Das Scheitern eines Befreiungsschlages

Das Projekt war groß, und es sollte ein Meilenstein werden auf dem Weg, verlorenes Vertrauen wieder zu gewinnen. Im Juli 2011 hatte die Deutsche Bischofskonferenz ein Forschungsprojekt angekündigt über den sexuellen Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige. Partner war das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen unter der Leitung von Professor Christian Pfeiffer. Alle Personalakten der Bistümer sollten durchforstet werden – ein Vorhaben, das weltweit einmalig ist und den unbedingten Aufklärungswillen signalisieren sollte. Doch schon kurz nach der Ankündigung stieß es auf Widerstand bei einigen Priestern, die den Datenschutz verletzt sahen. Die Beteuerung, dass die Sichtung der Akten durch kirchlich geschultes Personal erfolgen solle und lediglich Täterakten weitergeleitet würden, konnte die Befürchtungen nicht bei allen ausräumen.

Es gab neue Forderungen, Nachbesserungen im Vertrag, die jetzt dazu führten, dass der Verband der Diözesen den Vertrag mit dem Kriminologischen Institut gekündigt hat. Das Vertrauensverhältnis zu Prof. Pfeiffer sei zerrüttet, „einer weiteren konstruktiven Zusammenarbeit jede Vertrauensgrundlage entzogen“, heißt es in der Erklärung der Bischofskonferenz. Das  Projekt selbst solle jedoch fortgeführt werden. Prof. Pfeiffer seinerseits wirft den Bischöfen Zensurverhalten vor und die Vernichtung von Akten, was die Kirche ihrerseits bestreitet.

Was bleibt, ist ein schaler Beigeschmack. Das Scheitern des großangelegten Aufklärungsprojektes, das mit der Einstellung der Hotline für Missbrauchsopfer zusammenfällt, und das Ergebnis der zweiten großen Missbrauchsstudie, in der keine besonderen Auffälligkeiten und Unterschiede zwischen kirchlichen und säkularen Tätern festgestellt werden, werden den Verdacht weiter nähren, dass versucht werden soll, etwas unter den Teppich zu kehren. Der Schwung der Aufklärungsarbeit ist zumindest gebremst. Schade!

Autor: Michaela Pilters

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Ich leite seit 1985 die ZDF-Redaktion „Kirche und Leben/kath“. Bevor ich zum ZDF kam, war ich bei der Katholischen Nachrichtenagentur in Bonn und beim Hessischen Rundfunk in der Kirchenredaktion - also viele Jahre Erfahrung mit kirchlichen Themen. Mein Studium der katholischen Theologie (Diplom) habe ich in München gemacht.
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5 Kommentare

  • M.G.
    09.01.2013, 14:11 Uhr.

    Da sieht man mal,wie es die Kirche mit Reuhe und Buße,sowie Umkehr hält,nämlich gar nicht.
    Bevor sie weiter dazu prediegen,sollte sie mal mit Buße,Umkehr usw. besten Beispiel vorran gehen und vorbehaltlos bei der Aufklärung mitwirken,sonst wirkt die Kath. Kirche lächerlich.

  • Tuklov
    09.01.2013, 14:19 Uhr.

    Es ist doch immer das selbe: Täterschutz vor Opferschutz.

    Das Schlimme ist doch nur, dass sich immer mehr Menschen deshalb aus den christlichen Kirche verabschieden, sprich austreten, weil sie Missbrauch, Zölibat, Frauenfeindlichkeit in ihrer Kirche nicht mehr tolerieren können und doch an einen gerechten Gott glauben wollen.

    Ihr Kirchenoberen: Denkt und handelt lieber nach dem barmherzigen Samariter, der auf die damaligen Religionen und ihre Wertevorstellungen gesch… hat, sondern sich auf das besonnen hat, was vermutlich den meisten Glaubensrichtungen am nächsten kommt, und was am sträflichsten vernachlässigt wird.

    Gott schuf den Menschen (Mann und Frau) nach seinem Abbild. Und liebet Euren Nächsten wie Euch selbst.

  • susi bibelmaus
    09.01.2013, 18:02 Uhr.

    Jeder kann sich frei entscheiden ob er das Original oder die Kopie wählt, Wahrheit oder Lüge. Vor der Welt und dem Teufel ist die Lüge angesehen, hat Einfluss und gewinnt heut mehr und mehr an Bedeutung – das aber nur, weil vor der sichtbaren Wiederkunft des Originals der gefallene gottlose Mensch erst in seiner Gänze offenbar werden muss.

    Jesus sprach es ja für uns an: die Umstände und Zustände vor seinem Wiederkommen werden sein, so unerträglich wie noch nie. Tägliche Meldungen von skrupellos gefallenen raff- und machtsüchtigen Menschen unserer Welt die an Posten- und Positionen festhalten sind immer schwerer zu ertragen. Ehe Jesus wiederkommt, wird es an unerträglichem für uns noch weiter zunehmen. Nur wer bis zum Ende standhaft bleibt …

    susi

  • silberdistel
    09.01.2013, 18:58 Uhr.

    Kontroll- und Zensurwünsche kann es in einer Aufklärung natürlich nicht geben. Skandalös in welch mittelalterlichen, feudalen Manier versucht wird eindeutig Einfluss auf das Zustandekommen von wissenschaftlichen Ergebnissen einzuwirken.
    Schade um die vielen in guter Absicht Engagierten in dem sicherlich ambitionierten Werk einer Kirche.
    Doch schon Jesus Christus hatte offensichtliche Probleme mit den Eliten seiner Zeit, religiös wie weltlich. Mutmaßlich hätte sich heutzutage daran nichts geändert.

    • M.G.
      09.01.2013, 20:12 Uhr.

      silberdistel | 9. Januar 2013 | 18:58
      Es ist leider bei der Kath. Kirche einiges entsetzlich,nämlich,dass ich meinen homosexuellen Sohn raten muss gegenüber meiner kath. Verwandtschaft zu schweigen,wenn er nicht nach kath. Ansicht von dieser als Sünder gemobbt werden will.Ich als Mutter und schon längst aus der Kirche ausgetretene Atheistin finde dies verwerflich Nächstenverachtend von der Kath.Kirche,denn in mein Augen, sind homosexuelle Männer angenehm,da sie Frauen und Mädchen gegenüber nicht so schnell sexuell straffällig begegnen.Von mir aus kann mein Sohn auch sein Homo-Partner mir mal vorstellen.Ich habe da keine Vorbehalte,wie Katholiken.Ich kann heute noch keine Ehrlichkeit mit Reuhe,Buße und Umkehr,wie die kath.Kirche predigte,erkennen.

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