Josef Ackermann, der Banker des Jahres

Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank, hat in Frankfurt die Auszeichnung “European Banker of the Year” erhalten. Auf einem Finanzkongress in der Metropole geht derweil die Krisen-Spurensuche weiter.

Der Preis, der von der Wirtschaftsjournalistenvereinigung “Group of 20 + 1″ vergeben wird, geht damit an einen Banker, der polarisieren kann und die Gemüter manchmal erhitzt – aber unbezweifelbar große Verdienste um den Finanzstandort Deutschland aufweisen kann – und es geschafft hat, sein Institut, die Deutsche Bank, als einen weltweiten Mitspieler aufzubauen und zu erhalten.

Das sollte man nicht unterschätzen: Gerade deutschen Unternehmen, die im Ausland Geschäfte machen, ist es keineswegs gleichgültig, woher ihr Finanzierungspartner kommt. Es gibt tatsächlich Fälle, in denen ausländische Banken einem exportorientierten deutschen Unternehmen plötzlich Schwierigkeiten verursachten, als heimische Konkurrenten dezent auf sich aufmerksam machten. Bei aller Globalisierung also – der Heimat-Standort entscheidet weiter mit. In seiner Dankesrede sagte Ackermann denn auch: Als deutsches Haus weltweit zu agieren, erfordere Anpassung an die jeweilige Kultur des “Gast”-Landes, aber auch, nicht zu vergessen, wo man herkomme.

Kann man einen Preis vergeben an Banker in diesen Zeiten? Sicherlich. Es mag manchmal schwer sein, sie so richtig von Herzen zu lieben, die Geldleute – aber ein gut geführtes Institut, das zu Recht stolz darauf ist, kein Geld vom Steuerzahler zu brauchen, ist sowohl von seiner Funktion her als auch im Vergleich zu anderen Banken dieser Tage ein Lichtblick. Exzesse in einem Ausmaß wie in bei einigen Großbanken in den USA jedenfalls sind der Deutschen Bank und den Deutschen dann doch zum Glück fremd geblieben. Übrigens: Im Vorjahr hatte es tatsächlich keinen Preis für einen Geschäftsbanker gegeben, der ging vielmehr an Jean-Claude Juncker, den Luxemburger Premier und Chef der Eurogruppe. Zeitweise waren ja tatsächlich die Finanzpolitiker mehr Banker als sie sich wohl je gewünscht hatten.

Das ist im übrigen nochmals vorherrschendes Thema der “Euro Finance Week” in Frankfurt, wo sich allerlei Finanzprominenz mit Politik und Unternehmen den Kopf darüber zerbricht, wie es weitergehen soll mit dem schwierigen, krisenanfälligen und dabei unverzichtbaren Sektor. Der sich aber nun ohne Murren einer politischen Regulierung unterwerfen solle, mahnte zum Beispiel SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier: Die Politik habe Milliarden für Bankenrettung aufgewendet und damit sogar einen Graben zwischen sich und den geschockten Steuerzahlern riskiert. Nun müssten auch die einen Beitrag leisten, in deren Bereich die Krise entstanden sei. Es murrte hörbar jedenfalls niemand – solange weiterhin die Finanzkrise kreuz und quer durch Europa zieht, fehlt es ja auch nicht an Beispielen dafür, dass sich manches ändern muss.

4 Kommentare | 16. November 2010 | 12:00 Uhr | Twittern | Facebook

4 Kommentare

  1. Gib mir jeden Monat 5 Millionen und ich würde auch was für Sozialen Kassen machen. Bekomme ich jetzt auch ein “Bangster des Jahres” oder gar eine eigene Partei , die mir die Schuhe leckt??

    Kree | 1. Januar 1970 | 00:00 | Antworten
  2. Heureka.
    Ich selbst war zufriedener Kunde der Berliner Bank, bis diese von der Deutschen Bank übernommen wurde. Solange die Berliner Bank mein Vertragspartner war, konnte ich auf dem Kreditkartenkonto ein Guthaben belassen und verbilligt Bargeld abheben.
    Als die Berliner Bank in die Deutsche Bank eingegliedert wurde, wurde das zu viel bezahlte Geld prompt zurück überwiesen – bestes versteuertes Geld, als Guthabeneinlage bei (banker-) herzallerliebsten, niedrigen Zinsen, kein Ausfallrisiko bei Zahlungen mit der Karte inclusive …
    Natürlich entstanden dann erhöhte Bargeldabhebungsgebühren. Der Kunde ist unzufrieden und naja … ich hab überlegt, ihm symbolisch einen 5 Euro Schein zu schicken dafür daß man es auf einmal nötig hat, auf diese Art und Weise sein Geld zu verdienen und das Vertrauen langfristiger Kunden zu verspielen, die auf einmal statt mit der gewohnten Foto- Doppelkreditkarte nur mit einer fotolosen Kreditkarte eines Anbieters dastanden …
    Aber Banken sind eben so, qualis rex, talis grex.

    Hans - Dieter Müller | 1. Januar 1970 | 00:00 | Antworten
  3. Herr Ackermann ist nicht gut, sondern ein böser Mensch. Aber er hat halt Geld und das ist gut. Auch seine Frisur ist nicht zu verachten.
    Man muss christliche Werte haben und gute Cholesterin-Werte, dann klappts auch mit dem Nachbar. Alles ist machbar.
    Euer
    Christian Zeints

    Christian Zeints | 1. Januar 1970 | 00:00 | Antworten
  4. Der Mann gehört als Menschenrechtsverbrecher und Völkermörder angeklagt. Ohne sein Geld wäre der Menschheit viel Tod und Elend erspart (z.B. AREVA Uranabau, uvm.)

    Basteltante | 1. Januar 1970 | 00:00 | Antworten

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