Der letzte Angelus

Es ist ein Abschied auf Raten, der zunehmend emotional wird. Beim letzten Mittagesgebet mit mehreren zehntausend Menschen auf dem Petersplatz heute: Tränen bei den Menschen auf dem Platz; oben am Fenster Benedikt XVI., dem die Stimme versagt. „Im Gebet werden wir immer vereint sein!“ ruft er den Menschen nach dem Segen noch zu; dann verschwindet er in seinem Büro. Jetzt gibt es nur noch drei öffentliche Auftritte des deutschen Pontifex; dann wird sich Benedikt XVI. zurückziehen.

Abschied von Benedikt XVI. (dpa)

Die Tatsache, dass er sich künftig auf Gebet und Meditation konzentrieren werde, bedeute allerdings nicht, dass er sich von der Kirche zurückziehe, erklärte der scheidende Papst heute. „Ich möchte ihr weiterhin mit derselben Hingabe und Liebe wie bisher dienen, aber auf eine meinem Alter und meinen Kräften angemessenere Weise.“ Hören und sehen werden wir aber wohl von Benedikt XVI. nach dem 28. Februar nichts mehr. Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer, Mitherausgeber der Gesammelten Schriften Joseph Ratzingers, erklärte vor wenigen Tagen, dass der Papst wohl zu Lebzeiten nichts mehr publizieren wird.

Ob der Rückzug wirklich so total sein wird, muss sich erst noch zeigen. Wäre es so, hätte das Ganze etwas unmenschliche Züge. Vor einigen Tagen zeigte sich bereits ein Kardinal besorgt darüber, ob er Joseph Ratzinger denn künftig noch besuchen könne. Wie das Leben eines emeritierten Bischofs von Rom konkret aussieht, muss sich noch zeigen. Das wird auch vom neuen Papst abhängen, wie er mit dieser Situation umgeht. Ob in naher Zukunft wieder ein Papst vorzeitig auf sein Amt verzichtet, wird auch davon abhängen, wie gut das aktuelle „Experiment“ gelingt.

P.S. Die drei letzten öffentlichen Auftritte sind: die Generalaudienz am Mittwoch, 27.2. (ab 10.15 Uhr live im ZDF), das Abschieds-Treffen mit den Kardinälen am 28.2. um 11 Uhr sowie der Abflug aus dem Vatikan in die Sommerresidenz Castelgandolfo am 28.2. ab 16.45 Uhr mit einem kurzen Gruß der Bewohner des Dorfes nach der Ankunft.

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Jürgen Erbacher

Seit Juli 2018 leite ich die ZDF-Redaktion "Kirche und Leben katholisch", für die ich seit 2005 über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche berichte. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.