“Nutzen gegen Risiken abwägen. Mehr kann man kaum sagen.”

Hirnforscher Manfred Spitzer stellte sich gestern nach der Sendung im Chat noch 20 Minuten euren Fragen und gab Antworten darauf, wie ein sinnvoller Umgang mit digitalen Medien aussiehten könnte und ob er beim Recherchieren für sein Buch auch mal gegoogelt hat.

Der Chat zum Nachlesen:

jan4321: Hallo Herr Spitzer, Sie argumentieren in vielen Medienauftritten immer wieder mit denselben Studien, stellen viele der Gegenstudien aber als von Grund auf falsch hin. Hinterfragen Sie ihre ausgewählten Studien auch so kritisch?

Manfred Spitzer: Ja, das tue ich durchaus!

Gast6412 (Gast): Herr Spitzer, ich finde es ganz gut wie Sie es erklärt haben, schade finde ich nur das Sie keiner verstehen wollte.

Manfred Spitzer: DANKE!

Gafti: Herr Spitzer, wir sind uns ja einig, dass wir Aufklärung über die digitalen Medien brauchen. Meinen Sie nicht, dass ein kontrollierter Umgang mit den Medien gleichbedeutend ist mit guter Aufklärung? Was haben Sie gegen den kontrollierten Umgang mit digitalen Medien? (zeitlich und thematisch begrenzt und kontrolliert).

Manfred Spitzer: Gegen kontrollierten Umgang von Erwachsenen hab ich gar nichts. Bei Kindern ist das anders. Solange wir nichts wissen, schon gar keine Vorteile kennen, und die Nachteile sehr klar sind, sollten bei denen keine Experimente machen…

Gast4393 (Gast): Hallo Herr Spitzer, wie haben Sie denn für Ihr Buch recherchiert? Steckt nicht darin auch ein bisschen Google?

Manfred Spitzer: Natürlich! Aber ich habe mir dann jeweils – das tue ich grundsätzlich – die Originalarbeiten besorgt und gelesen.

Uwe Hauck: Woher beziehen Sie die Idee der digitalen Demenz. Dieser Begriff existiert eigentlich nur als Modewort im asiatischen Raum und wurde durch keine glaubwürdige Studie belegt.

Manfred Spitzer: Der Begriff stammt von koreanischen Ärzten, die bei jungen Menschen demenzähnliche Symptome festgestellt haben, die viel Medienkonsum hinter sich hatten.

Gast6399 (Gast): Herr Spitzer, wie nutzen/ erschließen Sie Quellen? On- oder offline?

Manfred Spitzer: Beides.

Gast4628 (Gast): Herr Spitzer, Ihre Meinung gefällt mir sehr. Ich kann Sie auch in sehr vielen Punkten wirklich gut verstehen.

Manfred Spitzer: DANKE!

Gast6466 (Gast): Herr Spitzer, ich beschäftige mich beruflich und privat extrem intensiv mit Computern. Ich bin mir sicher, dass ich vor vielen Jahren auch Suchtsymptome hatte. Heute habe ich den Eindruck, dass Sucht kein Problem bei mir ist, obwohl ich mich immer noch sehr viel mit Computern beschäftige. Würden Sie mir empfehlen einen (bestimmten) Arzt oder eine andere Stelle aufzusuchen um das genauer zu untersuchen?

Manfred Spitzer: Schwierig! Letztlich können Sie das nur selbst entscheiden. Wenn Sie mit Computern arbeiten, ist das nicht gefährlich. In meinem Buch gibt es ne Art Sucht-Checkliste. Leihen Sie sich das mal aus!

mister-ede: Herr Spitzer, ich wüsste gerne, wie sehr Ihr Auftritt mit der Veröffentlichung Ihres Buches zusammenhängt und wie sehr mit der Sorge um die Zukunft der Gesellschaft?

Manfred Spitzer: Meine Sorge um die Gesellschaft hat bewirkt, dass ich das Buch geschrieben habe. Dies hat bewirkt, dass ich hier eingeladen wurde.

agent007cc: Herr Spitzer, Sie kritisieren auf der einen Seite die digitalen Medien, aber auf der anderen Seite behaupten Sie, dass Medienkompetenztrainigs schwachsinnig seien. Nennen Sie mir doch bitte einmal einen konkreten Lösungsvorschlag.

Manfred Spitzer: Dosisreduktion! Nur dies ist als effektiv nachgewiesen. Alles andere wird behauptet, ohne das etwas bewiesen wäre.

Stefan248: Hallo Hr. Spitzer, wie sollte den ein sinnvoller Umgang mit den Medien aussehen bzw. wie könnte er denn so genutzt werden das er uns mehr bringt als uns schadet?

Manfred Spitzer: Nutzen gegen Risiken abwägen. Mehr kann man kaum sagen.

Gast6599 (Gast): Sie haben Recht. Unkontrolliertes Internet gehört nicht in Kinderhände.

Gast1567 (Gast): Herr Spitzer, finden Sie nicht das guter Informatikunterricht an Schulen (die ja ziemlich zu kurz kommen) mehr bringen würde? Programmieren ist ja bekanntlich eine kognitive Leistung und fördert das Denkvermögen. Auch Algebra und Algorithmen wirken sich doch positiv auf das Lernen aus.

Manfred Spitzer: Ja, guter Informatikunterricht wäre schön. Aber solange im Unterricht letztlich die Schwächen der Produkte von Microsoft thematisiert werden, sollte man ihn lassen.

Gast6419 (Gast): Herr Spitzer, kannten sie die Sendung oder ihre Diskussionspartner als sie diesen Termin angenommen haben?

Manfred Spitzer: Nein.

Manfred Spitzer: Danke fürs Mitmachen!

3 Kommentare | 30. August 2012 | 16:18 Uhr | Twittern | Facebook

3 Kommentare

  1. Guten Tag Herr Spitzer und Herr Häusler,

    ich habe ihre Sendung mit Interesse gesehen.

    Eins möchte ich gerne mal klar stellen: Als Kind habe ich schon gelernt, dass wenn Einer redet, der Andere die Klappe zu halten hat. Dies zeigt Rezept gegenüber den Anderen. Trotzalledem kann man natürlich Kontroverse Disskusionen, vor allem sachlich, führen.

    Das Buch habe ich leider noch nicht gelesen. Ich bin ein reger Internetuser. Auch bei Facebook. Ich weiß aber auch, das Internet und den PC vernünftig zu nutzen. Ich vermeide Smartphones. Ich habe selbst die Erfahrung gemacht, dass ich mal ein App bei Studivz gespielt habe. Nach ein paar Wochen stellte ich fest, was für sinnvolle Freizeit mir verloren geht, um ein bisschen Obst zu ernten. Was für ein quatsch.

    Herr Spitzer, Sie brauchen sich für ihren Bestseller nicht zu rechtfertigen, denn die Grundlage für dieses “Fachbuch” sind ja unabhängige Studien (wir wissen ja alle, dass interessierte Unternehmen, die solche Studien in Auftrag geben meistens auch das Interesse der Auftraggeber vertreten).

    Herr Häusler, bitte vergessen Sie nicht, dass Sie aus der IT Branche sind. Sie als Fachmann sind sowieso davon überzeugt davon, dass alles was mit den neuen Medien geschieht, richtig ist.
    Wie sieht es mit der Kreativität in Ihrer Familie aus. Befinden Sie sich noch in der Lage, eigene Dinge mit der Hand zu fertigen. Zum Beispiel eine Geburtstagskarte mit verschiedenen Materialien zu basteln (bitte ohne PC und Vorlagen aus dem Buch) und dann noch einen selbst erstellten kreativen Text zu verfassen.

    Können Sie noch mit den 5 super entwickelten Sinnen den Menschen Dinge wahrnehmen. Wie fühlt sich Papier an? Warum raschelt das Textil. Warum riecht der Klebstoff (ohne diesen als Droge zu missbrauchen)? Was für ein Vogel ist das? Was für Geräusche macht dieser? Wie fühlt sich das Gefieder an usw.? Ich meine die wahre Realität.

    Durch den PC und auch deren Spiele bekommt man nur noch alles vorgegaukelt. Einer ist der Kreative und 100000 sind diejenigen, die nach den Vorgaben der Anderen zu handeln haben. Spielen ihre Kinder noch Spiele, die zwar schon bekannt sind, aber mit abgewandelten Regeln, die natürlich von ihren Kinder erstellt wurden? Oder haben Sie schon eigene Spiele fantasievoll aufgestellt?

    Warum immer diese Kriegsspiele? Gefällt uns unsere heile friedvolle Biowelt nicht mehr. Und können wir nur noch auf höchsten Niveau meckern über die Eurokrise und Inflation? Wenn bei uns schon nicht geballert wird, dann wenigstens auf dem PC. Dann können ja im Notfall alle Zocker als Reservisten losziehen.

    Nur durch das eigene Entdecken seiner Stärken und Schwächen und Fantasie, Kreativität und Ideen in der wahren Realität können wir mit guten Fachkräften und individuellen Menschen rechnen, die wirklich was imposantes in Zukunft auf die Beine stellen.

    Liebe Grüße Steffi

    Steffi Wirsing | 31. August 2012 | 10:15 | Antworten
  2. Irgendwie fand ich die letzten beiden Sendungen ziemlich gut. Die Beschneidungs-Sendung vielleicht noch etwas besser.

    Die Gäste haben sehr sachlich diskutiert und sind auch auf die Argumente der “anderen Seite” eingegangen. Der Politiker aus dieser Sendung war hier noch am unangenehmsten, weil er Kritik schlicht ignoriert hat.

    Auf den Einwurf, dass sich die “Medienkommission” des Bundestages im Prinzip den Medien völlig unkritisch gegenüber stellt, geht er z.B. gar nicht ein.

    Ich hätte Spitzer wahrscheinlich gefragt, ab welchem Alter er denn mit Fernsehen oder Computer bei Kindern anfangen würde, ab wann er es in der Schule einsetzen würde. (Z.B. Oberstufe)

    Man könnte fragen, ob man es in der Grundschule verbieten solle, “Schreibaufgaben” mit dem Computer zu erledigen, so wie auch der Taschenrechner für Mathe nicht ausgepackt werden sollte.

    mister-ede | 31. August 2012 | 12:47 | Antworten
  3. Ein Medien-Lehrstück der allerbesten Sorte, wie ich meine! Um in Medien-Nerd-Sprache zu erklären: Spock trifft auf Astro-TV! In meinem privaten Umfeld sind restlos alle Jugendlichen völlig frei von Moral,Neugier,Sozialkontakten et natura und verharren in suizidaler Argonie sobald das Teamspeak 3 vom Netz ist. Allzusehr hasse ich auch mittlerweile ansehen zu müssen, dass das neue “Äh-Pott” in der Tagesschau hofiert wird, zu meinen Gebühren!
    Die allgemeine Volksverblödung via Internet wird nachweisbar legislativ gefördert und macht Sinn. Anders ist dieses Regime hier nicht mehr überlebensfähig. Herr Dr.Spitzer, ich danke für Ihre erfrischende Vorführung der Verantwortlichen & verbleibe mit Guter Hoffnung!

    Speckiecki | 31. August 2012 | 20:55 | Antworten

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