“Gute Spieler verdienen viel Geld”
Ist es gerecht, dass
männliche Fußballer viel mehr verdienen als weibliche? Wollen Fans moderne, überdachte Fußballarenen oder authentische Stadien, in denen sie auch mal im Regen sitzen? Braucht ein Stadion Stehplätze? Fußballvermarkter Hendrik Schiphorst diskutierte darüber im log in-Chat mit Euch. Hier gibt es Eure Fragen und seine Antworten zum Nachlesen:
Hendrik Schiphorst: Da bin ich – schön dass ich bei euch im Chat sein kann – schießt los!
Gast187 (Gast): Herr Schiphorst, gibt es für Sie eine Möglichkeit die verhärteten Fronten zwischen aktiver Fanszene auf der einen Seite und den Interessen der Sponsoren und Vorständen der Vereine auf der anderen Seite aufzuweichen?
Hendrik Schiphorst: Ich glaube, wir versuchen einen Dialog zu pflegen – in wie auch immer gearteten Foren. Am Ende sind die Sponsoren natürlich auch sehr interessiert daran, mit den Fans in einen Dialog zu treten – die Fans müssen das dann allerdings auch wollen.
Gast330 (Gast): Herr Schiphorst, ich vermute mal Sie sind für Abschaffung der Stehplätze. Kann man ja mehr vermarkten, richtig?
Hendrik Schiphorst: Nein, absolut falsch. Stehplätze haben eine Berechtigung im Fußball und sollten auf jeden Fall erhalten bleiben.
Balmung2000: Okay, also Herr Schiphorst, wie stehen Sie denn zu den Tiermorden in der Ukraine für den Kommerz und für den König Fußball?
Hendrik Schiphorst: Die verurteile ich selbstverständlich, wobei ich den direkten Zusammenhang zwischen Tiermord und Fußball-Kommerz nicht so recht herstellen kann.
Gast394 (Gast): Herr Schiphorst, glauben Sie tatsächlich, dass der HSV ein besserer Verein ist, wenn er sich Millionäre einkauft? Ist es nicht sinnvoller, Talente mit einem ORDENTLICHEN (gedeckelten) Gehalt auszustatten und mit Identifikation, Talent und Kampfgeist zum Erfolg zu führen? Die erfolgreichsten Nationalmannschaften sind nicht die mit den höchsten Spielprämien!!!
Hendrik Schiphorst: Ich glaube, der sportliche Erfolg eines Vereins hängt vom vorhandenen Spielermaterial ab. Und gute Spieler verdienen viel Geld. Talente aufzubauen ist wichtig und gehört zu jedem Verein und in jede Mannschaft, aber 11 Talente allein gewinnen in der Regel keine Meisterschaft.
Gast379 (Gast): Herr Schiphorst, ist es nicht ein Grundproblem des Kapitalismus, dass immer mehr geschaffen werden muss; Genau gesagt Dienste wie Sportfive beinahe gezwungen sind immer mehr im Fußball zu vermarkten, um geforderte Zahlen zu erfüllen? Dadurch entsteht irgendwie eine Zwickmühle, weil die Vermarkungsmöglichkeiten nun einmal im Stadion physisch begrenzt sind.
Hendrik Schiphorst: Die Vereine ermuntern uns Sportvermarkter, immer höhere Erlöse zu erzielen. Das geht zum einen über neue Vermarktungsmöglichkeiten (siehe Stadionnamen) und zum anderen über Preiserhöhungen von bestehenden Werberechten. Am Ende ist auch Sportfive nicht die Wohlfahrt und ist gezwungen, Erlöse zu steigern.
Gast6105 (Gast): Herr Schiphorst, warum sind Sie der Meinung, dass uns Fans auf den Stehplatztribünen die modernen Stadien wie die Allianz-Arena oder das Zentralstadion in Leipzig besser gefallen, als Stadien wie die Alte Försterei bei der bei Regen mehrere Tausend Leute im Matsch stehen. Dies tun diese Leute freiwillig!
Hendrik Schiphorst: Aus meiner Sicht sprechen die steigenden Zuschauerzahlen in den modernen Stadien eine deutliche Sprache: Der Stadionkomfort nimmt zu, neue Zielgruppen (Frauen, Kinder) gehen deutlich häufiger ins Stadion. Und auch in der Alten Försterei tut sich ja einiges, was den Komfort, zum Beispiel die Überdachung der Fantribünen, angeht.
Gast379 (Gast): Herr Schiphorst, warum fällt es Marketingagenturen wie der ihren immer sehr schwer die Gefühle der Fankurven in Bezug auf Marketingaktionen nachzuvollziehen und anzupassen? Beispiel: Bunte Plastikklatschhände sind den Fankurven ein Graus, trotzdem werden sie den Vereinen & Sponsoren immer wieder als PR Aktion vorgeschlagen. Gibt‘s da keinen Lerneffekt?
Hendrik Schiphorst: Grundsätzlich werden diese Aktionen immer mit den Vereinen abgestimmt – am Ende entscheidet der Verein, welche Aktionen gemacht werden und welche nicht. Aber ich kann es grundsätzlich verstehen, dass die eine oder andere Aktion in den Fankurven auf Unverständnis stößt. Zukünftig müssen wir auch in dieser Sache stärker in den Dialog zu den Fangruppen treten.
Gast187 (Gast): Herr Schiphorst, sehen Sie es genauso wie Herr Strunz, dass die günstigen Stehplätze in Deutschland nur durch die teuren VIP Plätze möglich sind oder halten Sie es für möglich, dass es (wie zum Beispiel in Freiburg) auch ohne groß angelegte VIP-Logen günstige Eintrittspreise möglich sind?
Hendrik Schiphorst: Ich kann Herrn Strunz nur Recht geben: Die teuren VIP-Plätze sind der Grund dafür, dass Vereine ihren Fans weiterhin stabile Preise im Stehplatzbereich ermöglichen können.
Hendrik Schiphorst: So, für eine Frage habe ich noch Zeit.
Gast248 (Gast): Hr. Schiphorst, weshalb ist die Schere der finanziellen Mitteln so gespalten zwischen Männer- und Frauenfußball. Die Leistungen triften nicht weit auseinander und bei den Frauen herrscht nicht so eine maßlose Arroganz vor, sie können es sich nicht leisten keine Ausbildung/ keinen Job zu haben, ist das gerecht? Und bitte nicht das Argument bringen, dass der Frauen nicht so “gefragt” wären wie die Männer… Ich denke an den Frauen sollten sich die Männer mal ein großes Beispiel nehmen.
Hendrik Schiphorst: Ich möchte nicht beurteilen, ob sich die Männer an den Frauen – oder umgekehrt – ein Beispiel nehmen sollten. Fakt ist: Der Männerfußball begeistert deutlich mehr Zuschauer als der Damenfußball – auch wenn dieser in den letzten Jahren in der Akzeptanz glücklicherweise stark zugenommen hat. Sollte das Interesse am Frauenfußball weiterhin so zunehmen, könnte sich auch diese Schere bald schließen.
Hendrik Schiphorst: So, vielen lieben Dank für die vielen Fragen – es hat Spaß gemacht!
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4 Kommentare | 07. Juni 2012 | 16:21 Uhr |
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Wenn ich es richtig verstanden habe, dann ist nächste Woche das Thema “Entwicklungshilfe” angesagt.
Das Thema finde ich zwar grundsätzlich sehr gut, aber es ist verdammt groß. Mal schauen ob es noch eine Einschränkung durch die Redaktion gibt.
Aus meiner Sicht ist es nicht zielführend, sich mit Entwicklungshilfe an notleidende Bevölkerungen zu wenden, auch wenn dies erstmal logisch erscheinen würde.
Ist ein großteil einer Bevölkerung notleidend, heißt das nämlich nicht zwingend, dass es sich um eine Entwicklungsland handelt. Je nach Situation, ist gar nicht der Wohlstand des gesamten Landes, sondern nur die Verteilung des Wohlstands innerhalb eines Landes ein Problem. Hier ist es vor Allem an der jeweiligen Bevölkerung, dieses Problem zu lösen. Eine rohstoffreiche Diktatur, kann nicht durch Entwicklungshilfe beseitigt werden.
Daher sollte sich Entwicklungshilfe in besonderem Maße an die Länder richten, die zwar eine gute Verteilung des Wohlstandes erreichen, dieser aber schlicht zu niedrig ist. Aus meiner Sicht braucht es vor Allem eine Perspektive für Menschen.
Entwicklungshilfe muss Perspektiven für diejenigen schaffen, die in der wirtschaftlichen Entwicklung abgeschlagen sind.
Wäre ich Entwicklungshilfeminister, dann würde ich zurzeit kämpfen! Ich würde dafür kämpfen, dass Deutschland und Europa Tunesien unterstützen.
Tunesien ist ein direktes Nachbarland der europäischen Union. Betrachtet man ganz Nordafrika, dann ist es das kleinste Land, aber das mit der demokratischsten Staatsstruktur. Ich würde dafür eintreten, dass Deutschland und Europa genau solchen Ländern weiterhelfen.
Während die EU verhindern muss, dass Länder wie Griechenland in Radikalismus zurückfallen, muss die europäische Entwicklungshilfe, versuchen, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in anderen Ländern zu fördern. Statt Polizisten für Diktatoren (Syrien) auszurüsten und auszubilden, sollten wir Polizisten für Demokratien ausbilden! Ich würde dafür eintreten, dass wir in ganz Tunesien Schulen bauen und eine Infrastruktur für Bildung schaffen.
Nachdem der Weg in die Demokratie möglich scheint, der aktuelle Präsident ein aufgeklärter Mensch zu sein scheint, und die Bevölkerung wohl auch den Weg in die Freiheit will, sollten wir alles unternehmen um diese Chance nicht zu vertun.
Tunesien hat eine Einwohnerzahl von rund 10 Mio. Menschen und ein BIP von etwa 40 Mrd. Euro (2011). Wie viel Geld müssten wohl die EU27 (500 Mio. Einwohner – 12.000 Mrd. Euro BIP) in die Hand nehmen um für Tunesien eine Perspektive zu schaffen. Welche Strahlkraft hätte das z.B. nach Libyen oder das ebenfalls angrenzende Algerien? Was würde dies für eine Demokratisierung von Marokko bedeuten?
Mir wäre es allemal lieber, wir würden Tunesien als den ganzen zweifelhaften Staaten Arabiens helfen.
Ein demokratisches und rechtsstaatliches Nordafrika wäre nicht nur ein Meilenstein für den afrikanischen Kontinent sondern würde auch Europa helfen.
Aber wenn wir schon, beim Entwicklungshilfeministerium sind, dann darf die Satire zu den Einstellungsvorraussetzungen nicht fehlen.
http://www.mister-ede.de/4-fun/satirischer-mitgliedsantrag/899
Ha, da fällt mir doch noch Fußball-Diktatoren-Satire ein.
Ich habe auf meiner Homepage einen Artikel mit den 10 bekanntesteste Sprüchen rund um die Unterdrückung gesammelt.
Unter der Überschrift “Der Oppositionelle muss ins Eckige”, sind Sprüche wie “Erst hatten wir keine Pressefreiheit, und dann kam auch noch Zensur dazu. (Leidige Feststellung eines Journalisten)” zu finden.
Viel Spaß wen(n) es interessiert.