Prüfbericht belastet Bischof

108 Seiten umfasst der Bericht der Prüfkommission der Deutschen Bischofskonferenz. Daraus geht klar hervor: Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst wusste über die Kosten Bescheid, wollte sie aber vertuschen. Er missachtete kirchenrechtliche Vorschriften, indem er etwa „Beispruchsrechte“ des Domkapitels oder anderer Gremien missachtete, und ist für die Kostenexplosion verantwortlich. Der Bericht sieht aber auch Fehlverhalten bei anderen wie dem Domkapitel, dem Vermögensverwaltungsrat des Bischöflichen Stuhls und dem ehemaligen Generalvikar Kaspar. Das Dokument führt schonungslos vor Augen, wie es Bischof Tebartz-van Elst gelungen ist, das Bauprojekt jeglicher Kontrolle zu entziehen und das einzig verbliebene Kontrollgremium über lange Zeit hinzuhalten, bis die Mitglieder des Vermögensverwaltungsrats, die sich dem Bericht zufolge oft mit vagen Informationen zufrieden gaben,  im Sommer letzten Jahres nicht mehr mitspielten. Da war das Kind allerdings schon in den Brunnen gefallen.

Bischof für Kostenexplosion verantwortlich

Die Zahlen sind erdrückend: ein Badezimmer für 31.000 Euro, ein Wasserbecken für Zierfische für 213.000 Euro, beheizte Steinplatten im Kreuzgang für 19.000 Euro, die Neugestaltung des „Gartens der Stille“ für 667.000 Euro, ganz zu schweigen von den bronzenen Fensterrahmen für 1,7 Millionen Euro. Da hilft es auch nichts, dass die LED-Leuchten im Wert von 650.000 Euro, die zusätzlich zur Grundbeleuchtung eingebaut wurden, gemeinhin als energiesparend gelten. Allein durch die ständigen Neu- und Umplanungen sind laut Bericht Mehrkosten in Höhe von 8,7 Millionen Euro entstanden. Immerhin bringt der Bericht keine weitere Kostensteigerung ans Tageslicht. Die Gesamtsumme für das Projekt auf dem Limburger Domberg bleibt offenbar bei den seit Herbst bekannten 31,5 Millionen Euro.

„Die Ausgestaltung des Bauprojekts in der ihm eigenen Wertigkeit geht vorwiegend auf Wünsche und Aufträge des Bischofs zurück“, (S. 37) heißt es in dem Bericht. Wie das Ganze finanziert werden solle, wollte Tebartz-van Elst demnach nicht wissen. Mit Berufung auf den Generalvikar ist zu lesen: „Den Bischof habe nach dessen Darstellung grundsätzlich die Herkunft der Mittel für seine Projekte nicht interessiert.“ Allerdings sei er stets informiert gewesen und spätestens seit dem 1. Juli 2011 sei allen Beteiligten, also auch dem Bischof, klar gewesen, dass die Kosten über den zunächst veranschlagten 17 Millionen Euro liegen werden. Selbst gegenüber dem Gesandten des Papstes, Kardinal Giovanni Lajolo, habe Bischof Tebartz-van Elst „nicht die ihm bereits bekannten Zahlen angegeben“ (S.52).

Hat der Bischof etwa auch gegenüber dem Gesandten des Papstes nicht die Wahrheit gesagt? Nun zumindest hat er Informationen vorenthalten. Erinnert sei auch an die Falschaussage zum 1.-Klasse-Flug nach Indien. So ist es schwer zu glauben, dass die Ergebnisse des Prüfberichts nicht für eine Amtsenthebung ausgereicht hätten. Der Vatikan stellte heute in seiner Erklärung zwar fest, dass er den Bericht „eingehend“ studiert hat. Er begründete die Entscheidung, den Rücktritt anzunehmen, aber mit der Situation die im Bistum Limburg entstanden sei und eine „fruchtbare Ausübung des bischöflichen Amtes“ verhindere. Wie kam es zu dieser Situation? Durch die Fehler des Bischofs oder eine von den Unterstützern des Bischofs wie Kardinal Gerhard Ludwig Müller oder Erzbischof Georg Gänswein immer wieder beschworene Medienkampagne?

Auch Andere tragen Verantwortung.

Fest steht, spätestens mit der Veröffentlichung des Prüfberichts wäre es für Tebartz-van Elst unmöglich geworden, sein Bischofsamt in Limburg weiter auszuüben. Da hilft es auch nichts, dass der Bericht auch Fehler bei anderen Beteiligten ausmacht. Dazu gehört das Domkapitel, das demzufolge 2004 ohne Rechtsgrundlage und gegen das Votum des damaligen Bischofs Franz Kamphaus den Bau eines Bischofshauses beschlossen hatte und von Anfang an mit zu niedrigen Kosten kalkulierte. Auch dem Vermögensverwaltungsrat des bischöflichen Stuhls, aus dessen Etat der Bau am Ende finanziert wurde, weist der Bericht Fehler nach, etwa weil er notwendige Informationen nicht einforderte. Auch das Wirken von Generalvikar Franz Josef Kaspar wird kritisch bewertet.

Keine abschließende Auskunft gibt der Bericht darüber, ob beim Bau römisches Kontrollrecht verletzt wurde. Denn das Geld wurde letztendlich von liquiden Mitteln in Anlagevermögen verwandelt. Auch ist der Bischöfliche Stuhl durch das Projekt nicht in seiner Substanz gefährdet. Allerdings bringt das Anlagevermögen keine laufenden Erträge, so dass durch die Abschreibungen auf die Immobilien dem Bischöflichen Stuhl auf Dauer Verluste entstehen könnten. Hier ist also eine kluge und weitsichtige Haushaltung gefordert.

P.S. Zum Rücktrittsgesuch des Bischofs noch eine Anmerkung. Es ist ungewöhnlich, dass der Vatikan das Datum bekannt gibt. Der Vatikan macht damit deutlich, der 54-Jährige klebte nicht an seinem Bischofsstuhl, und die Entscheidung des Papstes von heute ist auch keine Absetzung, sondern die Annahme des angebotenen Rücktritts. Es zeigt, dass der 54-Jährige in der verfahrenen Situation Mitte Oktober sein Schicksal in die Hände des Papstes gelegt hat, wie es sich für einen katholischen Bischof in dieser Situation gehört. Das Kirchenrecht sieht in Kanon 401 Paragraf 2 vor: „Ein Diözesanbischof, der wegen seiner angegriffenen Gesundheit oder aus einem anderen schwerwiegenden Grund nicht mehr recht in der Lage ist, seine Amtsgeschäfte wahrzunehmen, wird nachdrücklich gebeten, den Amtsverzicht anzubieten“. Auf diesen Kanon beruft sich der Vatikan heute in seiner Erklärung. Dass Tebartz-van Elst im Oktober seinen Rücktritt angeboten hat, sagt allerdings noch nichts darüber aus, ob er von der Richtigkeit oder Notwendigkeit eines Rücktritts wirklich überzeugt war. Dies scheint Berichten von Bischöfen zufolge, die noch vor wenigen Wochen mit ihm gesprochen haben, bis zuletzt wohl nicht der Fall gewesen zu sein.

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Jürgen Erbacher

Seit 2005 berichte ich für die ZDF-Redaktion „Kirche und Leben katholisch“ über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.