unter sich bleiben will.

    David Berger war übrigens kein Priester, er ist Laientheploge hat aber auch in Rom eine höhere Position gehabt.

    Ich habe sein Buch gelesen.

    Aber auch er war ein Erzkonservativer, der „die Lehre“ mit Zähnen und Klauen nach außen hin verteidigt hat, bis er ausgerechnet von kreuz.net geoutet worden ist.

    Die verlogene katholische Sexualmoral insgesamt gehört auf den Prüfstand gestellt.

    Sie predigen Wasser und trinken selbst Wein.

    • Jürgen Erbacher
      Jürgen Erbacher
      04.10.2015, 20:03 Uhr.

      David Berger war Mitglied der „Päpstlichen Akademie Thomas von Aquin“ gewesen, da er ein Thomas-Experte ist. Damit zählt man nicht zur Kurie. Aber die Ernennung erfolgt normalerweise durch den Papst.

  • Silvia
    04.10.2015, 20:42 Uhr.

    Also mir geht die verlogene, doppelte Moral meiner Kirche mal wieder gewaltig auf die Nerven.

    Es ist sehr gut, dass der o.g. Priester sich geoutet hat. Das Timing ist natürlich ein Hammer, aber gut so.

    Dass es dieses Doppelleben auch bei Mitgliedern der Glaubenskongregation gibt, ist natürlich besonders hart, sitzt diese Kongregation doch über andere Katholiken zu Gericht.

    Ich kann das kirchliche Lehramt immer weniger ernst nehmen. Inzwischen habe ich auch in meiner Gemeinde Hardliner kennen gelernt, bei uns sitzen die sogar im Kirchengemeinderat, und das widert mich total an.

    • Wrightflyer
      05.10.2015, 22:22 Uhr.

      „Inzwischen habe ich auch in meiner Gemeinde Hardliner kennen gelernt, bei uns sitzen die sogar im Kirchengemeinderat, und das widert mich total an.“
      Herzliches Beileid…

      Ich bin mit Ihnen einer Meinung, diese Sexualmoral muss dringend überarbeitet werden! Es geht so auf keinen Fall weiter, egal für welches Ufer!
      Konservative versuchen mit Verweis auf Armut in der Welt und Christenverfolgung usw. die Reformer per schlechtem Gewissen mundtot zu machen, aber es führt kein Weg an der Erkenntnis vorbei, daß die rk-Kirche genau am Thema Sexualmoral zerfällt. Es geht dabei nicht einfach um ein Kondom mehr oder weniger, sondern darum, wie das rk-Lehramt letzten Endes den Mensch an sich sieht.

      Wir sind doch keine Rehe im Wald, die es einmal im Herbst tun um im Frühjahr Babies zu bekommen und ansonsten nichts voneinander wollen…
      Ich kritisiere ja dieses Dokument das Herr Erbacher vor ein paar Monaten verlinkt hat. Ist ja alles in guter Absicht geschrieben worden, aber unterm Strich steht da noch immer daß Sexualität meistens Sünde ist. D.h. wenn sie nicht rein zur Absicht geschieht, Kinder zu bekommen.
      Ist ja lobenswert daß die rk-Bischöfe die Menschenwürde schützen wollen, aber mit dieser Sexualmoral verletzen sie die Menschenwürde aufs übelste.
      Nur mal so: Die Frage: „Hast du Lust auf Sex?“ ist nicht automatisch ein sexueller Missbrauch wie die Autoren dieses Dokumentes meinen, sondern einfach nur die Frage ob der/die andere zufällig möchte.

      • Wanda
        06.10.2015, 17:08 Uhr.

        – es gibt ja auch eine andere Interpretation (für Gläubige) zur Sexualität, nämlich die, dass es durchaus als göttliche Gnade und Vorrecht des Menschen gesehen werden darf, seine Sexualität auch ohne den Fortpflanzungzweck zu erleben.
        Was, bitte sehr, soll daran falsch sein und wo würde gegen welches humantitäre und ethische Gebot verstossen ?

        • Wrightflyer
          07.10.2015, 23:25 Uhr.

          Absolut NICHTS soll daran falsch sein!

          Sexualität ist ein Geschenk Gottes, weder ein bloßer Vermehrungszweck (jedenfalls nicht beim Mensch. Bei Pflanzen und einzelgängerischen Tieren ist es etwas anderes) noch eine unendlich schlimme Sünde.
          Man soll verantwortungsvoll mit ihr umgehen, wie mit allen Geschenken Gottes, denn sonst kann sie zur Sünde, also zu Ehebruch, Missbrauch, Prostitution ect. führen, aber an sich ist Sexualität nicht Sünde sondern eine wunderbare Sache ohne die der Mensch nicht vollständig ist.

          Nur mal als Hinweis etwas was sogar lange verheiratete Männer oft nicht wissen: Das „beste Stück“ der Frau ist eine „Kleinigkeit“ die weder zwingend zur Fortpflanzung nötig ist, denn dazu ist nur der Orgasmus des Mannes nötig, noch eine Art „verkümmerter Penis“ aus der Embryonalentwicklung sein kann, denn ALLE Embryos sind anfangs weiblich. Das war wohl eher eine kleine Aufmerksamkeit von Gott als die Evolution.

  • Wrightflyer
    05.10.2015, 22:04 Uhr.

    Also die beiden sind wirklich ein schönes Paar! 🙂

    Ich beglückwünsche diesen Priester für seinen Mut, sich zu outen und zu gehen. Muss aber auch Gemecker loswerden, dazu gleich mehr.
    Allerdings hätte er auch gehen müssen, wenn er sich zu einer Freundin bekannt hätte.
    Leider habe ich nicht viel Hoffnung daß er im Priesteramt bleiben kann, wenn sein Heimatbistum in Polen liegt.

    Mittlerweile ist bekannt, daß Homosexualität nichts gefährliches ist, auch nicht ansteckend, auch keine freie Entscheidung, sondern angeboren. Man wird nicht homo, man ist es oder nicht. Daher steht sie nicht in Konkurrenz zur Heterosexualität. Sie nimmt uns nichts weg! Aber dort wo das noch nicht verstanden ist, wird Homosexualität natürlich als Bedrohung wahrgenommen. Hier hilft es auch nicht weiter, selbstgerechte Töne anzuschlagen und die Leute zu überfahren, sondern geduldig aufzuklären.
    Ich bin einer Meinung mit Silvia, daß das rk-Lehramt dringend die komplette Sexualmoral umkrempeln muss. So wie es ist geht es auf keinen Fall weiter. Weder für homo- noch für heterosexuelle römische Katholiken. Aber daß die Glaubenskongregation einen offen schwulen Mitarbeiter behält, ist, glaube ich, noch zu früh. In Afrika wäre der Teufel los!

    Ich muss Charamsa aber auch kritisieren. Er hat nämlich auch ganz schön Geschirr zerschmissen. Die Unterstellung daß die Mehrheit seiner Kollegen schwul und/oder homphob wäre, ist unfair und unkollegial. Man muss nicht homophob sein um sich zu ärgern, wenn man als homosexuell hingestellt wird. Meistens sind wir ein bischen beleidigt wenn wir für etwas gehalten werden was wir nicht sind. Z.B. wenn wir dem falschen Geschlecht zugeordnet werden oder unser Name falsch geschrieben wird… Ich habe nichts gegen Sekretärinnen, möchte aber nicht für die Sekretärin der beiden Jungs bei mir im Büro gehalten werden.
    Sorry, aber Rundumschläge wie „sind doch eh alle schwul!“ sind einfach BLÖD-Niveau! Ich glaube nicht daß die rk-Priester pauschal unterstellt bekommen möchten, nur Priester geworden zu sein um ihre Homosexualität zu verstecken.

    „Die katholische Kirche müsse hinsichtlich gläubiger Homosexueller „die Augen öffnen und verstehen, dass ihre Lösung, totale Abstinenz und ein Leben ohne Liebe zu leben, unmenschlich ist“.“
    Dem wiederum stimme ich gern und mit voller Überzeugung zu!

    „Der Papst habe damit die Position von Davis unterstützt und sich öffentlich gegen die Ehe für Homosexuelle ausgesprochen, so die Unterstützer von Davis.“
    Franziskus hat sich auch schon mit Wladimir Putin getroffen, sogar 2 Mal, und Annette Schavan als Botschafterin akzeptiert.

    „Doch das Thema bleibt zugleich emotional und schwierig. Denn in Afrika oder etwa vielen Ländern Osteuropas, gerade in Russland ist die Bewertung der Homosexualität grundlegend anders.“
    Das ist aber SEHR dezent ausgedrückt. In Russland müssen Homosexuelle damit rechnen, gefoltert und/oder totgeschlagen zu werden.
    Und das ist typisch. Einer Diktatur deren Lügengebäude zu wackeln beginnt fallen immer nur zwei Sachen ein: Krieg und Jagd auf Minderheiten.

    Sehr schön jedenfalls war Franziskus‘ Treffen mit seinem ehemaligen Schüler.

  • Silvia
    07.10.2015, 21:57 Uhr.

    Hier noch mal ein Interview mit David Berger:

    http://www.fr-online.de/politik/david-berger-die-angst-im-vatikan-vor-der-homosexualitaet-,1472596,32101318.html

    Interessanter Weise war auch der Kurienpriester, der sich jetzt geoutet hat, besonders konservativ.

    Ich frage mich in solchen Fällen immer,wie ein Mensch ein solches Doppelleben längere Zeit psychisch aushalten kann.

    Homoseuelle Männer, die das rk Priesteramt wählen, tun dies ja nicht selten, weil sie sich quasi davor schützen wollen, ihre sexuelle Orientierung, die sie selbst für sündhaft halten, auszuleben. Oft sind diese Priester besonders fromm und in Sachen Sexualmoral den Gläubigen gegenüber besonders rigide.

    Wenn das Verdrängen der eigenen Sexualität dann irgendwann nicht mehr gelingt, bricht die ganze Existenz zusammen.

    • Wrightflyer
      08.10.2015, 21:17 Uhr.

      „Interessanter Weise war auch der Kurienpriester, der sich jetzt geoutet hat, besonders konservativ.“
      Wie sonst kommt er wohl in die Glaubenskongregation? 🙄

      Das gleicht sich wirklich, auch dieser Rundumschlag gegen alle Kollegen!
      Mit dem bin ich definitiv nicht einverstanden. Daß es einen Anteil rk-Priester gibt die nur Priester geworden sind um ihre sexuelle Neigung zu verstecken, glaube ich sogar. Daß die vor allem im konservativen Lager zu finden sind (vielleicht auch der der Ihnen mal vor langer Zeit wehgetan hat?) glaube ich auch.
      Aber die Mehrheit hat ganz sicher NICHT verdient, das unterstellt zu bekommen! Erst recht wenn man sich überlegt daß in vielen Ländern Priester werden immernoch heißt, auf eine gesicherte materielle Existenz zu verzichten!

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