Ära Bätzing geht zu Ende

Sechs Jahre war er das Gesicht der katholischen Kirche in Deutschland: Bischof Georg Bätzing. Morgen übergibt er den Staffelstab. Wie schon seine beiden Vorgänger im Amt des Vorsitzenden, Zollitsch und Marx, hört Bätzing nach einer Amtszeit auf. Das klingt nach Normalität, doch die Ankündigung Mitte Januar, dass er nicht mehr antreten werde, überraschte doch viele. Bis zuletzt rätselten die Journalisten, ob hinter der Entscheidung Bätzings tiefere Gründe liegen als die von ihm angeführte zu lange Amtsperiode von sechs Jahren. Bei der Pressekonferenz zum Auftakt der Vollversammlung warnte Bätzing angesichts der bevorstehenden Landtagswahlen noch einmal eindringlich vor einem Rechtsruck in Deutschland. Mit Blick auf die Bischofskonferenz stellte er fest, dass es auch in Zukunft hier immer Meinungsverschiedenheiten geben werde.

Hier wird am Dienstagmorgen der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz gewählt: der Kardinal Döpfner-Saal im Burkhardushaus in Würzburg. (Foto: Erbacher)

Abstimmung zur Synodalkonferenz

Zwei bis drei Jahre hätte er gerne noch gemacht. Das erklärte der 64-Jährige am Montag bei der Eröffnungs-Pressekonferenz in Würzburg. Dann hätte er etwa die Synodalkonferenz noch richtig aufs Gleis setzen können. Die ist eines der zentralen Ergebnisse des Synodalen Wegs. In dem Gremium sollen Laien und Bischöfe ab November über wichtige Fragen der Pastoral und der Finanzen der katholischen Kirche in Deutschland beraten und entscheiden. Noch fehlt die Zustimmung der Bischöfe und auch des Vatikans. Die Laien hatten bereits im letzten November der Synodalkonferenz zugestimmt. Sollten die Bischöfe bei der aktuellen Vollversammlung dem Gremium nicht zustimmen, würde das den gesamten Synodalen Weg infrage stellen. Die Abstimmung wird bereits der neue Vorsitzende leiten.

Bischof Bätzing nutzte seine letzte Pressekonferenz als Vorsitzender, um noch einmal eindringlich zum Engagement für eine freiheitliche und demokratische Gesellschaft aufzurufen. „Wir müssen Menschen in unserem Land aktivieren, für Demokratie und Menschenwürde aufzustehen und sich zu engagieren“, so Bätzing. Hier sehe er besonders auch die Kirchen in der Pflicht, die zum gesellschaftlichen Diskurs beitragen müssten. Er warnte vor der AfD, sprach sich zugleich aber gegen ein Parteiverbotsverfahren aus. „Die demokratischen Kräfte im Land müssen zeigen, dass die Partei überflüssig ist“, mahnte der Bischof. Denn sie biete nur Scheinlösungen an, keine echten. Zudem sei sie im Regieren nicht geübt, sondern nur im Kritisieren. Durch ein Verbot seien die Wähler der Partei nicht weg, denen die AfD anscheinend aus dem Herzen spreche, was die Probleme im Land angehe. Diese müssten politisch gelöst werden.

Keine Kandidaten, viele Namen

Mit Spannung wird die Wahl des Nachfolgers von Bätzing erwartet. Am Dienstagmorgen wählen die 56 anwesenden Bischöfe und stimmberechtigten Administratoren der Bistümer Münster und Eichstätt den neuen Vorsitzenden. Überraschungen sind nicht ausgeschlossen. Meist genannt sind die Bischöfe Wilmer, Jung und Bentz. Letzterer ist allerdings erst seit zwei Jahren Diözesanbischof in Paderborn. Das könnte gegen ihn sprechen. Allerdings könnte Bentz für beide Lager in der Bischofskonferenz mehrheitsfähig sein. Bischof Franz Jung ist in wenigen Wochen Gastgeber des nächsten Katholikentags und hat sich über die Diözesangrenzen hinaus als Chef des Verbands der Diözesen Deutschlands einen Namen gemacht, den er seit 2020 leitet. Jung hat in Rom studiert, spricht daher Italienisch, was für die Kommunikation mit der Kurie von Vorteil ist. Das trifft auch auf den Hildesheimer Heiner Wilmer zu. Der lehrte ein Jahr an einer Schule seines Ordens der Herz Jesu-Priester in den Bronx und ist in der Bischofskonferenz für soziale Fragen zuständig. Der Trier Bischof Stephan Ackermann wurde zuletzt seltener als möglicher Nachfolger benannt. Hier ist unklar, ob beim Thema Missbrauchsaufarbeitung im eigenen Bistum noch zu viele Fragen offen sind. Schließlich fällt der Name des Mainzer Bischofs Peter Kohlgraf. Er dürfte vielen Konservativen zu links sein, weil er sich für queer-sensible Seelsorge einsetzt und beim Thema Frauenordination eine Debatte für sinnvoll hält und einmal erklärte, die Einwände Roms dagegen überzeugten vielfach nicht.

P.S. Über dieses Thema berichtete ZDFheute im „Ausblick für Montag, 23. Februar 2026“ am 22.02.2026 um 21:30 Uhr.

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Jürgen Erbacher

Seit August 2024 leite ich die ZDF-Redaktion "Religion und Leben", in der die Redaktion "Kirche und Leben katholisch", deren Leiter ich seit Juli 2018 war, aufgegangen ist. Für das ZDF arbeite ich seit 2005 und berichte über Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.

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