Opel kann nicht auf GM setzen

Auf den ersten Blick scheint es wirklich überraschend, wie schnell und gründlich sich General Motors von den Strapazen der Pleite erholt hat. So viel Geld wie im zweiten Vierteljahr 2010 (1,3 Milliarden Dollar) hat der Autokonzern seit vielen Jahren nicht verdient. Genau genommen verdiente er ja längere Zeit eher nichts, was dann zum Konkurs führte und Schockwellen durch die Töchter in Europa sandte. Nun hat sich GM offenbar gefangen – aber wie kommt das?

Nachdem der amerikanische Staat etwas mehr als 60 Prozent des Detroiter Unternehmens übernommen hatte, kehrte ein striktes Finanzregiment ein. Kürzungen, Rationalisierungen, Verkauf von Randaktivitäten – die neuen Herren aus Washington ließen es nicht anders machen als es ein Finanzinvestor gemacht hätte.

Visionen für eine neue Linie, für zeitgemäße Automodelle und technologische Sprünge nach vorn waren weniger dabei. Dafür sprachen auch die Personalien: Nachdem mit Fritz Henderson der letzte reinrassige “Automann” gehen musste, kam Übergangschef Ed Whitacre an die Spitze, sanierte, und übergibt nun an den Finanzmann Dan Akerson, der GM schleunigst entstaatlichen soll. Ein Börsengang noch vor November ist wahrscheinlich und dann ist GM wieder da, wo es ehedem schon gewesen ist: Ein uramerikanisches Unternehmen, das Geld verdient und der Konkurrenz zeigt, wo es langgeht. So zumindest die Idee.

Für die deutsche Tochter Opel bedeutet das: Das Haupt-Augenmerk liegt nicht auf Rüsselsheim (oder den anderen Betriebsstätten in Europa). GM ist mit sich selbst beschäftigt und erwartet von den weiterhin Verlust schreibenden Töchtern wohl am ehesten Ruhe, Ordnung, Disziplin. Ob es im Gegenzug dafür auch die von Opel ersehnte weitgehende Unabhängigkeit geben wird, steht allerdings in den Sternen. Dafür, dass GM die Sanierung der Töchter nun ohne Staatshilfe schaffen will, dürfte es wohl kaum Laisser-faire aus Detroit geben. Und tieferes Verständnis des neuen Chefs für die technologischen Leistungen aus Rüsselsheim wohl ebenso wenig.

Opel muss sich weiterhin am eigenen Schopf über Wasser halten – und durch eigene Erfolge auf sich aufmerksam machen, zumindest bis eines Tages wieder ein Automanager an der Spitze steht.

1 Kommentar | 16. August 2010 | 09:08 Uhr | Twittern | Facebook

Ein Kommentar

  1. Ich interessiere mich nicht für GM. Ich kann mich nicht um alles kümmern. Echt!

    Ignorant | 1. Januar 1970 | 00:00 | Antworten

Was sagen Sie dazu?