Die Industrie ist am Zug
Als ich mit meinen Recherchen anfing, dachte ich, es würde schwierig werden, Gesprächspartner zu finden, die zum Thema „Nano und Risiko“ vor die Kamera wollen. Aber das stimmt nicht. Im Gegenteil. Vor allem bei Behörden, dem Umweltbundesamt, dem Bundesamt für Risikobewertung und beim Sachverständigenrat für Umweltfragen rannte ich offene Türen ein. Und auch bei Wissenschaftlern, die sich mit dem Thema beschäftigen. Allen gemein ist: Sie sind nicht gegen die Nanotechnologie – im Gegenteil. Sie sehen die großen Chancen, die darin liegen. Und gerade darum ist es ihnen wichtig, über mögliche Risiken zu sprechen, denn das Vertrauen in eine so neue Technologie könne nur dann bestehen bleiben, wenn man offen ist und mögliche Risiken nicht einfach ausklammert. So höre ich es immer wieder. Es geht also um Bedachtsamkeit und nicht um Panikmache. Das ist sicher ein richtiger Gedanke und die Gentechnik-Debatte zeigt, was hier alles schiefgehen kann.
Einen Satz hörte ich auch immer wieder: Wir brauchen mehr Informationen von der Industrie. Seit Jahren fordern Verbraucherverbände und der Bund für Umwelt und Naturschutz eine Kennzeichnung und ein Melderegister für alle verbrauchernahen Produkte, damit jeder nachschauen kann, welches Nanomaterial in den Produkten steckt, die wir kaufen und welche Wirkung es möglicherweise hat.
Jetzt kommt die Kennzeichnung für Kosmetik und Lebensmittel – beides von der EU verordnet. Aber ein Melderegister ist bis jetzt nicht geplant, wird aber seit längerem in der EU diskutiert. Ohne das fehlen wichtige Informationen für den Verbraucher. Die Industrie will kein Register, eines ihrer Argumente: Wir können unsere Verfahren und Techniken nicht öffentlich machen – Stichwort Konkurrenz. Das wäre doch auch gar nicht nötig, es würde ja bereits reichen, in einem Melderegister für Verbraucher die Inhaltstoffe genauer zu erklären und eben auch auf ungeklärte Risiken hinzuweisen. Warum das nicht möglich ist, konnte mir niemand schlüssig erklären.
Gedanken machen sich die Experten vor allem bei Anwendungen, bei denen Nanopartikel freigesetzt werden könnten. Denn die sind oft so winzig, dass wir sie einatmen können. Und sie können bis in die Zellen kommen. Was sie in unserem Körper anstellen, ist noch unklar. Der einfachste Weg für Nanoteilchen führt über die Lunge. Was also ist in den Nano-Sprays, die wir heute kaufen können und die auch in meinem Haushalt stehen? Diese Frage hat mich auf die Idee gebracht, einige Haushaltsprays analysieren zu lassen. Mit einem überraschenden Ergebnis – das Bedenken auslöst.
Nanotechnologie ist ein riesiges Feld, das macht es so kompliziert. Man weiss einfach noch zu wenig, wir müssen mehr Risikoforschung betreiben, mahnen viele unabhängige Fachleute. Es gibt noch sehr viele unbeantwortete Fragen. Egal, ob es um die Wirkung von Nanoteilchen auf den Menschen geht oder auf die Umwelt.
Andrea Hauner
10 Kommentare | 07. Dezember 2011 | 16:36 Uhr |
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10 Kommentare
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ich hab verzweifelt nach einer Sonnencreme ohne Nano im Sommer gesucht für meine Kinder. Bin einfach nicht fündig geworden. Die Dame in der Apotheke hat mir darauf hin erklärt in 80% der Medikamente sind Nanopartikel drin da können wir sowieso nichts machen, sehr beruhigend.
Schlimm das Ganze.
Hallo Frau Schimmerl,
in Sonnencreme sind meines Wissens immer und aus guten Gründen Nano-Teilchen enthalten und Sie sollten auf keinen Fall deshalb auf Sonnenschutz verzichten. Denn auch wenn wir mit unserem Film deutlich machen wollten, dass in Sachen Nano-Technik noch viel Nachholbedarf bei der Risikoforschung besteht – ein Sonnenbrand ist für ihre Kinder auf jeden Fall sehr ungesund.
Unmöglicher Zustand !
die Industrie weigert sich die Inhaltstoffe zu deklarieren und der Kunde hat keine Möglichkeit dagegen vorzugehen.
Ich kann es als Kunde ja nicht einmal durch meinen Konsum steuern, wenn ich nicht weiß in welchen Produkten die Nano-Partikel enthalten sind.
Was noch viel schlimmer ist, die Industrie ist damit aus der Haftung raus, sollte sich in der Zukunft herausstellen, dass es zu schweren Erkrankungen oder Todesfällen kommt !
Der Konsument bzw. die Angehörigen haben dann keine Möglichkeit den Schuldigen zu finden oder zu verklagen.
Wieder einmal ein Beweiß für unsere korrupte Politik, die offensichtlich nichts dagegen unternimmt.
Interessant, dass Sie im Beitrag zwar klarstellen, dass es auf die Menge der Nano-Partkel ankommt die von einer Zelle aufgenommen wird, ob es zu einer Zellentzündung kommt oder nicht. Aus dem Beitrag geht aber icht hervor ob die Nano-Partikel jemals vom Körper wieder abgebaut werden oder sich eine kritische Sättigung der Zellen automatisch irgendwann einstellt. Werden die Nano-Partikel nicht wieder aus der Zelle abgestossen und vom Körper abgebaut würde dies bedeuten, dass wir lebende Zeitbomben in uns tragen.
Mir geht es nicht darum “schwarz zu malen” und alles schlecht zu reden. Es ist toll wenn es neue Entwicklungen und Märkte gibt ! Wenn es die Industrie aber macht um Geld zu verdienen, sollte die Industrie auch haften, wenn es schief läuft !
Schöne Grüße, W.Bratfisch
Die Sendung zur Nano-Technologie empfand ich als sehr informativ. Allerdings hätte ich mir eine verständlichere Erklärung der Größenverhältnisse gewünscht. Eine Euromünze bei der ISS ist mir zu abstrakt. Wie sieht der Vergleich mit den Molekülen der Stoffe aus, die wir täglich um uns herum haben und in uns aufnehmen? Was ist mit den Nickelpartikeln, die im Silberschmuck Allergieen auslösen? Werden Nanopartikel aus dem Klärschlamm im Acker chemisch zerlegt oder können sie als ganzes von den Pflanzen aufgenommen werden? Werden Nanopartikel im Verdauungstrakt abgebaut und welche Folgen haben die Abbauprodukte? Es geht ja nicht nur um Silber!
Die gezeigten Aussagen der Industrievertreter waren vorhersagbar. Das sind doch alles ultraegoistische, geldgierige Ignoranten, die ihre Mitmenschen rücksichtslos ausbeuten1. Siehe die Sendung über die Tengelmann Gruppe.
Es wäre noch interessant gewesen was unsere Kanzlerin Dr. Angela Merkel als Physikerin zu diesem Problem zu sagen gehabt hätte.
Mit freundlichen Grüßen
Wolf Hagen Rösler
Porschestraße 35
27574 Bremerhaven
Liebe Frau Hauner,
ich möchte Ihnen und Ihrem Team ein ganz großes Kompliment zu diesem Film machen!
Das war ganz große Klasse! Informativ, spannend, kritisch, gut recherchiert, menschlich, anspruchsvoll, verständlich….
Viele Grüße
Diana
Ich fand die Sendung gestern sehr interessant, habe aber einen wichtigen Bereich vermisst, in der die Diskussion bzw. auch Untersuchung nach Nano-Partikeln sehr interessant gewesen wäre. In neuen Impfungen (z.B. Schweinegrippe oder Influenza) gibt es Wirkverstärker (z.B. AS03) auf Nanogröße.
In der Sendung wurde darüber diskutiert, ob es möglich ist, dass Nanopartikel in den Körper gelangen können. Bei den Impfungen werden sie direkt in den Körper injiziert! Sind da die Risiken schon bekannt?
Bei einer Kennzeichnungspflicht werden bestimmt die Pharma-Konzerne wieder außen vor gelassen, da dieser Bereich irgendwie unantastbar wirkt.
Mich würde ja schon interessieren, warum die Impfungen in der Sendung nicht angesprochen wurden. Aus Unwissenheit oder bewusst?
Wie sieht es denn mit den natürlich vorkommenden Nanopartikeln aus? An den Meeresküsten der Welt wird der Sand durch Wind und Wellen immer weiter zerkleinert und dabei entstehen auch Nanopartikel, z.B. aus Siliziumdioxid. Ähnliche Partikel wurden im Beitrag ja genannt. Wenn nun der Wind weht, sind genau diese Nanopartikel in der Luft. Dazu kommen Aerosolpartikel aus dem Meereswasser selbst. Müssen wir die Strände jetzt vorsorglich sperren?
Ein anderes sicher kritisches Material ist Tabakrauch! In ihm sind auch Nanopartikel von ohnehin schon giftigen Substanzen enthalten. Sollte es da nicht im Sinne einer umfassenden Vorsorge ein grundsätzliches weitgehendes Rauchverbot geben?
Danach könnte man sich dann um die kleineren Mengen und Konzentrationen kümmern, die heute und schon seit langem weit verbreitet vorkommen.
Autofahren ohne Gurt (im Beitrag bei 24:15min) ist auch gefährlich, wann gibt es dazu einen ZDFzoom-Beitrag?
Autofahren ohne Gurt (im Beitrag bei 24:15min) ist auch gefährlich, wann gibt es dazu einen ZDFzoom-Beitrag?
Auch in allen gängigen Zahnfüllmaterialien sind Nano-Partikel enthalten.
Zur Sonnencreme ohne Nano: die gibt es ganz oft! Einfach bei google eingeben: “Sonnenschutz” “nano-frei”. Ist mineralisch, aber teurer.