Schäden am Arbeitsplatz: Wer zahlt?

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Im Privatleben in die Sache klar: Wer einen Schaden anrichtet, muss dafür aufkommen. Im Job sieht es etwas anders aus: Hier trägt der Chef das Betriebsrisiko. Der Arbeitnehmer muss nur dann zahlen, wenn er fahrlässig oder mit Vorsatz gehandelt hat.

Wo gehobelt wird, fallen Späne – und wo gearbeitet wird, geht auch mal etwas kaputt. Doch wer zahlt, wenn verschütteter Kaffee die Tastatur unbrauchbar macht, der Dienstwagen unterwegs geschrottet wird oder die teure Maschine wegen eines Bedienungsfehlers streikt?

Generell gilt: Alle Geräte und Maschinen am Arbeitsplatz gehören dem Chef. Und der Mitarbeiter, der damit umgeht, trägt die Verantwortung für sein Handeln. Das heißt aber nicht automatisch, dass das er für alle Schäden, die er verursacht, in unbegrenzter Höhe aufkommen muss: Schäden, die während der Arbeit entstehen, sind in der Regel von der Betriebsversicherung des Arbeitgebers abgedeckt. Nur wenn der Mitarbeiter fahrlässig oder vorsätzlich handelt, kann er haftbar gemacht werden.

Wie fahrlässig ist das denn?

Beim Grad der Fahrlässigkeit gibt es verschiedene Abstufungen. Wer nur leicht fahrlässig handelt und ein Missgeschick verursacht, das jedem hätte passieren können, muss nicht für den Schaden aufkommen. Beispiele sind das Getränk, das im Eifer des Gefechts auf der Tastatur landet, oder wenn etwas versehentlich zu Boden fällt.

Mittlere Fahrlässigkeit liegt vor, wenn bei der Arbeit die notwendig Sorgfalt außer Acht gelassen wird, zum Beispiel wenn jemand beim Kopieren vergisst, vorher die Heftklammern zu entfernen und dadurch das Gerät beschädigt. In diesem Fall werden die Kosten zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber aufgeteilt. Wer wieviel zahlt, hängt unter anderem von den Umständen des Einzelfalls, der Gestaltung der Arbeitsbedingungen und dem Einkommen des Arbeitnehmers ab.

Volle Haftung bei Vorsatz

Anders sieht es aus, wenn der Arbeitnehmer grob fahrlässig handelt und beispielweise betrunken Auto fährt. Wer seine Pflichten schwer und unentschuldbar verletzt, trägt dafür die volle Verantwortung und muss den Schaden zahlen. Bei hohem Sachschaden ist jedoch eine Haftungsbegrenzung möglich, in der Regel auf drei bis vier Monatsgehälter. Für Personenschäden kommt die gesetzliche Unfallversicherung auf.

Für Schäden, die durch Vorsatz entstanden sind, haftet der Arbeitnehmer grundsätzlich allein und in voller Höhe. Wer sich beispielsweise über eine nicht erfolgte Beförderung so ärgert, dass er aus Rache das Computersystem manipuliert, muss für den Schaden, der daraus resultiert, gerade stehen – und außerdem mit seiner Kündigung rechnen.

Tipps für den Schadensfall

Eine gesetzliche Höchstgrenze, bis zu der Arbeitnehmer für Schäden maximal haften, gibt es nicht; viele Entscheidungen hängen von den individuellen Bedingungen des Einzelfalls ab. „Auf keinen Fall sollte man vorschnell mit dem Arbeitsgeber eine Rückzahlungsvereinbarung treffen oder ein Schuldanerkenntnis unterschreiben“, rät Roland Oechsle, Rechtsschutzexperte beim DGB. Wichtig ist es, einen Schaden sofort zu melden – damit es nicht noch teurer wird. Und wenn es um richtig viel Geld geht sollte man sich rechtlich beraten lassen, zum Beispiel bei einem Anwalt für Arbeitsrecht oder der Gewerkschaft.

Weitere Infos zur Arbeitnehmerhaftung gibt es beim Arbeitsratgeber, dem Treffpunkt Betriebsrat und der IHK. Bei der Suche nach einem Anwalt helfen die regionalen Kammern oder Portale wie Deutsche Anwaltauskunft, Anwalt-Suchservice oder Anwalt24.de.

von Kerstin Deppe

(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich.)

8 Kommentare

  • Mario Triebel
    20.01.2015, 10:45 Uhr.

    Ich bin in einer Speditionsfirma tätig.Ich habe im November 2014 eine Palette bei der DHL geladen die Beschädigt war.Ich habe die Beschädigung einen Disponet gezeigt,aber habe vergessen die Beschädigung in meiner rollkartenmappe zu aufzuschreiben.Ich habe Abens die Palette wieder zurückgebracht.dies habe ich auch Dokumentiert.nun will mein Chef das ich den Schaden bezahle.Muss ich das bezahlen?

    MFG Mario Triebel

    • ripper.k
      19.02.2015, 15:05 Uhr.

      Sehr geehrter Herr Triebel,
      vielen Dank für Ihr Vertrauen in WISO plus. Allerdings können und dürfen wir keine Rechtsberatung geben – auch nicht zu einem Thema über das wir berichtet haben. Wie Sie sich in Ihrem Fall verhält, wie Sie sich verhalten sollten, dazu kann Ihnen Ihr Betriebsrat Auskunft geben. Oder Sie wenden sich an einen Arbeitnehmervertreter, an Ihre Gewerkschaft.
      Mit freundlichen Grüßen
      Ihr WISO plus-Team

  • Tanja
    26.02.2015, 20:56 Uhr.

    Liebes WISO-Team!

    Ich bin Zahnarzthelferin und heute ist mir bei einer Behandlung die Polmerisationslampe zu Boden gefallen. Sie ist leider nicht mehr zu gebrauchen. Es ist mir furchtbar peinlich. Mir ist sich noch nie was Derartiges passiert.
    Jetzt möchte mein Chef, das ich den Schäden meiner Haftpflicht-Versicherung melde! Ist das richtig?
    MfG Tanja

    • ripper.k
      25.03.2015, 18:47 Uhr.

      Hallo Tanja, Danke für dein Vertrauen in WISO plus.
      Grundsätzlich gilt in einem Arbeitsverhältnis erstmal die beschränkte Arbeitnehmerhaftung, das gilt zunächst für alle Arbeiten, die durch den Betrieb veranlasst sind und aufgrund eines Arbeitsverhältnisses geleistet werden. Sprich – dazu gehört wahrscheinlich auch die Benutzung der von benannten Lampe. Nun ist es aber davon abhängig inwiefern in deinem Fall von Fahrlässigkeit gesprochen werden kann. Ob leicht oder grob fahrlässig … manchmal muss man sich die Kosten teilen. Aber normalerweise sollte der Arbeitgeber eine Betriebshaftpflicht haben, die in so einem Fall greift. Die Privathaftpflicht der Angestellten ist eigentlich nicht die Versicherung, die in diesem Fall für einen Schaden aufkommt.
      Bitte beachte, dass wir keine verlässliche Rechtsauskunft geben können. Dazu müsstest du dich an einen Rechtsbeistand oder die Verbraucherzentralen wenden. Ich hoffe, dass die Info nicht zu spät kommt.
      Mit besten Grüßen vom WISO plus-Team

  • Martin H.
    04.03.2015, 14:36 Uhr.

    Wir haben eine Baustromanlage errichtet bei der ein Kabelende (mit Stecker) vorgefertigt aus unserer Firma kam, diese war fehlerhaft. Die von uns angeschlossene Seite war allerdings in Ordnung. Die fehlerhafte Seite führte zur Zerstörung einer Säge eines anderen Gewerks nun möchte unser Chef uns dafür haftbar machen. Ist das rechtens?

    • ripper.k
      25.03.2015, 18:53 Uhr.

      Hallo Robert!
      Ob ein Arbeitnehmer für einen Schaden haftet, beziehungsweise mit in die Haftung genommen werden kann, das muss immer im Einzelfall betrachtet werden. Wir können und dürfen keine Rechtsauskunft und Einzelfallbearbeitung vornehmen. Aber wir können darauf hinweisen, dass grundsätzlich in einem Arbeitsverhältnis die beschränkte Arbeitnehmerhaftung für alle angeordneten Arbeiten in einem Arbeitsverhältnis gilt. Das heißt, dass der Arbeitnehmer normalerweise nur beschränkt haftet, es sei denn, er hat grob fahrlässig gehandelt. Das können wir aber nicht beurteilen. Meistens hat der Arbeitgeber auch eine Betriebshaftpflicht, die im Schadensfall greift. Manchmal muss man sich die Kosten teilen. Das kommt auf den Einzelfall und die Art der Fahrlässigkeit an.
      Für eine verlässliche Rechtsauskunft verweisen wir an einen Rechtsbeistand, die Verbraucherzentralen oder einen Berufsverband / die Gewerkschaft.
      Mit besten Grüßen vom WISO plus-Team

  • Tom
    28.03.2015, 02:34 Uhr.

    Hallo,

    Gestern auf der Arbeit (fitnessstudio) habe ich eine Uhr gefunden die Max. 60€ wert ist, nach einiger Zeit rief jemand an der Rezeption an und fragte ob eine Uhr gefunden wurde, darauf hin sagte ich der Person das ich die ihr gefunden habe und sie die Uhr anholen kann, mit Freude antwortete sie, bedankte sich und sagte das soe die Tage reinkommt und die Uhr abholt.
    Ich lege die Uhr an die Rezeption (wo alle Mitglieder drauf scheuen könnten/Zugriff) hatten. Da wir samstags viel zu tuhen haben vergass ich die Uhr in der Safe reinzulegen… Am Ende Mine schickt bemerkte ich das die Uhr weg war!
    Am nächsten Tag kam die jenige Person und wollte die Uhr abholen, mit Schock sagte ich ihr das die Uhr nicht mehr da ist, das sie jemand genommen hat. Daraufhin ist die völlig ausgerastet und sagte das Ih die Uhr bezahlen muss… Stunden später sprach ich mit meinem Chef, er sagte mir das gleiche.. Muss ich die Uhr eggt bezahlen? Ich bin Azubi

    • ripper.k
      30.03.2015, 15:38 Uhr.

      Hallo,
      Danke für das Vertrauen in “WISO plus”!
      Ob ein Arbeitnehmer für einen Schaden haftet, beziehungsweise mit in die Haftung genommen werden kann, das muss immer im Einzelfall betrachtet werden. Wir können und dürfen dazu keine Rechtsauskunft und Einzelfallbearbeitung vornehmen. Aber wir können darauf hinweisen, dass grundsätzlich in einem Arbeitsverhältnis die beschränkte Arbeitnehmerhaftung für alle angeordneten Arbeiten in einem Arbeitsverhältnis gilt. Das heißt, dass der Arbeitnehmer normalerweise nur beschränkt haftet, es sei denn, er hat grob fahrlässig gehandelt. Das können wir aber nicht beurteilen. Meistens hat der Arbeitgeber auch eine Betriebshaftpflicht, die im Schadensfall greift. Manchmal muss man sich die Kosten teilen. Das kommt auf den Einzelfall und die Art der Fahrlässigkeit an. Für eine verlässliche Rechtsauskunft verweisen wir an einen Rechtsbeistand, die Verbraucherzentralen oder einen Berufsverband.

      Hat sich mittlerweile geklärt was mit der Uhr passiert ist? Eventuell hat die jemand anders in den Safe gelegt? Wenn die Uhr tatsächlich entwendet worden ist, dann ist das Diebstahl und den kann man bei der Polizei anzeigen. Hier ist die Haftungsfrage wahrscheinlich wieder eine andere. Aber, dass ein Auszubildender alleine in die Haftung genommen werden kann, scheint doch relativ unwahrscheinlich. Wie gesagt, sichere Auskünfte erteilt hier ein Rechtsbeistand, die Verbraucherzentralen oder der Berufsverband.
      Wir hoffen, damit ein wenig weiter geholfen zu haben.
      Schöne Grüße vom WISOplus-Team

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