Papst fordert weltweite Solidarität

Ostern 2020 ist auch im Vatikan ganz anders als je zuvor. Ein leerer Petersplatz, ein leerer Petersdom, in dem Papst Franziskus mit wenigen Menschen das Ostertriduum feiert. Und auch die Botschaft des Pontifex zum Segen Urbi et Orbi war anders als zuvor. Sind die Ansprachen sonst beinahe austauschbar, weil die Päpste die „üblichen“ Krisen der Welt aneinanderreihen und an Menschen am Rand der Gesellschaft erinnern, stand in diesem Jahr die Corona-Pandemie und ihre Folgen in Mittelpunkt der Osterbotschaft von Franziskus. Sie war ein flammender Appell für eine globale Solidarität in der Krise. Der Papst ist besorgt, Corona könnte die Welt spalten mit ungeahnten Konsequenzen. Die Zukunft der Welt hängt an Europa, ist Franziskus überzeugt.

Der Papst spendet den Segen Urbi et orbi im leeren Petersdom. (Quelle: epa)

Sorge um Zukunft der Menschheit

„Gleichgültigkeit, Egoismus, Spaltung und Vergessen sind wahrlich nicht die Worte, die wir in dieser Zeit hören wollen. Wir wollen sie aus allen Zeiten verbannen!“ Das ist die Botschaft von Papst Franziskus an die Welt zu Ostern 2020. Er würdigte den Einsatz vieler in der aktuellen Krise, versuchte Mut zu machen mit seiner Osterbotschaft, denn gerade Ostern sei ein Fest der Hoffnung, von dem sich die Menschen anstecken lassen sollten. Doch der Papst sorgt sich um die Zukunft der Menschheit angesichts der aktuellen weltweiten Krise. Das machte er in seiner Ansprache beim Urbi et orbi am Ostersonntag deutlich.

Ohne konkrete Namen zu nennen, forderte er die Lockerung internationaler Sanktionen, damit die betreffenden Länder „ihre Bürger angemessen unterstützen können“. Er sprach sich für einen teilweisen oder totalen Schuldenerlass für die ärmsten Länder aus, damit sie entsprechende Maßnahmen zum Schutz ihrer Bürger veranlassen können. Mit Blick auf Europa erinnerte Franziskus an den Wiederaufbau des Kontinents nach dem Zweiten Weltkrieg. Dieser sei möglich gewesen, „weil ein konkret spürbarer Geist der Solidarität es ermöglichte, die Rivalitäten der Vergangenheit zu überwinden“. Er warnte davor, dass unter den heutigen Umständen diese Rivalitäten wieder aufleben könnten. „Lasst uns nicht die Gelegenheit versäumen, einen weiteren Beweis der Solidarität zu erbringen, auch wenn wir dazu neue Wege einschlagen müssen“, ermutigte Franziskus. Wie diese „neuen Wege aussehen“, erklärte er nicht. Ob er damit die von Italien geforderten Eurobonds meinte, ließ er offen. Jedoch warnte er vor dem „Egoismus der Einzelinteressen“.

Medizin statt Waffenhandel

„Diese Zeit erlaubt keine Spaltungen“, mahnte Franziskus und erneuerte seinen Appell zu einem sofortigen weltweiten Waffenstillstand. Er erinnerte an die Konflikte in Syrien, Jemen und der Ostukraine. „Das ist nicht die Zeit, weiter Waffen zu produzieren und damit Handel zu treiben und Unsummen auszugeben, die man eigentlich bräuchte, um Kranke zu heilen und Menschenleben zu retten“, kritisierte Franziskus. Es sei auch nicht die Zeit zu vergessen, nämlich die Menschen am Rande der Gesellschaft, mahnte Franziskus. Dabei erinnerte er an das Schicksal der Menschen in Venezuela sowie der Flüchtlinge, besonders jener an der griechisch-türkischen Grenze.

Schon in der Osternachtsmesse hatte Franziskus erklärt, die Welt brauche „Brot und keine Gewehre“. Die Botschaft von Ostern, so der Papst in seinen Ansprachen am Osterwochenende, ist eine Botschaft der Hoffnung. Die Christen sollten zu Zeugen dieser Hoffnung werden und sie in den Alltag bringen, „Verkünder des Lebens in Zeiten des Todes sein“. Die Dunkelheit habe nicht das letzte Wort, ist Franziskus überzeugt. Mehr kann ein Papst nicht tun: Hoffnung machen, das Gute unterstützen und der Welt ins Gewissen reden. Vielleicht brauchte die Welt eine solche Person nie nötiger als heute. Ob die Botschaft des Papstes bei den Menschen und politisch Verantwortlichen wirklich ankommt, ist ungewiss. In Deutschland ist seine Stimme in diesen Tagen kaum zu vernehmen. Es sei denn, man nutzt die direkten Kanäle des Vatikans.

Autorenbild

Jürgen Erbacher

Seit Juli 2018 leite ich die ZDF-Redaktion "Kirche und Leben katholisch", für die ich seit 2005 über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche berichte. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.

24 Kommentare

  • Novalis
    12.04.2020, 21:49 Uhr.

    Kluge Worte eines klugen Papstes, der verdient gehört zu werden. Frohe Ostern!

    • Wanda
      18.04.2020, 20:46 Uhr.

      Wie üblich Worte und Forderungen an die ach so profane Welt. Wie wär’s wenn die Solidarität etwas handfester und solider vom Vatikan vorgelebt würde ? In barer Münze oder mit Bereitstellung der ungenutzten Räumlichkeiten des Vatikan und seiner Liegenschaften/Immobilien zur Unterbringung und Quarantäne oder evtl. sogar Asyl bzw. Einbürgerung von islamischen Flüchtlingen ? So nach dem schönen Sprichwort „Es gibt nichts Gutes ausser man tut es“… Das eigene Beispiel überzeugt immer mehr als jeder Apell und jedes Gebet oder erteilte Segen vom Elfenbeinturm und sei es „urbi et orbi“…

  • bernardo
    13.04.2020, 18:03 Uhr.

    Es war beklemmend, die Ostermesse im Fernsehen zu sehen: Der Papst, fast alleine, in der größten Kathedrale der Welt. Seine Botschaft war eine Botschaft der Hoffnung in Zeiten, wie ich sie schlimmer nicht erlebt habe.

    Ganz anders die Predigt von Bedford-Strohm, der es nicht unterlassen konnte, Tagespolitik zu betreiben und Uralt-Kamellen aufzugreifen. Norbert Bolz fragt zu recht, ob eine Verbindung zwischen Bedford-Strohm und dem Christentum besteht? Wenn, dann eine wohl eher marginale, es sei denn, man betrachtete einen salbungsvollen Predigerstil als Proprium des Christentums.

  • Carla Maltese
    14.04.2020, 20:43 Uhr.

    – Vorhin habe ich hier ein Dienstfahrzeug der Caritas gesehen.
    – A propos Caritas, die hat gemeinsam mit der Stadt ein Corona-Sorgentelefon eingerichtet.
    Das beides nur als Fortsetzung meiner Liste von heute morgen, die Antwort auf Wanda. Unten ist jetzt leider wieder zu.

    Gut, ich persönlich brauche kein Sorgentelefon. Von Aufforderungen von wegen ich soll mir um mich jetzt deswegen Sorgen machen fühle ich mich eher verarscht. Die ganzen Regeln einhalten um andere nicht anzustecken, okay, einverstanden. Aber wegen mir Sorgen machen, das ist wirklich komplett dämlich.
    Denn wenn ich einmal damit anfange, kann ich mich gleich für immer daheim einschließen. Wie oft hatte ich die letzten 20 Jahre Bronchitis oder sogar Lungenetzündung? Fast jedes Jahr. Ich weiß noch, das letzte Leasingprojekt bevor ich endlich die Festantellung bekommen habe: 2 Wochen im Großraumbüro haben gereicht, schon hat es mich wieder erwischt. Und wenn der Lockdown endet und ich also mit noch weniger Immunsystem als normalerweise schon wieder unter Leute gehe, dann weiß ich schon wie das wieder enden wird.
    Es soll mich dann nur bitte gleich erwischen, nicht kurz vor der wichtigen Auslandsreise die vielleicht im Oktober ansteht.

    Franziskus hat sehr viel richtiges gesagt, aber ich möchte heute nur einen Punkt herausstreichen: Den generellen Schuldenerlass für Entwicklungsländer.
    Schon vor Corona war ich eindeutig für einen Schuldenerlass.
    Wir haben in Deutschland ein Insolvenzrecht, inzwischen auch für Privatpersonen. Einem deutschen Staatsbürger darf nicht bis in alle Ewigkeit wegen Schulden das Leben schwergemacht werden. Bei einem deutschen Staatsbürger sagt der Staat eindeutig, daß es möglich sein muss daß derjenige irgendwann wieder ein freies Leben führen dürfen muss, egal was er angestellt hat.
    Warum quetscht unser Staat also Entwicklungsländer bis in alle Ewigkeit aus? Warum sollen die Menschen dort nicht genauso Chancen auf einen Neuanfang haben wie ein deutscher Staatsbürger? Warum verdienen wir Gnade und die ewige Rache?
    Die meisten Entwicklungsländer waren mal europäische Kolonien. Und wenn wir Deutsche heute noch moralische Verantwortung tragen wegen 12 Jahren Nazizeit und davon 5 Jahren Holocaust, dann auch wir Europäer alle gemeinsam wegen 600 Jahren Kolonialverbrechen.
    Man darf eines nicht vergessen: Kredite kommen immer mit Zinsen. Man muss mehr Geld zurück zahlen als man geliehen hat. Unterm Strich wandert also Geld von den armen in die reichen Länder.
    Diese Gnadenlosigkeit, diese Rachsucht hat man allerdings auch schon innereuropäisch gesehen. Erinnert sich noch jemand an die Griechenlandkrise 2014?

    Wir brauchen endlich ein internationales Insolvenzrecht.
    Im 20. jahrhundert hat es ja schon sehr gut geklappt, ein internationales Seerecht zu entwickeln. Warum nicht endlich auch ein internationales Insolvenzrecht?
    Viele der Regeln im AT sind aus heutiger Sicht Schwachsinn, aber es gibt auch ein paar sehr gute und wichtige darunter. Zb das Erlassjahr. Nach 50 Jahren sollten alle Schulden gestrichen werden, Sklaven freigelassen werden, Land zurückgegeben werden.

    • Wanda
      15.04.2020, 16:02 Uhr.

      1. Die Nichtreligiösen machen lediglich kein solches Aufheben um ihre Spenden oder Aktionen. Im Übrigen zahlt jeder Bürger mit seiner Steuer in DEU ganz automatisch auch für die Kirchen ein, ob er ihnen nun angehört oder nicht… 2. Zum wie Sie meinen teilweise Schwachsinn im AT: da gibt’s durchaus Dümmeres neueren Datums „Das Weib schweige in der Gemeinde“ 1. Korinther 14:34 oder „Ein Weib lerne in der Stille mit aller Untertänigkeit“ 1. Thimotheus 2:11,12… Und was die weisen Kirchenväter teilweise Haarsträubendes über die Frauen losgelassen haben, will ich hier nicht weiter ausführen. Das kann jeder selbst nachlesen…

      • Carla Maltese
        15.04.2020, 21:18 Uhr.

        1. JEDES Hilfswerk macht zwangsweise „Aufheben“ um sich herum, egal ob religiös oder religionsneutral. Schon weil man nichts erreicht wenn einen niemand kennt und niemand weiß was das ganze soll. Was meinen Sie warum ich es so viel davon habe daß ich beim THW bin? Weil ich noch die letzten Jahre Wehrdienst miterlebt habe, wo das THW nur als Halde für bocklose Jungs galt und sonst kaum einer wusste wer wir sind! Leider auch die Feuerwehren wenig mit uns anfangen konnten!
        Fundraising, Nachwuchsgewinnung, Rechenschaft beim Bundesrechnungshof, mit so Krempel hat jede Hilfsorganisation zu tun, egal ob religiös oder religionsneutral. Deswegen ist es auch blöd wenn die Leute sagen: „Ich spende nur wenn da keine Verwaltungskosten dabei sind!“ Wenn wir bei Ingenieure ohne Grenzen die ganzen Hauptamtlichen abschaffen ist das nächste was passiert, daß wir die Gemeinnützigkeit aberkannt bekommen. Wir Ehrenamltiche können nämlich in unserer Freizeit nicht gleichzeitig Projekte machen und den ganzen Papierkram für die Finanzämter und den Bundesrechnungshof machen.
        Sehen wir der Tatsache doch einfach ins Auge: Es gibt religiöse Hilfsorganisationen und es gibt religionsneutrale. Ich bin in zwei sehr unterschiedlichen religionsneutralen aktiv. Aber es gibt keine ausdrücklich atheistische. Keine einzige. Ein glühender Atheist den ich kenne, der ist beim Nabu sehr aktiv, aber a) auch das offen und nicht heimlich nach dem Motto: „Ich möchte kein Aufheben darum machen daß ich der Umwelt helfe!“ und b) ist auch der Nabu religionsNEUTRAL und nicht atheistisch. Auch eine gute Freundin von mir, sie ist evangelischer Christ, ist beim Nabu aktiv.

        2. Die betreffenden Stellen aus den Paulusbriefen sollen, soweit ich informiert bin, evtl. nicht echt sein, sondern nachträglich hinzugefügt. An anderen Stellen grüßt Paulus nämlich ausdrücklich Frauen als Gemeindeleiterinnen, nennt sogar eine Apostelin Junia (von Luther zum Mann umgedichtet).

        3. Nochmal zurück zu Punkt 1: Unterm Strich bleibt es Tatsache, daß Kirche gerade jetzt nicht irrelevant ist. Die Glaubensmkongregation in Rom, die alte Inquisition, ist gerade irrelevant. Hat die gerade wichtiges zu sagen? ich habe nichts gelesen. Aber auf Pfarreiebene, auf Ebene der Caritas, der Telefonseelsorge, der christlichen Pfadfinder usw., geht gerade die Post ab!

        • Wanda
          16.04.2020, 17:38 Uhr.

          Carla Maltese 15.04.21:18
          -Es sind Ihre Probleme mit Ihrer Bibel, nicht meine. Ich zitiere nur aus der Schrift. Vielleicht sollten Sie Änderungen oder Streichungen bei den zuständigen Stellen beantragen ?

          • Carla Maltese
            17.04.2020, 13:20 Uhr.

            Es ist nicht „meine“ Bibel, es ist DIE Bibel, und ich habe auch keine „Probleme“ damit!
            Es ist wie es ist: Die Bibel fiel nicht wie Siliziumscheiben aus dem Reinraum vom Himmel, wie stockkonservative Evangelikale noch immer glauben, sie hat auch den Zeitgeist der Bronze- und Römerzeit aufgesogen.
            Das jedoch macht ihre Aussagen nicht weniger wichtig, im Gegenteil! Jesus behandelt Frauen nicht deswegen den Männern gleichrangig weil es damals allgemein üblich gewesen wäre, sondern weil es richtig so ist! Und ein allgemeiner Schuldenerlass findet sich auch deswegen nicht im AT, weil es damals überall so üblich gewesen wäre! Schließlich gibt es z.B. in Indien bis heute Schuldknechtschaft bis in die Enkelgeneration!

  • Christ343
    15.04.2020, 17:07 Uhr.

    Das Kirchenchristentum muss reformiert werden. Ein alternativer Ansatz ist die Anthroposophie. Ein anderer Ansatz ist die Öko-Theosophie (bitte googeln).

    • Wanda
      16.04.2020, 2:26 Uhr.

      Eigentlich genügte, wenn sich die Amtskirchen mit ihrem weihrauchumnebelten Pomp und Gloria ernsthaft an den armen Sandalenträger aus Nazareth erinnerten und versuchen würden ihm nachzueifern. Das wäre doch schon was, sage ich als strammer Atheist und ehemaliger Katholik.

    • Erasmus
      16.04.2020, 3:06 Uhr.

      „Ein anderer Ansatz ist die Öko-Theosophie (bitte googeln).“

      Bitte nicht googeln, sonst gibt es beispielsweise folgendes zu lesen:
      „Gott ist auf keine Weise ein ‚Schöpfer‘ (oder Verursacher oder ‚Vater‘). Die Welt existiert ‚einfach so‘.“
      Daraus leitet der Apostat „Christ-lol-343“ für seine religiöse Praxis ab:
      „Es ist unsinnig, zu beichten, Gebete zu sprechen und Heilige Messen durchzuführen. Religiöse Äußerlichkeiten können auf ein Kruzifix oder Radkreuz (in der Wohnung) reduziert werden.“

  • Carla Maltese
    15.04.2020, 21:21 Uhr.

    Die Bundesregierung will noch keine öffentlichen Gottesdienste erlauben…

    Meine Trauer hält sich in Grenzen, und ich kann auch ganz genau erklären, warum.

    Mal ehrlich: Die Maßnahmen die jetzt verlangt werden würden damit wieder Gottesdienste stattfinden: Abstand, kein Friedensgruß usw., wären so fürchterlich daß ich mich im Gottesdienst garantiert unwohl fühlen würde und ich mir nicht vorstellen kann, daß so überhaupt eine angemessene Stimmung für einen Gottesdienst zustandekäme. Da haben wir doch per Video- und Telefonkonferenz mehr davon, denn daheim vor dem Rechner müssen wir nicht alle verkrampft aufpassen, nur ja nicht den Abstand zueinander zu unterschreiten und *bla*.

    Ich darf nächste Woche für ein paar Tage wieder ins Büro, nicht dauerhaft sondern nur für ein paar Tage wegen einem Projekt das enge Abstimmung erfordert, aber ich werde das Auto nehmen, weil ich mich bei der letzten Straßenbahnfahrt mit dem ganzen Zwang, ja Abstand zu allen anderen zu halten definitiv sehr unwohl gefühlt habe. Es war einfach nur scheußlich.
    Und so auch noch Gottesdienst machen sollen? Den besten Freunden aus der Gemeinde die Hand nicht geben dürfen? *graus*
    Da ist es schöner per Videokonferenz.

    • Wanda
      18.04.2020, 1:31 Uhr.

      Naja, man könnte schon Gottesdienste erlauben, wenn man sich die gewöhnlich leeren Bankreihen vor Augen führt. Da wären sogar behördlich verordnete 5m-Distanzen zum Nächsten überhaupt kein Problem und die Kirche wäre immer noch nicht gefüllt. Einzig zur Kommunionspende müsste man sich doch etwas überlegen. Ketzerischer Vorstellung: sich durch die Hostie mit CoVid19 (immerhin auch ein Geschöpf Gottes) zu infizieren würde wohl den standfestesten Gläubigen nachdenklich machen…

  • Yalob
    16.04.2020, 22:43 Uhr.

    Mich wundert sehr, wie vereinzelt abfällig, ja hochnäßig über die Protestanten hier im Block geurteilt wird. Pharisäerhaft! Wenn es schicklich ist, werde ich kongret, ich denke dabei an BERNARDO. Bitte nicht vergessen, das ist inzwischen auch von höchster kath. Stelle so gesehen, wir sind alle CHRISTEN. Das noch Trennende kann, mit etwas gutem Willen und einem Verzicht auf Traditionen, die nichts mit den Aussagen von Christus zu tun haben, sondern menschengemacht sind, überwunden werden.

    • Carla Maltese
      17.04.2020, 13:26 Uhr.

      Ich nehme mal an daß berbardo das als Einzelkritik an Bedford-Strohm meinte.

      Aber im Prinzip haben Sie recht: Auf protestantischen Christen herumzuhacken, nur weil es Protestanten sind, ist ein sehr mieses dreckiges Verhalten. Es ist Sünde.
      Hier ist keiner mehr Christ als Herr Bedford-Strohm oder Frau Käßmann!

    • Erasmus
      17.04.2020, 19:23 Uhr.

      „Mich wundert sehr, wie vereinzelt abfällig, ja hochnäsig über die Protestanten hier im Block geurteilt wird.“

      Ich glaube es geht gar nicht um Katholizismus gegen Protestantismus, sondern darum, dass sich eine rechtslastige […]* daran stößt, dass der Ratsvorsitzende der EKD, Heinrich Bedford-Strom, aus seinem christlichen Selbstverständnis gesellschaftspolitische Konsequenzen zieht. So appellierte der Bischof insbesondere an die, „denen es finanziell gut geht“, solidarisch zu sein, wenn es um die durch Corona bedingten enormen finanziellen Lasten geht. Und in seiner Osterpredigt forderte er, „Menschen endlich aus Flüchtlingslagern heraus(zu)holen.“

      BERNARDO zitiert in seinem Beitrag einen Tweed des Twitter-Kanoniers (1200 Tweeds in weniger als 6 Jahren) und Professors für Medienwissenschaften, Norbert Bolz, vom 11. April:
      „Mich würde interessieren, ob es irgendeine Verbindung zwischen Herrn Bedford-Strohm und dem Christentum gibt.“

      Wes Geistes Kind dieser neoliberale, rechtkonservative Emeritus ist, belegt – in aller Offenheit – dessen Tweed vom 8. Januar:
      „Bedford-Strohm, Marx und Franziskus markieren sicher einen Tiefpunkt des Christentums; aber eine 2000 Jahre alte Institution wird auch das überstehen.“

      *Der Beitrag wurde wegen des Verstoßes gegen die Netiquette editiert.

      • Carla Maltese
        20.04.2020, 10:50 Uhr.

        Ich bin nicht auf dem Laufenden was Bedford-Strohm genau gesagt hat, ich habe seine Ansprache leider verpasst. Daher habe ich auch berbardos Kritik so stehenlassen ohne mich dazu zu äußern.

        Aber es stimmt schon: So wie wir bernardo hier kennen ist für ihn das Christentum, nun ja, Kulturgenuss für die Oberschicht, nicht etwas was zu Kosequenzen Richtung Solidarität, Hilfe für Notleidende, Schutz des Lebens nicht nur bis zur Geburt sondern auch nach der Geburt, usw. verpflichtet.

        Drücken wir es mal so aus: er hat seinen Glauben, aber das ist nicht meine Religion. In Verbindung mit dem Evangelium bringe ich diesen Glauben jedenfalls nicht.

  • Silberdistel
    17.04.2020, 6:27 Uhr.

    „Ein leerer Petersplatz, ein leerer Petersdom…“
    Was symbolisiert mehr Gottverlassenheit? Oder sollten eher Christen Gott verlassen haben?? – Priester in der Ausbildung werden, ähnlich Soldaten, regelrecht einkaserniert. Als geweihte Priester sieht man sie in der Stellung zwischen den Engeln und den Menschen, am gewohnten gesellschaftlichen Leben nehmen sie daher nicht teil, schon aufgrund der eingegangenen Zölibatverpflichtung. Wenn sich dem so verhält, dann will ich diese derart trainierten „Soldaten Gottes“ – lieber würde ich die Bezeichnung ´Advocati Dei´ verwenden, doch die trifft es nicht so – an forderster Front sehen!
    Ich will mir nicht anmaßen zu behaupten, das ich verstanden hätte was der Christus will. Doch manchmal frage ich mich, ob das bei denen die sich das zur Berufung erkoren haben, der Fall ist. Was ist also nun mit dem Kernthema: „Dem Licht der Welt“ (Joh 8,12); der „Frohen Botschaft“ desjenigen, der nicht nur beispielhaft den ewigen Gegenspieler, sondern sogar den Tod überwunden hat. Was wir an Ostern als Christen doch regelmäßig feiern! Wie steht es also mit uns Christen, die wir Seinen Namen tragen, gerade wenn es einmal brenzlig wird?
    Bei Juden – und Jesus war Jude – war und ist die Verbindung zwischen Gott und den Menschen noch viel unmittelbarer, bis in den Alltag hinein. Wie tröstlich die alten Psalme, die noch von dieser engen Verbindung künden, wie etwa der herrliche Psalm 23: „Der HERR ist mein Hirte…“.
    Die Christen haben eine besondere Verantwortung, vor der sie nicht kneifen sollten. Wie etwa Petrus, als er den Christus unmittelbar nach der Kreuzung verleugnete. Und ja, natürlich aus lauter Angst, Existenznot heraus. Gegen die allerdings der Christus mit seiner „Frohen Botschaft“ angetreten war.
    Immerhin stand der Papst mit seiner halben Lunge auf seinem Platz. Allerdings allein…
    Und noch ein Wort zum staatlichen Gottesdienstverbot: Ein Zeichen mehr, wie einnivelliert Ritualdienstleistungskonzerne dem fast schon unterwürfig folgen, ihr Alleinstellungsmerkmal widerstandslos gegenüber der Weltlichkeit aufgeben. Sodaß sie zu anderen staatlichen Organen, oder gar politischen Parteien, derart banalisiert schon gar nicht mehr unterscheidbar sind.

    • Carla Maltese
      17.04.2020, 12:53 Uhr.

      Ich teile Ihre Kritik daran, angehende Priester in diesen Seminaren zu kasernieren. Was soll das?? Sinnvoller wäre eine breite Ausbildung die viel Gemeindeleben und Einblick in kirchliche Organisationen wie Caritas oder Bahnhofsmission bietet.

      Was das Gottesdienstverbot angeht:
      Jetzt wieder Gottesdienste zu erlauben mit Anwesenheit der Gemeinde im Kirchengebäude wäre eine fürchterlich verkrampfte Angelegenheit. So kann man keinen Gebetsathmosphäre machen: Jeder ist damit beschäftigt, nur ja den Abstand zu allen anderen einzuhalten…
      Da ist der Gottesdienst wie wir ihn jetzt haben, per Video- und Telefonkonferenz viel schöner. Wenn wir hinterher noch miteinander sprechen, dann ist das durchaus eine lockere entspannte Athmosphäre. Wenn wir uns dagegen jetzt alle in der Kirche live treffen würden, müssten wir uns alle aus dem Weg gehen wie schlimmste Feinde. BÄH!!!

      • Silberdistel
        17.04.2020, 21:01 Uhr.

        Carla Maltese
        17.04.2020, 12:53 h
        Da haben sie etwas hinein interpretiert, garniert mit sehr persönlichen Befindlichkeiten, was jedoch keineswegs in meinem Kommentar geschrieben stand! Die besondere Rolle der Priester, bzw der auszubildenden Priester, macht eben deren ganz besondere gesellschaftliche Rolle aus: Ähnlich der ganz besonderen Rolle des Christus eben. Deshalb JA zu „Elitesoldaten“, bzw. Elite-´Advocati Dei´. Auch und gerade wenn das mit einer quasi Einkasernierung verbunden ist.
        Nein, ich bin keineswegs für ein Weg der Verweltlichung und damit Banalisierung des christlichen Glaubens, wie er heutzutage offensichtlich gesellschaftlicher ´mainstream´ ist. Ein mainstream, der im Endstadium vor Allen und Jeden kneift. Jedoch darin seine Erfüllung findet Vulven in allen Variationen zu malen, so wie geschehen auf dem letzten ev. Kirchentag. Einen mainstream allerdings, den das Schicksal von Glaubensbrüdern und -schwestern in der aller Welt, gleichzeitig völlig unberührt läßt.
        PS: Atmosphäre schreibt sich nunmal immer noch so und nicht: „Athmosphäre“.

        • Carla Maltese
          20.04.2020, 10:28 Uhr.

          Interessant, wie verstörend eine Vulva doch ist, daß man einen ganzen Kirchentag mit über 1.200 sehr unterschiedlichen Programmpunkten auf diesen einen reduzieren muss. Muss schrecklich sein, daß der weibliche Körper nicht nur zum keuschen gefühllosen Empfang des männlichen Samens gemacht ist. So schrecklich, daß man 1.199 Programmpüunkte eines Kirchentages ignoriert und nur darauf starrt.

          Und von „kneifen“ kann weder bei der Caritas noch bei der Telefonseelsorge sowie bei allen christlichen Jugendgruppen die jetzt für ältere Leute einkaufen irgendeine Rede sein.
          Wie ich schon zu Wanda sagte: Es ist gerade enorm viel christliches Leben los!
          Helfen wo man kann ist nicht „Mainstream“ sondern Christentum!

      • Novalis
        17.04.2020, 23:30 Uhr.

        Priesteramtkandidaten sollten wie normale Studierende ins Wohnheim, dort selber kochen, waschen, bügeln. Nicht gleich in die Gemeinde oder Caritas, sondern ihre Aufgabe – das Studium – ernstnehmen. Erst die Bildung, dann die Ausbildung. Erst zeigen, dass man den intellektuellen und den akademischen Herausforderungen gewachsen ist, dann der pastorale Teil. Und vielleicht sollte man die alten synodalen Beschlüsse endlich halten: Keine Weihe zum Amt vor 30.

        • bernardo
          21.04.2020, 10:01 Uhr.

          Da gebe ich Ihnen recht. Ich finde auch, sie sollten erst einmal ein anderes Studium oder eine Lehre absolviert haben und ein, zwei Jahre in einem Job gearbeitet haben.

  • Silberdistel
    21.04.2020, 8:07 Uhr.

    „In Deutschland ist seine Stimme in diesen Tagen kaum zu vernehmen“.
    Ehrlich gesagt, wenn nur noch die jeweiligen apokalyptischen Hypes des gerade aktuellen mainstreams bedient werden, die man ohnehin als tagtägliche Kost des angeblichen ´Informationszeitalters´, meist völlig unfreiwillig aufgetischt bekommt, dann mag man auch nicht mehr so richtig hinhören! Dann hätte das Christentum sein Alleinstellungsmerkmal, nämlich das „Licht der Welt“ (Joh. 8:12) zu sein, verloren. Wird und wirkt profan, banal, austauschbar, letztlich weltlich und damit übergehbar, übersehbar.

    Und diejenigen, die sich gerne keifend auf einen solchen Kommentar wie diesen stürzen, weil doch gerade ein guter Christ die Welt zu retten habe, für die Klimarettung zu kämpfen, alles Leid dieser Welt bei sich Zuhause aufzunehmen habe, sein Hab und Gut mit Jedem und Allen zu teilen habe; Jede*r der nicht spätestens bei 3 darin hüpfend mit einstimmt als politisch ´rechtslastig´ gilt; dem antworte ich, das dies nur leere Forderungen an Christ*innen sind. Denn jemand der Gott kennt, der liebt die Natur, liebt die Menschen, weil er in allem Gott erkennen kann. Allerdings ohne das er glaubt, das er damit die Welt retten würde. Denn die Welt ist nicht zu retten, die erfindet immer nur neue Hypes der Angst. Und das ist das eigentliche „Licht in der Welt“, welches nicht jedem Hype, jeder Angst hinterherzulaufen braucht. Das kann man ruhig einmal ganz deutlich demonstrieren! Dann schauen vielleicht wieder mehr hin, bzw. hören zu.

Kommentare geschlossen

Dieser Beitrag kann nicht länger kommentiert werden.