Von Hamburg nach Afrika

Der Hamburger Hafen

Der Hamburger Hafen

Christian Bock hat für seine Doku “Toxic City” auch hierzulande gedreht, in Hamburg…

Von hier aus gelangen jährlich etwa 5000 Container mit Elektrogeräten nach Afrika. Eigentlich sind die Regeln klar: Schrott darf nicht exportiert werden, funktionsfähige Gebrauchtgeräte schon. Wir öffnen mit den Beamten des Zolls einen LKW: 100 TV-Geräte, dazu Kühlschränke, Computer (einer mit dem Aufkleber „Deutsche Bahn“), Fernseher. Ist das Schrott oder noch funktionsfähig? Muss man jetzt alles durchtesten? Schulterzucken.

Nur wenn alle Geräte ganz eindeutig kaputt sind,  können die Beamten sie zumindest zurückhalten. Doch dann passiert oft Folgendes: Die Beamten melden es der Hamburger Umweltbehörde. Die fragt bei der Exportbehörde des Absenders (sagen wir mal: in Nürnberg) an, ob es sich um Schrott oder Gebrauchtware handelt. Die Nürnberger Behörde fragt beim Versender nach. Der antwortet (sagen wir mal): “Nein, alles Gebrauchtgeräte.” Das meldet die Nürnberger Behörde den Hamburgern, die geben das an die Wasserschutzpolizei weiter, und die muss die Sendung dann doch ziehen lassen. Irrsinn.

12 Kommentare | 08. Juni 2011 | 11:47 Uhr

12 Kommentare

  1. Hallo,
    finde Ihre Sendung Gut.
    Habe bisher meine z.B. alten Monitore (21″Rohre) funktionierend zum Wertstoffhof gebracht.
    Macht es Sinn funktionierende Geräte wo anderst abzugeben, wo Sie z.B. in Afrika oder sonst wo von Nutzen sind ???

    Marc | 8. Juni 2011 | 23:50
    • Vielen Dank! Wegen Ihren alten Monitoren können Sie sich auch bei Ihrem Wertstoffhof erkundigen, ob die zB Sozialkaufhäuser beliefern. Wenn Sie explizit nach Afrika gehen sollen (was ja durchaus sinnvoll sein kann, wenn die Geräte in Ordnung sind), müssten Sie sich ebenfalls nach einer lokalen Organisation umhören, etwa bei den Kirchen. MfG Bock

      Christian Bock | 9. Juni 2011 | 15:07
  2. …selten so einen dämlichen Bericht gesehen!
    Gebrauchte Fernseher dürfen also nicht als solche verkauft werden, weil sie eines Tages nicht mehr gebrauchsfähig sind und dann auf dem Müll enden.
    Also sollen Ghanaer nach dieser Logik nur neue Fernseher kaufen dürfen oder ansonsten eben nicht fernsehen?
    Enden neue Fernseher nicht auch eines Tages auf dem Müll?
    Alle Welt redet davon die Rohstoffe in Elektrogeräten zu recyclen, damit eben die knapper werdenden Rohstoffe wieder dem Kreislauf zugeführt werden können. Afrikaner sollen aber nicht recyclen dürfen. Warum?
    Evtl weil die afrikanischen Regierungen versagen und sich nicht um eine ordnungsgemässe Entsorgung des Restmülls kümmern und ihre Leute in Unwissenheit über evtl Gefahren lassen oder es sie schlicht und einfach nicht kümmert.
    Deshalb sind wir die Bösen??
    Total falscher Ansatz in diesem Bericht, dumm und reisserisch.
    Ach ja, ein ‘armer’ Mensch bekam auch nur EUR 4,-/kg für wiedergewonnes Kupfer. Die Hälfte des Weltmarktpreises. Schande!
    Nur – der Weltmarktpreis für Kupfer bezieht sich auf zertifizierte Kupferkathoden mit einer Reinheit von 99,99%. Hier handelt es sich aber um Kupferschrott minderer Reinheit, welcher sofort bezahlt werden muss, dann gesammelt und dann zu einem Werk gefahren werden muss. Das kostet eben..
    Der ‘arme’ Mensch hat einen fairen Preis für sein Kupfer bekommen!
    Hört sich aber toll an – er hat ‘nur’ die Hälfte des Weltmarktpreises bekommen…
    Schon mal daran gedacht wieviel Menschen in Ghana davon leben, genauso wie etliche Menschen in Pakistan davon leben Schiffe am Strand abzuzwracken ….
    Da geschehen weltweit ganz andere Dinge um die es sich lohnen würde zu berichten.

    Gerresheim | 9. Juni 2011 | 00:41
    • Da teile ich naturgemäß Ihre Meinung nicht ganz … Wir hatten ja nicht gesagt, dass Gebrauchtgeräte per se unsinnig sind. Es geht nur darum, dass diese ausreichend funktionsfähig sein müssen, und vor allem darum, dass in den Handelscontainern nicht bis zu 70% Schrottware sind (wie einer der Händler sagte). Dazu werden im Augenblick Richtlinien entworfen, unter anderem müssen Exporteure dann nachweisen, dass ihre Geräte noch gut sind. Leider wird das noch einige Jahre dauern.
      Inwiefern die Kupferpreise missverständlich sind, ist mir nicht so klar. Das bezog sich auf den Preis, den dieser Händler in Tema bekommt. Und die sind, soweit ich das sehe, Weltmarktpreise.
      Ansonsten empfehle ich http://www.greenpeace.org/raw/content/international/press/reports/poisoning-the-poor-electonic.pdf – hieraus können Sie ersehen, dass dieses “Recycling” sehr viel schädlicher ist als das Arbeiten mit (fast) reinem Stahlschrott.
      Und natürlich gibt es weltweit mindestens genau so berichtenswerte Themen wie Agbogbloshie, das stellt niemand in Abrede. Sehen Sie es als Beitrag zur Vielfalt.
      MfG
      Bock

      Christian Bock | 9. Juni 2011 | 15:19
  3. interessante sendung, leider zur unpassenden sendezeit. zudem wurde nicht detailiert auf die drahtzieher bzw handelhäuser im hamburger hafen eingegangen die sich mit dem export eine goldene nase verdiene. ich hätte mir da mehr aufklärung erhofft.
    grüsse pr

    Peter Reichelt | 9. Juni 2011 | 09:59
    • Das mit der goldenen Nase ist so eine Sache. Wenn, dann sind es wenige Personen, die wirklich viel Geld verdienen. Die Sache ist ja, dass die vielen Einzelnen, die für ihre alten Geräte noch ein paar Euro haben wollen, eher das Problem sind als Großhändler. In dieser Publikation
      http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/3769.pdf ist es genauer aufgeschlüsselt, wenn Sie das Thema interessiert.
      MfG
      Bock

      Christian Bock | 9. Juni 2011 | 15:22
  4. Die Sendung war informativ, deswegen kann ich einen der Vorkommentatoren nicht verstehen.
    Ich lebe in Afrika, habe mir die Sendung im Internet angesehen. Mit Sicherheit brauchen wir den europäischen und speziell den deutschen Dreck nicht hier.
    Wir produzieren selbst genug das nicht recycled wird!
    Es geht also nicht darum was weltweit geschieht, sondern wie man in den “reichen” Wegwerfgesellschaften damit umgeht.

    Das Problem mögen ja ruhig einige wenige Händler sein aber viele Einzelne die für ihr Altgerät ein paar Euro möchten.
    Ich meine aber eher dass das System an sich nicht so richtig funktioniert auf allen Ebenen.
    Wie ich von Bekannten weiss scheint es gar nicht so einfach zu sein sein Gerümpel bei den Werthof Deponien loszuwerden.
    Man muss in der Regel erst mal eine Transportmöglichkeit haben und teils verschiedene Werthöfe anfahren für unterschiedliches Gerümpel.
    Früher gab es dafür mal die Sperrmüllabholung.
    Wenn dann der Zoll auch nur dabeisteht und nichts machen kann, ausser wie im Film gezeigt das Kühlschrankgas kontrollieren, dann wird das eben auch zur Farce und facht nur diese krummen “Exporte” weiter an.
    Gruss FB

    Fritz B. | 10. Juni 2011 | 10:24
  5. Einige Anmerkungen:
    Warum wurde die Sendung nach hinten verschoben,in der Tagespresse stand noch eine andere Zeit?
    Der Preis ist in Ordnung, 4 EUR je kg. Da ist noch viel Dreck drin, bis das Cu 8/kg wert ist sind viele Arbeitsschritte notwedig, der Zwischenhandel will (und muss) auch verdienen und ist auch notwenidg. Da wurde niemand über den Tisch gezogen.
    Der Prestel Verlag hat ein Buch genau zu Agbogbloshie gemacht, “Permanent Error”. Schade dass das nicht erwähnt wurde.
    Das Thema war gut und auch die Akribie und der betriebene Aufwand, mit der versucht wurde, die gesamte Kette des E-Schrott zu rekonstruieren, beeindruckend. Ich hätte nicht gedacht dass die Ausfuhr von offensichtlich überwiegend mülligen Geräten möglich ist, angesichts des in Deutschland vorherherrschenden Kontrollwahns im allgemeinen und im besonderen nochmals gesteigert im Abfallbereich. (“Doch nicht aus Deutschland!”).
    Was ich nicht verstehe ist warum man einen solchen Bericht nicht ruhiger abdrehen kann. Warum müssen so viele Schnitte sein, warum können die eingeblendeten Namen nicht still stehen? Das Thema ist doch aufregend genug, da braucht es nicht noch künstlich eingefügte Knalleffekte.

    Andreas Jessberger | 10. Juni 2011 | 19:26
    • (ZDF) Nina Behlendorf

      Hallo Andreas, leider wurde die Sendung wegen einer länger dauernden Live-Show nach hinten verschoben.
      Was den Look von zoom angeht: Wir drehen grundsätzlich mit zwei Kameras. Derzeit arbeiten wir daran, dass die Namen länger still stehen – sind aber ansonsten sehr froh darüber, wie zdf.zoom daher kommt. Beste Grüße!

      (ZDF) Nina Behlendorf | 13. Juni 2011 | 08:03
  6. Ich kenne Agbogbloshie, ich weiß, wie es dort riecht.
    Die Sendung habe ich aber leider verpasst. Ist das der gleiche Beitrag, den es vom Spiegel mal gab? Falls nicht, kann ich hier irgendwo sehen, wann die Sendung wiederholt wird?

    Liebe Grüße!
    Saskia A.

    Saskia A. | 11. Juni 2011 | 18:13
    • (ZDF) Nina Behlendorf

      Die Doku hat Christian Bock ausschließlich für uns gedreht. Unter zoom.zdf.de kann man sie jederzeit in unserer Mediathek anschauen – einfach auf das Video-Flashband gehen und die Doku auswählen.

      Beste Grüße! Nina

      (ZDF) Nina Behlendorf | 13. Juni 2011 | 08:00
  7. Hallo,

    erst einmal den wahrscheinlich hundertmillionsten Glückwunsch zu “Toxic City”! Eine beeindruckende und lebendige Dokumentation.
    Ich arbeite selbst für eine Organisation, die eine Dokumentation über die Arbeits- und Lebensbedingungen von Kleinfischern in der Region um Cape Coast / Ghana plant. Wir sind auf massive behördliche ‘Schwierigkeiten’ gestoßen, was Genehmigung und freies Filmen anbelangt. Evtl. könnte man da einen Erfahrungsaustausch betreiben? Wir sind über jede Hilfe dankbar.

    Mit besten Grüßen
    Andreas Klöpping

    Andreas Klöpping | 28. Juni 2012 | 10:27