Ein Falke geht – schlecht für den Euro
Schon wieder schmeißt einer der Kanzlerin die Brocken vor die Füße. Diesmal ist es das währungspolitische Schwergewicht in Deutschland, Axel Weber. Der scheidende Präsident der Bundesbank. Eigentlich sollte er sogar Nachfolger von EZB-Präsident Claude Trichet werden. Und jetzt das. Über die Motive und die Umstände, die zur Demission führten, wird kräftig gerätselt und spekuliert.
Was wird da nicht alles an Vorwürfen gestreut: Weber habe keinen diplomatischen Spürsinn und die Kanzlerin brüskiert. Außerdem wolle er sowieso lieber Nachfolger von Deutsche-Bank-Chef Ackermann werden als oberster Währungshüter in Europa, und so weiter und so fort. Alles nur Gerüchte. Das Entscheidende kommt bei den Spekulationen um den überraschenden Rückzug des 53-jährigen Währungshüters zu kurz. Da schmeißt nämlich jemand hin, der gute Gründe hat.
Spätestens seit Mai 2010 ist der Ruf der Europäischen Zentralbank als unabhängige Notenbank angekratzt. Vor neun Monaten wurde der europäische Rettungsschirm aufgespannt, um Staaten der Eurozone zu helfen, die sich hoffnungslos verschuldet haben. Hunderte von Milliarden Euro an Finanzhilfe stellen EZB und der Internationale Währungsfonds bereit, um damit in selbstverschuldete Not geratene Mitgliedländer der Eurozone herauszupauken. Seit dem bröckelt das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die Gemeinschaftswährung.
Webers Abgang kommt zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. Er lässt Schlimmes für den Euro befürchten. Da ahnt einer, was die Politik ihm an Zugeständnissen abverlangt würde, wenn er bliebe. Doch er will sich nicht verbiegen lassen, keine weitere Lockerung der Geldpolitik verantworten. Zugegeben: Weber ist ein Falke unter den Notenbankern. Einem, dem Stabilität und Disziplin über alles gehen, stur in prinzipiellen Fragen. Er lehnt Staatverschuldung über die Notenpresse ab, und scheut dabei nicht den Konflikt mit anderen Notenbankern und der Politik. Es geht also einer von Bord, den man eigentlich in Zukunft besonders braucht.
Mir hat ein hoher Bundesbanker versichert, dass Weber zwar nicht gerade über ein Höchstmaß an diplomatischer Geschmeidigkeit verfüge, aber ein blendender Fachmann sei. Der Finanzexperte habe wie kaum einer die Geldpolitik der alten Bundesbank zur D-Mark-Zeit mit der Muttermilch aufgesogen. Nach dieser Version nimmt einer den Hut, dem es um die Sache geht. Der Fall Weber zeigt wieder einmal wie schwer sich Quereinsteiger tun, wenn sie ein Amt übernehmen, das eng mit der Politik verflochten ist. So wird das jedenfalls hierzulande nichts mit der Europabegeisterung.
2 Kommentare | 15. Februar 2011 | 11:44 Uhr |
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schade, dass hier nur geklagt wird, statt den blick nach vorne zu richten. die extrem schwankenden wechselkurse helfen der weltwirtschaft nicht. die unternehmen müssen sich dagegen über die börse (oder über die bank) absichern, das belastet den handel mit waren und dienstleistungen und macht ihn teurer.
es gibt mittlerweile pläne für ein währungssystem “bretton woods” II: 1 währung (wie von 1945-1970 der dollar) wird zur globalen leitwährung, die anderen kurse werden regelmäßig angepasst. damals gab es weniger schwankungen und ausfälle.
@ silberdistel
Pressezitat zum Urteil:
“Ein Urteil des Landgerichts Berlin sorgt für Aufregung: Anleger können bei einer Bankpleite nur eine Entschädigung in Höhe der gesetzlichen Einlagensicherung gerichtlich einklagen. Auf die weit üppigeren Versprechen des freiwilligen Einlagenschutzes der Banken gibt es dagegen keinen Rechtsanspruch.”