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Allgemein · Der Fall Kachelmann
“Plötzlich stutze ich, spule zurück”
Seit Stunden sitze ich im Schnittraum und schaue mir Rohmaterial an, das meine Kollegen aus den News-Abteilungen beim Kachelmann-Prozess gedreht haben. Plötzlich stutze ich, spule zurück, höre mir das Interview mit Kachelmanns Verteidiger Birkenstock nochmals an. Und nochmals. Zwar strecken ihm alle Journalisten ihre Mikros vor die Nase, doch dieses Quote wurde nirgendwo publiziert. Warum?
Es ist der erste Prozesstag, und die meisten Redaktionen wollen nur eines wissen: „Wie geht es Ihrem Mandanten heute?“ Doch was Birkenstock an diesem Tag erklärt, ist brisant. Er sagt, sein Mandat sei wegen einer Falschmeldung in der Presse vorverurteil worden. Um Birkenstocks Aussage zu verstehen, muss man sich zurückversetzen in den April 2010: Die Ex-Geliebte, die Jörg Kachelmann laut Anklage vergewaltigt haben soll, hatte am 20. April gegenüber der Staatsanwaltschaft ihre Aussage massiv korrigieren müssen. Ein Teil der Vorwürfe gegen Kachelmann brechen in sich zusammen. Die Öffentlichkeit erfährt allerdings nichts davon.
Brisante Informationen gesteckt
Im Gegenteil: Am nächsten Tag erhalten Journalisten aus Ermittlerkreisen eine brisante Information gesteckt: An einem Messer, aufgefunden in der Wohnung der Ex-Geliebten, habe die Spurensicherung DNA-Spuren von Kachelmann gefunden. Am nächsten Tag, also am 22. April, publiziert die Süddeutsche Zeitung den Artikel mit dem Titel „Messer mit Fingerabdrücken“. Zitat aus dem Artikel: „An dem Messer fanden die Ermittler nach eigener Aussage Teile von Fingerabdrücken und DNS von Kachelmann.“ Heute weiß man: Das ist falsch, die Spurensicherung hat nie eindeutig nachweisbaren Spuren von Kachelmann an einem Messer gefunden.
Zurück zum Interview von Birkenstock, das an diesem ersten Prozesstag unterging und das ich jetzt hin- und zurückspule. Birkenstock kritisiert darin die Justiz, weil sie diese nachweislich falsche Meldung der Presse zusteckte. „Aus jedem Tatort weiss man: DNA-Spuren sind der todsichere Beweis. Mein Mandant wurde vorurteilt durch die Staatsanwaltschaft“, kritisierte Birkenstock.
Ist das legitim?
Tatsächlich ging auch ich damals, nach Lektüre dieser Meldung in der Süddeutschen, davon aus: Kachelmann ist schuldig, er hat es getan, er ist überführt. Als Zeitungsleser wurde ich ein Opfer einer Falschmeldung, die Kachelmann-Ermittler geschickt in den Medien platzierten.
Ist das legitim? Ist es erlaubt, dass Ermittler mit Falschinformationen Angeschuldigte quasi in der Öffentlichkeit vorverurteilen? Ich denke, dass dies keinesfalls gestattet ist – wer auch immer der Angeschuldigte ist, was auch immer er angeblich getan haben soll. Ich denke, dass solche Praktiken verwerflich sind und geahndet werden müssen. Und ich denke auch, dass die Aufsichtsbehörde der Staatsanwaltschaft Mannheim gut daran täte, diesen Vorfall zu untersuchen.
Übrigens: Wie ich später herausfinde, liegt der schriftliche Bericht des Spurensachverständigen am Tag, an dem die Süddeutsche ihren Artikel publizierte, noch gar nicht vor. Dieser ist datiert auf den 26. April 2010. Und darin heisst es klar und deutlich, dass keine eindeutig nachweisbaren Kachelmann-Spuren am Messer gefunden worden. Doch das erfährt die Öffentlichkeit erst viele Monate später – am 21. Dezember, als der Sachverständige vor dem Gericht als Zeuge einvernommen wird.
6 Kommentare | (ZDF) Nina Behlendorf | 20. Mai 2011 | 07:15 Uhr |
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Tatort Urlaubsparadies · ZDFzoom
“Hercule Poirot” der Versicherer
An den braunen Körpern perlt unablässig der Schweiß. Bei 32 Grad zerschlagen sie mit einfachen Hämmern Steine zu Kies und Schotter. Männer an einer Straße in Yaoundé, der Hauptstadt von Kamerun. Das mächtige Fußballstadion direkt daneben wirft keinen Schatten – die Sonne steht senkrecht.
Wir halten kurz an, um ein paar Aufnahmen zu machen von dieser beinahe unmenschlichen Arbeit. Doch die 30, 40 Männer wollen nicht gefilmt werden. Wütend stürmen sie auf uns zu, drohen mit hocherhobenen Werkzeugen oder blanken Fäusten, beschimpfen uns in einem Dialekt, den wir nicht verstehen.
Suche nach dem schnellen Geld
Unser Begleiter Dr. Teyang drängt uns ins Auto zurück. Der kleine Mann hat die Gefahr erkannt, diese Männer sind nicht zu bremsen. Sie arbeiten sehr hart für ihr bisschen Geld, ob sie wollen oder nicht. Jeder Dritte in Kamerun ist arbeitslos, fast jeder Zweite lebt unterhalb der Armutsgrenze. Wir verstehen ihren Zorn.
Wir verstehen aber auch den Zorn von Dr. Teyang auf ganz andere seiner Landsleute: die, die als Migranten in Deutschland leben oder dort studieren. So einige von denen suchen das schnelle Geld – mit Betrug.
72 Jahre ist Abel Teyang, Gefäßchirurg. Wenn er streng über den Rand seiner Brille blickt, blitzt die ganze Listigkeit des kleinen Mannes auf. Abel Teyang hat einen besonderen Job: Für Kranken- und Reiseversicherungen überprüft er Arztrechnungen, die diese Leute nach dem Urlaub bei den Versicherungen einreichen. Drei-, vier- manchmal gar dreißigtausend Euro hoch sind die Rechnungen. Ausgestellt von korrupten Ärzten, für einen kleinen Anteil an der Beute.
Sympathischer alter Mann – und gefürchtet
Sie kennen viele Tricks, diese Ärzte. Und Deutschland ist weit weg, sie fühlen sich außerhalb aller Kontrollen. Wenn, ja wenn da nicht dieser alte Fuchs Abel Teyang wäre. Es ist ein Vergnügen zu erleben, mit welch geschickten Schachzügen er die Täter überführt. Inzwischen ist er gefürchtet, der sympathische alte Mann … und gefährdet. Schon einige Male wurde er bedroht. Deshalb nimmt der “Hercule Poirot” der Versicherer inzwischen immer einen Bodyguard mit. Ist besser so, meint Abel Teyang und lächelt.
4 Kommentare | schnurbus.w | 16. Mai 2011 | 10:36 Uhr |
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Allgemein · Tatort Urlaubsparadies
Der falsche Doc
Das dunkle Gesicht von Ruthi, meinem TukTuk-Fahrer, strahlt – er hat einfach immer gute Laune. Der “reiche Deutsche” braucht wieder einen Chauffeur. Und das heißt: Die Leihgebühr von zwei Euro für das TukTuk ist vorerst gesichert und zudem ein paar Rupien, die am Abend übrig bleiben würden. Nicht viel nach unseren Maßstäben, vielleicht fünf Euro, inklusive Trinkgeld. Für Ruthi aber ein kleines Vermögen.
Ich mag ihn, meinen Chauffeur. Mit kahlgeschorenem Schädel sitzt er kerzengerade vor mir. Er plaudert die ganze Zeit und in dem ohrenbetäubenden Lärm der Hauptschlagader Sri Lankas, der Galle Road von Colombo bis runter an die Südspitze der Insel, verstehe ich sogar manchmal, worum es geht. Als ich ihm erzähle, dass ich zu einem Arzt will, strahlt er noch mehr. Das bringt ihm noch ein paar Rupien – Provision. Ich weiß, er wird ihm erzählen, dass er mich zu ihm geführt hätte, auf der Suche nach Entspannung, nach Ayurveda.
Hier wird Geld verdient!
Wirklich einladend ist der Anblick nicht, als Ruthi in einen Lehmweg abbiegt. An den Mauern rechts und links kriecht schwarzer Schimmel empor. Normal in den Tropen, aber eben eklig. Doch hinter den Mauern ist es, als tauchen wir in eine andere Welt ein: ein Garten Eden. Wundervolle tropische Pflanzen, liebevoll gepflegt. Dazwischen erhebt sich majestätisch ein kleiner Palast. Hier wird Geld verdient!
Und für Geld hat der Mann, der hier lebt, ein Näschen! Eifrig, aber nicht zu eifrig eilt er auf uns zu. Er ergreift meine Hand, strahlt mich an – als wären wir die besten Freunde. Erst drückt er meine Hand, dann die meiner Frau. Schließlich hat der Mann das Geld, meint der Arzt. Da spielt Höflichkeit eine untergeordnete Rolle – offenbar.
Perfekter Schauspieler
Der Mediziner ist klasse: Mit schmeichelnder Stimme, eindringlich und lockend zugleich, bittet er uns zum Tee. Herbal tea, Pflanzentee. Schließlich sind wir im Ayurveda Center und im Schönheitssalon. Der Mann versteht sein Handwerk: Er gerät ins Schwärmen von der ältesten Heilkunde der Welt, fragt uns dabei ganz beiläufig über unsere Gebrechen und kleinen Wehwehchen aus. Dann ergreift er mein Handgelenk, tut so, als würde er den Puls messen, legt den Kopf in den Nacken, als lausche er in meinen Körper und dann erfahre ich aus seinem Mund, was ich ihm von meinen Leiden erzählt habe. „Sie haben einen niedrigen Blutdruck, 110 zu 70, nicht wahr?!“ Erstaunlich, wie er das mit den Fingerspitzen “gelesen” hat! Er ist eben der perfekte Schauspieler!
Ernst wird er erst, als es ums Geschäft geht: Eine Massage mit Schwitzbad kostet umgerechnet 80 Euro. Der Arzt hat meine Mimik genau beobachtet: Noch bevor ich verwundert sagen kann: “Oh, das ist aber nicht gerade billig”, lenkt er ein. „Machen Sie sich keine Sorgen. Sie haben doch eine Versicherung. Ich gebe Ihnen einen Brief für die Versicherung. Da steht kein Wort von Ayurveda drin. Sie hatten doch einen langen Flug, da sind Rückenschmerzen normal. Ich schreibe so, dass Sie Schmerzen hatten, dass Sie behandelt wurden hier. Dann kommt noch ein Stempel von einem Arzt darunter, von einem richtigen Arzt, verstehen Sie?!“
“Eine win-win-Situation”
Als meine Frau sich empört, das sei doch Betrug, meint er ha lächelnd: „Sehen Sie: Sie haben Ihre Massagen umsonst und ich habe viel mehr Kunden und Geld. Was ist daran falsch? Alle haben gewonnen – eine win-win-Situation.“
Genau das ist der Moment, in dem ich beschließe, nach Sri Lanka zurückzukehren und die Geschichte des Arztes und seiner Machenschaften aufzudecken. Und am Ende der Geschichte werde ich wissen: Er ist nur einer von vielen Ärzten in dem großen Spiel mit gefälschten Arztrechnungen. Jedes Jahr entsteht ein Schaden in Höhe von hundert Millionen Euro – plus Dunkelziffer. Und wir alle zahlen die Zeche.
1 Kommentar | schnurbus.w | 13. Mai 2011 | 07:08 Uhr |
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Widersprüche und Rätsel
“EKIA”, Enemy Killed In Action – Feind im Kampf getötet: Mit diesem militärischen Code erfuhr US-Präsident Barack Obama vom Tod Osama bin Ladens. Doch was genau ist da am 2. Mai 2011 passiert in Abbottabad? Das ist unser Thema heute abend bei der Premiere von ZDFzoom. Wollten die USA den weltweit meist gesuchten Terroristen gefangen nehmen und vor ein Gericht stellen? Oder war sein Tod von Anfang an geplant und befohlen? Aus dem Weißen Haus gibt es mehrere Versionen: “Firefight killed bin Laden”, heißt es anfangs von US-Präsident Obama. Bin Laden habe sich zur Wehr gesetzt, seine Frau als Schutzschild benutzt. Die Eliteeinheit der Amerikaner musste ihn töten.
1 Kommentar | (ZDF) Nina Behlendorf | 11. Mai 2011 | 11:25 Uhr |
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“Den Dingen auf den Grund gehen”
- Morgen ist es soweit: Um 22.45 Uhr startet ZDFzoom! Wir haben mit ZDF-Chefredakteur Peter Frey gesprochen und gefragt, was er vom neuen Doku-Format erwartet. Das komplette Interview gibt es in der ZDFmediathek oder direkt hier:
Kommentieren | (ZDF) Nina Behlendorf | 10. Mai 2011 | 09:12 Uhr |
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Die Rätsel um den Tod von Osama bin Laden
Wir sitzen im Schneideraum und bearbeiten das Material. Wir legen das Puzzle zusammen. Es ist ein Puzzle aus einer Flut von Bildern und ganz unterschiedlichen Informationen. Was geschah wirklich? Das ist unsere Kernfrage. Wollten die USA Osama bin Laden töten oder doch gefangen nehmen, ihn vor Gericht stellen? Warum haben sie ihn dann erschossen? Aus dem Weißen Haus kommt nicht nur eine Version.- Unsere Interviewpartner und Recherchen stellen die offizielle Darstellung der USA in Frage. Was geschah wirklich? Daran arbeiten wir, unter hohem Zeitdruck. Es wird wohl mehr als nur eine Nachtschicht werden.
Kommentieren | piechota.n | 09. Mai 2011 | 16:47 Uhr |
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Was geschah in Abbottabad?
Gerade waren wir fertig mit unserer ersten Zoom-Doku. Günter Wallraff hatte sich in seiner Dokumentation “Das Recht des Stärkeren” mit der “schönen neuen Arbeitswelt” in Deutschland beschäftigt und erschütternde Fälle von Betriebsrats-Mobbing aufgedeckt.Doch mit der Tötung von Osama bin Laden ist eine weltpolitische Veränderung eingetreten. Wir haben überlegt, ob die politische Dokumentation im ZDF ein solches Ereignis nur der aktuellen Berichterstattung überlassen kann.Es geht ja um viel mehr, es geht um Moral, Wahrheit und Lüge, Völker- und Kriegsrecht. Darf man terroristische Feinde auf diese Art zur Strecke bringen? Wie steht es mit der Glaubwürdigkeit einer Weltmacht, eines US-Präsidenten, der Friedensnobelpreisträger ist? Wie hat sich der Krieg verändert?Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, mehr über die Hintergründe zu berichten. Nach Zoom-Art wollen wir die Sache näher beleuchten und unter die Lupe nehmen.Deshalb müssen wir die eindrucksvolle Dokumentation von Günter Wallraff leider verschieben. Wir sagen in Kürze den neuen Sendetermin.Kommentieren | dezer.c | 06. Mai 2011 | 15:10 Uhr |
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Näher ran
Der “Tagesspiegel” hat sich unser Zoom-Konzept einmal näher angeschaut. Hier der Link zum Artikel. Viel Spaß beim Lesen!Kommentieren | (ZDF) Nina Behlendorf | 06. Mai 2011 | 07:37 Uhr |
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Die ersten Zoom-Bilder
Heute Pressekonferenz in Berlin: Redaktionsleiter Christian Dezer und ZDF-Chefredakteur Peter Frey haben das Konzept unserer neuen Sendung vorgestellt. Im Kern: ZDFzoom will sich mit Themen beschäftigen, die das Leben, die Gesellschaft ”nachhaltig beeinflussen”. Was das bedeutet? Hier unser Trailer!Kommentieren | (ZDF) Nina Behlendorf | 05. Mai 2011 | 14:17 Uhr |
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In einer Woche: ZDFzoom
Am Mittwoch, den 11. Mai ist es soweit: Um 22.45 Uhr startet ZDFzoom, das neue Doku-Format im Zweiten! Noch stecken wir mittendrin in den Vorbereitungen. Aber: Hier gibt es schon einmal das Logo zur neuen Sendung.Kommentieren | (ZDF) Nina Behlendorf | 03. Mai 2011 | 14:46 Uhr |
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