Sodom und Gomorra

Vor knapp zwei Wochen haben wir in ZDF.zoom über “Toxic City” berichtet, sind der Frage nachgegangen, was deutscher Elektroschrott in Ghana anrichtet.

Chris Caliman hat für uns in Ghana gedreht – und was er dort bei den Dreharbeiten sah, hat in ziemlich beeindruckt. So sehr, dass er aus dem Material eine dreiminütige Mini-Doku geschnitten und auf seine Seite gestellt hat: sehr eindringliche Bilder! Seine Mini-Doku: absolut sehenswert!

6 Kommentare | 20. Juni 2011 | 14:33 Uhr

6 Kommentare

  1. Hallo,
    ich habe Toxic City gesehen und war – nicht überrascht von der Tatsache, dass deutscher Elektroschrott in Ghana landet, aber überrascht über die Dimension. Gibt es denn auch Hinweise darauf, dass sich große Abfallentsorger wie Rethmann an dem schmutzigen Geschäft beteiligen?
    Uwe Hellner

    Uwe Hellner | 21. Juni 2011 | 10:10
    • Hallo,

      aus der Ökopol-Studie http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/3769.pdf geht hervor, dass wohl der größte Teil des Elektroschrott aus privaten Quellen stammt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die großen Entsorger direkt nach Afrika verschiffen, sehr wohl scheint es vorzukommen, dass Geräte dort “abgezweigt” werden. Ich erhielt allerdings per Mail einen Hinweis auf eine sehr große Firma, die ganz offensichtlichen Elektroschrott auf ihrer Website zum Verkauf anbot – kann man sich denken, wer sich dafür interesiert. Das werde ich mal verfolgen.
      Gruß, C. Bock

      Christian Bock | 21. Juni 2011 | 12:16
  2. .. Kompliment an Chris für den Film. Den dort sitzenden Mann mit den Koran-Blättern hatten wir in einigen früheren Schnittversionen ausprobiert, aber leider passte er nie richtig. Er saß jeden Tag mindestens zwei Stunden an diesem Ort und las. Schön, dass er jetzt nochmal gezeigt wird. Die meisten Bewohner des Slums sind übrigens Moslems aus dem Norden Ghanas.

    Christian Bock | 21. Juni 2011 | 12:23
  3. Mini-Doku? Was ist das denn für eine Wortschöpfung. Die Dokumentation Toxic-City von Christian Bock war wirklich sehr sehenswert. Diese Bilder-Collage dagegen ist allenfalls als Erinnerungsstück für das ZDF-Team interessant, aber so unkommentiert ohne jede Aussage. Der Betrachter kann die Bilder nur einordnen, wenn er Toxic-City vorab gesehen hat. Und wenn das der Fall ist, bringt dieser 3-Minüter einen auch nicht weiter. Sehr spannend, was das ZDF als “äußerst sehenswert” einstuft und zur Mini-Doku krönt.

    Carsten | 21. Juni 2011 | 17:35
    • (ZDF) Nina Behlendorf

      Lieber Carsten, ehrlich gesagt stammt die Wortschöpfung von unserem Kameramann. Den haben die Bilder so beeindruckt, dass er sie pur, ohne Text, ganz für sich wirken lassen wollte. Und uns hat der Zusammenschnitt so gut gefallen, dass wir es niemandem vorenthalten wollten. Aber natürlich nur als Ergänzung zur kompletten Doku von Christian Bock und Kameramann Chris Caliman. Viele Grüße! ZDFzoom

      (ZDF) Nina Behlendorf | 21. Juni 2011 | 17:39
  4. Nicht der Export von Elektroschrott ist das Problem, sondern daß vor Ort (bsw. in Ghana) die Verwertung nicht in geordnete Bahnen gelenkt wird. Daß Elektrogeräte in Entwicklungsländer exportiert werden, zeigt doch, daß nach diesen Geräten eine enorme Nachfrage besteht, weil sich die Menschen dort neue Geräte nie leisten könnten. Auch defekte Geräte sind kein Schrott, sondern wertvolle Ersatzteillager für andere Geräte, die repariert werden müssen. Die Menschen dort können es sich noch nicht leisten, eine Wegwerf-Gesellschaft wie wir zu sein.
    Wir geben hier viel Geld aus für mehr oder weniger sinnvolle Polizeikontrollen, anstatt in den Empfängerländern lieber technische und wirtschaftliche Hilfen zu leisten, damit Elektrogeräte vor Ort umweltgerecht auseinandergenommen werden und die einzelnen Materialien, bsw. Platinen vor Ort aufgekauft und nach Europa auf dem Schiffsweg zurückgebracht werden, um die wertvollen Rohstoffe daraus zurückzugewinnen. Auch geschreddertes Plastic oder Glas sowie Kabel mit wertvollem Kupfer könnte auf diesem Weg wiederverwertet werden und den Ankauf und Einsatz von Rohstoffen in Europa vermindern. Gerade die Entwicklungsländer eignen sich doch für Tätigkeiten des Recyclings, da die Lohnkosten dort niedrig sind und die Menschen dringend Arbeitsplätze brauchen.

    Klaus D. Böhnke | 30. April 2012 | 14:48