Reformation 2017 – ein Grund zu Feiern?

Mann der Ökumene: Kardinal Kurt Koch (dpa)

Gibt es 2017 etwas zu feiern oder nicht? Darüber streiten sich seit langer Zeit Katholiken und Protestanten – nicht nur in Deutschland. Der Ökumeneminister des Vatikans, Kardinal Kurt Koch, stellt heute in einem Interview der Rheinischen Post noch einmal klar, dass aus katholischer Sicht das Datum kein Grund zum Feiern sei. Die Reformation habe Positives gebracht; aber sie habe auch zur Kirchenspaltung und zu den anschließenden blutigen Konfessionskriegen im 16. und 17. Jahrhundert geführt. Mit einem Reformations-Gedenken hat Koch hingegen kein Problem. Schon bei früheren Gelegenheiten erinnerte Koch bei seiner kritischen Sicht des „Jubiläums“ an die Worte des protestantischen Ökumenikers Wolfhart Pannenberg. Der hatte die Kirchenspaltung und die daraus entstandenen Konfessionskriege als eine – wenn auch ungewollte – Ursache der neuzeitlichen Säkularisierung und der damit verbundenen Abdrängung von Religion und Kirche in den privaten Bereich gesehen. Die modernen Gesellschaften hätten sich angesichts der blutigen Auseinandersetzungen der Konfessionen eine Grundlage des Zusammenlebens geschaffen, das von diesen Konfliktparteien unberührt war.

Was erwarten die Protestanten von den Katholiken mit Blick auf 2017? Der amtierende Ratsvorsitzende, Präses Nikolaus Schneider, wie viele andere Protestanten auch, erwartet ein Signal, ein Zeichen des Papstes. Die Reformationsbotschafterin und ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Margit Käßmann hingegen wird nicht müde zu betonen, dass sie vom Papst nichts mehr in Bezug auf die Ökumene erwartet. Was soll die katholische Seite mit diesen unterschiedlichen Vorstellungen machen? Immerhin wird seit geraumer Zeit in der katholischen Kirche über eine Art Schuldbekenntnis diskutiert. Aus dem Schülerkreis des Papstes verlautete im Sommer, dass auch Benedikt XVI. sich so etwas vorstellen könne. Allerdings, und darauf legt man in Rom Wert, müsse es sich dabei um ein „beidseitiges“ Vergewissern über Fehler in der Vergangenheit handeln. Denn offensichtlich ist man sich auf katholischer Seite im Klaren darüber, dass man Fehler gemacht hat und im 16. Jahrhundert durchaus Veränderungen notwendig gewesen wären.

Ganz in diesem Sinne erklärte Kardinal Koch in dem bereits erwähnten Interview, dass er seinerzeit auf der Seite der Kirchenreformer gestanden hätte. Allerdings kann sich Koch Veränderungen nur in Einheit mit Kirche und Papst vorstellen. Hier unterscheidet er sich dann vom späteren Verlauf der Reformation. Papst Benedikt XVI. bekräftigte heute übrigens noch einmal, dass „die sichtbare Einheit unter den getauften Christen“ das Ziel aller ökumenischen Bemühungen sei. Er empfing die Mitglieder der Vollversammlung des vatikanischen Einheitsrats. Dabei erklärte er, dass die Glaubenskrise in der Welt eine Herausforderung für alle Christen sei. Trotz der „Unvollständigkeit der kirchlichen Gemeinschaft“, müsse man gemeinsam gegen die wachsende religiöse Gleichgültigkeit kämpfen. Hier ließe sich im Anschluss an Pannenberg sicher fragen, ob nicht gerade die noch bestehende Spaltung Mitursache für die wachsende religiöse Gleichgültigkeit ist. Zwar werden die Auseinandersetzungen heute nicht mehr mit dem Schwert geführt. Doch gibt es nach wie vor Unterschiede und „verbale Grabenkämpfe“ um die Wahrheit, die die Menschen durchaus sensibel wahrnehmen.

Autor: Jürgen Erbacher

Autorenbild

Seit 2005 berichte ich für die ZDF-Redaktion „Kirche und Leben katholisch“ über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.
Alle Beiträge von Jürgen Erbacher anzeigen

3 Kommentare

  • Tuklov
    23.11.2012, 11:45 Uhr.

    Es wird auf die Islamisten geschaut und jede Frau mit Kopftuch wird in Deutchland argwönisch beäugt.
    Was unterscheidet sie aber von Katholiken und Evangelischen Christen (wenn auch Jahrzehnte und Jahrhunderte früher).

    Nichts.

    Christliche Kreuzzüge, nichts als Barbarei, Konfessionskriege: Die Lust an Gewalt, die Dekadenz der Kirchoberen, sexuelle Missbräuche, Zwangsumtaufungen bei Ehen zwischen Katholischen und Evangelischen Christen…..

    Reduzieren wir doch das Alte und Neue Testament auf zwei Dinge:
    Jeder Mensch ist ein Abbild Gottes und liebet Euren Nächsten wie Euch selbst.

    Aber das zu verwirklichen brauchen wir ein großes Wunder.

    • silberdistel
      23.11.2012, 20:27 Uhr.

      @Tuklov “Reduzieren wir doch das Alte und Neue Testament auf zwei Dinge: Jeder Mensch ist ein Abbild Gottes und liebet Euren Nächsten wie Euch selbst” Zitatende.

      Jesus Christus soll diese Aussage vor nahe 2000 Jahren schon ähnlich auf einen kurzen Nenner gebracht haben: “Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch: Das ist das Gesetz und die Propheten” (Matthäus 7,12).
      Alle großen Weltreligionen aber folgen im Kern wohl dieser Aussage, wenigstens sinngemäß!
      Und vielleicht konnte Jesus das damals auch nur so freimütig äußern, da noch keine christlichen Kirchen mit Oberen entstanden waren, die Unterschiede im rechten Glauben ausfindig machen konnten ;-)

  • Hubert Popp
    24.11.2012, 01:54 Uhr.

    Wir als Protestanten und Katholiken haben es nicht leicht , wenn wir uns auf die Schriften des „ Neuen Testamentes „ berufen ,denn sie sind für uns nicht verfasst worden ! Dazu nun die nachfolgenden Zeilen :::
    Die Geschichte mit und um Jesus sollten wir doch einmal ein wenig umfassender d,h. wirklich katholischer betrachten , dieses nur als kleine Ergänzung zu den vielen Ausführungen von Papst Benedikt ! Ziel meines Schreibens ist , zu erklären warum die Schriften des neuen Testamentes nicht für uns bestimmt sind .
    Vorab möchte ich noch beschreiben ,daß es ganz mächtig gefährlich ist auf unserer schönen Erde zu leben auch ohne bösartige Vorhersagen !
    Folgende Vorstellung ::: Unsere Erde hat einen Durchmesser von rund 13 000 km ,
    verkleinern wir sie nun einmal auf eine für uns übersichtliche Größe von
    1.30 m == 1300 mm
    das ergibt nun einen Maßstab von 1 mm == 10 km , dann ist unsere Erdatmosphäre
    eben nur 10 km == 1 mm stark und die Erdkruste auf der wir leben
    50 km = 5 mm stark ! Die größte Meerestiefe wäre dann 11 km = 1.1 mm und der Mount Everest als höchster Berg 8895 m = ca. 0.9 mm ! Schließlich ist diese Erdkruste ist noch in mehrere Schollen
    zerbrochen und diese schwimmen noch auf einem Lava- See mit einer
    Mächtigkeit von über 1275 mm == 12 750 km ! Zusätzlich wird dieses fast rohe “Windei Erde ” noch von Sonne und Mond sozusagen durchgeknetet ! Es grenzt somit schon an ein Wunder , daß es nicht noch zu mehr Erbeben und den dazu gehörenden unfreundlichen Auswirkungen kommt ! Hier können wir nun ganz einfach sagen ;;; Gott sei Dank ! Hätten nun die Wahrsager des AT und NT dieses alles gewußt , so hätten sie sich sicherlich unfreundlichen Vorhersagen erspart !
    Doch nun zu meinen biblisch – katholischen Gedanken :::
    Diese Worte hätte eigentlich Jesus niederschreiben sollen , doch leider hat er außer einige wenige Schriftspuren im Sand , ” Nichts ” hinterlassen ! Auch seine Jünger folgten seinem Beispiel und hinterließen schriftlich ein ” Nichts ” ! ..Warum auch , wenn das so häufig angepriesene Gottesreich mit Jesus als Weltenherrscher so nahe war !
    Erst einige Jahrzehnte später als Jesus nicht wiederkam , begann dann der selbsternannte Apostel Paulus schriftlich etwas zu verfassen , gefolgt von den vier Evangelien-Schreibern ::: Alles Menschen , die Jesus überhaupt nicht kannten ! Wenn wir nun diese Schriften betrachten , so sind diese nur darauf angelegt ::: Das nahe Gottesreich mit dem wiederkehrenden Jesus an der Spitze zu verdeutlichen um damit ein wenig seinen Anhängern Trost zu spenden ! Denn außer dem nahe bevor stehenden Reich Gottes gab es für diese Schreiber keine Zukunft mehr .. für sie war damit die Schöpfung Gottes abgeschlossen !
    Der wichtigste Mensch zu jener Zeit war nun einmal der Apostel Paulus , und noch einmal gesagt ::: ein Mann der Jesus überhaupt nicht kannte ! Dank seiner überragenden rethorischen und schriftstellerischen Fähigkeiten konnte er die jesuskennenden Apostel , die ja fast alle nicht schreiben konnten,
    mit seinen Lehren überzeugen ! Auch diese seine Lehren wurden geprägt von der kurz bevorstehenden Wiederkehr Jesu . Die paulinischen Schriften und auch die 4 Evangelien sind also für Menschen geschrieben, die in der Nah-Erwartung Jesu standen. Diese Schriften dürfen in diesem Sinne als Trost- und Prophezeihungsschreiben betrachtet werden für die damaligen ” Glaubensendzeitler ” ! Über zehn mal wird in diesen Schriften die Wiederkehr Jesu vorher gesagt und das noch zu Lebzeiten seiner damaligen Getreuen !
    Sie sind also für uns Menschen danach , garnicht bestimmt , denn wenn das damals so häufig angepriesene Königreich Jesu errichtet worden wäre , gäbe es uns heute garnicht !
    Das heißt nun aber nicht , daß wir uns damit nicht befassen sollten , ist es doch immer wieder schmunzelhaft zu erkennen , wie die Evangelienschreiber eingefügte geschichtliche Unwahrheiten in Glaubenswahrheiten umformten !
    Dabei war Ihnen jedes Mittel recht ::: Zum Beispiel diese geschichtlichen Unwahrheiten :::
    Die 3 Magier aus dem Morgenland , der Kindesmord des Herodes , die Flucht nach Ägypten und so weiter …. Diese dramatischen Beschreibungen hatten nur ein Ziel ::: soviele Anhänger wie möglich für Jesu Gottesreich zu gewinnen !
    Nun ist diese damalig erwartete Wiederkunft Jesu nicht eingetroffen !
    Somit dürfen wir heute also ” ketzerisch ” feststellen ::: Jesus hat seine Anhänger ” in Stich gelassen ” ! Auch er konnte nicht , trotz der legendären Auferstehungsgeschichte , das von Gott aufgestellte biologische Naturgesetz vom materiellen Werden und Vergehen zum ” Wohle des Neuen ” (Evolution ), nicht verändern !
    Und zur Ehre der Reformation sollte noch gesagt werden , daß sie längst überfällig war , um fortschrittliche religiöse Gedanken zu ermöglichen und das trotz der Aussage Martin Luther’s „ nur die Schrift hat Recht „ !
    Einen freundlichen Gruß ! Hubert Popp

Kommentare geschlossen

Dieser Beitrag kann nicht länger kommentiert werden.