Russland: Strategien der ehemaligen Sowjetunion

“Schto vy sdjes’ snimajete?”, “Was drehen Sie hier?” – so lautet der Satz, den wir während der Dreharbeiten zu dieser Dokumentation am häufigsten hören. Ob in Jekaterinburg am Ural oder noch weiter draußen im Land. Seit Russlands Kinder des Mittelstandes aufbegehren, zittern nicht nur die Herren des Kreml in Moskau, sondern Amtsträger und Funktionäre im ganzen Land. Sobald eine Kamera auftaucht, verfolgt das offizielle Russland Dreharbeiten mit Argwohn und Misstrauen.

“Sie müssen das bitte verstehen – so kurz vor der Präsidentenwahl …” Dieser Satz, fällt immer wieder, wenn Sicherheitsbestimmungen gängeln und der Blick des jeweiligen Beamten um Verständnis heischt, andererseits aber auch versucht einzuschüchtern. Die Vertreter vor Ort stehen unter Druck. Nichts darf jetzt mehr passieren, das die uneingeschränkte Zustimmung und Allmacht des künftigen Präsidenten infrage stellen könnte. Und wenn doch? Dann darf es auf gar keinen Fall in die Öffentlichkeit gelangen.

Oft verwundert so viel Eifer. In Jekaterinburg wollten wir lediglich eine “Pro Putin”-Demonstration drehen. Die Gefahr für putinfeindliche Aktivitäten schien gering.

Ein anderes Beispiel für die Nervosität, die Russlands Mächtige befallen hat, erleben wir in Besgusowo. Ein kleines Dorf, etwa auf halbem Weg zwischen Moskau und St. Petersburg.

Die Geschichte beginnt im Dezember vergangenen Jahres, als in Russland ein neues Parlament gewählt wird. Die Bewohner von Besgusowo weigern sich geschlossen, ihre Stimme abzugeben. Wahlboykott! So etwas hat es in Russland noch nie gegeben. Der Grund : Seit Jahren bitten die Bewohner des 60-Seelen-Ortes darum, an die Gasversorgung angeschlossen zu werden. Eigentlich ein leichtes, denn die Pipeline führt nur etwa 80 Meter an dem Dorf vorbei. Kein fliessendes Wasser, keine Kanalisation, Strom gibt es nur stundenweise. In Besgusowo klagen sie ein, was die Regierung schon so lange versprochen hat.

Wir wollen in dem Ort vorbeischauen und fragen bei der örtlichen Administration an. Einfach losfahren und drehen – nicht in Russland. Die Antwort ist ausweichend : Nein, bitte nicht jetzt. Vielleicht später. Warum ausgerechnet Besgusowo, und dann so kurz vor der Wahl?

Wir fahren dennoch – und treffen im Dorf auf eine Mauer des Schweigens. Keine Klagen mehr, keine Kritik an der Regierung. Nach einiger Zeit gelingt es uns, mit einer der Bewohnerinnen zu sprechen. Nur einen Tag vor unserer Ankunft tauchten plötzlich der örtliche Parlamentarier sowie einige Herren der Verwaltung im Dorf auf und versprachen Gas, Wasser, Strom und Kanalisation. Alles, wenn die Bewohner nur aufhören würden zu klagen und Mütterchen Russland in aller Öffentlichkeit Schaden zuzufügen. Die Mehrheit in Besgusowo glaubte zwar kein Wort, empfand es in dieser Situation aber als klüger, erst einmal abzuwarten. Werden die Regierenden wohl dieses mal Wort halten?

Wir fahren unverrichteter Dinge wieder ab.

Im Vorfeld der Präsidentenwahl setzt der Kreml auf Strategien der ehemaligen Sowjetunion: Versprechen für ein besseres Leben, verbunden mit Einschüchterungen.

Wir im Übrigen entdecken ein anderes Dorf: “Buduscheje” – Zukunft. Diesen Namen hat der Ort unter Sowjetführer Josef Stalin erhalten. Heute ist das Dorf ein Beispiel für Rückständigkeit und Niedergang. Dinge, die so gar nicht zu den Versprechungen von Wladimir Putin passen.

- Roland Strumpf

9 Kommentare | 22. Februar 2012 | 12:05 Uhr | Twittern | Facebook

9 Kommentare

  1. Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Frei übersetzt: Erst Zarendiktatur, dann Oktoberrevolution mit 74 Jahren Sowjetdiktatur und seit 1991 the same figure in Spezialdemokratie a lá Putin/Medwedjew. Was will man noch mehr. Demokratie? In diesem Land ein Buch mit sieben Siegeln.

    Lauck | 22. Februar 2012 | 17:36 | Antworten
  2. Hallo.

    Reine Propaganda.

    Hat man die Weltkarte vor dem Drehen angesehen?

    In Russland sterben pro Jahr mehrere Tausend Dörfer,weil zu wenig Bevölkerung in Russland ist.Mit solcher kleiner Bevölkerungsdichte ist es unmöglich in kleinen Dörfern erträglicher Lebensqualität zu gewährleisten.

    Rein aus Witschaftlichen gründen ist es unmöglich an alle Dörfer Gasleitung zu ziehen.Aber für Autor ist es ganz egal,Hauptsache etwas schreckliches erzählen.

    Aber man darf nicht zeigen,wohin Leute aus Dörfer fluchten.

    Putin hatte noch nie Zustimmung unter 48% sogar oppositionelle und ausländische Befragungen geben 48% Zustimmung für Putin.

    Hier wurde falsche Information wiedergegeben,38% erschienen zuerst bei oppositioneller Zeitung gazeta.ru,aber da hat man Fehler gemacht,anstatt 58%,hat man 38% geschrieben,ob das Absicht war,oder Tippfehler kann man streiten.Aber Fakt ist Fakt ungeprüfte und falsche Information bei ZDF.

    Man kann andere Unstimmigkeiten mit Wirklichkeit beschreiben,aber dafür braucht man mehrere Stunden.

    Alexander S | 23. Februar 2012 | 01:20 | Antworten
  3. Auch diese Regierung wird sich noch wundern. im Zeitalter
    der Internetkommunikation ist alles nur eine Frage der Zeit.

    linsenmayer | 23. Februar 2012 | 11:35 | Antworten
  4. Die Berichterstattung von Anne Jellinek über Putin war hervorragend-wie immer von ihr gewohnt!
    Wladimir Putin ist mit dem Gedankengut des KGB/GPU/NKWD usw.von Felix Dserschinski über Berija bis heute aufgewachsen und indoktriniert-deshalb sind für ihn immer “ausländische Mächte” an allen Mißständen in seinem “Zarenreich”schuldig!Auch an den Demonstrationen gegen ihn wie ich heute Morgen in den Nachrichten hörte:”die Demonstrationen sind von einer großen ausländischen Macht bestellt und bezahlt!”.
    Das ist alles schon seit Lenins Zeiten dagewesen-man muß nur die Geschichte des KGB lesen,dann kann einen nichts mehr erschüttern!
    Putin kann gar nicht anders “denken”!Nur ein Herr G. Schröder hält (hielt?) ihn ja für einen “lupenreinen Demokraten”.Es ist ein Jammer,wie in Russland “regiert “wird.
    Karlheinz

    Bauer Karlheinz | 23. Februar 2012 | 13:50 | Antworten
  5. Die Berichterstattung von Anne Jellinek über Putin war hervorragend-wie immer von ihr gewohnt!
    Wladimir Putin ist mit dem Gedankengut des KGB/GPU/NKWD usw.von Felix Dserschinski über Berija bis heute aufgewachsen und indoktriniert-deshalb sind für ihn immer “ausländische Mächte” an allen Mißständen in seinem”Zarenreicht” schuldig!Auch an den Demonstrationen gegen ihn,wie ich heute morgen in den Nachrichten hörte:”die Demonstrationen sind von einer großen ausländischen Macht bestellt und bezahlt!”
    Das ist alles schon seit Lenins Zeiten dagewesen-man muß nur die Geschichtes des KGB lesen,dann kann einen nichts mehr erschüttern!
    Putin kann gar nicht anders “denken”!Nur ein G.Schröder hält (hielt?) Putin ja für einen “lupenreinen Demokraten”.Es ist ein Jammer,wie im heutigen Russland immer noch “regiert”wird.
    Karlheinz Bauer

    Bauer Karlheinz | 23. Februar 2012 | 14:09 | Antworten
  6. In Rusland herscht Das Böse . Es ist ein Teater des gleichgültichkeit, wo nur die starken und die korrupten das sagen hat..,
    fast jeden tag höre ich neue beispiele von korruption und politische gewaltanwendung, freiheitsstrafe ohne rechtsschutz,polizeigewalt und unerkläerliche todesursachen im gefängnissen,zersplitterte famillien und weinende mütter.., wann wird es aufhören ?!

    Mike | 23. Februar 2012 | 17:19 | Antworten
  7. Es ist so, die Menschen in Russland kennen keine Demokratie.
    Aber die Menschen können auch nicht unter Demokratie leben.
    Wie es sich in den 90er gezeigt hat,das Land war Bankrott,die Menschen litten an Hunger,sie waren zwar “frei” aber sie hatten nichts davon.Alle Staatlichen Einrichtungen wurden verkauft, Menschen hatten keine Arbeit und keine Aussichten auf Besserung.Putin hat das Land wieder in Griff bekommen, vieles hat sich gebessert(ich habe viele Bekannte die Russland leben und dieser Meinung sind)Es ist klar, dass man in der kurzen Zeit nicht überall für Besserung sorgen kann, und dass viele Dörfer auf der Strecke bleiben.
    Aber wenn man sich so umsieht wo gibt es denn noch die echte und freie Demokratie? ich sage nur Stuttgart 21.

    ankapulimetschica | 23. Februar 2012 | 18:27 | Antworten
  8. putin 8 jahre präsident zu lange?, kohl war 18 jahre kanzler, wurde nicht gewählt sondern kam mit gekauften?abgeordnetenstimmen der FDP an die macht. schon vergessen.abgetreten ist er nur wegen der spendenaffäre sonst wäre er heute noch dran. ja das ist echte demokratie,und die ihn immer wieder wählten echte demokraten. wer im glashaus sitzt sollte nicht mit steinen werfen.jelzin hat u. hätte russland verkauft,wie kann ein chodorkowski in ein paar jahren milliardär werden, die meisten von uns arbeiten ein leben lang und schaffen nicht mal eine million.seit putin wird wieder lohn u. rente bezahlt auch die wohnungen sind beheizt,im grossen russland nichts selbstverständliches,u.vor allen dingen, putin lässt das land nicht vom westen ausbeuten,darum geht es doch in wahrheit. wir wollen einen der dies zulässt, nazideutschland hat wohl nicht gereicht.im deutschen osten gibt es auch sterbende ortschaften sogar im westen.das kleine dorf mit 80 einwohnern hat sogar eine ärztin ,hätte man auch positiv sehen können bei so einem GROSSEN LAND.im kleinen deutschland gibt es sogar orte ohne Arzt, u. es werden immer mehr.wenn ich sehe was seit monaten,ja jahren im euroland abgeht, welcher politiker von hier könnte wohl russland regieren.da lob ich mir den putin.

    karl-heinz schuele | 23. Februar 2012 | 22:57 | Antworten
  9. Und was ist die Antwort, Roland Strumpf? Warum geht das ZDF direkt vor den Wahlen in dieses Dorf zum Drehen?

    Wolkenspalter | 7. März 2012 | 11:03 | Antworten

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