Die Gäste am 26. September 2012
Peyman Amin ist bekannt als früheres Jury-Mitglied bei “Germany’s Next Topmodel“. Sein Bruder Omid Amin hat das Downsyndrom. Amin findet, es sei ein “Unding, wenn Eltern darüber bestimmen, dass Kinder mit Downsyndrom kein Recht auf Leben haben, nur weil die Eltern ein besseres Leben für sich selbst haben möchten!” Mit dem Praena-Test nehme man dieses Schöne am Leben weg, indem man im Vorfeld schon alles vorkalkuliert.
Mit Amin diskutiert Monika Hey.
Sie hat das Buch „Mein gläserner Bauch“ geschrieben. Darin beschreibt Hey ihr eigenes Erlebnis mit der Pränataldiagnostik. Hey hatte 1998 aus Unkenntnis einem Schwangerschaftsabbruch zugestimmt. Hey sagt: “Pränataldiagnostik stellt das Leben von Kindern infrage, die anders sind als die Norm.” Ihre Kritik richtet sich “gegen die grundsätzliche Selbstverständlichkeit mit der Pränataldiagnostik angeboten wird und im Grunde auch erwartet wird von Schwangeren.“ Wenn Schwangere wüssten, was “die Alternative ist, wenn ich weiß, dass ich keine Abtreibung will, weil das meiner Haltung zum Leben nicht übereinstimmt, dann mache ich diesen Test nicht und nehme mein Recht auf Nichtwissen in Anspruch.” Hey arbeitet als Coach in Köln.
Prof. Dr. Klaus Vetter ist seit über zwanzig Jahren Chefarzt der Klinik für Geburtsmedizin am Vivantes Klinikum Neukölln, einem Lehrkrankenhaus der Charité Berlin. Vetter sieht den Praenatest als Forschritt, weil er das Risiko von Fehlgeburten durch invasive Diagnostik erspart. Beim Test ginge es nicht darum, Behinderung abzulehnen, sondern Elternschaft überhaupt zu ermöglichen. Denn viele Frauen würden ohne die Möglichkeit der Pränataldiagnostik auf ein Kind völlig verzichten.
Prof. Dr. Klaus Vetter (Foto: Privat) diskutiert mit Peyman Amin (Foto: ABC4kids e.V.) und Monika Hey (Foto: Monika Nonnenmacher) am Mittwoch, dem 26. September bei log in. Ihr habt Fragen an die Gäste? Stellt sie hier!
4 Kommentare | 24. September 2012 | 14:56 Uhr |
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Ich finde die Entscheidung für oder gegen eine Blutuntersuchung muss jeder,ohne Vorwürfe von anderen,selbst treffen,auch über die Abtreibung eines behinderten Ungeborenen,wenn er mit dem Großziehen oder Addoptionsfreigabe eines behinderten Kind nicht psychisch zurecht kommt.Da helfen keine Vorwürfe,die die Schwangere vielleicht nur noch mehr in die Enge treiben und ein Suizidversuch auslösen,der schlechtenfalls zum Tod von Schwangere und Ungeborenem führt.
Es geht m.E. nicht darum, einer Frau die Abtreibung eines behinderten Kindes vorzuwerfen, sondern darum, dass Frauen im Fall der Fälle mit der Diagnose alleingelassen werden. Außerdem wird recht einseitig nach Trisomie 21 gesucht. Andere Gendefekte oder Behinderungen bleiben unerkannt. Wie weit wird es gehen, wenn alle möglichen Behinderungen oder Einschränkungen vorhergesagt werden können? Das hat meiner Meinung nach nichts mehr mit Entscheidungshilfe zu tun …
Macht den Frauen keine Vorschriften, sie wissen alleine , was zu tun ist. Die Pränataldiagnostik ist eine Entscheidungshilfe, nicht mehr und nicht weniger.
Leider ist Pränataldiagnostik NICHT IMMER eine Entscheidungshilfe. In meinem Fall genau das Gegenteil von dem, was M.Hey durchmachen musste. Bei meiner Schwangerschaft wurde eine häufige Fehlbildung festgestellt. Spät. Weitere Untersuchungen ergaben laut hoch dotiertem Arzt, der die 3-d Ultraschalltechnik entwickelte, keine weiteren Auffälligkeiten. Ich merkte an, das ich kaum Bewegungen spüre, nur Zuckungen. Das wurde gänzlich ignoriert. Eine Cordozentese (Nabelschnurblutuntersuchung) wurde gemacht und man vermittelte mir, alles sei in bester Ordnung! Dabei gibt es ca. 30.000 Gene von denen lediglich 2-bekannt sind. Nur grobe Chromosomenauffälligkeiten sind erkennbar.
Man ist Versuchskaninchen und die Ärzte verdienen! Darum geht es.
Adoptieren möchte leider niemand solch ein armes Wesen. Ist seit Jahren im Pflegeheim 100% mehrfach schwerst behindert.