Empörung in Zeitlupe
Am Wochenende um den 18. September herum sickerte durch, dass der spanische Baukonzern ACS seinen deutschen Konkurrenten Hochtief wohl übernehmen will. Das fand das Hochtief-Management unerfreulich und mühte sich fortan um Abwehr. Nach ziemlich genau einem Monat wachen jetzt auch andere auf und empören sich.
Gibt es denn kein Gesetz gegen sowas? Nein, gibt es nicht. Auch Ideen, ein solches nun zu konstruieren, würden im vorliegenden Fall nicht mehr helfen. Aber wieso eigentlich „helfen”? Es scheint Konsens zu sein im Management, bei den Gewerkschaften und nun auch in der Politik, dass die Übernahme von Hochtief durch einen spanischen Konzern etwas Schlechtes sei. Warum, das wird kurz und schnell gefolgert: Weil in Essen dann kein Stein auf dem anderen bliebe und Deutschland einen weiteren erfolgreichen Global Player verliere.
Das Szenario mag stimmen. Die Spanier haben bereits mehrfach schlicht gelogen, wenn es um die Vorhaben ihres Unternehmens ging – auch ein Übernahmeplan für Hochtief wurde noch unlängst vehement bestritten. Und ACS ist etwas knapp bei Kasse, die Immobilienkrise in Spanien hat an der Bilanz gezerrt. Weshalb man jetzt mit der Wurst nach der Speckseite wirft und erst einmal bei den eigenen Aktionären Geld einsammeln will – damit soll dann Hochtief gekauft werden, anschließend will man sicherlich einiges wieder hereinholen und gesunde Unternehmensteile der Essener abstoßen. So weit, so schlecht. Ob man aber von Staats wegen einschreiten sollte, ist damit nicht begründet.
Zwar hat die spanische Regierung genau das gemacht, als E.ON den iberischen Stromkonzern Endesa kaufen wollte – da wurde getrickst, dass es nur so eine Art hatte, um den Zugriff der Deutschen zu verhindern. Aber dieses Beispiel von Verstoß gegen EU-Richtlinien und den Geist der Europäischen Gemeinschaft sollte nun gewiss niemand nachmachen wollen. Die Deutschen am allerwenigsten, denn das Land lebt von offenen internationalen Märkten, auch denen für Unternehmensbeteiligungen. Hochtief wäre ohne seine Auslandsbeteiligungen auch nicht mehr als ein regionales Bauhaus. Außerdem, vielleicht ein Treppenwitz der ganzen Geschichte, könnte gerade die Hochtief-Tochter Leighton in Australien den ganzen spanischen Deal zum Kippen bringen – wenn die Ertragsperle dort durchsetzt, dass ihr ein gesondertes Übernahmeangebot unterbreitet werden muss (denn Leighton hat neben Hochtief noch viele weitere Aktionäre). ACS hat alles Mögliche zur Verfügung, viel Geld gehört jedoch nicht dazu. Da könnte man deren kühnes Gebäude zum Einsturz bringen. Das wäre auch legitim und marktkonform – hektische Politik mit Kirchturmperspektive wäre es nicht.
1 Kommentar | 18. Oktober 2010 | 09:49 Uhr |
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Pseudo-Liberales hat ausgedient
Was soll an einer kreditfinanzierten Unternehmensübernahme, bei der der Übernehmer dem kerngesunden “Opfer” seine Schulden aufbürdet und nachher profitable Teile herausschneidet gut sein??? Die Haltung “der markt wird schon richten” oder “Der Staat hat sich aus Marktprozessen harushalten” hat die Finanzkrise ausgelöst. Mit richtig verstandenem ökonomischen Liberalismus hat das nichts zu tun. Der Staat sollte Attacken von Finanz-Heuschrecken, die kerngesunde Unternehmen (siehe auch der Fall Grohe)zerstören verhindern. Märkte brauchen klare Regeln! All die Pseudo-Liberalen werden auch bei der nächsten Krise nsch dem Staat (sprich dem Steurzahler) rufen.