Was ist "Social Entrepreneurship"?
Ein kleiner Nachtrag noch zu unserer Reise durch den Norden: In Hamburg treffen wir zwei Jungunternehmer, Tim Linde und Markus Ritter, die uns ein Beispiel geben wollen für den Paradigmenwechsel, der sich zur Zeit in Wirtschaft und Gesellschaft vollzieht. Mit ihrem Start-Up-Unternehmen VIS A VISTA sind die beiden sehr erfolgreich. Etwas knapp und salopp formuliert: Sie verfilmen Gebrauchsanweisungen für Unternehmen und ermöglichen so die Konservierung von Wissen für die Zukunft. Zum Beispiel in der Flugzeugindustrie, wo in dreißig Jahren in vielen Ländern der Welt Ersatzteile benötigt und verarbeitet werden, obwohl die Flugzeuge selbst gar nicht mehr hergestellt werden.
Die Filme ersetzen dicke Gebrauchsanweisungen und deren teure Übersetzung. Mit dieser Idee arbeiten die beiden für große Industrieunternehmen und haben ihre Firma praktisch aus dem Nichts ohne Fremdfinanzierung aufgebaut. Obwohl sie längst auf Expansionskurs sein könnten, setzen sie weniger auf schnelles Wachstum, sondern engagieren sich sozial. Zum Beispiel indem sie keine aufwändigen Weihnachtsgeschenke an Kunden verschicken, sondern eine Spende ausloben: 2000 Euro und einen Imagefilm für ein soziales Projekt.
Wir fahren zusammen in den Hamburger Süden, wo im Hafen Europas letzter aktiver Frachtsegler ankert: die „Undine". Dieses Schiff wird heute zur Betreuung schwer erziehbarer Jugendlicher genutzt, die im Sommer mehrere Wochen auf See Abstand von schädlichen Milieus gewinnen sollen und lernen, mit sich und anderen klar zu kommen. In diesem Jahr werden Tim und Markus die Jugendlichen auf ihrer Reise begleiten, um einen Film zu drehen, der das Jugendsozialprojekt des Vereins Gangway dokumentiert und an die Öffentlichkeit bringt.
„Es ist viel effektiver, ein kleines Projekt mit einer kleinen Spende gezielt zu unterstützen, als wahnsinnig viel Geld an irgendeine große Organisation zu geben", erklären uns die beiden Unternehmer, die mit den acht Jugendlichen und vier Besatzungsmitgliedern schon die ersten Filmaufnahmen gemacht haben. „Und eine solche Sachspende hilft uns als Unternehmer auch, über den eigenen Tellerrand zu blicken und nicht nur unser Gewissen zu beruhigen."
Der Paradigmenwechsel weg von einem rein gewinnorientierten Wirtschaften hin zu einer neuen Form sozialen Unternehmertums kündigt sich offenbar nicht mit großem Getöse an, sondern in den kleinen Schritten, die eine neue Generation von Unternehmern wie Tim Linde und Markus Ritter geht: „Unser Ziel ist es vor allem, die eigene unternehmerische Freiheit zu bewahren", sagt Tim und spricht dabei nicht von Gewinn, sondern von Verantwortung. Tim und Markus verstehen sich als eine Art Lebensunternehmer, die mit der Überzeugung leben, dass die optimale Entfaltung jedes Menschen auch die besten Entfaltungsmöglichkeiten für Wirtschaft und Gesellschaft bedeutet.









Sehr schönes Beispiel für "Zukunft machen", werteorientiert und innovativ, unternehmerisch erfolgreich und sozial engagiert - mehr davon!
Kai-Uwe Behrends, DGQ