Gericht verlängert Frist für Karstadt

Nun also soll es September werden, bis Klarheit herrscht: Das Essener Amtsgericht gibt den Verhandlungs- und – hoffentlich – Vertragsparteien eine weitere Frist, den Kauf von Karstadt durch den Investor Nicolas Berggruen über die Bühne zu bringen. Bühne scheint in der Tat das richtige Wort: Das Gezerre spielt sich vor großer Kulisse ab, das Publikum ist teils berührt, teils schockiert.

Vor allem die insgesamt 25.000 Mitarbeiter, außerdem Geschäftspartner des Konzerns, dürften das Schauspiel mit wachsender Abneigung verfolgen. Sollte es nämlich Berggruen tatsächlich gelingen, die notwendigen Mietsenkungen vom Konsortium mit dem schönen Namen Highstreet zugestanden zu bekommen, ist die Zukunft bestenfalls ungewiss. Denn an dem mangelnden Interesse der Kunden hat sich in den 14 Monaten Insolvenz-Verfahren wohl kaum etwas zum Besseren gewendet.

Und am Horizont lauert immer noch Konkurrent Kaufhof mit der Metro-Gruppe im Rücken, der eine Fusion anstrebt, wobei etliche Filialen auf der Strecke blieben. Etwas, das Investor Berggruen bisher ausgeschlossen hat, aber wer weiß? 

Die Gewerkschaft Ver.di sieht diese Gefahr als das unmittelbar bedrohlichste an der ganzen verfahrenen Situation, denn das würde tatsächlich Arbeitsplätze kosten, „ordentliche Arbeitsplätze”, wie Ver.di betont, keine Aushilfsjobs oder Zeitarbeitsstellen. Es sieht für die Zukunft jedoch danach aus, als würden so oder so aus den sogenannten ordentlichen Stellen nach und nach weniger ordentliche. Denn sonst dürfte der Überlebenskampf des Kaufhauskonzerns in Kürze erneut losgehen.

Schließlich ist Karstadt nicht nur durch Missmanagement in die Krise geraten, und selbst allerbestes Management allein kann das Unternehmen nicht retten, andere müssen mitspielen. Natürlich nun als erstes die Vermieter von Highstreet, danach aber vor allem Kunden und Lieferanten. Um Rabatte bei letzteren herauszuhandeln, braucht Karstadt Marktmacht. Die kommt vom Kunden, und der kommt nur, wenn er einen guten Grund dafür sieht. Wenn man annimmt, dass bis 3. September ein gültiger Kaufvertrag zustande kommt, geht der eigentliche Stress für Berggruen erst los: Er muss aus den ganz gewöhnlichen Einkaufsfilialhäusern reine Konsumparadiese machen, wie auch immer.

Ohne eine wirklich zündende Idee kommt wirklich in Kürze Kaufhof um die Ecke, wenn nicht schlimmeres. Dass Nicolas Berggruen eine solche Idee hat, und sie bisher nur geheim hält, hoffen jedenfalls nicht nur die Gewerkschaften.

 

Kommentieren | 10. August 2010 | 14:38 Uhr | Twittern | Facebook

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