Kinder auf der Überholspur
Pisa, verkürzte Schulzeiten und verstärkter Leistungsdruck. Da machen sich viele Eltern Gedanken: Was ist das Beste für mein Kind? Reicht das, was sie in der Schule aus, um sie für den Arbeitsmarkt vorzubereiten? Was meint ihr dazu?
Was bringt frühe Bildung? Wann ist sie Förderung, wann Überforderung? Das hat eine Familie mit drei Kindern als Experiment ausprobiert. Die Kindern lernen Klavier spielen, müssen zur Mathe-Nachhilfe und zum Turnen. Die ZDF-Reportage zeigt das Bildungs-Experiment.
7 Kommentare | 13. Oktober 2012 | 08:27 Uhr |
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Schneller- Höher und Weiter. Dieser sportliche Slogan ist alles andere als erstrebenswert, verlangt er doch schon von Kindern und heranwachsenden den täglich vollen Einsatz um mitzuhalten. Gestern noch hatte der Mensch Zeit, und hat sie sich genommen, um sich und seine Dinge zu erledigen. Erst vor wenigen Jahren startete jene unheilvolle Begrifflichkeit der „Leistungsgesellschaft“ den Frontalangriff auf den Menschen. Leistung sollte sich lohnen, sollte entlohnt werden. Doch schnell sahen die Leistungswilligen, jene, die nach steter beruflicher Bestätigung von einem Ort zum nächsten hasteten nur um Leistungsfähig zu sein, dass außer Luft und Inhaltsleere nichts blieb vom Ruhm der Anerkennung. Das Geld und den Ruhm nahmen andere mit. Jene die es verstanden haben mit weniger „Leistung“ die Hand noch offener zu halten. Burnout und Depressionen sind die Folge einer dem Leistungsgedanken nachjagenden kranken Gesellschaft. Das fängt schon im Kindergarten an.
Dem Märchen jenes Leistungsprinzips widersprechen jedoch jährlich veröffentlicht empirische Studien in denen die Diskrepanz zwischen Erwartungshaltung anderer und dem eigenen Leistungsdruck erläutert wird. Hier wird der Zusammenhang zwischen Leistungsgedanke und krankmachender Hast nach Leistung anschaulich vermittelt und die daraus sich ergebenen Folgen einer massenhaften Entladung psychosomatischer Resignationen wie Burnout und Depressionen plausibel hergestellt. Nicht nur ältere Beschäftigte, gut ausgebildete oder intellektuelle Berufsbilder, driften reihenweise in schwere Depressionen ab. Es sind vor allem jüngere und weniger Qualifizierte, welche die an sie gestellten Anforderungen immer schwerer erfüllen können. Heut… in unserer Lebenswirklichkeit macht sich Leistung oder beruflicher Einsatz nicht mehr bezahlt. Weder im Gehalt noch in der sozialen Anerkennung. Der soziale Status (auch im Lohn) einer hart arbeitenden examinierten Krankenschwester zum Beispiel, eines Lebensmittelverkäufers oder einer Verkäuferin an der Supermarktkasse tritt weit weit hinter den eines Fussballspielers oder Fernsehprominenten zurück.
Hast- Arbeit und Anerkennung ist nicht alles im Leben.
susi
Wir reisen, kommunizieren, operieren und leben nach dem neusten stand der Technik bzw. nach dem neusten Stand menschlichen Wissens.
Nur die Kinder in unserem Rohstoffarmen Land werden im Prinzip unterrichtet wie vor 200 Jahren.
Sie müssen in kurzer Zeit Wissen auswendig lernen, es wieder vonsichgeben und werden dafür benotet bevor sie das Meiste davon wieder vergessen haben.
Fragt doch mal die OECD wie sie Deutschlands Bildungssystem sieht.
Auf “Leistung” gedrillte Egomanen, ohne Kreativität und Fähigkeit Zusammenhänge zu begreifen, wollen/sollen mit Gehorsam und Ellenbogeneinsatz also in Zukunft jeweils 5 Rentner versorgen. Na dann …
Kinder werden heutzutage gleichzeitig unter- und überfordert, gelangweilt und gedemütigt in der Schule.
Weil der Staat es nicht schafft psychologische und pädagogische Erkenntnisse der letzten 200 Jahre anzuwenden bzw. den Unterricht darauf anzupassen.
Es gibt ja Privatschulen in denen dies getan wird, wo Schüler von anderen Schülern lernen, die Schüler motiviert werden, das Lernen Spaß macht, die Schule dann beginnt wenn die Schüler auch aufnahmefähig sind und die Schulstunden solang oder kurz sind, wie es Sinn macht; der Sport zu der Zeit gemacht wird, wenn es biorhythmisch passt; und die Kinder eher lernen wie man das Wissen bewertet und mit dem Wissen der Menschheit umgeht, was man heutzutage immer und überall abrufen kann.
Gruß
Hugo
PS:
Aber nicht jeder Mensch hat das Geld, um z.B. monatlich 1500 Euro pro Kind für Schulgebühren auszugeben.
Also läufts darauf hinaus, daß Reiche ihre Kinder gut ausbilden lassen können, während staatliche Schulen nur noch veraltete und minderwertige Trash-Ausbildungen leisten.
Willkommen im “Chancengerechten Deutschland”
Die Bildungsfreiheit ist in der Tat ein sehr hohes Gut. Das Problem mit solchen Privatschulen ist eben, dass sie viel mehr Geld zu Verfügung haben können als staatliche Schulen, aber eben häufig wohl nicht allen zugänglich sind. Aber dass das deutsche, staatliche Bildungssystem so schlecht ist, wie es hier beschrieben wird, glaube ich auch nicht. Es spielt aber eine zu große Rolle denke ich, was die Eltern ihren Kindern beigebracht haben, in der Hinsicht, was sie naher schaffen können. Hier muss kostenfreie (!) Frühkindliche Bildung ansetzen, damit alle ähnliche Chancen haben können.
Man darf nie vergessen, dass Extreme nie gut sind. Weder extreme Förderung, noch das Nichtstun sind echte Alternativen.
Kinder früh zu fördern heißt ja nicht sie zum Flötenspielen zu zwingen oder dergleichen. Es kann ja einfach heißen, dass ihnen vorgelesen wird oder sie später mit anderen zusammen etwas spielen können: Ich denke es dürfte klar sein, dass spielende Kinder lernen, solange das Spiel sie in gesundem Maße in den richtigen Bereichen fordert. Nur Kindern früh den Spaß zu nehmen wird sie ihr Leben lang zeichnen.
Aber ganz ohne Initiative von außen wird es nicht gehen: Gerade bei Musikinstrumenten wird etwas (!) Zwang immer nötig sein, da ein Kind normalerweise nicht gerne übt, solange es spielen könnte, auch wenn das spielen an sich ihm Spaß macht. Nur darf man es auf keinen Fall übertreiben.
Das schlimmste was man also machen kann ist m.E. die Kinder 1. gar nicht zu fördern und z.B. den Austausch mit anderen einzuschränken und 2. die Kindern zu überfordern und zu irgendetwas zu zwingen, auch wenn es mittelfristig erfolgreich erscheinen mag.
Statt die Kinder jeden Tag 50 km mit dem Auto zum Englisch-Unterricht oder zu anderen fragwürdigen Veranstaltungen zu fahren (und dabei die mittlere Spur zu blockieren, obwohl rechts alles frei ist), könnte man ihnen auch beibringen, dass man nicht jede Strecke mit dem Auto zurücklegen muss. DAS bleibt heute imho nämlich viel mehr auf der Strecke als irgendwelche Sprachkenntnisse, die in der Schule durchaus brauchbar vermittelt werden. Im Übrigen ist es Aufgabe der Eltern, den Kindern einen gesunden Lebensstil, Umgangsformen, das Radfahren usw. beizubringen. Englisch oder Mathematik zu lehren ist dagegen _nicht_ ihre Aufgabe – genau hier ist die Schule zuständig.
Eins der großen Probleme der heutigen Erziehung ist, dass die Eltern wohlmeinent viel zu viel vorgeben und “helfen” (siehe Hausaufgaben). Kinder müssen auch lernen, selbstständig zu sein und nicht alles von den Eltern vorgegeben zu bekommen.
aber genau da fehlt es bei manchen , dass hier grundlegendes nicht vermittelt wird. (wobei ich bei dem zu viel auch zustimm
) und dann entstehen Schichtengesellschaften. Bei Kleinkindern kann sowas noch am ehesten “ausbügeln”.