Ein Oscar für die Aufklärung

Er solle Ansporn sein, auf dem Weg der kritischen Berichterstattung über die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche voranzugehen. So sehen es Opferverbände nach dem Oscar für „Spotlight“ als bestem Film heute Nacht in Los Angeles. In dem Reporterdrama geht es um ein Team des „Boston Globe“, das den Missbrauchsskandal in den USA mit aufgedeckt hat. Wenige Stunden vor der Verleihung musste in Rom zum ersten Mal der australische Kardinal George Pell im Rahmen einer Videoschaltkonferenz vor der staatlichen Untersuchungskommission seines Heimatlandes aussagen. Dabei gestand er ein, die Kirche habe „enorme Fehler“ gemacht beim Umgang mit dem Thema Missbrauch. „Ich und andere in der Kirche haben versagt in unserer moralischen und pastoralen Verantwortung“, so Pell nach Medienberichten. Zugleich wies er aber bewusstes Fehlverhalten zurück.

Kardinal George Pell stand per Videoleitung der Untersuchungskommission in Australien Rede und Antwort. (Quelle: reuters)

Kardinal George Pell stand per Videoschalte der Untersuchungskommission in Australien Rede und Antwort. (Quelle: reuters)

Erstes von mehreren Videoverhören

Kardinal Pell gab gesundheitliche Gründe an, warum er nicht nach Australien reisen könne. Opferverbände hatten kritisiert, dass die Untersuchungskommission, die von der australischen Regierung eingesetzt wurde, der Videovernehmung zugestimmt hatte. Mehrere Opfer reisten aus Australien an und waren in dem Saal in einem römischen Hotel zugegen, in dem Pell seine Aussage machte. Opferverbände werfen Pell vor, dass er an der Vertuschung von Missbrauchsfällen mitgewirkt habe. Vergangene Woche war auch berichtet worden, es gebe Ermittlungen gegen Pell selbst wegen Missbrauchs Minderjähriger. Diesen Vorwurf hatte das Büro Pells in Rom umgehend entschieden zurückgewiesen. Der Kirchenmann erklärte sich zu persönlichen Begegnungen mit ihnen bereit. Pell gab zu, dass er beim Aufkommen von Verdachtsmomenten beschuldigten Priestern mehr Vertrauen geschenkt habe als den Opfern: „Ich muss sagen, dass in jenen Tagen, wenn ein Priester eine solche Aktivität leugnete, ich sehr dazu geneigt war, das Dementi zu akzeptieren.“

Pell hat sich bei der ersten Anhörung nicht die Sprachregelung zu eigen gemacht, die bis heute von Kurienvertretern zu hören ist, die das Problem kleinreden möchten. „Ich bin nicht hier, um das Unhaltbare zu verteidigen“, sagte er zu Beginn der Videokonferenz. Die Kirche habe an vielen Orten und „gewiss in Australien die Dinge ruiniert und die Menschen enttäuscht“. Viel zu lange seien glaubhafte Vorwürfe sexuellen Missbrauchs „in absolut skandalösen Umständen“ verworfen worden. In den Fällen, um die es in der ersten Befragung ging und die sich vor allem auf die Diözese Ballarat bezogen, wies Pell die Verantwortung für Vertuschung und Versetzung von verdächtigen Geistlichen zurück. Pell war in dieser Zeit Priester in dem Bistum gewesen und später dann Weihbischof von Melbourne. Der 74-jährige Kirchenmann, der aktuell vatikanischer Finanzminister ist, muss sich in dieser Woche noch weiteren Videoverhören stellen. Es wird Zeit, dass Licht ins Dunkel des Missbrauchsskandals in Australien kommt. Pell kann dazu entscheidend beitragen, denn als Erzbischof von Melbourne (1996-2001) und Sydney (2001-2014) gehörte er zu den prägenden Kirchenmännern des Landes und entschied so auch über den Kurs der Aufarbeitung mit.

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Jürgen Erbacher

Seit Juli 2018 leite ich die ZDF-Redaktion "Kirche und Leben katholisch", für die ich seit 2005 über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche berichte. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.

33 Kommentare

  • Silberdistel
    29.02.2016, 18:14 Uhr.

    Gibt’s denn nicht auch schon einen Oscar für Vertuschung, Verharmlosung, Nebelkerzen werfen, Abwiegeln, Blenden, als ‚Gesamtkunstwerk‘? – Wenn ja, könnte man ohne viel Überlegung von alleine darauf kommen, wer sich dafür aus dem Stand heraus aussichtsreich nominieren dürfte… ?

  • Wanda
    29.02.2016, 18:24 Uhr.

    – Wird Papst Franziskus wohl nicht sehr freuen: man könnte umformulierend argumentieren, letztlich habe die rk Amtskirche über den fragwürdigen Umweg des Themas Missbrauch einen(2) Oscar erhalten…
    – Scheint aber in gewissen Kardinals-Kreisen nicht viel zu bewirken, wie das argumentative Rumeiern von Kardinal Pell vermuten lässt…

    • JasJu
      01.03.2016, 12:28 Uhr.

      Zwar ist sexueller Mißbrauch in der Kirche nicht verbreiteter als in anderen Organisationen wie etwa Sportvereinen; er ist aber doppelt verwerflich, weil die moralische Vorbildfunktion kirchlicher Mitarbeiter und Priester weit höher ist. Zumindest bei letzteren muß in der Auslese viel strenger auf deren seelische Gesundheit geachtet werden. Daß es sich bei den Übergriffen zu 80% um Ephebophilie handelt und Knaben in der Adoleszenz die Opfer sind, zeigt, daß ein Personenkreis, dessen sexuelle Ausrichtung in Unordnung ist, niemals Priester werden darf. Wie auch unter Papst Benedikt mit Nachdruck bekräftigt. Und das ist gut so.

      • Doktor Krakebusch
        04.03.2016, 22:55 Uhr.

        Und so schiebt man denn sexuellen Missbrauch auf Homosexuelle, und rechtfertigt gleichzeitig, Homosexuelle auch weiterhin diskriminieren, und wie Dreck behandeln zu dürfen/behandelt zu haben. Glückwunsch zu der Einfältigkeit/Boshaftigkeit.

        Wer Pädophilie mit Homosexualität vermengt, und nicht berücksichtigt, dass es bis zu einer gewissen Zeit z.B. ausschließlich Ministranten für die zahlreichen Ersatztäter gab, der hat von der ganzen Materie so gar keine Ahnung.

        „…dessen sexuelle Ausrichtung in Unordnung…

        In Unordnung ist allein die Fixierung auf Sexualität jedweder Weltreligion.

        „…unter Papst Benedikt mit Nachdruck bekräftigt…“

        Hat er bei der Bekräftigung den hübschen Hut getragen?

        • Alberto Knox
          06.03.2016, 18:46 Uhr.

          ich weiß auch beim besten willen nicht, wo b16 wirklich der aufklärung gedient hat. in amerika war er ja zu feig, missbrauchsopfer zu treffen, die mit der kirche nichts mehr am hut haben – er wollte bloß „katholische“ opfer sehen. die stellen nämlich keine kritischen fragen. er selber hat ja auch vertuscht – z.b. im fall murphy.

  • Bluebeardy
    01.03.2016, 16:47 Uhr.

    „Ich bin nicht hier, um das Unhaltbare zu verteidigen“

    Das sieht Kardinal Müller in einem Interview der Berliner Zeitung
    „Was ist im Islam anders als im Christentum?“ aber auf S.3 völlig anders –

    und Pater Mertes moniert im KStA:“Welche Konsequenzen hat er aus seinem Versagen als Bischof von Regensburg gezogen, wo er einen übergriffigen Pfarrer wieder zum Dienst zugelassen hat, der sich dann prompt erneut an Kindern vergangen hat? Merkt er nicht, dass er heute als Verantwortlicher für die Strafverfolgung der Täter ein massives Glaubwürdigkeitsproblem hat?“ In der Kirche fehle es insgesamt immer noch an der Bereitschaft, „sich den System- und Strukturfragen zu stellen, die vor allem in der Sexualmoral der Kirche und in ihrer Organisation der Machtzuteilung liegen, die nach wie männerbündig und von Intransparenz geprägt ist“

    • Alberto Knox
      04.03.2016, 10:37 Uhr.

      ich sehe das auch so. kardinal müller ist ein vertuscher. er muss weg.

  • Alberto Knox
    02.03.2016, 17:06 Uhr.

    mei, ob pell oder ratzinger oder müller – die tragen alle verantwortung und schuld für missbrauch und vertuschung.

  • Wanda
    04.03.2016, 1:19 Uhr.

    – Papst Franziskus nennt angeblich die Flüchtlingskrise eine „arabische Invasion“, aus der aber Chancen entstehen würden. Gleichzeitig warnt er wegen der diesbezülichen Herausforderungen vor nationalen Egoismen…
    Trifft das zu ?
    P.S. Wortbedeutung lt. Duden: feindliches Einrücken (oder Einfall) militärischer Einheiten in fremdes Gebiet.
    Die Synonyme sagen das Gleiche…

    • Jürgen Erbacher
      Jürgen Erbacher
      04.03.2016, 9:53 Uhr.

      Ja, Papst Franziskus hat laut Vatikanzeitung L’Osservatore Romano bei einer Begegnung mit Vertretern der französischen Sozialbewegung „Poissons Roses“ in seiner Residenz Santa Marta am Dienstag gesagt: „Wir können heute von einer arabischen Invasion sprechen. Das ist eine soziale Tatsache.“ Weiter stellte er dann fest, dass daraus neue Chancen erwüchsen. Europa habe in seiner Geschichte viele Invasionen erlebt, „aber es hat immer über sich selbst hinauswachsen, voranschreiten können, um sich dann, bereichert durch den Austausch der Kulturen, wiederzufinden“.

      • Wanda
        04.03.2016, 17:15 Uhr.

        – nicht, dass mir der hochklerikale Hofstaat um den Papst leid tut, aber es ist schon beachtlich, wie dieser nach jedem Interview seiner Heiligkeit versucht, dessen Äusserungen wieder einzufangen und zu relativieren. Einem aufgescheuchten Hühnerhaufen nicht unähnlich.
        Einen derartigen Interpretationsbedarf gab es bei den Vorgängern von Franziskus nicht, das steht jedenfalls fest…

      • Silvia
        05.03.2016, 0:37 Uhr.

        Wie ich im Internet herausgefunden habe, soll aber im Italienischen „Invasion“ die Bedeutung von Völkerwanderung oder Einwanderung haben, also keine kriegerische Bedeutung.

        Das würde auch erklären, warum der Papst darin eine Chance für Europa sieht, worin ich ihm übrigens nicht zustimme.

        • Wanda
          05.03.2016, 19:25 Uhr.

          – tut mir leid Silvia: die erste und hauptsächliche Bedeutung von „invasione“ ist Einfall, feindlicher Einmarsch oder eben Invasion. Da beisst die Maus keinen Faden ab.
          Und Zuwanderung/Einwanderung ist eindeutig: „immigrazione“.
          Nur sehr konstruiert könnte Völkerwanderung übersetzt werden, aber dazu bräuchte es dann doch eine nähere Erläuterung: „invasione barbarica“.
          – Wie auch immer Franziskus das gemeint haben mag, halten wir ihm zugute es unglücklich formuliert zu haben. Man muss sich wohl daran gewöhnen. Spielt halt denen in die Hände, die gegen ihn sind…

        • Alberto Knox
          05.03.2016, 20:55 Uhr.

          warum ist es keine chance, wenn jemand anderes kommt und uns eine neue sicht auf die welt bringt?

      • Silberdistel
        05.03.2016, 9:56 Uhr.

        Von B16 gab es einen ähnlichen gelagerten diplomatischen Fauxpas, die „Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat“-Rede 2006. Hinterher war es mühsam das so zerschlagene Porzellan der guten Beziehungen unter den beiden Weltreligionen wieder zusammen zu pappen. Auf so hoher Ebene, und immerhin ist ein Papst auch höchster Diplomat seines Staates, des Vatikan, darf derartiger Dilettantismus nicht vorkommen. Gibt es da keine Berater (vom hl. Geist ganz zu schweigen), die mal rechtzeitig den Papst durch beherzte Knuffe oder Tritte ans Schienbein stoppen?
        PS: Der Umkehrschluss ließe durchaus die Behauptung zu, das nicht erst seit Afghanistan oder Irak eine christliche Invasion im arabischen Raum, und zwar hardcore militärisch, zu Gange ist. Derart argumentativ von islamischen Gelehrten aufgenommen, wäre man wohl in einer äußerst prekären offiziellen Sprachregelung gelandet.

        • Wanda
          05.03.2016, 19:29 Uhr.

          Silberdistel 09:56
          – natürlich gibt es Berater, fragt sich nur in welchem Sinne (und mit welcher Absicht) die agieren ?
          Tretminen gibt es überall und für diesen Papst sind erst recht zusätzliche ausgelegt worden…

          • Silberdistel
            07.03.2016, 21:51 Uhr.

            Wie das @zdf aktuell berichtet, hat man im oberbayrischen Zorneding „Invasion“ derweil ganz wortwörtlich genommen und den einzigen wirklich ´Schwarzen´ Gemeindepfarrer Ndjimbi-Tshiende, der es wagte gegen die hinter diesem Begriff stehende Intension öffentlich zu intervenieren, mit Morddrohungen verjagt. Eine traurige Veranstaltung, geschehen unter dem Oberbegriff des „Hohen C“.
            Zeigt, wie man manche Wortwahl unter manchen Gegebenheiten vorher lieber auf Goldwaage legt. Wer schenkt Papst Franziskus also demnächst eine gut funktionierende Goldwaage?

      • bernardo
        05.03.2016, 16:40 Uhr.

        Hmm, es wäre besser, wenn der Papst mehr über die „basics“ (über Sünde, Gnade und Erlösung) reden – und weniger politisieren würde. Anfangs dachte ich, der Papst sei im Gegensatz zu seinem Vorgänger zwar kein so großartiger Theologe, aber doch ein gewiefter Politiker. Leider kann ich das nicht mehr feststellen. Richtig, es ist eine Invasion, welche positiven Wirkungen die massenhafte Einwanderung, um ein neutraleres Wort zu benutzen, junger, muslimischer Männer auf alternde Gesellschaften hat, vermag ich nicht zu erkennen. Ich sehe auch nicht, dass Invasionen immer positive Resultate gezeitigt hätten. Ein Blick in die Geschichte bestätigt die Aussagen des Papstes nicht. Am besten hätte sich der Papst zu dieser politischen Problematik gar nicht geäußert.

        Es tut mir leid, das feststellen zu müssen, aber nach einem politischen Giganten, der übrigens viel zurückhaltender mit politischen Aussagen war, (JP II) und einem theologischen Giganten (B XVI) haben wir es jetzt mit einem Leichtgewicht zu tun. Schade. Inzwischen scheinen auch viele Landsleute des Papstes enttäuscht zu sein wie die WELT berichtet.

        • Wanda
          05.03.2016, 19:42 Uhr.

          – bin nicht ganz Ihrer Ansicht: dieser (für mich ehrlichere) Papst, der an den Privilegien der Kurie und des Klerus insgesamt sowie an manch anderen der zahlreichen Verkrustungen der Amtskirche kratzt, bekommt logischerweise einen anderen und heftigeren Gegenwind zu spüren als seine Vorgänger. Da genügt der geringste Anlass.
          Wir werden noch einige Intrigen um Franziskus erleben, das ist sicher. Und seine Art von Stellungnahmen und Interviews frisch und frei aus der Hüfte heraus, macht es seinen Gegnern natürlich leicht…

          • bernardo
            06.03.2016, 11:52 Uhr.

            Was die Verkrustungen der Kurie angeht, bin ich ganz bei Ihnen, Wanda: Das habe ich auch nie kritisiert, sondern unterstützt.

        • Silvia
          05.03.2016, 19:55 Uhr.

          bernardo
          05.03.2016, 16:40 Uhr.

          Aus eben diesen Gründen hasche ich schon seit ca einem Jahr nicht mehr begierig oder hoffnungsvoll nach jeder Äußerung des Papstes und auch nicht mehr nach jedem Zeichen oder Signal, das er gibt.

          Mir sind die Widersprüche oder Unklarheiten zu groß und ich habe keine Lust mehr, die Kommentare der diversen Papstinterpreten zu lesen, die sich dann ihrerseits natürlich widersprechen müssen, bei so viel Interpretationsspielraum.

          Selbst die Enttäuschung, die ich früher oft empfunden habe, hat sich gelegt bzw. in eine gewisse Gleichgültigkeit verwandelt.

          Gespannt bin ich allerdings auf sein nachsynodales Schreiben und ob dieses den gesamten Aufwand im Vorfeld rechtfertigen wird.

          • bernardo
            06.03.2016, 11:51 Uhr.

            Mir geht es auch wie Ihnen, Silvia. Ich bin nicht einmal gegen Franziskus, sondern er ist mir gleichgültig geworden. Bei den deutschen Bischöfen, den Marxens, Woelkis und Kochs, ist es anders: Mich ärgert massiv, dass sie sich nicht für die orientalischen Christen einsetzen. Jeder Furz eines AfD-Politikers ruft bei diesen Leuten ein größeres Echo hervor als das Sterben der christlichen Gemeindem im Irak und in Syrien.

          • Silvia
            08.03.2016, 11:15 Uhr.

            bernardo
            06.03.2016, 11:51 Uhr

            Dem habe ich nichts hinzu zu fügen außer:

            Volle Zustimmung, sehe ich genauso!!!!

          • Silvia
            08.03.2016, 13:26 Uhr.

            Übrigens gibt es bei mir den berühmten „Franziskus – Effekt“:

            Nach drei Jahren Papst Franziskusbin ich, bis dahin eine überzeugte Reformkatholikin, ins gemäßigt konservative Lager abgewandert.

            Was nicht heißen soll, dass ich mir keine Reformen mehr wünsche (z.B. Pflichtzölibat) vor allem aber wünsche ich mir eine klar katholische Lehre, keine Verwirrung und vor allem keine päpstlichen Äußerungen, die theologisch nicht haltbar sind.

            Nach drei Jahren eines höchst verwirrenden Pontifikats bin ich mir zumindest über meine katholische Identität klar geworden:

            Ich bin römisch – katholisch und willes bleiben!

            Diese Erkenntnis ist doch auch was wert, oder?

            Ich habe allerdings auch einen sehr guten Priester gefunden, der mit zu dieser Entwicklung bei mir beigetragen hat. Für die Begegnung mit diesem Priester, der der jüngeren Generation angehört, bin ich Gott jeden Tag zutiefst dankbar.

    • Alberto Knox
      04.03.2016, 10:36 Uhr.

      der papst wird wohl kaum auf deutsch, vielleicht auf französisch, eher auf italienisch gesprochen haben. daher ist der hinweis auf den duden irrelevant, den „invasione“ kann schlicht auch „das massenhafte auftreten“ und „das eindringen“ bedeuten – und bei einer million flüchtlinge aus der arabischen welt kann man das wohl kaum leugnen. dass der papst den begriff wohl kaum mit negativer konnotation gebraucht hat, erschließt sich außerdem durch den kontext, auf den herr erbacher hinweist.

  • bernardo
    05.03.2016, 22:31 Uhr.

    Vielleicht darf ich etwas zu „invasione“ sagen, ohne dass man mir vorhält, mich aufspielen zu wollen. „Invasione“ hat im Italienischen einen negativen Beiklang, man denkt an die „invasioni barbariche“, die im Deutschen beschönigend „Völkerwanderung“ genannt wird. „Eindringen“ würde ich eher mit „penetrazione“ übersetzen als mit „invasione“, das gilt für den sexuellen wie für den nicht-Sexuellen Bereich.

    • Alberto Knox
      06.03.2016, 18:43 Uhr.

      „invasione“ kann, muss aber nicht im italienischen eine negative konnotation haben. und bei den papstworten hat „invasione“ sichtlich keine negative konnotation. soviel korrekte sprachwissenschaft muss auch ein muttersprachler (der ja keineswegs alle nuancen seiner muttersprache kennen muss) ertragen 😉
      warum „völkerwanderung“ ein beschönigender begriff sein soll, entzieht sich meinen kenntnissen. gegenwärtige geschichtler der spätantike meiden mit guten gründen sprachliche ausdrücke, die einen verfall am ende der antike insinuieren, sondern sprechen von von „transformationsprozessen“. die in das römische reich einwandernden germanenstämme wollte ja die römische zivilisation nicht zerstören (haben das auch nicht), sondern übernehmen.

      • bernardo
        08.03.2016, 21:45 Uhr.

        Ich bin kein Muttersprachler, sondern ein Vatersprachler. 🙂
        Doch, „invasione“ hat auch im Italienischen eine negative Konnotation, wie im Deutschen und im Englischen, meiner Ansicht nach auch im Französischen und Spanischen, aber da bin ich mir nicht ganz so sicher. Warum spricht man heute von Transformationsprozessen? Weil es politisch nicht korrekt ist, von höheren und niederen Kulturen zu sprechen. Oriana Fallaci, die verstorbene Publizistin meinte einmal, man müsse heute ein Beduinenzelt und einen Renaissance-Palast, eine Bachfuge und einen Vorort-Rap auf dieselbe kulturelle Stufe stellen. Die Völkerwanderung wurde im 19. Jahrhundert von deutschen Historikern positiv gesehen, von italienischen und französischen negativ.

    • Wanda
      07.03.2016, 23:02 Uhr.

      Bernardo 22:31
      – Wenn wir schon bei der „invasione“ sind:
      Die junge saudische Journalistin Nadine al-Budair stellt in einem mutigen und höchst bemerkenswerten Artikel, der in den Golfstaaten erschien, genau umgekehrte Fragen an ihre muslimischen Altersgenossen, und zwar: Wie würdet ihr reagieren,
      – wenn junge Menschen aus dem Westen auf unseren Strassen und Plätzen Selbstmordanschläge im Namen des Kreuzes verübten ?
      – wenn christliche Priester Muslims als Ungläubige bezeichneten und davon sängen, dass Gott ihren Tod verlangte ?
      – wenn westlichen Migranten in arabischen Staaten Bildung, Sozialleistungen und Gesundheitsversorgung gewährt würde, um dann im Gegenzug einige Bürger ihres Gastlandes im Namen der christlichen Religion zu töten ?
      Danach erwähnt sie die Verfehlung der arabische Erziehung, wo der Hl. Krieg und Hass gegen die westliche Welt gelehrt wird und stellt abschliessend eine direkte Frage an die Muslime:
      – wenn die westlichen Studenten in Amsterdam, London, New York oder Paris diese Art von Lehrstoff vermittelt bekämen, würdet ihr den Aufenthalt dort verlängern oder lieber wegbleiben ?
      P.S. Bleibt nur zu hoffen, dass der Mut dieser jungen Frau keine bösen Folgen nach sich zieht…

      • Silvia
        09.03.2016, 12:25 Uhr.

        Wanda
        07.03.2016, 23:02 Uhr.

        Den Artikel habe ich auch gelesen und er führt die Absurdität unserer aktuellen Situation besonders deutlich vor Augen.

        Ich hoffe auch, dass die junge Frau ungeschoren davon kommt.

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