Papst – Spanien – Kurie

In den Tagen nach der Südkoreareise war es etwas ruhiger im Vatikan (und auch im Papstgeflüster). Mit dem Ende des Monats August kehrt langsam wieder Normalität in den Apparat ein. Heute gab es zwei wichtige Personalentscheidungen und auch der Blick in die Audienzliste von heute nährt Spekulationen. Franziskus setzt den Umbau der Kurie fort. Er schickte den Präfekten der Liturgiekongregation, Kardinal Antonio Cañizares Llovera, zurück nach Spanien. Dort wird er Erzbischof in Valencia. Carlos Osoro Sierra, bisher Erzbischof in Valencia, löst Kardinal Antonio Maria Rouco Varela in Madrid ab.

Schon lange über Ablösung spekuliert

Schon lange wurde über die Ablösung des Madrider Erzbischofs Rouco Varela spekuliert. Es ist ein offenes Geheimnis, dass der heute 78-Jährige und Papst Franziskus nicht die dicksten Freunde sind. Rouco Varela ist ein Vertrauter von Papst Benedikt XVI. Die beiden kennen sich aus der Zeit, als der Spanier in den 1960er Jahre in München studierte. Rouco Varela gehört zum eher konservativen Flügel der katholischen Kirche. Sein Nachfolger als Erzbischof von Madrid, der 69-Jährige Carlos Osoro Sierra, wird in den spanischen Medien als umgänglich, nahe bei den Menschen charakterisiert, der das Gespräch mit den Politikern suche. Unter dem Vorsitz von Kardinal Rouco Varela hatte die spanische Bischofskonferenz in den vergangenen Jahren oft eher einen konfrontativen Kurs gegenüber der Regierung gefahren. Das könnte sich künftig ändern. Denn auch wenn Osoro Sierra „nur“ stellvertretender Vorsitzender der Bischofskonferenz ist, als Erzbischof in der Hauptstadt hat seine Stimme Gewicht.

Nachfolger von Osoro Sierra in Valencia wird Kurienkardinal Antonio Cañizares Llovera. Auch wenn es in spanischen Medien heißt, der 68-Jährige habe den Papst um eine Rückversetzung in ein spanisches Bistum gebeten, ist der Schritt doch ungewöhnlich. Benedikt XVI. hatte Cañizares Llovera 2008 zum Präfekten der Kongregation für Gottesdienste und Sakramentenordnung berufen. Aufgrund seiner theologischen Haltung wurde er in Spanien mitunter als „kleiner Ratzinger“ bezeichnet. Cañizares Llovera war vor seiner Berufung an den Vatikan seit 2002 Erzbischof von Toledo gewesen, ein prestigeträchtiger Bischofssitz, der mit dem Ehrentitel des Primas von Spanien verbunden ist. Erst vor wenigen Wochen sorgte Cañizares Llovera noch einmal für Aufsehen in seinem alten Amt als Kurienchef. Er verschickte ein Rundschreiben an alle katholischen Bischöfe, dass der Friedensgruß künftig in der Messe nüchterner gehalten werden soll. Das hatte teilweise für heftige Diskussionen gesorgt.

Fusion von Kongregationen?

Die Ablösung von Cañizares Llovera war seit langer Zeit erwartet worden, denn es gibt  Differenzen in der Theologie und der Vorstellung von Liturgie zwischen ihm und Papst Franziskus. Dabei ging es etwa um die Frage nach der Übersetzung liturgischer Texte und den Einfluss des Vatikans darauf. Der Spanier gehörte zu den wenigen Kurienchefs, die Franziskus auch nach 18 Monaten noch immer nicht dauerhaft im Amt bestätigt hatte. So war lange klar, dass er wird gehen müssen. Seit Monaten war spekuliert worden, ob Franziskus ihn nach Madrid schickt. Doch an diesem wichtigen Posten wollte der Papst einen anderen Kirchenmann. Die Leitung der Gottesdienstkongregation hat Franziskus heute nicht gleich wieder besetzt. Ob dies mit der anstehenden Kurienreform zusammenhängt, ist nicht ganz klar. Eine Option ist, die Kongregation mit der Kongregation für Selig- und Heiligsprechungen zu fusionieren. Paul VI. hatte beide erst 1969 getrennt. Zuvor waren sie in der Ritenkongregation vereint. Diese wurde 1588 von Papst Sixtus V. gegründet. Bei seiner jüngsten Reise nach Südkorea sprach Papst Franziskus in den höchsten Tönen vom Chef der Heiligsprechungskongregation, Kardinal Angelo Amato. Es wäre also nicht so abwegig, wenn er seinem „Freund Angelo“ eine größere Aufgabe zukommen lassen würde.

Interessant ist, dass Papst Franziskus heute auch die Chefs des Päpstlichen Migrantenrats, Kardinal Antonio Maria Veglió, und des Päpstlichen Rats zur Förderung der Neuevangelisierung, Erzbischof Rino Fisichella, getroffen hat. Auch die beiden Kurienchefs sind noch nicht endgültig in ihren Ämtern bestätigt. Beide Räte gehören zu möglichen Fusionskandidaten im Rahmen der Kurienreform. Man darf also gespannt sein, ob sich in den nächsten Tagen oder Wochen etwas beim Thema Reform bewegt. In zwei Wochen, vom 15. bis 17. September trifft sich der Kardinalsrat K9 das nächste Mal zu seinen Beratungen. Gut möglich, dass dann bereits ein konkretes Gerüst für die neue Kurienarchitektur besprochen wird.

P.S. Papst Franziskus wird am 13. September bei einem Kurzbesuch im italienisch-slowenischen Grenzgebiet der Opfer des 1. Weltkriegs gedenken. Er wird den österreichisch-ungarischen Soldatenfriedhof in Fogliano besuchen. Anschließend wird er an der Gedenkstätte Redipuglia einen Gottesdienst feiern, an dem auch Bischöfe aus mehreren Ländern teilnehmen. Dabei will er der Opfer der Weltkriege sowie der Kriege in aller Welt gedenken.

P.P.S. Zum Schluss noch zumindest ein kurzer Hinweis auf eine interessante Stellungnahme der Deutschen Bischofskonferenz zum Irak.

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Jürgen Erbacher

Seit 2005 berichte ich für die ZDF-Redaktion „Kirche und Leben katholisch“ über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.