Gesucht: Ein Bildungs-Sarrazin

Viele Aufgaben kann ich mir für einen Bildungs-Sarrazin vorstellen. Zum Beispiel daraufhin zu weisen, dass wir uns im Jahr 6 der UN-Dekade “Bildung für Nachhaltige Entwicklung” befinden. Und das heute, am 17. September, die diesjährigen Aktionstage dazu beginnen. Mit sehr vielen, sehr guten Projekten zum Mitmachen (zu finden unter Dekade.org).

Wahrscheinlich haben Sie nie von der Bildungsdekade gehört, und wenn doch, dann haben Sie möglicherweise  nicht verstanden, worum es geht. Ein Bildungs-Sarrazin hätte es Ihnen erklärt.
In einem Buch mit vielen interessanten Thesen. Thesen, die man natürlich nicht teilen muss. Die aber helfen, unser Land aus dem bildungspolitischen Tiefschlaf zu holen.

Eine davon hätte vielleicht so lauten können: “Bildung für nachhaltige Entwicklung ist das einzige Lernmodell, das das Überleben der Menschheit garantiert”. Der Aufschrei der vereinigten Reformpädagogen wäre ihm sicher gewesen, denn die ticken anders: Weniger Schuljahre als Antwort auf die Pisa-Defizite – das ist doch genial! Dabei ist doch seit Jahren die Schulzeit ohnehin dramatisch verkürzt – durch Unterrichtsausfall.

 

Offiziell gibt es ja Unterrichtsausfall nicht. Weil es sich da nur um strukturell bedingte Verschiebungen im Stundenplan handelt. Lehrermangel: Den gibt es auch nicht, weil die meisten Schulen in ihrer Not auf irgendwelche Ersatzkräfte zurückgreifen, um wenigstens so zu tun, als fände Unterricht statt. Ganztagsschule für alle: nicht, weil man jede Menge hochqualifizierte Lehrer hätte, die der nächsten Generation wirklich etwas beibringen können.

Der Bildungs-Sarrazin hätte in einer seiner Thesen formuliert: “Ganztagsschulen werden nur deshalb flächendeckend aus dem Boden gestampft, weil es dafür Geld aus Berlin gibt”. Und vielleicht hätte er auch geschrieben, nicht als These, sondern als Feststellung, dass Jahr für Jahr das Bildungsniveau der Schulabgänger, egal welcher Schule, sinkt. Die Klagen der Handwerkskammern hierzu mögen als Beleg dienen. Oder die der Universitäten – ohne Vorbereitungskurse, zum Beispiel in Mathe, geht nichts mehr.

Nun ist leider nicht zu beweisen, dass alles viel besser gelaufen wäre, hätten wir frühzeitig die Konzepte einer Bildung für Nachhaltige Entwicklung umgesetzt. Zeit jedenfalls wäre genug gewesen, Bildung für eine nachhaltige Entwicklung wurde bereits 1987 im Brundlandt-Bericht “Our Common Future” als absolut notwendig herausgestellt. Die entsprechende These des Bildungs-Sarrazins würde möglicherweise formulieren, dass deshalb nicht wirklich etwas geschehen ist, weil sämtliche Bildungspolitiker noch nicht mal im Ansatz verstanden haben, worum es eigentlich geht.

Dabei ist es höchst einfach: “Bildung für nachhaltige Entwicklung vermittelt Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen nachhaltiges Denken und Handeln. Sie versetzt Menschen in die Lage, Entscheidungen für die Zukunft zu treffen und dabei abzuschätzen, wie sich das eigene Handeln auf künftige Generationen oder das Leben in anderen Weltregionen auswirkt.
Ist das nachvollziehbar? Hat doch Sinn, oder? Was aber heißt das genau für die praktische Umsetzung? Auch darauf gibt die Dekade seit fünf Jahren eine Antwort: Das Konzept der Gestaltungskompetenz.
Mit Gestaltungskompetenz wird die Fähigkeit bezeichnet, Wissen über nachhaltige Entwicklung anwenden und Probleme nicht nachhaltiger Entwicklung erkennen zu können.

Und das sind einige der Komponenten von Gestaltungskompetenz:

  • weltoffen und neue Perspektiven integrierend Wissen aufbauen
  • Vorausschauend Entwicklungen analysieren und beurteilen können
  • Interdisziplinär Erkenntnisse gewinnen und handeln
  • Risiken, Gefahren und Unsicherheiten erkennen und abwägen können
  • Gemeinsam mit anderen planen und handeln können
  • Zielkonflikte bei der Reflexion über Handlungsstrategien berücksichtigen können
  • An kollektiven Entscheidungsprozessen teilhaben können
  • Sich und andere motivieren können aktiv zu werden

Vielleicht hätte der Bildungs-Sarrazin hierzu ja auch eine These formuliert: “Die Bildungspolitik setzt die UN-Dekade deswegen nur schleppend um, weil sonst am Ende ja weltoffene, vorausschauende und kritische Bürgerinnen und Bürger, sprich: Wählerinnen und Wähler, unsere Gesellschaft dann prägen würden.”

Für alle, die losgelöst vom Volk regieren, natürlich ein unerträglicher Gedanke.
Nicht aber für einen Bildungs-Sarrazin.

(alle kursiv gesetzten Zitate zu finden auf: www. Dekade.org)

3 Kommentare | 17. September 2010 | 14:57 Uhr | Twittern | Facebook

3 Kommentare

  1. Die Unterdrückung der Meinungsfreiheit wegen einer überflüssigen Religion(und den Fall reden wir als Intelligenz i.d.R. von einer Staatsdoktrin)zerstört alle Ideale und alles was wir uns aufgebaut haben.
    Es zerstört die Aufklärung.
    Es zerstört unsere “christlichen Werte”.
    Es zerstört alles.
    Wofür sollen wir unsere Kinder noch zur Schule schicken, damit sie den verfassungsfeindlichen Koran lernen? Wie am Besten die freiheitliche-demokratische Grundordnung beiseite schiebt?

    @ollyy | 1. Januar 1970 | 00:00 | Antworten
  2. Ich kann es nicht mehr hören!
    Das Integrations-Angebots-Mitleids-ach-die-armen-Migranten-Gequatsche!
    Deutschland bietet jedem Migranten, der bereit ist, sich integrieren zu lassen, die Möglichkeit, sich nicht nur über Sparchkurse zu integrieren. Es wird doch jedem die Hilfe von oben und von unten hineingeschoben. Die Frage ist doch eine ganz andere: Will sich der Migrant überhaupt integrieren?
    Ich kenne ich meinen Bekannten- und Freundeskreis Beispiele von Einwanderern, die es OHNE staatliche Unterstützung geschafft haben, sich hier in Deutschland zu integrieren und sich eine solide, wirtschaftliche Existenz aufzubauen.
    Die Frage ist einfach die, will ich oder will ich nicht! Und da ist auch jeder letztendlich selbst gefordert!
    Nach Kennedy: Frag’ nicht, was der Staat für Dich tun kann, frag’ was Du für den Staat tun kannst.
    …übrigens, diese Frage gilt für Deutsche, als auch für Migranten. Und sie gilt auch für unsere Konzernpolitiker und für unsere Konzernkanzlerin, die sich auch mal wieder ihren Amtseid vor Augen halten sollte.

    Sarrazin-Buch_ich_hab's_gelesen | 1. Januar 1970 | 00:00 | Antworten
  3. 140 Milliarden € zur Rettung einer “systemrelevanten” Bank; der HRE!
    Was könnte man damit in der Bildungspolitik erreichen! Und ist in unserem rohstoffarmen Land etwa Bildung nicht systemrelevant?
    Deutschland rangiert bei den Bildungsausgaben in Europa auf den untersten Plätzen. Lehrermangel, überfüllte Klassen, marode Schulen, antiquierte Ausstattung und dramatisch ansteigender Unterrichtsausfall – Folge einer inkompetenten Finanzpolitik!Meine Mitarbeiter und ich haben ein einfaches, aber effizientes System entwickelt zumindest dem Unterrichtsausfall, der m.E. eines der Kernprobleme der Bildungsmisere darstellt, entgegenzuwirken, indem Synergieeffekte genutzt werden, was wiederum auch eine Kostenminimierung ermöglicht hätte. Die lapidare Antwort des Ministeriums:”…es stehen keine finanziellen Mittel bereit…” und dabei lebe ich schon in einem der reichsten Länder. Wie der große bildungspolitische Wurf der Ganztagesschule hierbei flächendeckend realisiert werden soll, bleibt mir schleierhaft. Vielleicht werden dann ja auch hier, wie bereits für den Pflegebereich angedacht, Arbeitslose als Lehrer beschäftigt. Fakt ist, dass sich die verkrustete Bürokratie der Schul- und BildungsVERWALTUNG, wie auch in anderen Bereichen, nicht von ihren heiß geliebten Pfründen verabschieden will.Wir leben in einer Demokratie. Falsch; es ist längst eine Oligarchie!Denn wo bitte ist denn hier der Unterschied zwischen einer FDJ-geprägten Kanzlerin und dem Zaren von Russland? Atomkompromis, Bankenrettung, Rettungsschirme für Länder, die ihre Bürger schon mit 60 oder früher in Rente schicken usw.; schnell und unbürokratisch! Gelder zur Finanzierung des Luxuslebens einiger Weniger. Gelder, die unseren Kindern und der Entwicklung unseres Landes gestohlen werden!Und damit das niemand so richtig mitbekommt gibt es zum Glück DSDS, Fussball&Co; Panem et Circensis!Erschwerend kommt noch hinzu, dass der Deutsche Michel seit jeher lieber Untertan war. In Frankreich wird gegen die Rente mit 62 protestiert, und bei uns? Sarrazin hat sich im Ton entschieden vergriffen, ihn als Idioten darzustellen halte ich schlichtweg für dumm! Bedenkt man sein Alter und seine Karriere wollte er mit seinem geplanten Abgang der Republik einen letzten Dienst erweisen: wachrütteln, provozieren, zum Nachdenken bringen. Ekelhaft und drastisch, ja! aber anders geht es in diesem Land wohl nicht und ging es noch nie. Wirklich Erfolg jedoch hatten damit die Wenigsten, das war schon vor 200 Jahren so.
    Das Land der Dichter und Denker – vielleicht noch ein bisschen!Der verantwortungsvollen mutigen Macher und Lenker?

    Argon | 1. Januar 1970 | 00:00 | Antworten

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