Unternehmer zapfen den Staat an
Manager? Haben ihren Ruf ganz schön ruiniert. Sind selber gierig, zahlen Dumpinglöhne und werden selbst bei Versagen noch reichlich belohnt - durch großzügige Abfindungen und Ruhestandsregelungen. Das ist zumindest das Klischee. Gleichzeitig das Sinnbild für die immer tiefer werdende Kluft in der Gesellschaft.
Dabei verhalten sich solche Manager ganz rational: Schließlich hat ihnen die Politik in den vergangenen Jahren jede Menge Möglichkeiten eröffnet, Arbeitnehmer niedrig zu entlohnen - durch Leiharbeit, durch Minijobs. Durch den Druck, den Hartz IV auf das Lohngefüge entfaltet hat. Nirgends in Europa wächst der Niedriglohnsektor so stark wie in Deutschland, vor allem im Bereich unterhalb von 5 bis 6 Euro Stundenlohn.
Dass solche Löhne zum Leben nicht reichen, muss Arbeitgeber nicht zu denken geben. Denn schließlich kommt dann der Staat ins Spiel, stockt die Löhne auf. Arbeitnehmer gehen massenhaft auf die Ämter, um Zuschuss zu beantragen. Der Arbeitswissenschaftler Gerhard Bosch sagt dem ZDF-Magazin Frontal21: “Der Staat wird richtig ausgebeutet und die schlechtesten Unternehmer werden von uns noch mit unseren Beitrags- und Steuergeldern subventioniert. Das kostet im Jahr fast zehn Milliarden Euro und die Summe steigt.”
Nach dem Arbeitsleben geht das für viele so weiter. Denn wer wenig verdient, dem droht auch im Alter Armut. Bosch hat errechnet: Nur wer einen Stundenlohn von 9,47 Euro bekommt, erzielt später eine Rente, die über der Grundsicherung liegt. Mindestlohn also reicht nicht für eine eigenständige Altersversorgung.
Die gute Nachricht: Es geht auch anders. Und zwar in Unternehmen, für die sich gute Bezahlung rechnet. Mit Managern - oder besser gesagt wirklichen Unternehmern – an der Spitze, die einem selten gewordenen Ideal entsprechen und ohne Geld des Staates wirtschaften. So einer ist Hartwig Marx, Inhaber eines Ingenieursbüros. Im Interview mit Frontal21 sagt er: “Es gilt, eine gesunde Mitte zu finden zwischen Werten, Mitarbeitern und Kapital. Ich bin nicht nur bedacht auf die Verzinsung meines Kapitals. Werte sind für mich wichtiger.”
Werte? Davon ist selten die Rede. Es braucht mehr von solchen Unternehmern, um den ohnehin überforderten Staat zu schonen.
Mehr zum Thema im ZDF-Magazin
Frontal21.
10 Kommentare | 05. Oktober 2010 | 13:28 Uhr |
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Der Analyse von Frau Petersen kann man ja weitgehend zustimmen. Die Lösung aber darin zu suchen, dass es viele Unternehmen gibt, die aus sozialer Verantwortung genügend hohe Löhne zahlen, scheint mir ein wenig blauäugig. Hier muss der Staat die richtigen Rahmenbedingungen setzen und die bedeuten: Mindestlöhne und Abschaffung der 400,00 € – Jobs. Ansonsten werde die “sozíalen” Unternehmen im Wettbewerb auch noch benachteiligt.
Von unsere sogenannten Regierung ist ein solche Entscheidung aber leider nicht zu erwarten. Eher werden die Opfer dieser Politik auch noch diskriminiert.
Nur die direkte Abschaffung der 400 Euro Jobs bringt wieder Geld in die Sozialkassen. Was haben die 400 Euro Jobs gebracht? Viele Firmen haben einfach umstrukturiert und statt 3 Vollzeitkräfte 6 400 Euro Jobs errichtet, wenn überhaupt. Das ist die Tatsache. Und wenn Frau von der Leyen jetzt auch noch die Erweiterung des Zuverdienstes für Rentner freigibt, dann prost. Es geht hier nicht um die, die zu niedrige Renten beziehen, und arbeiten um Ihre Kosten gedeckt zu bekommen. Nein hier geht es darum, dass Firmen mehr und mehr diese Hinzuverdienst-Jobs als Möglichkeit sehen Alleinverdiener, die ihren kompletten Lebensstand, Miete, Strom, Essen finanzieren müssen.
Mittlerweile gibt es doch auch etliche Rentner, die aus Langeweile arbeiten gehen um sich die Zeit zu vertreiben und hinzu sich den Gardasee 2x somit im Jahr leisten können.
Die Regierung vernichtet somit mehr und mehr die Existenzen von Jugendlichen. Gleichzeitig werden Hartz IV-Empfänger diskriminiert. Die wahre Lüge das Ganze
Wo ist beim “400-EUR-Job” die Ersparnis füe den Arbeitgeber?
Wird ein Arbeitnehmer in der Gleitzone beschäftigt sind die Kosten bei einem Gehalt von EUR 435,– genau so hoch wie beim Minijob; allerdings erhält der Arbeitnehmer rund EUR 20,– weniger netto!
Also stellt sich hier die Frage nach der Bruttogehaltshöhe und den Sozialabgaben!
Die Vereinbarkeit von Kapitalprofit
und Gemeinwohlorientierung haben leider
ein Ende gefunden.
Es geht nur noch um die heilige
Dreifaltigkeit:
Kapital-Rendite-Dividende !
Ich von Beruf Versicherungsmakler und wohl völlig unverdächtig, wenn ich meine Meinung äußere:
Die Schwächung der gesetzlichen Rente (durch die Änderung der Rentenformel) ist der falsche Weg, denn die Privatisierung der Rente wird das Problem Altersarmut nicht lösen. Denn bei all den Produkten wie Rürup -und Riester R Ente haben Staat (Anrechnung der priv. Rente bei Grundversorgung im Alter) , Arbeitgeber ( beteiligt sich nicht an Finanzierung) und Produktanbieter ( Umsatz , Maximalprofit) den Vorteil und der Kunde ist der Benachteiligte. Gemäß VVG §§ 153 , 163, 169 und VAG § 89 sind die Kundengelder nicht sicher. Auch dort wird das gleiche Spiel gespielt wie bei Banken. Zocken und dann zahlt der Steuerzahler, aber viele Kunden werden leer ausgehen.
Von den untauglichen Produkten abgesehen, von den Bürgern, die wirklich zusätzlich sparen müssten, können es die meisten auf Grund des geringen Verdienstes gar nicht.
Und Vermittler und auch Makler lassen sich missbrauchen und verkaufen diesen Schrott auch noch- denn sie müssen ja auch leben, überleben.
Mit den derzeitigen gesetzlichen Grundlagen, des deregulierten Marktes, der nicht vorhandenen Aufsicht und Kontrolle kann ich nur jeden Kunden vor der Privatisierung der Altersvorsorge warnen. Die Senkung des Garantiezins( von 2,25 auf 1,5 % ) bei Lebensversicherung steht an, Sicherheit gibt es keine. Es wird für den Kunden ein Minusgeschäft, spätestens dann, wenn er nicht mindestens 90 Jahre alt wird (siehe Sterbetafeln der VR), hat er die Wette bei der Rentenversicherung verloren.
Die Stärkung der gesetzlichen Rente durch Wegfall der Beitragsbemessungsgrenze, alle zahlen auf alle Einkommen ein (auch Beamte, Politiker, Abgeordnete, selbständige) und Wegfall von Dumpinglöhnen würde es möglich machen, dass eine auskömmliche Rente machbar wäre. Aber die Lobbyisten von CDU/ CSU/ FDP sind dagegen und die SPD irrt umher.
Folge: Die Altersarmut wird rapide zunehmen, vor allem im Osten.
Erst vor wenigen Tagen hat sich eine weitere Fondsgesellschaft ( KanAM) mit einem Immobilienfonds vom Markt verabschiedet, wie auch die Allianz einen Riester Fonds eingestellt hat und sich Delta LLoyd vom Markt verabschiedet hat.
Es ist die Krise des Kapitalismus, deren Logik des unbegrenzten Wachstums nicht mehr funktionieren kann. Denn wir produzieren zuviel, wer diese waren braucht ( Indien , China ..) kann diese Waren aber nicht bezahlen.
Gewinne privatisieren und Verluste sozialisieren ist nicht nur ein Spruch, sondern Realität.
Wann hören die Menschen endlich auf, Ihre eigenen Schlächter noch zu wählen?
Und wie diese Schlächter reagieren, sehen wir am Beispiel Stuttgart21, mit Polizei, Knüppeln, Wasserwerfern und Gas. Ein Skandal und Mappus sollte dafür aus dem Amt gejagt werden.
Wir sind das Volk und wollen Demokratie! Nicht Lobbyisten-, Parteien – und Kapitalistenherrschaft.
dem beitrsg fand ich ziemlich gut, nur muß ich einzelnes in frage stellen, denn ich selber habe bei dm nicht augenhöhe sondern modernstes mobbing erlebt, und ich bin da kein einzelfall,dm als idealer arbeitgeber anzupreisen finde ich deshalb unglaubwürdig.
gute öffentlichkeitsarbeit zeigt nicht automatisch die wirklichkeit.
Frontal21, 5.10.2010
Danke Frontal21 Team,
ich bin selbst als Geschäftsführer im Mittelstand tätig und hatte schon Bedenken bezüglich meiner sturen Sozialkompetenz. Ich kenne die frühkapitalistischen Diskussionen aus der eigenen Gesellschafterversammlung und freue mich über die gezeigten synchronen Weltbilder ähnlich denkender Mitstreiter.
das wird schon, die Guten werden (hoffentlich) gewinnen
Ecki Gemmel
Stadt Brandenburg
leider stimmt es , dass deutschland sich den aufschwung von den kleinen leuten bezahlen lässt.
schon adenauer wußte , als er das rentensystem einführte , dass es nicht für lange zeit funktionieren wird, aber diese erkenntnis wurde bewußt unterschlagen, was dazu führte dass bis heute nicht grundlegend weiter gedacht wird.es wird nur an den sympthomen herumgedocktert statt die ursachen anzugehn(alles einkommen gehört zum bemessungsatz)wir gehen für stg 21 auf die strasse wann stehen wir endlich für gerechte politik auf.
noch ein kurzer satz zum tollen arbeitgeber dm
ich habe dort nix auf augenhöhe erlebt, sondern reinstes mobbing, und ich war kein einzelfall,und auch dort gibt es einige eingeschüchternde mitarbeiter.
gute öffentlichkeitsarbeit, sagt noch nix über die wirklichkeit.
Ja, alles läuft darauf hinaus: die jetzigen Reichen werden in ihrem Arbeitsleben reicher… und im Ruhestandsleben dank individualen Altervorsorgeregelungen noch reicher, verstecken ihr Geld in Steueroasen, zahlen weniger in die Krankenkassen,um ihren Reichtum nutzen bessere medizinische Leistungen um ihren Reichtum noch länger zu genießen und können sich Mechanismen erhalten, die jegliche Zugriffe auf ihr Bestes(Vermögen) abwehren.
die Arbeitnehmer hingegen werden in ihrem Arbeitsleben in immer schlechtere Entohnungssituationen gezwungen, erhalten nur medizinische Grundsicherung, werden finanziell vom Staat durchleuchtet, müssen ihr gesamt Erspartes erst verbrauchen, bevor das soziale Netz der Altersarmut sie auffängt.
Der Staat macht die Gesetze dazu, dass Alles so bleibt, seine Steuereinnahmen werden halt so geregelt, dass er sich jährlich seine Diätensteigerungen ermöglicht dank der Millionen Steuerzahler(ausgenommen derer, die keinen Hinterziehungsmechanismen aufbauen können).
Insgesamt stelle ich dem Staat ein Armutszeugnis für die überall angewendete Lohn- und Gehaltssteigerungsberechnung in “Prozenten” aus:
1% von 7000 = 70
1% von 1000 = 10
Warum diese Ungerechtigkeit ? Muß der Mehrverdiener denn an den Kassen der Supermärkte, Modehäusern, Tankstellen, Vermieter, Energieanbieter…etc. mehr bezahlen als der Otto-Normalverdiener??? Nein!!!
Für ihr hohes Einkommen können die Politiker, Manager, Unternehmer ja nur die sozial ungerechte aber bequeme Grundschul-Prozentrechnung anwenden.
in der damaligen DDR gab es bei allen Lohnsteigerungen und Prämien leistungsbezogen-abgestimmte Absolutbeträge!!!
Das ist sozial ausgewogen und gerecht.
Aber diese sozial gerechten Komponenten wurden wie viele Errungenschaften mit der Wende abgeschafft.
Der heutige Staat tritt alle guten Dinge der DDR in den Stasi-…und Bevormundungsdreck ,
Ist denn der jetzige Staat besser, sozial gerechter, kinderfreundlicher, ehrlicher und
glaubwürdiger?!
Frage an Frau Merkel: Hat sie wirklich alles evrgessen!!! Oder gehörte sie zu den denonzierten, sozial ungerecht behandelten und geschundenen Bürgern der DDR?
Zu ‘meiner Zeit’, in den 50er und 60er Jahren waren Unternehmer noch darauf stolz möglichst viele Arbeitnehmer zu beschäftigen.
Wenngleich die Löhne damals erheblich niedriger waren als heute, so konnte dennoch jeder davon einigermaßen vernünftig leben. Die alten ‘Kapitalisten’, teils ruppige Patriarchen, hatten aber wenigstens noch Anstand und einen Funken Fürsorgepflicht gegenüber ihren Arbeitnehmern. Der Mensch war ihnen wichtig.
Heute gelten andere Prinzipien: Mit möglichst wenigen Arbeitnehmern möglichst hohe Gewinne zu erzielen. Was mit dem einzelnen Arbeitnehmer geschieht ist der heutigen Managergeneration eines, nämlich egal.
Es geht um die Profitmaximierung auf Kosten des Menschen im Einzelnen und auf Kosten der Gesellschaft im Ganzen.
Die eigenen Taschen so gut es geht füllen (Gewinne privatisieren) und wenn’s denn ob der eigenen Unfähigkeit und Gier dann dumm gelaufen ist, die Verluste eben zu sozialisieren.
Solange es chic ist, sein Gegenüber geschäftlich über den Tisch zu ziehen, mit schmutzigen Tricks die Konkurrenz auszubooten, seine Arbeitnehmer mit Lohndumping auszupressen, solange wird die Gesellschaft weiter auf den Abgrund zu rasen.
Der Wirtschaft, aber auch den Politikern, ist eines abhanden gekommen: Anstand und Moral.
Die in Frontal benannten Unternehmen haben mich tief beeindruckt. Ich werde bei Lohndrückern nicht mehr kaufen.