Die Zukunftmacher-Tour ist vorbei. Für uns geht es weiter am Schweineplatz im ZDF. Der Ort heißt wirklich so, wenn auch inoffiziell. Am Schweineplatz darf man nämlich tun, was sonst überall verboten ist. Es ist ein Schneideraum, der nicht mit den übrigen Schnittplätzen vernetzt ist. An die dürfen wir, die wir unser gesamtes Filmmaterial von der Reise auf Festplatte gespeichert haben und auch sonst so einiges an Speichermedien benutzt haben, nicht ran. Aus Vorsicht. Wir könnten ja Viren einschleusen und den gesamten Schnittbereich des ZDF lahm legen. In der Unterwelt des ZDF, in einem Raum ohne Fenster, schneiden meine Kollegin Maria Trübswetter, der Cutter Christian Schulz und ich die 30-minütige Dokumentation über die Zukunftsmacher. Vor unserem Auge rauschen die letzten sechs Wochen noch einmal vorüber. Und die Wahl, mit welchen Geschichten wir die Doku bestücken, fällt uns nicht leicht. Auf dem Bildschirm ziehen noch einmal die vielen Drehorte, Projekte und Menschen an uns vorbei.
Sie haben uns in ihr Leben eingeladen und uns von ihren Träumen erzählt, uns inspiriert und bereichert. Danke allen dafür. Uns ist vor allem aufgefallen: Diese Menschen lassen sich von den vielen „bad news" über die Krise nicht unterkriegen. Sie jammern nicht bloß, sondern packen das Leben an. Sie sind schöpferisch, wagen Neues, schauen über den eigenen Tellerrand. Danke.
"Kreativ aus der Krise. Auf der Suche nach Zukunftsmachern" ist ab Karfreitag, 10. April, um 13.45 h auf dem ZDFdokukanal zu sehen.
10.04.09: 13.45, 22.45
11.04.09: 10.15, 16.45, 5.15
12.04.09: 18.15
13.04.09: 22.45
14.04.09: 11.00
15.04.09: 16.00, 23.30, 4.45
16.04.09: 14.30
17.04.09: 22.00 Uhr.
Die Welt bewusst wahrnehmen und diese Erkenntnisse kognitiv umsetzen - diese Fähigkeiten werden in der Regel dem Menschen zugeordnet. Das Team des Sonderforschungsbereichs "Kognitive Automobile" in Karlsruhe und ihre Partner an der TU München haben sich zum Ziel gesetzt, diese Eigenschaften auf Fahrzeuge zu übertragen. So genannte "kognitive Automobile" sollen sich selbst und ihre Umgebung wahrnehmen, sowie Wissen selbstständig sammeln und strukturieren.
Liebe Zukunftsmacher, liebe Zuschauer und User,
Gerade sind wir aus unserer Zukunftsmacher-Woche aus Baden-Württemberg zurückgekehrt - vorbei an Staus und hunderten Polizeikolonnen. Niemand konnte uns aufhalten - selbst der NATO-Gipfel in Baden-Baden nicht. Schließlich hat es der neue amerikanische Präsident Obama dann doch geschafft, unseren Sendeplatz zu erobern. Anstelle von "sonntags" wird am kommenden Sonntag der katholische Gottesdienst zum Palmsonntag aus der Pfarrei St. Martin in Peuerbach/Österreich übertragen. Anschließend übertragt das ZDF die Europarede des US-Präsidenten Obama. Daher wird unsere Sendung "sonntags" am kommenden Sonntag, den 5.4. um 9.00, leider ausfallen. Unser Beitrag über Zukunftsmacher in Baden-Württemberg wird dafür am Ostersonntag, den 12.4., wie gewohnt um 9.03-9.30 Uhr in "sonntags" ausgestrahlt. Jetzt am Wochenende verraten wir Euch dafür, wie das Auto der Zukunft aussieht - ohne Fahrer - James Bond lässt grüssen.
Euer Zukunftsmacher-Team
Er gilt als der Ökoarchitekt Deutschlands, Rolf Disch. Er empfängt uns in seinem Büro im „Sonnenschiff" in Freiburg. Gegen den leichtfertigen Umgang mit Öl, Gas, Kohle und Uran versucht der Freiburger Architekt seit langem, die unbegrenzt verfügbare Energie der Sonne aufzubieten.
Sein Engagement begann er in den siebziger Jahren gegen das geplante Kernkraftwerk Wyhl am Kaiserstuhl, das am Ende nie gebaut wurde. Für Disch ein Schlüsselerlebnis. Mit der Konstruktion von Solarautos hatte er einst begonnen, ehe er sich entschied, Sonnenhäuser und Solarsiedlungen zu bauen. Inzwischen hat der "Solararchitekt", so das Freiburger Stereotyp für Disch, auch dem SC Freiburg eine Solaranlage aufs Dach gesetzt - die Fußballer duschen seither mit von der Sonne erwärmtem Wasser. In Freiburg stehen inzwischen Solarsiedlungen und Photovoltaikhäuser, die seine Handschrift tragen. Jetzt baut er "Plusenergiehäuser". "Plusenergiehäuser", so erklärt uns Rolf Disch, sind Häuser, die mehr Energie erzeugen als seine Bewohner verbrauchen.
Knapp 50 solcher Plusenergiehäuser hat Disch am Fuße des Schlierbergs in Freiburg bereits gebaut. „Am Anfang hat uns das niemand zugetraut. Jeder sagte: das kauft doch keiner." Doch heute sind alle verkauft. Durch eine optimale Wärmedämmung braucht das Haus selbst an kalten Wintertagen oft keine Heizung und kann durch Solartechnik mehr Energie abgeben als es verbraucht.
Auch sein eigenes Sonnenhaus, das Heliotrop, hat Disch sich gebaut. Das sich drehende Solarhaus ist ein rotierender, aus Holz kunstvoll zusammengeleimter, mehrfach durchbrochener Zylinderturm von außen, im Innern verbindet eine hölzerne Röhre die Räume. An dem Zylinder hängt das ganze Bauwerk aus Aluminium und Glas. Heute gibt das Heliotrop fünfmal soviel Strom ans öffentliche Netz ab, wie in ihm verbraucht wird. Es war das erste Plusenergiehaus in Deutschland und ist heute eines der meistbesuchten Solarprojekte in Freiburg.
„Hallo! Vor Ihnen steht Monte Ziego", so begrüßt uns Martin Buhl auf der Burgruine Hochburg bei Emmendingen. "Monte Ziego" steht außerdem auch für seine Hofkäserei im Schuttertal, wo die Ziegenprodukte verarbeitet werden, die hier in den weitläufigen Stallungen, Wiesen und Feldern der Hochburg produziert werden. Die Ziege und ihre Produkte sind wieder "in", erzählt uns "Monte Ziego" stolz. In seinem früheren Leben war Martin Buhl Discjockey und gestaltete Discotheken und Gaststätten in Berlin aus. Jetzt ist er der "Herr der Ziegen" und für uns ein Zukunftsmacher. Er will die ländliche Kultur und regionale Bio-Erzeugnisse fördern, dabei aber auch eine Brücke schlagen zwischen Stadt und Land. Im Schuttertal werden täglich 1000 Liter Ziegenmilch produziert und direkt weiterverarbeitet. "Die Molkereiprodukte aus Ziegenmilch, die hier hergestellt werden, sind 100 Prozent bio", erzählt Martin Buhl uns. Es ist also im Gegensatz zu konventionellem Ziegenkäse keine Beimischung von Kuhmilch erlaubt. „Wir wollen die Natur wieder auf den Tisch bringen": Das ist seine Vision. Die Ziegen werden frei gehalten und haben mehr als die vorgeschriebenen eineinhalb Quadratmeter Platz. „Es gibt immer noch viele Vorurteile über Ziegenprodukte. Das liegt auch an der schlechten industriellen Massenproduktion", erzählt uns "Monte Ziego". Martin Buhl will nachhaltige Strukturen zur Verarbeitung und Vermarktung regionaler Bio-Erzeugnisse schaffen. Dafür geht er auf Märkte, in Supermärkte, und auch Schulen werden beliefert. Am Ende können wir uns bei einer Ziegenkäseprobe selbst von der Qualität überzeugen. Ziegenweich- und Ziegenfrischkäse in Olivenöl: Er schmeckt frisch und hat wenig Nachgeschmack...
Baden-Württemberg wenige Wochen nach Winnenden. Wir sind in Oberrimsingen im katholischen Jugendwerk Christophoprus. Hier werden sogenannte "sozial benachteiligte" Jugendliche betreut. Jugendliche, die unter schwierigen familiären Verhältnissen aufgewachsen sind, die Schule mehrfach abgebrochen haben oder auf eine kriminelle Karriere zurückblicken. "Wir haben hier jeden Tag irgendwie mit Gewalt zu tun, aber unsere Pädagogen sind bestens geschult in der Deeskalation", verrät uns der Leiter Norbert Schewe.
Er zeigt uns die Schreinerwerkstatt und die Schlosserei-Ausbildungsstätte. Dort treffen wir Salim aus Freiburg, der ziemlich muskulös ist und nach eigener Auskunft nach einer "schwierigen Zeit" hier gelandet ist. Wir können nur erahnen, was er damit meint - inzwischen ist er froh, dass er einen Ausbildungsplatz hat.
"Wir versuchen, den Jugendlichen eine Chance zu geben, gesellschaftlich Fuß zu fassen, denn sie wollen einfach nur ein Teil der Gesellschaft sein und nicht ausgegrenzt werden", sagt uns Norbert Schewe.
In der rauhen Wirklichkeit der Fußball-Profis spielt der SC Freiburg zwar nur in der 2. Bundesliga. Doch was den solaren Fortschritt betrifft, bewegt sich der Club schon längere Zeit auf Champions League-Niveau. Denn: In Freiburg steht das erste und einzige Solarstadion Deutschlands. Die treffendste Übersetzung des SC vor dem Namen wäre also in diesem Fall wohl besser „Solar Club Freiburg". Das Solarstadion ist nur ein Beispiel, weshalb Freiburg als Solarhauptstadt Deutschlands gilt Freiburg zieht Touristen und Delegationen aus der ganzen Welt an, die das Solar-Know-how der Freiburger in ihre Heimatländer transferieren wollen - ein Wissen, das hier gern preisgegeben wird.
Vauban - so heißt der Stadtteil Freiburgs, der für all das steht, worauf die Bürger der viertgrößten Stadt Baden-Württembergs so stolz sind: Sonne, Ökologie und vor allem: Solarstrom. Hier wird das ökologische Gesicht der Stadt am deutlichsten sichtbar. Dass Vauban ein ehemaliges Kasernengelände des französischen Militärs ist, daran erinnert heute fast nichts mehr. Als wir nach Vauban kommen, sehen wir viele bunte Häuser, einige mit Holzfassade, andere mit Solarzellen auf dem Dach. Hier herrscht eine autofreie Zone - Fahrzeuge dürfen nur kurze Zeit parken, danach müssen sie in die „Solargarage". In der so genannten „Solarsiedlung" treffen wir Gerlinde mit ihren Söhnen Thomas und Lukas. „Wir leben gerne hier in Vauban. Hier gibt es eine autofreie Zone, die Häuser liegen alle eng zusammen, alles ist gut erreichbar und wir Nachbarn sind alle füreinander da. Ja und das Haus", fährt die Ingenieurin fort, „das Haus war zwar nicht billig, aber es ist ein 'Plusenergiehaus' samt Solarzellen auf dem Dach." Ein Pluseenergiehaus, so lernen wir, ist ein Haus, das mehr Energie erwirtschaftet als es verbraucht.
Der Film, den Ariane und ich für die Sendung "sonntags" gemacht haben, zeigt einige Stationen der vergangenen Woche: Das Bergwaldprojekt, die Pascal-Schule in Grevenbroich und die Arbeit der Effizienz-Agentur NRW. Zusammengehalten werden die Beispiele durch das Thema "Klima", das ja durch die UN-Klimakonferenz in Bonn auch gerade wieder in den Nachrichten ist.
Herzlichen Dank noch einmal für die spannenden und beeindruckenden Begegnungen in der vergangenen Woche! Viel Freude beim Anschauen unseres Beitrags - und weiterhin hier im Blog mit unseren Kollegen Kamran und Thomas, die in dieser Woche unterwegs sind.
Ein kleiner Nachtrag noch zu unserer Reise durch den Norden: In Hamburg treffen wir zwei Jungunternehmer, Tim Linde und Markus Ritter, die uns ein Beispiel geben wollen für den Paradigmenwechsel, der sich zur Zeit in Wirtschaft und Gesellschaft vollzieht. Mit ihrem Start-Up-Unternehmen VIS A VISTA sind die beiden sehr erfolgreich. Etwas knapp und salopp formuliert: Sie verfilmen Gebrauchsanweisungen für Unternehmen und ermöglichen so die Konservierung von Wissen für die Zukunft. Zum Beispiel in der Flugzeugindustrie, wo in dreißig Jahren in vielen Ländern der Welt Ersatzteile benötigt und verarbeitet werden, obwohl die Flugzeuge selbst gar nicht mehr hergestellt werden.
Die Filme ersetzen dicke Gebrauchsanweisungen und deren teure Übersetzung. Mit dieser Idee arbeiten die beiden für große Industrieunternehmen und haben ihre Firma praktisch aus dem Nichts ohne Fremdfinanzierung aufgebaut. Obwohl sie längst auf Expansionskurs sein könnten, setzen sie weniger auf schnelles Wachstum, sondern engagieren sich sozial. Zum Beispiel indem sie keine aufwändigen Weihnachtsgeschenke an Kunden verschicken, sondern eine Spende ausloben: 2000 Euro und einen Imagefilm für ein soziales Projekt.









Neueste Kommentare
Barnabas zu: Ein Quantum Zukunft: Ehrlich gesagt: Ich glaube das (noch) nicht, dass
Kamran Safiarian zu: Lizenz zum besseren Leben: Hallo Herr Backhaus, wir sind seit heute in Frei
Sebastian zu: Lizenz zum besseren Leben: Guten Tag Herr Safiarian und Herr Kuschke, schön,
Kai-Uwe Behrends zu: Was ist "Social Entrepreneurship"?: Sehr schönes Beispiel für "Zukunft machen", werteo