“Die Welt ist manchmal leider kompliziert”

“Die EU wird ab 1.1.12 Batteriekäfige endgültig verbieten.” Als dieser Termin näher rückte, fingen mein Kollege Christian Rohde und ich an zu recherchieren. Denn schnell war klar: Der Termin steht zwar auf dem Papier, aber die Realität sind anders aus. Unser Ziel war es, Anfang des Jahres zu zeigen: Die Batteriekäfighaltung ist in der EU noch weit verbreitet.

Was geht das uns in Deutschland an, könnte man fragen? Aber es ist wie immer in der Wirtschaft: Irgendwie hängt alles miteinander zusammen. Eiweß, Eigelb, Eipulver – all diese Eiprodukte landen in Nudeln oder Keksen. Und so finanziert der deutsche Verbraucher auch im Jahr 2012 immer noch die qualvolle Käfighaltung. Denn die Eier aus dem Ausland landen auch in Lebensmitteln, die in Deutschland verkauft werden.

Der Reise nach Rumänien war ein Abenteuer. Ziel war der italienisch-rumänische Konzern Agrimon, der in Ost-Rumänien mehrere Produktionsstandorte hat. Erst hatten wir die Zusage, drehen zu drüfen. Dann wieder eine Absage, Zusage. Eine Stunde vor dem Abflug bekam ich am Flughafen wieder einen Anruf: Diesmal war die Absage definitiv. Aber egal, die Tickets waren gekauft, die Taschen gepackt. Also flogen wir – ein Kameramann und ich – trotzdem los. Manchmal haben Reporter Glück – und so war es auch dieses Mal. Als wir einen Tag nach der Landung morgens im rumänischen Dauerregen losfuhren und wir uns drei Stunden lang durch atemberaubende Aquaplaning-Pfützen gequält hatten, kam der entscheidende Anruf: Der italienische Geschäftsführer trifft uns und zeigt uns die Anlage. So haben wir am östlichen Rand der EU, kurz vor der Ukraine, mehr Transparenz erlebt als in den meisten deutschen Hühnerställen.

Die Recherche zu den Batteriekäfigen war für uns der Ausgangspunkt, eine grundsätzliche Frage zu stellen: Wie leben die Hühner? Wir gut sind die verschiedenen Haltungsformen? Die Recherche zeigte schnell: Die Welt ist manchmal leider kompliziert. Bezogen auf das Federpicken ist ausgerechnet die Käfighaltung eine gute Haltungsform, weil bei wenigen Hühnern in einem Käfig die Wahrscheinlichkeit des Federpickens geringer ist und daher auch nicht die Schnäbel abgeschnitten werden müssen. Genau das passiert aber in den großen Boden- und Freilandhaltungen, in den denen die Legehennen zu Tausenden in einer Herde und unter einem Dach leben. Auch große Biobetriebe haben mit dem Problem zu kämpfen, dass sich Hühner picken und mit ihren natürlich spitzen Schnäbeln schwer verletzen können. Also hat jede Haltungsform ihre Probleme.

So haben wir nicht viele glückliche Hühner gefunden, die sich artgerecht verhalten können, sich nicht gegenseitig verletzen und trotzdem regelmäßig Eier legen. Unsere Suche nach dem glücklichen Huhn hat gezeigt: Industrielle Massetierhaltung hat immer einen Preis, den man nicht an der Supermarktkasse zahlt. Diesen Preis zahlen die Tiere mit ihrem Leben und meistens auch mit ihrem Leiden. Also was können wir alle tun? Wir wollten kein düsteres Ende unseres Film und den Zuschauer mit dieser Frage allein lassen. Daher haben wir mit Starköchin Sarah Wiener versucht eine Lösung zu zeigen, die umsetzbar ist: Bewusster mit Lebensmitteln umgehen. Sarah Wiener hatte vor allem einen Tipp: Einfach mehr selbst kochen. Denn nur so weiß jeder, was in seinem Essen drin ist.

 - Jörg Göbel

13 Kommentare

  • Ralf Leppla
    04.04.2012, 23:29 Uhr.

    Sehr geehrte Zdf-Zoom-Redaktion,

    ich danke Ihnen für eine sehr aufschlussreiche Dokumentation. Besonders die Alternative des Hühnermobils fand ich sehr ansprechend. Auf dieses Hühnermobil bezieht sich auch meine Frage. Gibt es oder haben Sie eine Liste mit Betrieben, welche dieses nutzen?

    Für eine Antwort wäre ich sehr dankbar

    Mit freundlichen Grüßen
    Ralf Leppla

    • Jörg Göbel
      05.04.2012, 15:15 Uhr.

      Sie finden auf folgender Seite die Firma, die die Hühnermobile herstellt: http://www.huehnermobil.de/

      Vielleicht können Sie dort herausfinden, ob auch ein Hühnermobil in Ihrer Nähe produziert.

      MfG
      Jörg Göbel

  • Sabine Th. Schmitt
    04.04.2012, 23:34 Uhr.

    Guter Bericht! Und jetzt noch ein Bericht über Kühe, Schweine, Rinder, etc.

    Wenn man das vermehrte Auftreten von Allergien, vor allem Laktose-, Gluten- und Zuckerintoleran in Zusammenhang sieht mit unseren Essgewohnheiten und der “Produktion” und den Inhaltsstoffen unserer Lebensmittel sowie den nicht zu vernachlässigenden Umweltfaktoren, kann die logische Schlußfolgerung nur sein: “Back to the roots” – und dass nicht nur beim Kochen!

    Super war auch der Bericht über den WWF und die Verbindung zu Monsato! Da fließt mein Geld nicht mehr hin!

    Vielen Dank + viele Grüße

    Sabine Th. Schmitt

  • M.H.
    04.04.2012, 23:40 Uhr.

    Sarah Wiener wieder mit ihrem Standard-Tipp.

  • Gerhard Gruber
    04.04.2012, 23:42 Uhr.

    Hallo Zusammen,
    das Problem liegt tief in unserer Gesellschaft verwurzelt.
    Am liebsten hätte jeder seine Produkte direkt vom Bauer, aber das von glücklichen Tieren zum Billig-Aldi-Preis.
    Niemand kann mehr beurteilen, wieviel Arbeit die Produktion von Lebensmittel macht und ist bereit dieses auch finanziell zu würdigen. Der kleine Bauer mit Hofverkauf kann kaum Überleben, der Trend geht zur Industriealisierung und Massentierhaltung Stichwort => Wachse oder Weiche. Dies ist vom Verbraucher so bestimmt.
    Auch ist niemand mehr bereit, sich eigene Nutztiere zu halten. Selbst bei uns im Dorf mit 6000 Einwohnern haben wir noch maximal 10 Hühnerhalter/Nutztierhalter zur Fleisch, Eier und Milchproduktion. 3 davon haben noch landwirtschaftliche Betriebe, der Rest sind Privatleute.
    Noch vor 20 Jahren haben wir 40 Schweine im Jahr geschlachtet, verwurstelt und am Hof verkauft.
    Dies wäre heute so nicht mehr möglich, da die staatlichen Beschränkungen und Vorgaben vom kleinen Familienbetrieb nicht mehr einzuhalten sind. Damals
    hat noch der Eber die Befruchtung selbst gemacht, heute undenkbar, weil nicht wirtschaftlich. Da stellt sich die Frage wird der Mann in der Zukunft auch überflüssig in unserer Gesellschaft, weil unwirtschaftlich. Man sollte sich fragen, wie man Lebensqualität definiert. Nur in billigen Lebensmittlen um jeden Preis, oder ob wir wieder im Einklang mit der Schöpfung und allen Tieren leben wollen.

  • Waltraut Bergmann
    05.04.2012, 00:22 Uhr.

    Ihr Beitrag ist grundsätzlich sehr gut, denn Sie bieten das Material für die eindeutige Schlussfolgerung: Die Tiere brauchen Natur, Platz, Orientierungsmöglichkeiten für die Bildung von sozialen Verbänden, die Chance auf eigene Entwicklung und Gestätungswahl, um Individualität ausleben zu können – also wie im Beispiel die Bio-Haltung in Großenrode bei Göttingen.

    Ich kann nur hoffen, dass die Klärungen, die der Tierschützer zu den “Heile-Welt-Bildern” aus “Kleingruppen-”, Boden- und Freilandhaltung im Vergleich mit den Undercover-Aufnahmen ausgeführt hat, auch tatsächlich von den Zuschauern begriffen wurden. Wir werden zu sehr von den industriellen Legehennenhaltern und deren Marketingstrategien hinter’s Licht geführt. In dem Zusammenhang hätten Sie m. E. sehr viel kritischer formulieren müssen: Z.B. kann man die Betreiber, die die so genannten Kleingruppenkäfige oder die Bodenhaltung für Zigtausende Hennen hatten, nicht als Landwirte bezeichnen. So viel ich weiß, bekommen die Tiere nicht mehr das Futter vom eigenen Land dieser Agrarindustriellen, sondern es wird importiert zum größten Teil aus südamerikanischen Ländern. Es handelt sich um “Hochleistungsfuttergemische”, die die Tiere zum Legen vieler Eier befähigen sollen, mit viel Eiweißgehalt: Soja! Dieses Soja wird in ehemaligen Regenwaldgebieten unter Einsatz vieler Pestizide und DÜngemittel angebaut, ist also ein Klimakiller per excellence und nimmt den Menschen dort die Nahrung weg. Fazit: Unsere übergroße, nicht bodengebundene Haltung von ( in diesem Fall) Hennen trägt mit bei zum wachsenden Welthunger und zur Klimakatastrophe. Landwirte, wie wir sie uns aus alter Zeit kennen( so alt ist die nicht, gerade mal 40 Jahre her), die Fruchtfolge, verschiedene Tier- und Pflanzenarten für die Ernährung auf einem Hof in eigener Regie erzeugten, d. h. verantwortliche und nachhaltige Landwirtschaft betrieben sind die gezeigten Industriellen nicht mehr. In Wirklichkeit sind sie schon lange Abhängige der großen Agrarkonzerne geworden.

    Sie haben nur ansatzweise die anderen grauenvollen Seiten der Massentierhaltung gezeigt – die Brutmaschinen, das Sexen, das Töten der Küken, die Ausbeutung der Hennen, die schon nach einer Legeperiode/ 1 Jahr ‘ausgebrannt’ sind und als ausgemergelte Suppenhühner oder als Tierfutter für unsere Schoßtiere enden, nach fürchterlichen Transporten und Schlachtungen. Bei all dem werden in den automatisierten Prozessen die Tiere zu völliger Hilflosigkeit verdammt, die Würde der Tiere und ihre Lebenswünsche mit Füßen getreten – das ist auch uns Menschen unwürdig!

    Ein bisschen missverständlich war die Stellungnahme des Bio-Bauern. Er bezweifelte, dass mit Bio-Haltung alle Eier für Deutschland zur Verfügung gestellt werden können. Sie haben das anschließend indirekt relativiert, indem Sie im Film die Reduzierung des Eier-Konsums nahelegten- allerdings ging es dort nur um die Frischei-/Schalenei-Verwendung im Privathaushalt. Ich erinnere mich, dass bereits Ende der 90er Jahre von Tierschutzorganisationen ( ich glaube, es war “Menschen für Tierrechte”) berechnet wurde, dass sehr wohl alle Hennen im Freiland mit ausreichendem Platz ( also auch unbeschnittenen Schnäbeln) gehalten werden könnten. Außerdem: In den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts, bevor es die industriellen Legehennenbatterien aus den USA gab, liefen bei uns die Hühner auch frei rum und wir mussten nicht hungern!! Ich kann mich an kein Huhn erinnern, dass blutig gehackt worden wäre, denn alle Tiere konnten “ihren Platz” finden. Die Legehennen wurden viele Jahre alt ( und nicht nur ein Jahr), hatten so lange ihre Ruhe und eine gute, erlebnisreiche Zeit, der Zeitpunkt der Tötung/ des Schreckens war kurz im Vergleich, das Töten erfolgte auf dem Hof und nicht nach dem Horror des Transports.
    Die Legehennen gehörten zu einer Rasse, bei der die Hähnchenküken nicht geschreddert oder vergast, also in den Müll geworfen wurden, sondern wenigstens auch heranwachsen durften, bis man sie dann doch tötete. Heute gibt es eigene Masthuhn-Hybride, wo Küken beiderlei Geschlechts in ca. 30 Tagen unter fast noch grausameren Bedingungen als die Legehennen in den Käfigen gehalten werden.

    Was noch stärker hätte rauskommen müssen in dem Beitrag ist m. E., dass diejenigen Politiker und Parteien, die all diese Tierquälerei sehenden Auges zulassen und sich hinter “bestehenden Gesetzen” verstecken( die sie selber beschlossen haben), verbrecherisch handeln – verbrecherisch gegenüber dem, was menschliche Verantwortung und Moral ausmachen sollte. Frau Aigner und mit ihr alle anderen ( insbes. aus CDU, CSU, FDP, tw. aber auch SPD) sollten sich schämen, dass sie angesichts des Tierleids nicht handeln und ein Verbot solcher Haltungsformen, Transport- und Schlachtungsmethoden für alle Nutztiere aussprechen und durchsetzen, bei denen die Tiere ( Puten, Hühner, Kaninchen, Schweine, Rinder etc. ganz offensichtlich fortwährend misshandelt werden. Das muss auch in Alleingängen geschehen, denn es gibt übergordnete ‘Gesetze’, denen ein jeder Mensch mit Gewissen zu folgen hat. Aber selbst ein echter Kampf in der EU gegen die Agrarlobby und ihre abgedroschenen Wettbewerbs-’Argumente’ und für echten Tierschutz würde schon weiterhelfen. Doch die derzeitigen Regierungsparteien haben kein Herz und wenn sie sich als “Christenmenschen” verstehen, dann kann einem das Christentum nur Leid tun…Statt dessen geht es nur um Wachstum, Wachstum – Quantität statt Qualität, Zerstörung und Ausbeutung statt Verantwortung für Mitgeschöpfe und unser aller Zukunft.

  • s-str
    05.04.2012, 19:51 Uhr.

    Sehr gute Doku – weitere wären unbedingt wünschenswert. Ein Gedanke wurde leider nicht zu Ende gedcht. Wo sind eigentlich alle Hähne hin? Die Natur produziert ja annähernd eine 1:1-Geschlechterverteilung… Die Antwort: männliche Küken werden fast zu 100% getötet, meist geschreddert. Das heisst, egal wie glücklich die Hühner auch immer leben, die Schuld an nahezu einem toten männlichen Küken pro Legehenne nehmen alle Eieresser auf sich. Das heist nur der komplette Verzicht oder weil es ja so negativ kligt die schmackhafte Nutzung von Alternativen wäre die wirklich ethische Lösung. Allerdings bin ich der Meinung das der bewusste Verzicht auf ein geschmacklichen “Genuss” für die Linderung des Tierleides ein wirklich gutes Gefühl ist…

  • M. Neuwald
    05.04.2012, 22:55 Uhr.

    Sehr geehrte ZDFzoom-Redaktion,
    danke für diesen Bericht, der endlich wenigstens im Ansatz zeigte, welche Standards für deutsche Legehennen gelten.
    Ich bin zwar vorsichtig, alle Aussagen von radikalen Tierschützern direkt zu glauben – aber hier sagt doch der reine Menschenverstand, dass der “Landwirt” am Anfang eben nur seine Ställe gezeigt hat, in den die Hennen noch gut aussahen. Absolut plausibel, warum Sie so lange nach Betrieb suchen mussten, der Einblicke gewährte. Der Standard der Bodenhaltung sieht wohl eher aus wie auf den Undercover-Videos.
    Ich denke auch, dass unser momentaner Verbrauch inkl. Nudeln, Zusatzprodukte etc. durch Bio-Eier-Mobile abgedeckt werden kann. Doch das Leiden der Hennen und Hähne (sowie aller anderen “Nutz”-Tiere) zu tolerieren ist ein Verbrechen.
    Sarah Wiener hat recht – zurück zum Selbstkochen, auch wenn es altbacken klingt. Ich versuche gerade, viele der Grundrezepte wie Joghurt, Milch und auch Eier durch pflanzliche Stoffe zu ersetzen. Am Anfang sehr viel Denkarbeit, aber das Ergebnis ist verblüffend: Es schmeckt, macht satt und ich fühle mich super gesund.

    Aufgabe für Politiker, sowie ein Appell an die Industrie: mehr planzliche Alternativen für tierische Inhaltstoffe fördern und produzieren.
    Aufgabe für den Verbraucher: Seine Supermärkte gezielt auf solche Waren ansprechen – kann aus Erfahrung sagen, dass das wirkt.

    Dankeschön für diese Reportage ohne erhobenen Zeigefinger.
    Sie hätte etwas bissiger sein können – doch angesichts der 29 Min. Sendezeit verständlich.

    • M. Neuwald
      05.04.2012, 22:58 Uhr.

      Der Fehlerteufel war am Werk:
      Ich denke, dass unser momentaner Bedarf an Ei-Produkten NICHT durch Bio-Eier abgedeckt werden kann – leider!

  • L.E.
    09.04.2012, 00:03 Uhr.

    Sehr geehrte ZDF-ZOOM-Redaktion,

    Ihr Film zur Eierproduktion war sehr hilfreich für weiterfolgende Entscheidungen, doch möchte ich auch ein wenig Kritik üben. Denn es wäre hilfreich gewesen, wenn am Ende beim Kuchen-back.Versuch noch eine Seite mit Rezepten angegeben worden wäre, um somit sofort einen gewissen Anstoß zu erhalten.

    Mit freundlichen Grüßen

    L.E.

  • L.E.
    09.04.2012, 00:07 Uhr.

    Sehr geehrte ZDF-Zoom-Redaktion,
    Ihr Film zur Eierproduktion war sehr informativ und überschaubar, sowie auch hilfreich weitere Entscheidungen zu treffen. Doch möchte ich auch etwas Kritik üben, denn am Ende des Films bei dem Selfmade-Projekt bezüglich des Kuchenbackens hätte eine Webadresse angegeben werden können, um auch selbst diesen Versuch starten zu können.
    Mit freundlichen Grüßen
    L.E.

  • Werner
    06.08.2012, 08:43 Uhr.

    Warum werden nicht diejenigen die Käfighaltung befürworten in Käfige gesteckt? Ich kaufe den Käfig-Mist längst nicht mehr, ganz einfach.

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