Papst Leo XIV. als Brückenbauer unterwegs
Dialog, Versöhnung, Frieden – so sieht Papst Leo XIV. den inhaltlichen Rahmen für seine erste Auslandsreise. Das machte er bei seiner ersten Begegnung mit Journalisten im Papstflieger am Donnerstagmorgen auf dem Weg von Rom nach Ankara deutlich. In der türkischen Hauptstadt zeigte sich der Pontifex dann freundlich, aber doch klar. Bei der Begegnung mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Zivilgesellschaft betonte er, dass die Juristen „Teil der türkischen Identität“ seien. Er sprach davon, dass eine Gesellschaft dann lebendig sei, „wenn sie plural ist“ und er betonte, dass gerade in der Türkei, „in der die Religion eine sichtbare Rolle spielt“, es von grundlegender Bedeutung sei, „die Würde und Freiheit aller Kinder Gottes zu achten“. Mancher Beobachter hätte sich gewünscht, dass Leo explizit das Wort Religionsfreiheit ausspricht, wie das Benedikt XVI. etwa bei solchen Anlässen machte. Doch in den vergangenen Monaten wurde schon deutlich, Leo hat seinen eigenen Stil und der ist eher leise, aber deshalb nicht weniger verbindlich.
Einzige Reise im Heiligen Jahr
Die Türkei und der Libanon sind die Stationen der ersten Papstreise von Leo XIV. Das mag ungewöhnlich erscheinen, zumal zu Beginn des Pontifikats über mehrere andere Optionen gesprochen wurde: eine schnelle Reise in die zweite Heimat Peru, verbunden mit einem Abstecher nach Argentinien, das Heimatland seines Vorgängers, das dieser nie besuchte. Doch das dürfte 2026 auf dem Programm stehen. Dann ein Besuch im Heiligen Land, doch das war unter anderem wegen des Gazakriegs nicht möglich. Denn der Papst hätte dann dorthin gehen müssen und das schien wenig realistisch. Schließlich die Option eines Kurztripps auf den Spuren des Heiligen Augustinus nach Nordafrika.
Am Ende ließen die vielen Termine im Rahmen des Heiligen Jahrs keinen Platz für eine weitere Reise. Die Türkei lies sich schwer schieben. Geht es doch als Hauptanlass des Besuchs um das 1.700-Jahr-Jubiläum des Konzils von Nizäa. Franziskus wollte im Mai zu den Feierlichkeiten in Iznik, so der heutige Name. Es kam nicht mehr dazu. Leo wollte es sich nicht nehmen lassen, dem Jubiläum mit seiner Anwesenheit noch einmal einen Schwung zu geben. So verband er die Reise nun mit einem zweiten „Pflichttermin“ für Päpste. Die schauen in einem der ersten Amtsjahre beim orthodoxen Andreasfest beim Ökumenischen Patriarchen in Istanbul vorbei, das am 30. November begangen wird.
Wiege des Christentums
Das Nizäa-Jubiläum gibt dem Papst die Gelegenheit, noch einmal in Erinnerung zu rufen, dass die Gebiete der heutigen Türkei, und der angrenzende Nahe Osten die Wiege des Christentums sind. Die Christen hier einst in große Zahl vertreten waren. Leo XIV. Erinnert denn auch in seiner politischen Rede daran, „dass die ersten acht ökumenischen Konzilien auf dem Gebiet der heutigen Türkei stattfanden“. Dem Kirchenoberhaupt geht es zwar nicht um eine Rückeroberung von Gebiete, wie das manche Kritiker des Besuch in der Türkei in den letzten Tagen erklärten, doch er macht unmissverständlich klar, dass die Christen hier leben können müssen, auch ihren Glauben im öffentlichen Raum.
Der türkische Präsident Erdogan betonte in seiner Begrüßungsrede, dass in den vergangenen Jahren viele Kirchen renoviert und eröffnet worden seien. Er sah das als Zeichen, dass das Christentum auch in der Türkei seinen Platz habe. Doch viele Christen sehen sich in ihrer Religionsausübung und Akzeptanz eingeschränkt. Seit Jahrzehnten wartet das Ökumenische Patriarchat darauf, dass seine theologische Ausbildungsstätte in Chalki wiedereröffnet werden darf, die der Staat 1971 geschlossen hat. Anders als seine beiden Vorgänger besucht Leo in Istanbul nicht die Hagia Sophia. Franziskus protestierte laut, als die ehemals größte Kirche der Christenheit, die zwischenzeitlich zur Moschee geworden war und seit 1935 ein Museum war, 2020 wieder in eine Moschee umgewidmet wurde. Leo XIV. wird in die Blaue Moschee gehen, unweit der Hagia Sophia. Ohne ein sichtbares Zeichen des Dialogs mit dem Islam sollte der Aufenthalt in der Türkei nicht bleiben.
P.S. Ausführliche Berichte und Videos bei ZDFheute gibt es über diesen Link.


5 Kommentare
Ich finde es gut, dass der Papst so diplomatisch aufgetreten ist.
Diese Reise lässt sich gut an. Ich bin gespannt auf die Begegnung mit dem Patriarchen von Konstantinopel und die Feierlichkeiten zum Konzilsjubiläum. Unser Papst macht das gut. Danke, Herr Erbacher – sie machen das auch gut!
Herr Erbacher, unten steht, dass Prospero einen Kommentar geschrieben hat – den kann man hier aber nicht einsehen.
Es sind alle Kommentare freigeschaltet.Warum der Kommentar nicht erscheint, versuchen wir zu klären.
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