Das Wetter spielt Wirtschaft
Hochtechnisiert, überlegen und hochgerüstet präsentieren
sich die Industriestaaten, wenn es um die Beherrschung der Naturgewalt geht.
Richtig so, denn man muss natürlich tun, was man kann. Aber vielleicht nicht
alles zugleich und sofort.
Es scheint schon lange vielen Menschen verwunderlich, dass
Schnee im Dezember gleich “Chaos” sein soll und Wärme im Juli ein “Hitzechaos”
hervorruft. Das Rätsel scheint zu sein, dass die Methoden und Mittel des
modernen Menschen stets verfeinert werden, seine Beherrschung der Umgebung aber
anscheinend stark nachlässt. Anfang der sechziger Jahre fror der Rhein zu – wie
würde man das heute nennen? Ultimativ-Super-Chaos? Dabei sind damals nicht
einmal Strommasten umgefallen, die in unserer Zeit genau das schon taten und
dabei auch noch den Strom in Frankreich kappten. Also – weniger Wetterkapriolen
bringen mehr Konfusion, anders kann man es nicht interpretieren.
Denn selbstverständlich kommt die Bahn schon seit vielen
Jahren wohlweislich nicht mehr auf die Idee, mit dem Slogan “Alle reden vom
Wetter – wir nicht” zu werben. Sie sieht sich den Wetterbericht an, redet nicht
lange und bleibt gleich ganz stehen, so ist es heute. Witzigerweise
hatte die Lufthansa 24 Stunden zuvor die eigene Kundschaft genau zu jener Bahn
geschickt: “Fahrt besser, denn Nichtfliegen ist schöner” – so etwa. Das Ganze
führt zu jenem Effekt, den man dann auf den Autobahnen beobachten kann: Wer
nicht fliegt, nicht Bahn fährt und nicht rodeln will, steht eben, und zwar auf
der A3 oder A5. Man glaubt, man hat alles im Griff – und das wäre nur wahr,
wenn wir heute noch die Mobilitätsanforderungen der sechziger Jahre hätten.
Haben wir aber nicht.
Was das alles am Ende die Volkswirtschaft kostet, dürfte
viel mehr sein als nur verlorene Einnahmen und ausgefallene Arbeitszeit oder
Schäden an der Infrastruktur. Das Wetter kann einfach Wirtschaft spielen, wenn
es eben so kommt – und da werden fein ausgetüftelte Zahlen der Ökonomen
lawinenartig zu Phantasie. Kein Weihnachtskonsum kann hunderte Flüge und
tausende Züge ausgleichen. Es sei denn, man vermag zu errechnen, was
ausgefallene Konferenzen, auf denen dann eben keine überflüssigen Reden
stattfinden und keine schädlichen Maßnahmen beschlossen werden, der
Volkswirtschaft alles ersparen. Aber wer das ergründet (und welche es genau
sind), hat einen fachübergreifenden Nobelpreis verdient.
Einstweilen könnte man
ja erstens mal langsam machen und dann das zum Alltag, was ohnehin stets als
die Zukunft gehandelt wurde: Telefonkonferenzen und Videotelefonie. Geht,
solange keine Sendemasten umfallen.
1 Kommentar | 20. Dezember 2010 | 09:52 Uhr |
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Wegen ein paar Schneeflocken geht gar nichts mehr – es ist doch so, es war schon viel Schnee, aber man hätte besser vorbereitet sein können. Aber ok !!
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