Nach dem Sarrazin-Fieber: Deutschland hat noch andere Probleme

Man könnte fast glauben, Thilo Sarrazin sei eine Erfindung der Bundesregierung. Zwei Wochen rasender Wahnsinn um einen Mann, der ein Buch verkaufen möchte. Zwei Wochen tobender Streit darüber, ob zwischen den Buchdeckeln nicht doch irgendwo etwas stehen könnte, was wissenschaftlicher Überprüfung standhält und vielleicht sogar politisch weiterbringen kann. Zwei Wochen heftiger politischer Emotionen, die von den wesentlichen politischen Problemen dieser Tage auf wundersame Weise gründlich abgelenkt haben.

In diesen Tagen ging es so nebenbei auch um ein Sparpaket, das gerade Arbeitslose und Geringverdiener heftig spüren werden. Ganz nebenbei gab es einen erbitterten Streit um die Laufzeiten der deutschen Atomkraftwerke, ein ordentliches Gerangel um die Wehrpflicht, von den ungelösten Fragen der Gesundheitsreform und der Rente mal ganz zu schweigen. Das politische Deutschland hat sich für eine sinnfreie Balgerei um Sarrazin mal kurz zwei Wochen Auszeit genommen.

Wenn bei Thilo Sarrazin neben seiner Trivialgenetik ein roter Faden zu finden ist, dann ist es die Reduzierung des Menschen auf das Ökonomische. Gegen die Migranten in diesem Land bringt er vor allem vor, dass  sie keinen wirtschaftlichen Nutzen für dieses Land bringen. Stimmt nicht, sagt die Wissenschaft, aber das mal nur so nebenbei. Was Sarrazin mit vielen Zeitgenossen teilt, ist die Ansicht, dass  der Wert und die Bedeutung des einzelnen Menschen daran gemessen werden, was der Betroffene an Produktivität noch zu bieten hat. Da fallen die Hartz -4- Empfänger durch den Rost, die Angehörigen der „Gastarbeiter”, die Geringverdiener. Irgendwann sind dann die Kranken, Invaliden und Behinderten an der Reihe . Und nicht zuletzt dann die Alten.

Denn gerade unsere Senioren sind für so manchen dieser Zeitgeistsurfer ein wahres Ärgernis. Werden immer älter, bleiben immer länger gesund, bekommen immer länger Rente und tun nichts! Der demographische Wandel, auch so ein Thema, das die Parteien eher hilflos wirken lässt. Weniger Geburten, weniger Arbeitnehmer und Beitragszahler, mehr Rentner, das führt zu einer Krise der Rentenkassen. 1951 kamen sieben Beitragszahler auf einen Rentner, 2051 werden es vermutlich nur noch zwei sein.

Was tun? Die Älteren sollen länger arbeiten, heißt eine Antwort. Für Senioren bleibt zur Zeit, wenn überhaupt, aber überwiegend nur nicht sozialabgabepflichtige Minijobs. Das scheint keine erfolgversprechende Perspektive.

Weniger Rente für alle? Das klingt für Nichtrentner nachvollziehbar. Auch viele Arbeitnehmer haben in den vergangenen Jahren Lohneinbußen hinnehmen müssen. Dagegen spricht allerdings die Tatsache, dass die Senioren anders als die Arbeitnehmer nicht auf solche Kürzungen reagieren können. Sie können nicht mehr arbeiten, sie sind in ihrer Mobilität eingeschränkt, häufig Pflegefälle, sie können Kürzungen nicht auffangen und sind ohnmächtig der Willkür der Rentenzahler ausgesetzt.

Die Mehrheit der Deutschen wünscht, dass die Renten vor allem durch den Staat, das meint die Staatskassen gesichert werden sollen. Das ergab eine Umfrage des jüngsten ZDF-Politbarometers. Schon jetzt zahlt der Staat ordentlich in die Rentenkassen zu . Vielleicht wäre aber eine ehrlichere Steuerfinanzierung mit der Belastung aller Steuerzahler ein Weg, über den zumindest mal nachgedacht werden müsste.

Alles keine Lösung? Simple Antworten auf komplizierte Fragen gibt es nur in Sarrazins Welt. 

15 Kommentare | 04. September 2010 | 15:56 Uhr | Twittern | Facebook

15 Kommentare

  1. Es gibt keine Anhaltspunkte zum Rassismus
    Kein Volk der Welt hat den Grund, sich über andere zu erheben. Denn alle möglichen klassischen Menschenrassen** der Welt wurden von den Moslems beherrscht und auf edle Weise freigelassen. Sogar die Araber selbst.
    Die Moslems sind eine Nation, zu der alle Menschenrassen der Welt gehören und in ihr wirken bzw. gewirkt haben.
    Im Islam darf kein Moslem entscheiden, wer angesehener als anderer ist. Nur Gott entscheidet das, im Koran steht:
    “O ihr Menschen, Wir haben euch aus Mann und Frau erschaffen und euch zu Völkern und Stämmen gemacht, auf daß ihr einander erkennen möget. Wahrlich, vor Allah ist von euch der Angesehenste, welcher der Gottesfürchtigste ist. Wahrlich, Allah ist Allwissend, Allkundig.”
    Man darf auch über anderen nicht spotten, Allah sagt im Koran:
    “O ihr, die ihr glaubt! Lasst nicht eine Schar über die andere spotten, vielleicht sind diese besser als jene; noch (lasst) Frauen über (andere) Frauen (spotten), vielleicht sind diese besser als jene. Und verleumdet einander nicht und gebt einander keine Schimpfnamen. Schlimm ist die Bezeichnung der Sündhaftigkeit, nachdem man den Glauben (angenommen) hat, und jene die nicht umkehren – das sind die Ungerechten. ”
    Und somit haben auch die Moslems keinen Grund für Rassismus wegen ihrer Glaubenszugehörigkeit.
    Jetzt kommen wir zur modernen Zivilisation:
    Obwohl es für viele unvorstellbar wäre, ist es eine Tatsache, dass, ohne die Auswirkung des Islams, die Menschen stehen geblieben wären.
    Es würde viel verlangen, alle Aspekte der Auswirkung des Islams bzw. der Moslems zum Licht bringen zu wollen.
    Aber als Beispiel folgt ein Abschnitt über die Geschichte der Renaissance aus Wikipedia:
    „Das Wissen und die Ideen der Antike, die im Europa des Früh- und Hochmittelalters vergessen wurden, waren in Klosterbibliotheken, im arabischen* Kulturkreis und Byzanz bewahrt worden. Wissenschaftler wie Gianfrancesco Poggio Bracciolini oder Niccolo Niccoli durchsuchten die Bibliotheken nach Werken klassischer Autoren wie Platon, Cicero und Vitruv. Außerdem fiel während der fortschreitenden Reconquista auf der Iberischen Halbinsel den christlichen Eroberern eine Vielzahl an Werken griechischer und arabischer Autoren in die Hände. Alleine die Bibliothek von Cordoba soll 400.000 Bücher umfasst haben.“
    Nun könnte man fragen: Warum sind die Moslems momentan unentwickelt?
    Die beste Antwort wäre: Gott weiß es besser.
    Aber man könnte meinen, dass es daran liegt, dass die Moslems ihren Glauben vernachlässigt haben. Vielleicht wäre die Entwicklung unter den Moslems wegen ihres Glaubens langsamer und umweltfreundlicher fortgeschritten.
    Es ist auch kein Widerspruch zum Islam, dass die christliche Welt sein Nachfolger(im Bezug auf die Wissenschaft) geworden ist, denn Allah sagt im Koran:
    „Und du wirst zweifellos finden, dass die, welche sagen: “”Wir sind Christen”" den Gläubigen am freundlichsten gegenüberstehen. Dies (ist so), weil es unter ihnen Priester und Mönche gibt und weil sie nicht hochmütig sind. ”
    Außerdem ein kleiner Hinweis:
    Obwohl Griechenland als die Wiege der westlichen Zivilisation gilt, steht es momentan nicht in der vorderen Reihe. Die Wege Gottes sind unergründlich.
    *: die Moslems werden von den Nichtmoslems oft als Araber bezeichnet, was der Realität nicht entspricht
    **: der Begriff “Menschenrasse” ist überholt bzw. widerlegt.

    Saqqur | 1. Januar 1970 | 00:00 | Antworten
  2. Ich kann nur JEDEM Fremden in Deutschland raten, egal, ob er muslimisch, orthodox, jüdisch, Europäer, Amerikaner, Chinese oder Pakistani ist.
    Verlasst dieses rassistische Land, bevor Euer deutscher Nachbar über Euch herfällt und man Euch alles nimmt!
    Um es in der Terminologie und mit den Worten von Sarrazin zu sagen: solche Deutsche, wie er, haben das Nazi-Gen in sich.
    Diese Leute brauchen immer einen Sündenbock, auf den sie ihren ganzen Frust schieben können, das hat ja die Geschichte bereits gezeigt.

    Leonard | 1. Januar 1970 | 00:00 | Antworten
  3. Einfach nur widerlich dieser Typ. Ich bekomme schon einen Brechreiz, wenn ich dem sein dummes Gestammel höre und dazu den dämlichen Gesichtsausdruck!
    Was bildet sich dieser Mann ein und worauf eigentlich ein ?
    Liebe Medien, verschont uns mit dieser Kreatur.

    hamburg | 1. Januar 1970 | 00:00 | Antworten
  4. Guten Tag, auch …
    was soll man sagen? Thilo S. lebt in seiner Welt und ich in meiner. Und Sie in Ihrer. Das wichtigste sollte sein, sich zu unterhalten bzw. auszutauschen. Letztendlich wird in der Diskusion nur jeweils Vorurteile ausgetauscht, was eine gute Grundlage für Integration ist.
    Es gibt weder kluge Völker, noch weniger kluge. Integration ist halt keine Anpassung. Alle die schon immer wußten, dass Multikulti scheitern würde, haben sich sicher redlich um die Integration gekümmert. Haben Ihre Vorurteile über Bord geworfen.
    Alles ist im Fluß … und da kommen mir die Angstmacher gerade recht.
    Sollen sich die Menschen, getrennt nach welchen Kriterien auch immer, in Zukunft die Köppe einschlagen?
    Übrigens hat Thilo S. auch noch die Ostfriesen und Isländer mit nem Extra-Gen ausgestattet.
    Schönen Sonntag noch

    J. Zibelius | 1. Januar 1970 | 00:00 | Antworten
  5. Das darf doch nicht war sein!!! Das Land Berlin fördert mit Steuerngeldern radikale islamische Fundamentalisten:
    http://www.youtube.com/watch?v=e_IzeEKMKp4
    Chef der Gewerkschaft der Polizei Konrad Freiberg in heute.de: “Es gibt Viertel, in denen es nicht immer gelingt, das Recht durchzusetzen”, Allein in Berlin habe es im vergangenen Jahr 3.000 tätliche Angriffe auf Beamte gegeben. “In manchen Vierteln ist es so gefährlich, dass wir bei einfachen Einsätzen wie Familienstreitigkeiten mit mehreren Streifenwagen kommen müssen.”
    Wir sollten nicht zur Tagesordnung weitergehen. Die Debatte muss weiter gehen, bevor es wirklich zu spät ist.

    Pro Sarrazin | 1. Januar 1970 | 00:00 | Antworten
  6. Nur einfältige Leute beurteilen Menschen nach ihrem Äußeren. Dementsprechend ist auch der Kommentar von “deutsche freiheit”.

    Meyer Heinz | 1. Januar 1970 | 00:00 | Antworten
  7. Nun fällt mir immer wieder diese verlogene Art und Weise der Medien ein.
    Waren es nicht zuletzt die Journalisten von Funk und Fernsehen, die noch vor 20 Jahren aber auch jeden Politiker sofort in die Nazi-Ecke gestellt haben, sobald sie auch nur gefordert haben, die zugezogenen Ausländer sollten zwingend deutsch lernen?
    War das nicht auch lauthals noch so in den 90er Jahren, wenn Politiker forderten, dass der “muttersprachliche Unterricht” abgeschafft gehört? Noch bis zu diesem Zeitpunkt galt dies als besonders schlau unter den deutschen Journalisten (in der Mehrzahl, sicher nicht bei allen), türkischen Migranten erstmal vertiefend türkisch beizubringen, und erst danach irgendwann vielleicht mal deutsch.
    Klar war Integration immer ein Thema. Nur wie verlogen wars denn und wie verlogen ist es heute?
    Klartext und klare Ansage hat zunächst erst einmal nichts mit Nazitum oder Nationalismus zu tun, sondern mit dem ernsthafen Auseinandersetzten mit der Problematik an sich. Und komisch: wenn es dann um Hartz4-Familien geht, da wird schon nicht mehr nachgefragt, warum denn ganze Familien seit Generationen nicht vermittelbar sind. Da gehts dann nur darum, vorhandene Sozialstaatsleistungen zu verteidigen, ohne auch hier mal zu hinterfragen wofür eigentlich.
    Zu leiden haben darunter nämlich ausgerechnet diejenigen, die völlig unerverschuldet in dieser Hartz4-Falle hineinfallen.

    Sven S. | 1. Januar 1970 | 00:00 | Antworten
  8. Auch meine Meinung ist, dass sich Herr Sarazin etwas verrannt hat, aber die Meinung von Frau Roth, man würde den Muslimen u.a. die Heimat nehmen, kann ich nicht nachvollziehen. Ja mein Gott, wie viele fühlen sich denn heimisch im Sinne einer deutschen Kultur? Einer kennt welche, die sich wunderbar integriert haben und legt das auf alle um, andere kennen das Gegenteil und reden auch nur über die Unangepaßten. Gerade Frau Roth gehört zu den Politikerinnen, die vehement die jetzige Diskussion verhindert hat.

    Brita Dammhayn | 1. Januar 1970 | 00:00 | Antworten
  9. Personen wie Sarrazin, die pauschal Menschen verurteilen, rassistische Voruteile schüren nannte man vor wenigen Jahren noch “Brandstifter” und so sollten sie auch heute bezeichnet werden. Die Folgen haben Synonyme: Solingen, Mölln, R-Lichtenhagen.
    Dass Perspektivlosigkeit auch etwas mit diesem Staat, dem Ausländergesetz, seinen kriminaliserenden ausgrenzenden befristeten Aufenthaltsstati, den Einstellungsmethoden von Arbeitgebern, den Jahrzehnte lang unterschiedlichen -in Dauer und Qualität des Lehrpersonals – Deutschkursen, Förderungen von MigrantInnen und damit dem Gefühl auch nach langen jahren und in der xten Generation immer noch unerwünscht zu sein, etwas zu tun haben könnte, wer will es den Menschen verübeln. Fragen Sie doch mal in Imbissstuben, Taxis und Gemüseläden nach den Schulabschlüssen und Sie werden erstaunt sein, wie viele Personen jeden Geschlechts dort mit Hochschulabschluss arbeiten, weil sie keine Stelle gefunden haben. Untersuchungen beweisen dies seit jahren. Und dennoch arbeiten all diese Leute, zahlen Steuern für diesen sie ausgrenzenden Staat. Auch hierzu gibt es Untersuchungen. Sie nehmen marginale Beteiligungsmöglichkeiten in Kauf und leben dennoch i.R. der Gesetze.
    Viele Flüchtlinge arbeiteten immer dann steuerpflichtig, wenn sie Arbeitserlaubnisse bekamen. Nur Minderheiten wollen, dass sie vom Staat leben, einige haben keine andere Möglichkeit.
    Wenn ich lese, dass die neue NRW Regierung auch darüber nachdenkt, sich die Diäten zu erhöhen, sollten wir bei unserer PolitikerInnenkaste nach Gründen für die Staatsverschuldung suchen und nicht Minderheiten zu Sündenböcken stempeln.
    Meines Wissens leben auch Deutsche im Ausland in ihren communities, gründen Kirchen, Karnevals- und Schützenvereine -, pflegen ihre Muttersprache so erlebt in namibia und gehört über WDR Funkhaus Europa diese Woche auch in der Türkei. Und wenn Einheimische wie dort den ausländischen Deutschen auch noch entgegenkommen und Deutsch lernen: Hut ab. Wer von uns hat dies geleistet? Ich habe es auch nicht geschafft, trotz verschiedener Sprachkurse. Der Dialekt meier besseren Hälfte wird in keinem Kurs gelehrt.
    Und dennoch: unsere Kinder sprechen gut Deutsch, gehen motiviert in gute Schulen (katholisch und städt. und siehe da: auch dort gibt es reichlich Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund die dieselbe Quali für’s Gym im vermeintlich ausschließlichen Brennpunktstadtteil erreicht haben.
    Viellicht auch mal positive Beispiele sehen.
    Und dennoch kenne ich Kinder, die die Hoffnung aufgegeben haben und einen guten Schulweg abgebrochen haben, weil sie im Umfeld erleben mussten, dass der beste Abschluss bei Bewerbungen nichts nützt, wenn sie einen ausländischen Namen haben. Die, die ich kenne, sind dennoch in steuerpfBerufe gegangen und Vorarbeiterin, Handwerker oder selbstständig geworden.
    Aus meinem Berufsfeld der sozialen Arbeit, kenne ich PraktikanntInnen, vorwiegend weibl., aus verschiedensten Ländern, verschiedensten Religionen. Von mangelnder Lernbereitschaft und Engagement, Neugier, Neues zu lernen, kann keine Rede sein.
    wir arbeiten Vollzeit, zahlen zu viel Steuern, um Familien ein sorgenfreieres Leben bei normalem Einkommen zu ermöglichen. Ein Auto ist nicht mehr drin. Und viel Zeit aus der eigenen Parallelwelt rauszukommen auch bei uns nicht. Bei uns ist sie trotz aller Alltagskontakte zu 99 % deutsch. Freizeit ist endlich und damit die Möglichkeit, alle Kontakte in ganz Deutschland zu pflegen.
    VG bou

    elbouray, weibl. deutsch, binationale Familie | 1. Januar 1970 | 00:00 | Antworten
  10. Sorry, es ist viel, ich weiß, aber wichtig und das fatale ist, dass sich seit Jahrzehnten nichts ändert.
    Viele pfiffige Grundschüler werden in Sonderschulen abgedrängt, weil in diesem förderalistischen Schulsystem durchgehend mehrsprachiges Lehrpersonal fehlt, um Ursachen des Scheiterns zu erkennen (z.B. simple Zahlendreher, kein Verstehen Altdeutscher Sprache). Die Aziz-Nesin-Schulen in Berlin beweisen nach meinem Kenntnisstand, dass es möglich ist, zweisprachig in jedem Alter zu lehren und zu Hochschulabschlüssen zu kommen. Wie kann es sein,dass in Düsseldorf x- Schulen spanisch, italienisch anbieten, aber kein türkisch mehr oder arabische Sprachen (von denen es genügend SchülerInnen gäbe, um Kurse zu füllen)oder kaum LehrerInnen mit Migrationshintergrund andere Fächer lehren. Dies sind Kompetenzen, die ungenutzt bleiben, im Aufeinanderzugehen, in den Familien die Zweisprachigkeit fördern würden und ökonomisch für Handelsbeziehungen wichtig wären. Muttersprachlicher Unterricht im Grundschulalter ist so reduziert und nur an so wenigen Standorten, dass es für uns z.B. nicht organisierbar war.
    Solange es in öffentlichen Institutionen, Dienstleistungsanbietern und vor allem Bildungseinrichtungen vom Kleinkindalter bis zur Hochschulreife keine interkulturellen Teams gibt, wird es keine vollständige Akzeptanz geben. Und keine Vorbilder für Kinder, dass sich Wissen und lernen lohnt.
    In die Schulliteratur, wissenschaftlichen Beiträge könnten Arbeiten internationaler Kulturschaffenden u. und WissenschaftlerInnen aufgenommen werden. Es gibt sie in allen Kontinenten. Auch das würde Vorbildfunktion und Akzeptanz fördern. Für Literatur sind sie zumindest übersetzt.
    Wir Eingeborene müssen Arbeitsplätze teilen lernen. Nur dann kann Integration erfolgreich sein und keine Einbahnstraße.
    Und gleichzeitig müssen wir auch unsere Vorurteile und Sorgen ernst nehmen. Wir haben ein Kind jetzt aus einem Selbstverteidigungssportverein genommen. Nicht weil uns störte, dass dort MigrantInnen SchwarzgurtträgerInnen und LehrmeisterInnen waren, sondern weil ein Gehorsam ohne Infragestellung und Diskurs eines Lehrers gefordert wurde und nach unserem Kundtun unserer Irritation auch nicht abgestellt wurde oder reagiert wurde. Und damit irritierten uns zunehmend die ansteigende Anzahl Kopftuch tragender junger Damen. Dann muss dies auch abgelehnt werden dürfen.
    Probleme, die bestehen oder gar Straftaten, die begangen werden, müssen im Rahmen unserer Gesetze geahndet werden. ursachen müssen für Mitglieder unserer Gesellschaft aber auch in dieser Gesellschaft gesucht und ausgeräumt werden. Eine Doppelbestrafung v.a. Jugendlicher durch Abschiebung in ihnen völlig fremde Herkunftsländer der Großeltern/-Eltern ohne gesichertes Auskommen ist asozial und inhuman.
    Religionsfreiheit steht zu Recht im Grundgesetz. FundamentalistInnen sind zu beobachten, wenn sie nicht im gesetzl. Rahmen agieren, strafrechtlich zu verfolgen, egal ob sie evangelistisch, katholisch oder muslimisch sind.
    Mit demokratischen/säkularen religiösen Verbänden aller Religionen sollte zusammengearbeitet werden.
    Fatal wäre es, FundamentalistInnen der christl. Religion zu verharmlosen und unbeobachtet zu lassen. Auf die hervorragende Dokumentation von Hr. Tilman Jens sei verwiesen.
    Fröhliches Diskutieren nun Gesellschaft lebendig gestalten.
    VG bou. Wg. Mobbing im Netz nicht mehr bereit, vollen Namen zu nennen. Schade!

    bouray | 1. Januar 1970 | 00:00 | Antworten
  11. Machokultur:
    - du musst ein beschützer deiner Familie sein
    - Ehre (was auch immer das ist, wissen die wenigsten pseudogangster)
    - deine Schwester und Cousine müssen anständige Mädchen sein
    - du musst ein Kämpfer sein
    - du musst stark sein und zuschlagen können
    das exakt sind die Kulturkreise, aus denen dann Kinder und Jugendliche entwachsen, mit einer geballten Ladung. Sie laufen auf den Strassen rum und suchen den Feind. Keiner da? Dann sucht man sich einen. Identitätskriesen haben sie, und wir lassen es zu.
    Zwingt sie endlich in den Kindergarten. Alle! Auch die deutschen Familien! Zwingt sie endlich zur Schule. Je länger sie geht, je besser. Zwingt die Eltern, die Aufsichtspflicht wahr zu nehmen. Wer das nicht tut oder sich queer stellt, darf diese Gesellschaft entweder verlassen, oder braucht nicht zu erwarten, das wir noch einen Cent ausgeben für sie.

    In the Gheddo | 1. Januar 1970 | 00:00 | Antworten
  12. Es ist wichtig, sich mit der Frage der Integration zu beschäftigen. Im Moment werden werden Meinungen geäußert und Standpunkte gesucht. Nach meinem letzten Jahr als Erzieherin in einer Offenen Ganztagsschule bin auch ich an viele Grenzen gestoßen, aber auch vor allem an die didaktischen Grenzen des Konzepts. Dort war vor allem Verwahren angesagt. Im Nachmittagsbereich wurde für jedes Kind Hausaufgabenbetreuung in der Großgruppe angeboten, eine Stunde lang. Jede weitere schulische Förderung war von der Leitung nicht erwünscht. Man sei eine Einrichtung der Jugendhilfe und kein Nachhilfeinstitut. Da viele der Kinder mit Migrationshintergrund dort schon in der 2. Klasse das erste Mal sitzenbleiben, hätten diese Kinder die Extrahilfe bitter nötig gehabt. Deshalb wurden sie auch auf Rat der Lehrer im Ganztagsbereich angemeldet. Da wir ihnen aber nicht helfen durften, langweilten sich die Kinder oft, wurden agressiv mit 60 Kindern in 3 Räumen und versagten trotzdem in der Schule. Manche Eltern versuchten außerhalb der Schule Nachhilfe zu finden, was aber oft privat bezahlt werden muss und nicht zu stemmen ist für arbeitslose Eltern. Was die Kinder im Ganztag gelernt haben ist, sich auf die Nase zu hauen und sich zu beschimpfen. Deshalb sollte man sich nicht zuviel von pädagogischen Konzepten erhoffen, die noch nicht ausgereift sind. In meinem Fall war die Diakonie der Träger. 3 Halbtagsstellen für Erzieher bzw.Sozialpädagogen(möglichst billig bitte und befristet auf ein Jahr!),die ein oder andere Honorarkraft für ein paar Stunden in der Woche und möglichst Kantinenkraft und Ergänzungskraft vom Arbeitsamt gestellt( fachliche Qualifikation nicht zwingend erforderlich) betreuen 60 Kinder mit geringem finanziellen Etat. Da finde ich es arrogant zu hören, dass alle Kinder ab 1 Jahr Kindergartenpflicht haben sollen, damit sie in einer Umgebung aufwachsen, die “ihre Fantasie fördert und Reize zur Entwicklung bietet”. Die meisten Eltrn, die ich kennengelernt habe, schaffen es sehr wohl, den Kindern Werte und Mitgefühl und Freundlichkeit zu vermitteln, wovon sich einige deutsche Familien was abschneiden können. Liebe ist ein wichtiger Nährboden für eine gute Entwicklung und manche haben zwar nicht viel Geld, aber viel Liebe, die sie geben können. Wenn man die Eltern verunsichert und einzig der Meinung ist, dass die Bildung der Schlüssel zu einem gelungenen Leben ist und dass es die Lösung ist, die Kinder möglichst lange von den Eltern fernzuhalten und den “Pädagogen”zu überlassen, muss ich widersprechen. Diese sind oft überfordert und dem nicht gewachsen. Eltern müssen mit der Schule zusammenarbeiten, aber auch die Schulen mit den Eltern und den Kindern. Wenn man Bedürfnisse missachtet und Hilfe unterlässt, entwickelt sich Wut. Eine Wut, die die Kinder am Ende der Grundschulzeit schon hatten und die sie respektlos gegenüber Erwachsenen, der Schule und der deutschen Gesellschaft machte. Weil ihnen Hilfe verweigert wurde…

    K.C. | 1. Januar 1970 | 00:00 | Antworten
  13. Thilo Sarrazin gebührt vor allem ein Verdienst – und das ist, in diesem Punkt allein hat der Kolumnist recht, nicht die Integrationsdebatte. Zwischen dem 30.08. und 02.09. bewahrheitete sich, was keiner für möglich gehalten hätte: Alle Medien, nicht nur die sowieso politabhängigen öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten, veranstalteten eine regelrechte Hetzjagd auf eine Einzelperson, die sich nichts hatte zuschulden kommen lassen. Nun wirft ein Element dieser Mischpoke aus diesen – wahrscheinlich – Verfassungsverächtern eben jenem (streitbaren) Sarrazin vor, er denke in Stereotypen – und viel zu einfach.
    Liebes ZDF, wenn Ihr Euch das nächste Mal auf Pressefreiheit berufen solltet, lache ich dreimal laut. Das erste Mal für Eure Parteibücher, das zweite Mal für Eure Geringschätzung der Grundrechte anderer, und das dritte Mal aus purer Verzweiflung.
    Bitte leiten Sie schleunigst einen Selbstreinigungsprozess ein, der alle Hexenjagd-Teilnehmer und -koordinatoren (also Menschen, die Verleumdung und üble Nachrede betrieben haben) aus Amt, Würden und Ansprüchen entfernt. Ich sende bei Interesse gerne eine (noch inkomplette) Auflistung der offenbaren medialen Verfassungsfeinde zu. Ergänzungen dazu finden sich sicherlich bei den vorgesehenen Ethik-Kontrollorganen. Nix zu danken – sollte nämlich eigentlich selbstverständlich sein.

    Mohr | 1. Januar 1970 | 00:00 | Antworten
  14. In einer Demokratie muß jeder alles sagen dürfen und jeder alles aushalten müssen, in den Grenzen der Gesetze eben, die wir uns gegeben haben. Dass ein Mann wie Sarrazin mit seinen mittelmäßigen Provokationen so viel Aufmerksamkeit auf sich zieht, liegt an unserem kollektiven Komplex, der aus der totalen Hilflosigkeit entstanden ist, wie wir mit unserer Täterrolle im 2.WK umgehen sollen. Die Menschen, die glauben Sie hätten für dieses gewaltige Thema die Deutungs- und Richtlininen-Hoheit inne, sind Heuchler und Angsthasen. Männer wie Sarazin sind mir da viel lieber auch wenn oder gerade weil sie inhaltlich ziemlich wüsten Quatsch von sich geben und damit den diffusen Tehmen- und Gefühls-Mix unseres kollektiven Komplexes in seiner ganzen Unklarheit vor unsere Füße schleudern.

    Sascha Bruhn | 1. Januar 1970 | 00:00 | Antworten
  15. susi bibelmaus hat auf den Kommentar von Soeren geantwortet | 8.09.10 12:28
    Hier eine Antwort von Prof. Norbert Bolz auf Ihre richtigen Erkenntnisse.
    http://www.youtube.com/watch?v=Q7UohXkRxts
    Leider wurde er in der Sendung von Maybrit Illner viel zu schnell abgewürgt.

    Dummermichel | 1. Januar 1970 | 00:00 | Antworten

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