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Allgemein · Zarendämmerung · ZDFzoom
Zarendämmerung
Ein kleiner Vorgeschmack auf die Doku aus dem Morgenmagazin!
Kommentieren | ZDFzoom Redaktion | 22. Februar 2012 | 14:14 Uhr |
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Allgemein · Zarendämmerung · ZDFzoom
Russland: Strategien der ehemaligen Sowjetunion
“Schto vy sdjes’ snimajete?”, “Was drehen Sie hier?” – so lautet der Satz, den wir während der Dreharbeiten zu dieser Dokumentation am häufigsten hören. Ob in Jekaterinburg am Ural oder noch weiter draußen im Land. Seit Russlands Kinder des Mittelstandes aufbegehren, zittern nicht nur die Herren des Kreml in Moskau, sondern Amtsträger und Funktionäre im ganzen Land. Sobald eine Kamera auftaucht, verfolgt das offizielle Russland Dreharbeiten mit Argwohn und Misstrauen.
“Sie müssen das bitte verstehen – so kurz vor der Präsidentenwahl …” Dieser Satz, fällt immer wieder, wenn Sicherheitsbestimmungen gängeln und der Blick des jeweiligen Beamten um Verständnis heischt, andererseits aber auch versucht einzuschüchtern. Die Vertreter vor Ort stehen unter Druck. Nichts darf jetzt mehr passieren, das die uneingeschränkte Zustimmung und Allmacht des künftigen Präsidenten infrage stellen könnte. Und wenn doch? Dann darf es auf gar keinen Fall in die Öffentlichkeit gelangen.
Oft verwundert so viel Eifer. In Jekaterinburg wollten wir lediglich eine “Pro Putin”-Demonstration drehen. Die Gefahr für putinfeindliche Aktivitäten schien gering.
Ein anderes Beispiel für die Nervosität, die Russlands Mächtige befallen hat, erleben wir in Besgusowo. Ein kleines Dorf, etwa auf halbem Weg zwischen Moskau und St. Petersburg.
Die Geschichte beginnt im Dezember vergangenen Jahres, als in Russland ein neues Parlament gewählt wird. Die Bewohner von Besgusowo weigern sich geschlossen, ihre Stimme abzugeben. Wahlboykott! So etwas hat es in Russland noch nie gegeben. Der Grund : Seit Jahren bitten die Bewohner des 60-Seelen-Ortes darum, an die Gasversorgung angeschlossen zu werden. Eigentlich ein leichtes, denn die Pipeline führt nur etwa 80 Meter an dem Dorf vorbei. Kein fliessendes Wasser, keine Kanalisation, Strom gibt es nur stundenweise. In Besgusowo klagen sie ein, was die Regierung schon so lange versprochen hat.
Wir wollen in dem Ort vorbeischauen und fragen bei der örtlichen Administration an. Einfach losfahren und drehen – nicht in Russland. Die Antwort ist ausweichend : Nein, bitte nicht jetzt. Vielleicht später. Warum ausgerechnet Besgusowo, und dann so kurz vor der Wahl?
Wir fahren dennoch – und treffen im Dorf auf eine Mauer des Schweigens. Keine Klagen mehr, keine Kritik an der Regierung. Nach einiger Zeit gelingt es uns, mit einer der Bewohnerinnen zu sprechen. Nur einen Tag vor unserer Ankunft tauchten plötzlich der örtliche Parlamentarier sowie einige Herren der Verwaltung im Dorf auf und versprachen Gas, Wasser, Strom und Kanalisation. Alles, wenn die Bewohner nur aufhören würden zu klagen und Mütterchen Russland in aller Öffentlichkeit Schaden zuzufügen. Die Mehrheit in Besgusowo glaubte zwar kein Wort, empfand es in dieser Situation aber als klüger, erst einmal abzuwarten. Werden die Regierenden wohl dieses mal Wort halten?
Wir fahren unverrichteter Dinge wieder ab.
Im Vorfeld der Präsidentenwahl setzt der Kreml auf Strategien der ehemaligen Sowjetunion: Versprechen für ein besseres Leben, verbunden mit Einschüchterungen.
Wir im Übrigen entdecken ein anderes Dorf: “Buduscheje” – Zukunft. Diesen Namen hat der Ort unter Sowjetführer Josef Stalin erhalten. Heute ist das Dorf ein Beispiel für Rückständigkeit und Niedergang. Dinge, die so gar nicht zu den Versprechungen von Wladimir Putin passen.
- Roland Strumpf
Kommentieren | ZDFzoom Redaktion | 22. Februar 2012 | 12:05 Uhr |
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So einfach wie Turnschuhe kaufen
Sollte man das? Drogen vor der Kamera kaufen – oder den Kauf mit versteckter Kamera protokollieren? Ich habe bei dieser Frage lange gezögert. Und ich finde: Ja, in diesem Fall schon.
Crystal ist eine Teufelsdroge, die blitzschnell abhängig macht. Süchtige haben mir erzählt, dass sie von Händlern auf den Vietnamesenmärkten in Tschechien ganz offen auf die Droge angesprochen werden. Manchmal legen die Verkäufer sogar heimlich ein kleines Päckchen ungefragt als “Kostprobe” beim Kauf anderer Waren dazu. Es sei also denkbar einfach, an Crystal ranzukommen, heißt es.
Ich konnte die Schilderungen kaum glauben und entschied mich, für ZDFzoom den Test zu machen. Natürlich klopft das Herz, denn es ist der erste Drogenkauf meines Lebens. Was ist, wenn irgendetwas schief läuft? Das, was mich am Ende am meisten erschreckte, war das Unspektakuläre an dem Drogendeal. Er dauerte keine zehn Minuten. Ich habe die Händler ganz offen nach der Droge gefragt. Kein Misstrauen mir gegenüber, keine Nachfragen, nichts. So einfach, als hätte ich mir ein paar Turnschuhe gekauft.
Das macht den “Erfolg” der Designerdroge aus: Sie ist leicht herzustellen und leicht zu beschaffen. Sie ist relativ preiswert und ein halbes Gramm reicht für einen zwei- bis dreitägigen Rausch.
Es hat mich erschreckt, mit Ärzten über die Folgen des Crystal-Konsums zu sprechen. Die hochgiftige Droge reißt regelrechte Löcher ins Gehirn – wie bei einem Schweizer Käse. Es hat mich berührt, mit Patienten wie Marcus zu sprechen, die schon vor vielen Jahren in den Drogensumpf gerieten und mit all der Kraft, die ihnen noch geblieben ist, einen Weg aus der Hölle suchen. Seit etwa zwei Jahren hat der Crystalschmuggel entlang der Grenze dramatisch zugenommen. In Sachsen und Bayern gibt es kaum noch Clubs und Diskotheken, wo das Zeug nicht angeboten wird. Es hat die Städte erreicht. Und der Vormarsch, warnt die Polizei, ist kaum zu stoppen. Irgendwann wird es nach und nach auch alle anderen Bundesländer betreffen. Keine guten Aussichten.
- Carsten Thurau
3 Kommentare | ZDFzoom Redaktion | 14. Februar 2012 | 16:19 Uhr |
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Jobmotor oder Ausbeutung?
Etwa 900.000 Menschen sind aktuell bei gut 15.000 lizensierten Zeitarbeitsfirmen beschäftigt. Ein großer Teil als ungelernte oder gering qualifizierte Arbeiter. Die Lohnuntergrenze liegt bei knapp 8 Euro – “zum Leben zu viel, zum Sterben zu wenig”, sagt Leiharbeiter Tom in unserer zoom-Doku “Zeitarbeit – Jobmotor oder Ausbeutung?”. Hier die Doku noch einmal in voller Länge:
Kommentieren | (ZDF) Nina Behlendorf | 13. Februar 2012 | 15:26 Uhr |
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Ärztepfusch? - Patienten klagen an · ZDFzoom
Ein Thema, das es in sich hat
„Machen Sie bloß keine Fehler bei Ihrer Arbeit“, warnt die anonyme Männerstimme am Telefon. „Das könnte Sie sonst teuer zu stehen kommen!“ Kein Anfang für einen schlechten Krimi, sondern der Beginn meiner Recherchen für die zoom-Dokumentation „Ärztepfusch? – Patienten klagen an“.
Schnell wird klar, dass es dieses Thema in sich haben wird. Denn das milliardenschwere Geschäft mit unserer Gesundheit erlaubt nur sehr bedingt Einblicke in ihre Fehlerkultur: Vertuschen, verschweigen und drohen – meine persönlichen Erfahrungen in den sechs Monaten Arbeit an diesem Film. Viele vertrauliche Hintergrundgespräche mit Schwestern, Pflegern, Ärzten und Klinikmanagern brachten mir zwar wichtige und spannende Einblicke in die Medizin-Szene, aber öffentlich äußern wollte sich anfangs zu Fehldiagnosen und Behandlungsfehler meist niemand: „Da werden Sie kaum jemand vor die Kamera kriegen, der wirklich auspackt“, war der Tenor. „Und wenn Sie einen Fall gefunden haben, werden die Klinikleitung und ihre PR-Leute alles unternehmen, die Veröffentlichung des Schicksals eines Patienten zu verhindern!“
Jeder von uns macht Fehler in seinem Job, und natürlich auch Ärzte und medizinisches Personal. Doch deren Fehler haben leider häufig massive gesundheitliche Folgen für den betroffenen Patienten. Schlimm genug, wenn es passiert, aber für die Geschädigten ist es unverzeihlich, wenn sich die „Götter in Weiß“ nicht für ihre Fehler entschuldigen oder das Klinikmanagement versucht, den Vorfall zu vertuschen. Klagt dann doch ein Patient oder ein Angehöriger, müssen sie häufig jahrelange kostspielige Prozesse in Kauf nehmen. Denn Ärzte und Krankenhäuser fürchten um ihr Image, um ihre Versicherungsprämien und bangen ums Geschäft. Denn welcher Patient geht schon freiwillig zu dem Arzt oder in die Klinik, die dafür bekannt ist, dass – aus welchen Gründen auch immer – „gepfuscht“ wird? Da schweigt man lieber.
Viele Krankenhäuser stecken in der Krise: der enorme Zeit- und Kostendruck, überfordertes Personal, mangelnde Hygiene- und Sicherheitseinrichtungen zur „Patientensicherheit“ führen zwangsläufig zu Fehlern. Dazu kommen Eitelkeit, Leichtsinn und Geldgier einzelner Ärzte und Geschäftsführer. Jedes Jahr nehmen so schätzungsweise über 400.000 Menschen allein in deutschen Krankenhäusern Schaden.
Ich konnte aber auch eine positive Entwicklung feststellen. Besonders in der jüngeren Ärztegeneration findet ein Umdenken statt: hin zu einer offenen Fehlerkultur und zu mehr Anstrengungen, die Patientensicherheit zu verbessern. Doch das System kann sich nur ändern, wenn auch Klinikmanagement und ihre PR-Strategen verstehen lernen, dass Menschen wie Menschen behandelt werden wollen, und dass man auch aus Fehlern lernen kann und darf. Man muss nicht immer gleich vertuschen und mit der juristischen Keule drohen, wenn Missstände öffentlich gemacht werden; lautet der eherne Grundsatz der Medizin doch: Primum non nocere – zuallererst nicht schädigen.
- Wolfgang Klauser
24 Kommentare | (ZDF) Nina Behlendorf | 30. Januar 2012 | 10:34 Uhr |
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“Devise: Anpacken, aber nicht zu weit gehen”
Der Entwurf zur Änderung des Arzneimittelgesetzes durch die Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz wirkt auf den ersten Blick wie ein Schnellschuss auf eine Hähnchenfleischstichprobe des BUND. Der hatte unlängst antibiotika-resistente Keime in jeder zweiten Probe gefunden und dadurch deutschlandweit einen Aufschrei ausgelöst und nach eigenen Angaben 23.000 Teilnehmer zur Großdemo am vergangenen Samstag mobilisiert. Thema war auch der Gesetzentwurf: “Unzureichend, übereilt, undurchdacht”, so der Tenor vieler Demonstranten.
Und wenn man den Entwurf liest, kommt man tatsächlich zu dem Eindruck, dass da einiges noch nicht so ganz durchdacht ist. Da sollen zwar endlich die Daten über den Antibiotika-Einsatz in der Tiermast besser erfasst werden, aber der eigentliche Unsinn, der überhaupt erst zum hohen Einsatz von Antibiotika führt, wird in diesem Gesetzentwurf nicht angepackt. Die Bedingungen für die Nutztierhaltung nämlich.
Nach einer Studie des Verbraucherschutzministeriums Nordrhein-Westfalens bekommen 96 Prozent der Masthähnchen mindesten einmal in ihrem 35 Tage dauernden Leben Antibiotika. “EinTierarzt darf Antibiotika ja nur im Krankheitsfall verschreiben und das muss auch so sein”, redet sich die Ministerin raus und verweist auf das Tierschutzrecht. Dass aufmerksame und geschäftstüchtige Tierärzte bei 39.000 Tieren in einem Stall vermutlich immer ein krankes Huhn finden, spielt in ihren Überlegungen offenbar keine Rolle.
Die Folgen dieser ministerialen Grundeinstellung lassen sich nicht länger verbergen. Der Antibiotika-Einsatz in der Tiermast wird zum Problem für den Menschen. Ist ein Huhn krank, werden alle behandelt. Über das Trinkwasser. Ein einzelnes Tier zu behandeln, ist nicht möglich und auch gar nicht nötig. Das bleibt auch in Zukunft so. Das wird auch die Laboruntersuchung, die die Landwirtschaftsministerin in Zukunft hin und wieder von den Tierärzten einfordern lassen will, nicht ändern. Denn erst bei einem Wechsel eines Wirkstoffes oder bei einer wiederholten Anwendung wird diese aufwändige und für den Tierhalter kostenintensive Analyse zur Pflicht. Das Gesetz greift also immer erst beim zweiten Einsatz von Antibiotika.
Was auf den ersten Blick wie Flüchtigkeitsfehler bei einer Spontan-Reaktion aussieht, ist in Wirklichkeit seit August in Arbeit und detailliert geplant. Es ist ein Spagat zwischen zwei Ressorts, die einfach nicht in ein und dasselbe Ministerium passen: Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Damals, als die Staatssekretäre den Auftrag zur Ausarbeitung des Gesetzentwurfes bekamen, wurden alle EU-Regierungen von der europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit gewarnt. Vor ESBL-bildenden Keimen aus der Geflügelmast. ESBL zerstört eine ganze Reihe von Antibiotika und die Keime, die diesen Stoff produzieren, breiten sich immer weiter aus. Das ist genauso bekannt wie beunruhigend. Und es passt vor allem nicht ins Bild der erfolgreichen deutschen Agrarindustrie, die gerade zur weltweiten Nummer eins der Fleischexporteure emporgestiegen ist.
In Bayern, dem Hauptwirkungsland der Bundesministerin, pflegt man traditionell einen sehr engen Schulterschluss zwischen Landwirtschaft und Politik. Für eine Verbraucherschutzministerin kann das schwierig werden, denn von der erwartet man ja, dass sie bei der Lebensmittelproduktion etwas genauer hinschaut. Daher musste der Gesetzentwurf vor allem zwei Voraussetzungen erfüllen.
1. Er soll Tatkraft demonstrieren. “Seht her ich habe das Problem erkannt und packe es an”, soll er nach außen zeigen. Das macht die Verbraucherschutzministerin beliebt beim Volk und sichert Wählerstimmen.
2. Er darf nicht zu weit gehen. “Macht Euch keine Sorgen, es bleibt alles wie gehabt”, das müssen die Wirtschaftsverbände erkennen, damit sie die Landwirtschaftsministerin und deren Partei auch in Zukunft unterstützen.Und vielleicht wäre der Plan auch aufgegangen, wenn das Ministerium die Keime und den mit ihnen verbundenen Schrecken, den sie beim Volk auslösen, nicht unterschätzt hätte. Ilse Aigner wird sich in den kommenden Debatten um ihren Gesetzentwurf schon bald entscheiden müssen: Ist sie Landwirtschafts- oder Verbraucherschutzministerin? Als ich sie für das ZDFzoom auf der Grünen Woche in Berlin befragt habe, da war sie noch Landwirtschaftsministerin.
- Torsten Mehltretter
5 Kommentare | strompen.m | 25. Januar 2012 | 12:28 Uhr |
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Allgemein · ZDFzoom · Zeitarbeit
“Zeitarbeiter gehen immer zuerst”
“Zeitarbeiter sind die Ersten, die in der Krise gehen müssen”, sagen Michael Clauss (rechts) und Andre Halfenberg. Die beiden sind Betriebsräte bei Daimler in Untertürkheim. Die ständige Unsicherheit sei es, die belaste. Denn wer kann schon an Nachwuchs denken, ein Haus kaufen oder ein Auto finanzieren, wenn unklar ist, wo man in einem halben Jahr arbeitet. Das Interview mit den beiden Betriebsräte gibt es hier in voller Länge:
27 Kommentare | strompen.m | 13. Januar 2012 | 10:38 Uhr |
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Finger weg von Zeitarbeit?
Auf der Suche nach Interviewpartnern für Zeitarbeit stoße ich ziemlich schnell auf Menschen, die sich teils jahrelang als Leiharbeiter durchschlagen, und das Frustpotenzial ist groß. „Diese Sklavenarbeit sollte man abschaffen“, „Du bist als Leiharbeiter doch nur Mensch zweiter Klasse“ und „Ich hörte immer wieder: ‘Hey Leiher, mach mal dies, mach mal das.’ Ich habe gar keinen Namen bei den Kollegen“.
Viele lehnen es rundheraus ab, sich vor der Kamera zu zeigen, aber doch nicht alle. Tom (Name geändert) aus Bad Salzuflen sagt, ihm ist es egal. Wenn ihn seine Firma feuert, findet er eben eine andere. Geht das so einfach? Ich will es selbst herausfinden und bewerbe mich in einer norddeutschen Stadt als Hilfsarbeiter während einer von der Arbeitsagentur organisierten Messe. Ich hinterlasse einen Lebenslauf, stecke Visitenkarten ein und tatsächlich: Binnen weniger Tage habe ich einen Job. Der Zufall führt mich in eine Zeitarbeiterkarriere, die einiges von dem bestätigt, was meine Interviewpartner erzählen: Ich muss ohne schriftlichen Vertrag arbeiten, bekomme trotz Tätigkeit auf dem Bau keine Sicherheitsschuhe, der Arbeitgeber nennt mich nur „den Leiharbeiter“ – und am Ende habe ich große Probleme mit der Bezahlung für meine Arbeit als Bauhelfer.
Auf der Suche nach Gesprächspartnern, die mir von unseriösen Praktiken aus der Branche berichten, muss ich nicht einmal Aussteiger oder Undercover-Interviewpartner suchen. Das Problem, sagt mir der Inhaber einer großen Zeitarbeitsfirma in Heilbronn, sind die vielen kleinen Firmen. Die müssen eng kalkulieren, und da ist es bis zum Betrug gar nicht weit. Er weiß, dass die Konkurrenten Menschen als 400-Euro-Jobber einstellen und Vollzeit arbeiten lassen, dass bei den Stundensätzen getrickst wird; aber auch, dass Industrieunternehmen öfter mal sagen: „Ich brauch einen Mann für drei Wochen, aber die erste Woche zahle ich nicht“.
Also Finger weg von Zeitarbeit? So weit würde ich nicht gehen. Wir finden auch Menschen, die zufällig vor unserer laufenden Kamera erfahren, dass sie fest übernommen werden, und andere, die froh sind, wenigstens hier eine Chance zu bekommen. Das Problem liegt darin, dass sowohl Zeitarbeitsfirmen als auch Industriebetriebe das Instrument der Zeitarbeit ausnutzen. Daimler in Stuttgart beschäftigt nicht nur eigene Leiharbeiter (mit dem Betriebsrat hat man sich auf eine Quote von 8 Prozent geeinigt), sondern auch über so genannte Werkverträge Subunternehmer, die ihrerseits Leiharbeiter einsetzen – außerhalb des Überblicks des Betriebsrats, und noch einmal schlechter bezahlt als die „Daimler“-Leiharbeiter. Im Gegensatz zu der angeblich so verschwiegenen Zeitarbeitsbranche sind die Stuttgarter Manager aber nicht bereit, sich vor unserer Kamera zu äußern.
- Christian Bock
100 Kommentare | ZDFzoom Redaktion | 12. Januar 2012 | 16:00 Uhr |
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Das illegale Geschäft mit Hundebabys · ZDFzoom
Bis zu 400 Prozent Gewinn
Wir warten auf der Münchner Leopoldstraße auf zwei Männer, zwei Männer aus Polen. Über eine deutsche Internetseite hatten wir Kontakt aufgenommen, auf der Suche nach reinrassigen englischen Bulldoggen. Vierhundert Euro soll ein Welpe kosten, Verbandszüchter verlangen etwa das Vierfache. Werden sie wirklich mit einem Welpen auf dem Arm am Unibrunnen auftauchen? Und werden sie, wie versprochen, Papiere dabei haben, Impfpässe, die beweisen, dass die Hunde gesund sind?
In unserer Begleitung befindet sich Karl-Heinz Joachim vom Tierheim München, er soll die Angaben der angeblichen Welpenzüchter überprüfen. Er kennt das Problem mit polnischen Hunden nur zu gut: Immer wieder landen Welpen bei ihm, wenn sich Tage oder Wochen nach dem Kauf herausstellt, dass die Tiere todkrank sind.
Tatsächlich erscheinen die polnischen Züchter mit einem niedlichen Welpen unter der Jacke. Schnell stellt sich heraus: Weder ist das Tier geimpft noch alt genug, um überhaupt von der Mutter getrennt zu werden. Und: Im Kleinwagen warten zwölf weitere Hundebabys, zusammengepfercht, hungrig und erschöpft von der neun Stunden langen Reise aus dem Osten. Karl-Heinz Joachim ruft die Polizei.
Etwa 5,4 Millionen Hunde gibt es in Deutschland. Zigtausende sind Schnäppchenwelpen aus dem Ausland: Rassehunde, angeblich aus hervorragender Zucht, via Internet nach Deutschland exportiert. Für die Züchter ein lohnendes Geschäft mit bis zu vierhundert Prozent Gewinn. Doch wie gelangen die Welpen nach Deutschland, wer profitiert vom schmutzigen Geschäft mit der Ware Hund? Das wollte ich herausfinden und habe mich im letzten halben Jahr auf die Fährte sogenannter “Welpenproduzenten” begeben…
- Utta Seidenspinner
29 Kommentare | ZDFzoom Redaktion | 10. Januar 2012 | 10:00 Uhr |
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