Billige Arbeitskräfte

 
Makroökonomisch scheint alles ganz klar: Die Welt ist in Zeiten der Globalisierung zu einem riesigen Marktplatz zusammengeschmolzen, auf dem ein schier unendlicher Strom von Gütern ausgetauscht wird. Schwellenländer wie Indien profitieren von ihrem unerschöpflichen Angebot an billigen Arbeitskräften und dominieren inzwischen vor allem jene Industrie-Sparten, die arbeitsintensive aber technisch einfache Abläufe verlangen.

Die Textilindustrie gehört dabei zu den umsatzträchtigsten. Nach einem dreijährigen, krisenbedingten Einbruch in den Wachstumsraten hat gerade Indien für die Monate April 2010 bis März letzten Jahres ein Umsatzplus von 23 Prozent auf 70 Milliarden US-Dollar verkünden können. Und mit einer staatlich geförderten Maschinenmodernisierungs-Kampagne will das Land jetzt seinen Weltmarktanteil im Textilexport bis 2020 sogar verdoppeln. Deutschland steht im Moment an vierter Stelle der internationalen Abnehmer von indischen Textilien. Nahezu alle großen westlichen Bekleidungslabels lassen hier produzieren, die Ware ist billig und findet sich auch in Deutschland inzwischen fast in jedem Geschäft.

Die Inder arbeiten sehr daran, sich in der Weltspitze der Textilproduzenten zu behaupten, wobei ihnen der Arabische Frühling mit einem Produktions-Einbruch des Konkurrenten Ägypten ebenso in die Hände spielt wie Lohnsteigerungen beim Marktführer China. Die internationalen Händler danken mit Großaufträgen. Und die Kunden in Deutschland bekommen gute Ware zum kleinen Preis.

- Michael Höft

25 Kommentare

  • Lars Bruckert
    28.03.2012, 23:07 Uhr.

    Sehr geehrter Herr Höft,

    ich bin es einfach leid von Menschen die immer nach der Devise “Geiz ist geil”leben und dem Textilienverkäufer einen Rabatt nach dem anderen abjagen in selbstgefälligen Berichten darstellen wie hart das alles ist, Hört auf damit, Ihr die Ihr die Ware immer billiger und billiger haben wollt seit auch schuld an diesem Zustand !!
    Also vergeudet nicht unsere Zeit mit dieser “Anklage”
    Ihr wollt kein Versand bezahlen und “beklagt” die Bedingungen der Speditionen,
    Ihr wollt am liebsten jeden Tag Fleisch aber der Bauer soll es ökologisch und billig produzieren,
    Ihr wollt das ein T-Shirtnicht mehr als 3 € kostet aber es soll unter anständigen Bedingungen produziert werden
    und und und …..hört einfach auf zu lügen oder verzichtet ein zwei mal

    MfG Lars

    • peter Selter
      02.05.2012, 18:16 Uhr.

      @Lars
      Leider hat das alles nicht nur mit “Geiz ist geil” zu tun, sondern der Hund liegt im System begraben.
      Denn wie kann es angehn, dass Menschen, die in Eurem Land Ganztägig und zu 100% arbeiten, nicht in der Lage sind, ihren Lebensunterhalt dadurch zu verdienen und zu Bittstellern werden bei Sozialämtern.
      Das ist ein klares Zeichen, dass die Politik nichts anderes ist als die Lobby der Wirtschaft (Arbeitgeber)

  • gudrun unger
    28.03.2012, 23:12 Uhr.

    ich schaue gerade ihre neueste sendung und bin mehr als entsetzt. vor allen dingen über das fehlende geld für die herzop. ich denke so geht es mir nicht alleine. gibt es eine möglichkeit zur spende für die o.p.? wenn ja würde mich das freuen. mit fr. grüssen g.unger

  • jan matthes
    28.03.2012, 23:15 Uhr.

    Es ist doch immer dasselbe:so lange der westliche Verbraucher nach billigen Gütern fragt und die Wegwerfmentalität sich nicht ändert,werden auch die Unternehmen weiter die Arbeitskraft ausbeuten.

  • Gea Casadei Pratesi-van den Ende
    28.03.2012, 23:25 Uhr.

    Ich bin entsetzt und verstehe nicht, dass
    wir dort nicht eingreifen können.

    Aber was noch wichtiger ist : Haben Sie dem
    Mädchen, das dringend eine Herzoperation benötigt,
    Geld gegeben, damit sie behandelt wird ? Jeder Talkshowteilnehmer bei Ihnen erhält Geld – was
    erhält eine arme Frau, über die Sie eine solche
    Reportage machen ? Müssen wir da alle tatenlos
    (ich auch) zuschauen – kann man etwas machen ?

    Gerne hätte ich eine Antwort auf diese für mich
    seit langer Zeit brennende Frage.

  • Tereza
    29.03.2012, 10:32 Uhr.

    Sehr interessante und erschreckende Dokumentation. Gibt es eine Möglichkeit für Kousalya zu spenden?
    Was kann ich denn als Verbraucher tun, um dem entgegenzuwirken? Leider sind es ja nicht nur billige Labels, die indische Textilien abnehmen.

    • Bela
      29.03.2012, 12:52 Uhr.

      Stimme Tereza vollkommen zu. Allerdings bräuchten wir Konsumenten schon noch mehr als vage Andeutungen welche Labels da mitmachten, damit wir unser Kaufverhalten änderten. Eine Liste wäre super, wird es aber aus lobbytechnischen & juristischen Gründen wohl kaum geben. Andererseits, das mit der Änderung des Konsumentenverhaltens kann auch schief gehen, siehe Schlecker…

    • ZDFzoom Redaktion
      29.03.2012, 14:46 Uhr.

      Danke für die vielen Kommentare und Hilfsangebote! Auch uns beschäftigt natürlich das Schicksal von Kousalya und wir loten gerade aus, wie Hilfe für das herzkranke Mädchen am besten möglich ist.

      • Erich Zepf
        30.03.2012, 14:41 Uhr.

        erich Zepf

        Ich möchte mich gern mit 100 € an der Herzoperation von Kousalya beteiligen. Wenn Sie eine Hilfsmöglichkeit gefunden haben,benachrichtigen Sie mich bitte.

        Danke

      • Rolf
        01.04.2012, 12:24 Uhr.

        Mich würde ebenfalls die Möglichkeit interessieren einen Beitrag für die medizinische Behandlung von Kousalya zu leisten.

  • Martin
    29.03.2012, 11:44 Uhr.

    Die Sendung hätte auch auf RTL laufen können. Zu reißerisch gemacht, immer dieselbe Anklage, kann Lars nur zustimmen! Wenn wir unser Kaufverhalten nicht ändern, wird das immer schlimmer. Es geht leider häufig nur noch nach dem Billigprinzip, auch was z.B. Lebensmittel betrifft. Viele Probleme könnten gelöst werden, wenn es wieder eine gewisse Wertekultur geben würde.
    Was mich noch genervt hat u. vom eigentlichen Beitrag völlig ablenkt hat: diese permanent wackelige Kameraführung mit gewollt unscharfen Bildern, Aufnahmen bei denen das halbe Bild verdeckt ist, etc., etc. Soll damit etwa Brisanz erzeugt werden? Welcher Technikfreak hat sich denn hier ausgetobt? Da wird einem beim Zuschauen schon schlecht!! Absicht?

  • Michaela Zeng
    29.03.2012, 15:05 Uhr.

    Sehr geehrtes Redaktionteam von zoom,
    ich habe gestern Ihren Bericht über die grausamen Produktionsbedingungen in Indien angesehen. Ich finde Ihre Arbeit wichtig und richtig. Aber in Ihrem Bericht fehlte mir neben der Dokumentation die Vision, wie man verantwortlich als Verbraucher dagegen hält. Es hilft mir nicht weiter zuzusehen. Ich möchte handeln. Anders Textilien kaufen. Meine Macht als Konsument nutzen. Dieser Aspekt fehlte in Ihrer Sendung sehr. Vielen Dank für Ihre Arbeit an solchen Themen, die im deutschen Fernsehen mehr Platz brauchen!

  • Johannes Hoffmann
    29.03.2012, 19:09 Uhr.

    Habe gerad einen Hochglanzprospekt von H&M vor mir liegen und sehe die fröhlichen Kinder und Jugendlichen, die diese Klamotten tragen. Die Sendung war dringend nötig, um den betreffenden Konzernen Druck zu machen, damit sie sich nicht mehr mit solchen Erklärungen weiter herausreden. Nur der Sendezeitpunkt ist unverständlich.Sowas gehört in die 20.15 Sendezeit und nicht um 22.45, wenn nur interessierte Zuschauer noch dafür wachbleiben.Warum ist die Redaktion mit so einer Sendezeit inverstande gewesen?
    Wäre interessant, die Hintergründe zu erfahren.

    • (ZDF) Nina Behlendorf (ZDF) Nina Behlendorf
      30.03.2012, 09:57 Uhr.

      Vielen Dank für Ihren Kommentar! Wir senden unsere Doku-Reihe ZDFzoom regelmäßig am Mittwoch um 22.45 Uhr – oder aber rund um die Uhr im Web unter zoom.zdf.de
      Beste Grüße, die ZDFzoom-Redaktion

  • Johannes Hoffmann
    29.03.2012, 19:10 Uhr.

    Habe gerad einen Hochglanzprospekt von H&M vor mir liegen und sehe die fröhlichen Kinder und Jugendlichen, die diese Klamotten tragen. Die Sendung war dringend nötig, um den betreffenden Konzernen Druck zu machen, damit sie sich nicht mehr mit solchen Erklärungen weiter herausreden. Nur der Sendezeitpunkt ist unverständlich.Sowas gehört in die 20.15 Sendezeit und nicht um 22.45, wenn nur interessierte Zuschauer noch dafür wachbleiben.Warum ist die Redaktion mit so einer Sendezeit einverstande gewesen?
    Wäre interessant, die Hintergründe zu erfahren.

  • Robert
    29.03.2012, 20:04 Uhr.

    Einen ähnlichen Beitrag gab es vor ein paar Wochen schon in der ARD bzgl. der Bedingungen in den HM-Zulieferbetrieben in Bangladesch. So wird zwar ein kurzfristiges mediales Schlaglicht auf die erschreckenden Verhältnisse geworfen, ändern tut sich aber bis auf Lippenbekenntnisse und die Empörung einiger Gutmenschen nichts. So lange uns der freie Markt gepredigt wird, Marken und Läden Niedrigstpreise bei guten Profiten bieten und in den Schwellen- und Drittweltländern skrupelose Unternehmer die Menschen, von Kontrollen und Gesetzen unbehindert, ausbeuten können, solange jeder mit dem Finger auf andere zeigt, wird sich an diesen Zuständen trotz Ihrer sicherlich lobenswerten Dokumentation auch in Jahren und Jahrzehnten kaum etwas ändern.

  • Christian Grimm
    30.03.2012, 23:00 Uhr.

    Sehr geehrtes ZDFzoom Redaktionsteam,

    auch mich hat das Schicksal des herzkranken Mädchens Kousalya beschäftigt. Ich würde mich ebenfalls gern an einer Spende für eine mögliche Operation beteiligen.
    Bitte benachrichtigen Sie mich, es würde mich freuen,
    wenn Sie einen Weg finden dem Mädchen zu helfen.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Christian Grimm

  • Düsseldorfer
    05.04.2012, 23:48 Uhr.

    Solange Indien das die Menschenwürde verachtendes Kastensystem nicht abschafft, sollen wir per Gesetz verbieten Aufträge an indische Hersteller zu geben. Wie kann es sein, dass ein Land sich zur Demokratie bekennt aber gleichzeitig Menschen schon von ihrer Geburt an mit Etiketten verseht, so dass sie lebenslang ungleich behandelt werden?

  • lucretia
    24.05.2012, 15:26 Uhr.

    Solange der Normalverbraucher unabhängig vom Preis und Marke in diesem Land nur Waren kaufen kann, die alle, ob teuer oder billig aus den selben Produktionsstätten kommen, in denen Kinderarbeit an der Tagesordnung ist, Menschenrechtsverletzungen und Umweltgesetze mit Füßen getreten werden, ist die Entscheidung über den Preis vollkommen irrelevant. Teure Marken, Luxuswarenhersteller produzieren in Bangladesh fast ausschließchlich ebenso wie Billigmarken. Dies geschieht nicht ausschließlich auf dem Textilsektor. Die Annahme, dass ein Bürger aus Anständigkeit mehr Geld ausgibt oder ausgeben will, ändert nichts an der Tatsache, dass ArbeiterInnen in Billiglohnländern in einer Woche 12 Stunden am Tag, 6 Tage die Woche für eine Diskountkette fertigen und in der nächsten Woche für eine edle Luxusmarke.

  • lucretia
    24.05.2012, 15:40 Uhr.

    Selbst wenn ein Verbraucher ein Elektrogerät made in Germany oder fully made in EU zum Beispiel kaufen möchte, um die Einhaltung von hier üblichen Arbeitsschutzgesetzen, Vermeidung von Kinderarbeit, Einhaltung von Sicherheitsstandards bezüglich Schutzkleidung und anständiger Entlohnung unterstützen möchte, gibt es nahezu keinen Konzern, welcher keine Produktion bis zu 100% in menschenrechtsverachtende Staaten im Ausland verlegt hat, um Kosten so weit runterzuschrauben, dass Aktionäre auch jedes Jahr ihre Rendite bekommen, egal ob diese selbst jemals ein Produkt der Firma ihrer Aktienanteile gekauft haben oder selbst sich für Menschenrechte einsetzen oder selbst ihr Geld einsetzen für die anständige Produktion von Gütern. So kann ein Label “made in Germany” erlangt werden, wenn nur eine Schraube aus Deutschland kommt. Wie kann ein Verbraucher sich hier überhaupt noch anständig demokratisch entscheiden, mitwirken oder Einfluss nehmen? Es ist unmöglich!

  • lucretia
    24.05.2012, 15:52 Uhr.

    Es müsste eine Zwangsabgabe auf Aktiengeschäfte und Gewinnbeteiligungen geben, wo gerichtlich eindeutig nachgewiesen worden ist, dass sich eine Gewinnmaximierung aus Verletzung von Menschenrechten ergeben hat. Und wenn diese “Zwangsabgabe” sich unterhalb des Totalverlustes der “Gewinnmaximierung” bewegen würde, so wäre dies ein Geschäft mit dem Teufel der reinen Vorteilsnutzer, könnte aber Grundlage einer win-win-Situation werden. Auf der einen Seite könnte man z.B. 20 % der Zwangsabgabe zur Altersabsicherung der Geschädigten einsetzen und die reinen Profit-orientierten würden weiter Profite haben.

  • lucretia
    24.05.2012, 17:05 Uhr.

    Das eigentliche Problem dieser “EU-Kommission” liegt darin, dass alle 27 EU-Staaten alle hochbezahlte Abgeordnete haben, welche einmal im Monat mit allen relevanten Aktenordnern von Brüssel nach Staßburg umziehen, was Milliarden verschlingt, aber selbst anständige Politiker dieses nicht mehr überschauen können. Die zunehmende Entwicklung nationalistischer Bestrebungen in EU-Mitgliedsstaaten hat sich potenziert, weil die individualistischen und völkerrechtlich friedlichen Lebensumstände und Bedürfnisse nicht mehr konform sind mit einer ausschliesslich Wirtschaftswachstumsorientierten Lobby, welche ihre Gewinne einbehält und keine Kontrolle erfährt. Dies lässt sich nicht mit der Abrasur eines Rasenmähers der EU angeordnet einer pauschalisierten Ordnungsbehörde regeln lassen.

  • lucretia
    24.05.2012, 17:18 Uhr.

    Dass Terrorstaaten oder asiatische Staaten(terretorial gar nicht mehr zu Europa gehörend!), welche ihre Bürger ins Gefängnis stecken für die Bekundung ihrer Meinung oder im Ramen ihrer journalistischen Arbeit umgebracht haben und trotzdem in der EU bleiben dürfen, ist eine Katastrophe und ein unzutollerierbarer Zustand!Diese Staaten sollten aufgrund von Menschenrechtsverletzungen aus der EU in Unehren ausgewiesen werden. Egal wie billig diese uns Rohstoffe zukommen lassen. Das wäre ehrlich und konsequent demokratisch nach unserer Verfassung! Griechenland ist eine Demokratie, Aserbaischan nicht!

  • lucretia
    24.05.2012, 17:35 Uhr.

    Die Fußball EM oder Eurovision song contest haben weder Einfluss auf unser BIP(Bruttoinlandsprodukt), noch bieten diese zwei Veranstaltungen kontinuierlich fortschreitende Wirtschaftseinnahmen, es sind reine Prestigeveranstaltungen, welche Zivilbürger ihrer Wohnung und ihrer Rechte entmachten. Es gibt keinen wirtschaftlichen finanziellen Rückfluss an die Bevölkerung!

  • Jödicke,Daniel
    27.05.2012, 15:56 Uhr.

    @lars

    Ich kann Dir kein Beifall geben, du hast unrecht ich arbeite für 7 euro u. kann mir keine Dieseljeans leisten dafür müßte ich ein Jahr lang sparen weil kosten extrem explodiert sind. Was ich heut in euro zahle war mal die D-Mark da liegt auch ein grosser unterschied. Strom,Miete muß ja bezahlt werden sowie Internet Fahrkosten die ich nicht mal ersetz kriege. Wer gut verdient hat bei sowas gutes reden aber keine Ahnung

Kommentare geschlossen

Dieser Beitrag kann nicht länger kommentiert werden.