Von wegen Wonnemonat!

Von wegen Wonnemonat! Draußen ist es grau und kühl – gefühlt: November. Das Bild, das Angela Merkel abgibt, passt dazu.

Der Kanzlerin, die in Zeiten der Großen Koalition mit mildem Lächeln alles und alle im Griff zu haben schien, klebt in diesen Tagen Polit-Lehm an den Füßen: Vize Rüttgers in NRW – gnadenlos abgestraft. Die Wunsch-Ehe mit der FDP – mühsam, irgendwie aus der Zeit gefallen. In Brüssel feiert sich Sarkozy als Retter des Euro – mit Maßnahmen, die fast allen Glaubensgrundsätzen der deutschen Politik widersprechen. Der Finanzminister erlebt das im Krankenhaus, der Innenminister muss einspringen.

Und wo ist die Kanzlerin? Die steht auf einer Ehrentribüne in Moskau und schaut den mehr als 10.000 russischen, amerikanischen, britischen und französischen Soldaten zu, die den Sieg über Deutschland feiern. Klar, da musste sie hin, keine Frage. Wirkt trotzdem wie im falschen Film. Zu den Siegern zählt Angela Merkel an diesem Wochenende eben nicht. Nur, wer kann sich zurzeit schon als wirklicher Sieger fühlen? Vielleicht hinterlässt der „Krieg” zwischen Politik und Finanzwelt am Ende nur Verlierer?

Einer scheint bis jetzt jedenfalls von allen Krisen und Pleiten unbeeindruckt: Josef Ackermann, der Chef der Deutschen Bank. Ich bin mal gespannt, wie er sich in dieser Woche in unserer Sendung präsentieren wird. Bisher hat der für Deutschland wichtigste Schweizer ja stets jede Kritik, jeden Anflug von Zweifel mit einem eisernen Ulla-Schmidt-Lächeln zu zerstreuen versucht. Ist auch ihm das Lachen vergangen? Sieht er schwarz für die Griechen? Für den Euro? Ich bin mal gespannt.

4 Kommentare | 11. Mai 2010 | 14:09 Uhr | Twittern | Facebook

4 Kommentare

  1. Die Annahme, dass Bildung eine brauchbare Prophylaxe zur Verbrechensbekämpfung darstellt, erweist sich wohl immer mehr als ebenso peinlicher Rohrkrepierer, wie unsere derzeitige Bundesregierung. Sonst dürften die Bankfachleute wohl allesamt zur Sonderschule gegangen sein.
    “Wenn schon falsch, dann richtig!”, scheint
    unserer Regierungskoalition wohl als Motto zu dienen.
    Von daher ergibt sich für mich die Frage, was von einer Rot-Rot-Grün dominierten Politik eigentlich noch kaputter gemacht werden könnte???

    Michael Neumann | 1. Januar 1970 | 00:00 | Antworten
  2. Deutsche Politiker sind in den vergangenen Jahren mehr und mehr zu Selbstdarstellern degeneriert, die zudem als Politiker auch nicht für ihre Taten persönlich haften müssen.Der Souverän – das Volk – hat keine bzw. nur unzureichende Möglichkeiten, während einer Amtsperiode einer Regierung auf Entscheidungen dieser Regierung Einfluß nehmen zu können. Insbesondere gilt dies für Mehrheitsregierungen. Die gewählte Regierung hat somit “Narrenfreiheit”. Der Souverän hat auch keinen Einfluß auf das Qualitätsmamangement und die Höhe der Bezahlung, Diäten und Pensionen von Politikern. In Zeiten wo das Geld in den öffentlichen Kassen fehlt und man noch EU-Mitgliedsstaaten finanziell helfen muss sollte jeder Politiker zu alten Tugenden zurückkehren: Umgehend effektive Einschränkungen ergreifen, auch persönliche, die innerhalb einer Amtsperiode zu einer soliden Haushaltspolitik führen. Wenn alle EU-Regierungen so als Team gemeinsam agieren und sich niemand als “Besserwisser” profiliert, wird es zu mehr Zuspruch der Bürger in der EU kommen. Die Medien sollten mehr Personen in den Talkshows präsentieren, die Dinge rational und objektiv angehen, als solche, die sich nach außen selbst produzieren wollen. Das Niveau der Veranstaltungen könnte so deutlich verbessert werden. Ein größeres Gewicht von der Basis durch mehr Eigeninitiative der Bürger und Gemeinden könnte Deutschland und der EU ebenfalls nicht schaden.

    Klaus-G. Wagner | 1. Januar 1970 | 00:00 | Antworten
  3. Ja die Frau Merkel hat es nicht leicht. Aber man wollte es ja so. Holt sich die FDP ins Boot und schon wird nichts gegen die Spekulanten getan. Unverantwortlich was sich da die FDP leistet! Hätte Frau Merkel Herrn Steinbrück (SPD) behalten würde es jetzt besser mit dem EURO aussehen. Ín diesen Krisenzeiten gibt es keinen Spielraum zum profilieren bzw. kein Spielraum zum taktieren. Die Politik muss endlich das Heft in die Hand nehmen und Gesetzte gegen die Spekulanten machen, auch notfalls ohne die FDP. Natürlich müssen die Haushalte wieder in die richtige Richtung gebracht werden. Aber auch hier war je die Finanzwirtschft die Verursacher der Krise so das viele Haushalte jetzt in Bedrängnis gekommen sind. Kurz und gut zuerst waren es die Banken und jetzt ist es die FDP die bremst. Unveraantwortlich !!

    new 55 y old | 1. Januar 1970 | 00:00 | Antworten
  4. Goethe sagt:”Wir hoffen immer,und in allen Dingen ist hoffen besser als verzweifeln.”
    Nach fast zwei Jahren der Hoffnung zu einem Lerneffekt der Politik in Bezug auf das Gebähren von Auswüchsen des ungezügelten Kapitalismus ist die, spätestens seit diesem Wochenende, stark eingedampft.Gezänk, gezerre, eben Interessengehabe widerspiegeln das ganze Ausmaß der Ohnmacht, die uns umgibt und die wir gewählt haben. Keiner hat ein Patentrezept. Aber ein Zeichen setzen, den Weg aus der Ohnmacht aufzeigen, auch wenn er für alle schmerzhaft sein wird, das ist ein Mindestmaß an Politikfähigkeit, was wohl jeder Bürger erwarten darf. Nein das schielen auf die Macht, das nicht erkennen wollen eines Versagens, wie in NRW gerade deutlichst zu sehen,das Gegenteil von Transparenz und Offenheit zum Volk, so stellt sich Politik und Ihre Protagonisten dar.
    Herr Ackermann ist da aus einem anderen Holz geschnitzt. Der sitzt neben dem Finanzminister als Retter der abendländischen Finanzwelt und hat schon wieder 20 und mehr Prozent Renditen im Blickfeld, ja was er auch offen sagt. Und die Politik schiebt sie ihm über Steuergelder zu. Welch komfortable Situation für die Globelplayer dieser Tage.Wenn Herr Ackermann gleich zweimal, innerhalb einer kurzen Zeitspanne, die Gelegenheit im Fersehen bekommt, seine Promotionsveranstaltung ohne Belastung der Kosten der Deutschen Bank durchzuziehen, Dank sei dem angepaßten Journalismus dieser Tage. Was erwarten wir von Herrn Ackermann ?.Soll er der Poltik und dem Volke sagen, wie die regeln geändert werden müssen ? Der weiß das natürlich, nur er wird es der Politik nicht auf dem Silbertablett servieren wollen.Es ist sinnvoller dem “Volke aufs Maul zu schauen”, um eventuell mal zu zeigen, wie der ganz normale Bänker den Alltag der Finanzwelt beinflußt.Die Kindergärtnerin zu fragen ,wie es um die Bildung der Kinder steht.Der Handwerker hat dazu sicher auch was zu sagen.Keine “Sorgenveranstaltung” aber Vertrauen dazu, dass die Menschen ohne politisches Mandat einen gesunden Verstand haben, der oft weiterentwickelt ist als ein enges Klientelkorsett oder der Fraktionsvorsitzende zuläßt.Und das macht dann wieder Hoffnung und lindert die Verzweiflungsgedanken.

    schmidt | 1. Januar 1970 | 00:00 | Antworten

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