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Tag drei nach der Katastrophe bei der Loveparade in Duisburg. Je mehr Panik- und Katastrophenforscher sich zu Wort melden, desto deutlicher werden Fehler und Planungsversagen. Was sich die Stadt Duisburg und der Veranstalter der Loveparade Lopavent GmbH bei ihrem Konzept für die Großveranstaltung gedacht haben, ist mit normalem Menschenverstand kaum nachvollziehbar: So konnte - oder musste - die Loveparade auf so dramatische Weise aus dem Ruder laufen: 20 Tote, über 500 Verletzte.
Seit Jahren stellen die Raver-Treffen Besucherrekorde auf. In Dortmund kamen zuletzt 1,6 Millionen Menschen. Das war 2008. Bochum sagte 2009 ab - wegen Sicherheitsbedenken. Duisburg stellte für die Party 2010 das Gelände um den alten Güterbahnhof zur Verfügung - ausgelegt für 250.000 Besucher. Wieso genehmigte das Ordnungsamt so etwas? Der einzige Zugang: ein Tunnel, der über Stunden zur Falle für die Menschenmassen wird. Als einzelne dem immer unerträglicher werdenden Druck über eine Treppe und ein Gerüst zu entkommen versuchen und abstürzen, schaukelt sich die Panik in der Menge hoch.
Schon vor einigen Wochen hatte Karl-Theodor zu Guttenberg die Aussetzung der Wehrpflicht in Aussicht gestellt. Wichtigster Grund, die Bundeswehr muss sparen, an Personal und Geld. Das war gerade für die Verteidigungsexperten der Union eine große Provokation. Die Wehrpflicht, für die man über 50 Jahre gefochten hat, diese Wehrpflicht soll mal so nebenher auf dem Altar der Staatsfinanzen geopfert werden, und das noch von einem Parteifreund.
Eigentlich hätten sie richtig gut gelaunt sein können bei der Pressekonferenz heute in Frankfurt, Bundesbank-Vize Zeitler (rechts im Bild) und Bafin-Chef Sanio (links im Bild). Der erste europaweite Stresstest für Banken zeigt, dass die deutschen Kreditinstitute ganz gut aufgestellt sind, sollte es wieder ähnliche Turbulenzen an den Weltmärkten geben wie in den vergangenen drei Jahren. Nur das ewige Sorgenkind, die Münchner Hypo Real Estate, fiel durch. Der Rest schaffte es - wenn auch in einigen Fällen recht knapp.
Dass die Deutsche Bank im Ranking oben mit dabei ist, überrascht wohl keinen ernsthaft. Aber dass ausgerechnet die Krisenbank HSH Nordbank gleichauf mit den Ackermännern ist - da staunt so mancher. Spitzenreiter ist übrigens die Landesbank Berlin. Die hat ihre große Krise auch schon ein paar Jahre hinter sich und scheint ganz gut aufgestellt. Am Ende der Tabelle, knapp über der Abstiegszone, ist zum Beispiel die Nord LB und auch die Helaba ist nicht weit davon entfernt - die zwei Landesbanken, die die große Krise ohne Staatsgeld überstanden haben. Da scheint gutes Wirtschaften vom Test bestraft worden zu sein. Sicher kein gutes Signal.
Schwarz-Gelb droht weiter Ungemach. Denn die bundespolitische Krise der Koalition wirkt sich auch auf die Bundesländer aus. Die Regierung von Baden-Württembergs Ministerpräsident Mappus muss um ihre sicher geglaubte Wiederwahl in acht Monaten fürchten. Das liegt vor allem an der FDP.
Angela Merkel verabschiedet sich in die Sommerpause im Geiste Pippi Langstrumpfs: Ich mach mir die Welt, widde widde wie sie mir gefällt. Ein holländischer Journalist fragt während der traditionellen Pressekonferenz vor den Ferien, was Frau Merkel glaube, welches ihr größter Fehler gewesen sei in den vergangenen Monaten. Keine Antwort. Schlechte Umfragewerte? Lägen daran, dass schwierige Entscheidungen hätten getroffen werden müssen und die Form der Auseinandersetzung in der Koalition nicht gut gewesen sei. Die Form, wohlgemerkt, nicht etwa Inhalte. Die Entscheidungen, meint Frau Merkel, seien schwierig, aber richtig gewesen. Die Koalition raufe sich zusammen. Deutschland erweise sich in der Krise stärker als angenommen. Neuer Streit zum Sparplan-Fahrplan? Nein, alles verlaufe planmäßig.
Frau Merkel findet sich zudem in einer Rolle, die vor ihr schon andere Kanzler angenommen haben: Wenn zuhause zuviel genölt wird, tut eben internationale Bestätigung gut. Russland und China hätten gerade anerkannt, dass Deutschland das gut hinbekommen habe mit dem Griechenland- und dem Euro-Rettungspaket, sagt sie. Und US-Präsident Obama sehe ein, dass man den Deutschen nicht vorwerfen könne, zuwenig für die Konjunktur zu tun, wenn sie ihm nur erklärt, wieviel Deutschland für Soziales ausgibt. Alles ü-ber-haupt kein Problem.
Dass die Politikverdrossenheit zunimmt, ist ein Gemeinplatz. Dass sie ganz offensichtlich auch unter Politikern zunimmt, das ist relativ neu. Früher wurde ihnen immer nachgesagt, sie klebten wie Pattex an ihren Sesseln. Aber jetzt: Innerhalb eines Jahres traten sechs Ministerpräsidenten und ein Bundespräsident von der politischen Bühne ab. Die Kolumnisten schreiben viel von Pflicht und Disziplin, Claudia Roth von den Grünen spottet über die „bürgerliche Null-Bock-Generation", und die Bild-Zeitung rechnet genüsslich die Pensions- und Versorgungsansprüche vor.



































Afghanistan (4)
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