Mein Chef, das unbekannte Wesen

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Warum hat er mich vorhin in der Sitzung so komisch angeguckt? Was genau meint er mit „so schnell wie möglich“? Und überhaupt: Warum hat er es plötzlich so eilig? Für viele Mitarbeiter ist der Chef ein einziges Rätsel. Um ihn besser zu verstehen hilft es zu wissen, wie er tickt. Und auch Vorgesetzte können eine Menge dafür tun, dass das, was sie meinen, bei den Mitarbeitern auch ankommt.

Alles klar?

Mitarbeiter können die Anweisungen ihres Chefs nur dann befolgen, wenn sie sie verstanden haben. Für Chefs heißt das: Sie sollten sich klar ausdrücken und nachfragen, ob alles verstanden wurde – und dabei auch auf die Hintergründe für ihre Entscheidung eingehen. Wenn der Mitarbeiter weiß, warum die Anweisung so und nicht anders erfolgt.

Beispiel: Der Auftrag muss schnell fertig werden, weil ein wichtiger Kunde dahintersteckt – kann er den Sachverhalt besser einschätzen und sich entsprechend verhalten.

Doch nicht jeder Chef beherrscht immer und überall die hohe Kunst der Kommunikation. Das bedeutet für die Mitarbeiter: Sie müssen nachfragen, wenn ihnen etwas unklar ist. Das kostet im ersten Moment vielleicht etwas Mut – ist aber besser, als einfach drauflos zu arbeiten und zu hoffen, dass es schon irgendwie klappen wird. Wenn dann etwas schief läuft ist das wesentlich unangenehmer als im Vorfeld einmal kurz nachzuhaken.

Was guckst du?

Man kann nicht nicht kommunizieren, sagt Kommunikations-Papst Paul Watzlawick. Soll heißen: Auch wenn wir nichts sagen, sagen wir etwas aus. Eine große Rolle dabei spielt die Körpersprache. Ein Chef, der stehen bleibt, während sein Gegenüber sitzt, signalisiert: Ich habe hier das Sagen. Jemand, der im Gespräch keinen Blickkontakt hält, zeigt sein Desinteresse. Damit die Kommunikation klappt ist es wichtig, diese Signale deuten zu können – und auch zu wissen, wie das eigene Verhalten auf andere wirkt.

Wer will das wissen?

Was den meisten Chefs gemeinsam ist: Sie haben viel um die Ohren und wenig Zeit. Und wollen bzw. müssen natürlich trotzdem mit allen wichtigen Infos versorgt werden und erfahren, wenn es irgendwo ein Problem gibt. Von ihrem Mitarbeitern erwarten sie, dass diese einschätzen können, welche Informationen relevant sind – und welche nicht. Doch diese Abwägung ist für Mitarbeiter nicht immer leicht. Was hilft: Sich in die Situation des Chefs hineinzuversetzen – und klare Absprachen zu treffen. Wie detailliert will der Chef informiert werden? Und wann? Reicht es, wenn er das Endergebnis erfährt – oder soll er immer auf dem Laufenden sein?

Schönes Wetter heute!

Normalerweise sitzt er in sicherer Entfernung am anderen Ende des Gangs  – doch jetzt steht er plötzlich in der Teeküche. Der Chef. Alleine. Mit mir. Für viele eine schwierige Situation: Was sage ich bloß? Auch wenn es sich um berufliches Terrain handelt: Ein privater Plausch ist in so einer Situation meistens eher angemessen als ein Gespräch über den Job. „Am unverfänglichsten ist es, wenn man den Chef ein Thema wählen lässt und dann darauf einsteigt“, sagt Jutta Betz, Business-Coach aus Wiesbaden. „Falls man selbst den Anfang machen muss sollte man bei allgemeinen Themen bleiben, bei der letzten Urlaubsreise zum Beispiel oder kleinen Erlebnisse vom Wochenende. Klassischer Smalltalk also: unterhaltend, aber nicht tiefgründig“.

Kommunizieren lernen

Klar: Reden können wir alle – aber richtig zu kommunizieren ist gar nicht so leicht. Viele Volkshochschulen bieten Kurse an,  in denen man sein Wissen und seine Fähigkeiten vertiefen kann; einen Überblick über die Angebote gibt es beim InfoWeb Weiterbildung. Und auch an der Uni kann man seine Soft Skills trainieren, zum Beispiel beim Career Service.

Wer das Ganze individuell angehen möchte (und das nötige Kleingeld hat) kann auch einen Coach engagieren. Adressen gibt es in der Coach-Datenbank und bei der International Coach Federation (ICF), Tipps für die Auswahl bei der Wirtschaftswoche und beim Harvard Business Manager. Worauf man beim Gespräch mit dem Chef achten sollte verrät ein Dossier [PDF] von business-wissen.de.

von Kerstin Deppe

(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich.)

Autor: Michael Scheuch

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Seit 1997 Reporter und Redakteur bei WISO. Autor der WISO-Dokumentationen"Die Ebay-Falle"(2008), "Die große Gier - Wie die Banken unsere Zukunft verspielen" (2009) und "Verirrt im Telefondschungel" (2010).
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